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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-02 · Heft 21 (2.5.1906) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 21 (2.5.1906)
Date
1906-05-02
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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entsprechend den Forderungen der rhetorischen Aesthetik zu gestalten und ihr doch gleichzeitig den jüdischen Charakter zu wahren. Mögen andere, die wir mit Recht auch als Zierden der jüdischen Kanzel verehren. Maybäum an allgemeiner Bedeutung für das Judentum oder an wissenschaftlichen; Ruhm überrage;;, er übertrifft sie alle durch die Beherrschung der Kunstform der jüdischen Predigt. Diese Sorgfalt in; Aufbau der Predigt, diese Kunst, das Thema interessant anszuführen und die Spannung des Hörers bis zun; lehren Augenblicke zu erhalten, diese Klarheit in der Disposition, diese wahrhaft edle, reine, von jeder Unkeuschheit und Alltäglichkeit ferne Sprache, -dies alles, verbunden mit einer auf profunder Kenntnis beruhenden Verlvertung des Bibelwortes und der Midrasch, das gehört ihn; und ihn; allein, das macht seine Eigenart ans, das gibt ihm Stellung und Vedentnng in der Geschichte der .jüdischen Kanzelredner. Diese Stellung und Bedeutung aber ist ihm nicht in den Schoß gefallen als Frucht einer mühelos und rasch arbeitenden Begabung, sondern sie ist in jahrzehntelanger treuer Arbeit an sich selber mühsam erkämpft und errungen worden. Der Jubilar ist nicht eigentlich ein Redner von Natur. Wie bei so manchem hervorragenden Manne ist auch bei ihn; der größte Teil seines Genies sein Fleiß. Am so mehr aber ehren ihn seine Leistungen, um so inniger haben wir ihm zu danken für die hingebende treue und rastlose Arbeit, durch die er seine Gaben zu so herrlicher Entfaltung gebracht, durch die er seiner Gemeinde der Spender zahlloser Stunden der Erhebung und edlen Genusses, ein glänzender Vertreter vor der Oeffentlichkeit bei feierlichen Anlässen, seinen Schülern das Vorbild einer edlen, echt jüdischen Beredsamkeit geworden ist. Um so inniger muß heute gegenüber dem an der Schwelle des Greisenalters stehenden Jubilar der Wunsch uns erfüllen: Möge seine Kraft ihn begleiten bis in ein spätes Alter, möge er kraftvoll blühen, gepflanzt im Vorhofe unseres Gottes, möge er nicht aufhören, Früchte zu spenden von der herrlichen Kraft, mit der sein Gott ihn begnadet, seiner Geuieinde zur Freude und zun; Segen, ihm selber und den Seinen zum Glücke und zur Befriedigung! l Sichtlich bewegt und tief ergriffen dankte der Jubilar den Gemeindebehörden, welche den heutigen Tag durch diese schöne Feier verherrlicht haben, den Amtsgenossen, die für seine Amtstätigkeit so überaus anerkennende Worte gesunden, den Gemeindemitgliedern, deren Erscheinen ihm ein willkommener Beweis sei für die Empfänglichkeit. die sie seinen Worten stets entgegengebracht hätten, vor allem aber Gott, der ihn aus kleinster Stellung zum höchsten Lehramt hat aussteigen lassen. Mit einem innigen Gebet zu Gott, ihn; auch fürder Schutz und Beistand zu sein, ihn nicht zu verwerfen zurzeit seines Alters, seinen; Worte die Kraft zu geben, die Herzen zu bewegen, seinem Geiste die Einsicht, zu raten, seinem Glauben die Innigkeit, zu trösten, und seiner Liebe die Geduld, zu versöhnen, beendete der Jubilar seine kurze Dankrede. Der vom Chor kraftvoll vorgetragene Psaln; 150 gab der Feier einen schöne;; und wirkungsvollen Abschluß; , dann folgte das übliche Abendgebet. Zu Ehren des Jubilars werden seine Schüler noch eisten Festkommers am nächsten Dienstag veranstalten. U. 8. Sech?rhntkr ordentlicher Gemeindetag des Verbandes der Synsgogrn-Grmkmdrn MMolens. Iserlohn, 20. Mai. nt er reger Beteiligung seitens der westfälischen Synagogengemeinden fand heute hier der 16. Gemeindetag unseres Verbandes statt. Etwa 60 Delegierte ans allen Teilen Westfalens nahmen an den Verhandlungen teil, deren Ergebnis in jeder Beziehung als ein hocherfreuliches bezeichnet werden darf. Der westfälische Verband hot aufs neue gezeigt, daß er nicht nur für die sozialen Aufgaben, die die Gegenwart uns stellt, ausgezeichnetes Verständnis besitzt, sondern auch für die Hebung und Förderung des Judentums tatkräftig zu wirken versteht. Eröffnet würden die Verhandlungen um 10 Uhr morgens durch den Verbandsvorsitzenden Herrn Flörsheim, der die Erschienenen mit herzlichen Worten begrüßte und auch den seit den; 1. März d. I. in seinen; neuen Wirkungskreise auckierenden^Rabbiner der Dortmunder Gemeinde, Herrn Dr. Jacob, willkommen hieß. Sodann wurden Herr Flörsheim-Dortmund zum Leiter der Verhandlungen. Herr Isidor Goldschmidt-Dortmundzum Stellvertreter, und die Herren Steinberg-Zserlohu, Katzenstein- Bielefeld und Dr. Kempenich-Dortmund zu Beisitzern gewählt; als Schriftführer fungierten die Herren Ostern;ann-Bochüm und Kauf;;; ann-Gelsenkirchen. Zn dem ersten Punkte der Tagesordnung lag der Bericht des Ausschusses über die Tätigkeit des Verbandes im 15. Geschäftsjahre gedruckt vor. Es ergibt sich aus dein Berichte, daß auch in diesem letzten Jahre der Verband außerordentlich segensreich gewirkt hat. Insbesondere hat er durch Einrichtung eines geordneten Religionsunterrichtes in leistuugsunfähigen Gemeinden wieder Hervorragendes geleistet. Aus den; Haushaltsvoranschlag pro 1906 07 sei erwähnt, daß auch in den; neuen Geschäftsjahre für Religionsunterricht 1700 Mark vorgesehen sind. lieber den folgenden Punkt der Tagesordnung: „Beitritt zum Verband der deutschen Inden" referierte namens des Ausschusses Herr Rabbiner Dr. C ob lenz - Bielefeld, der die seitherige ablehnende Stellungnahme des westfälischen Gemeindeverbandes zum Verbände der deutschen Juden eingehend begründete und schließlich den Anschluß an den Verband mit warmen Worten empfahl, unter gleichzeitiger Hervorhebung der Momente, die den Ausschuß des westfälischen Gemeindeverbandes zu seiner nunmehr zustimmenden Haltung gegenüber den; Verbände deutscher Juden bestimmt haben. Die Versammlung nah;;; den Antrag einstimmig an. Der nächste Punkt der Tagesordnung, der die Verhältnisse der M arks - H ain dörfischen Stiftung zum Gegenstand hatte, fand in außerordentlich erfreulicher Weise seine schnelle Erledigung. Die anwesenden Delegierten gaben fast alle namens ihrer Gemeinden die Erklärung ab, daß die Beiträge zur Stiftung auf Grund der Denkschrift, die das Kuratorium vor kurzem an die Gemeinden versandt hatte, zum Teil um recht wesentliche Beträge erhöht worden seien. , Die Sulnme der nntgeteilten Erhöhungen, in Verbindung mit der; von verschiedenen rheinischen Gemeinden und von anderer Seite bereits zugesicherten Erhöhungen ergab den Betrag, der zur Bestreitung der Kosten der Neueinrichtungen des Seminars gefordert worden war, ein Ergebnis, das von der Versammlung mit freudiger Genugtuung begrüßt wurde. Ueber die Errichtung einer Ferienkolonie in Bad Sassendorf referierten die Herren Flörsheim und Libenfeld, die in warmherziger Beredsamkeit für die Gründung der Ferienkolonie eintraten. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung mit Stimmenmehrheit, den Ausschuß zun; Ankauf des in Aussicht genommenen Grundstücks in Sassendorf zum Preise von 48 000 Mark zu ermächtigen. Gleichzeitig wurde der Ausschuß als Aktionskomitee gewählt, daß die weiteren Schritte zur Beschaffung des Baukapitals und zur Organisation der Ferienkolonie unternehmen soll. i Der Bericht über die Pensions lasse des Verbandes konnte kurz gefaßt werden. Der Referent, Herr Rabbiner Dr. Coblenz, konnte sich darauf beschränken, die in dieser Zeitung bereits mitgeteilte Tatsache zu wiederholen, daß die Pe.nsionskasse sich aufgelöst hat, nachdem deren Mitglieder in die „Pensionskasse der Kreise, Städte und anderer Korporationen in der Provinz Westfalen" und in die „WestfälischeWitwennndWaisenversorgungskasse" aufgenominen worden sind und dadurch das Anrecht auf Pension und Reliktenversorgung nach staatlichen Grundsätzen erlangt haben. Bei der llmwahl der Mitglieder des Ausschusses wurden die ausscheidenden Herren durch Akklamation wiedergewählt. Als Ort für den nächstjährigen Genreindetag wurde Minden bestimmt. Um 21/o Uhr nachmittags schloß der Vorsitzende die Verhandlungen mit den; Ausdruck der Befriedigung über die erfreulichen Ergebnisse der Beratungen. In unmittelbarem Anschluß an - den Gemeindetag fand die Generalversammlung des Vereins „Israelitisches Altersheini" statt, die sein Vorsitzender, Herr Dr. Ken;penich-Dortmund,. leitete. Nach dem Jahresbericht betragen die Einnahmen 16 344 Mark, die Ausgaben 9263,14 Mark, mithin verbleibt ein Ueberschns; von 7080,86 Mark. Bei der Umwahl des Vorstandes wprde an Stelle des Herrn Isidor Gold sch midt-Dortmund, der eine Wiederwahl ab-

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