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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-02 · Heft 21 (2.5.1906) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 21 (2.5.1906)
Date
1906-05-02
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 Geheimer Sanitätsrat Dr. Blumenthal. Rabbiner Dr. Blumenihal. Sanitätsrat Dr. Boas. Kommerzienrat Heinrich Eisner. Dozent Dr. I. Elbogen. Kommerzienrat Julius Martin Friedländer. Justizrat Dr. Eugen Fuchs. Professor Dr. Ludwig Geiger. Geheimer Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger. Hügo Heilmann. Geheimer Kommerzienrat Emil Jacob. Professor Dr. S. Kalischer. Dr. Gustav Karpeles. Generalkonsul Eugen Landau. Benas Levh. Willibald Loewenthal. Moritz Manheimer. Rudolf Mosse. C. L. Netter. Emil Pincus. Heinrich Rothenstein. Ludwig Ruß. Louis Sachs. Justizcat Dr. Seligsohn. James Simon. Justizrat Dr. H. Veit Simon. Justizrat Tjmendorfer. Stadtrat Dr. Max Weigert. I. Weinberg. Max Weiß. Hierauf folgten nun das Komitee der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, die Dozenten, die gegenwärtigen und ehemaligen Hörer dieser Hochschule, um dem geliebten und gefeierten Lehrer der Homiletik ihre Glückwünsche darzubringen. Für das Kuratorium sprach Herr Iustizrat Veit Simon, für die Dozenten Dr. I. Elbogen. für die gegenwärtigen Hörer cand. Phil. Salomonski, für die ehemaligen Rabbiner Dr. Blumenthal-Berlin. Einen besonderen Eindruck hinterließ die Rede, mit der Herr Professor Dr. Geiger namens des Talmud-Thora- und Schulvorstandes der Berliner Gemeinde die Verdienste feierte, die sich Dr. Maybaum um diese Institution erworben hat. Für den Hilfsverein der deutschen Juden gratulierte Herr James Simon,, für die Lehrerbildungsanstalt Direktor Dr. Holz mann, für die Taubstummenanstalt in Weißensee Direktor Reich, für das Kinderheim Rechtsanwalt Arndt. Hieran schlossen sich noch Deputationen des Waisenhauses Pankow, der Darlehnskasse, der Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, u. v. a. m. Besonders bemerkt wurden zwei Gratulanten: Prediger Dr. Mi Levin von der Reform gemeinde und Dr. Hirsch Hildesheimer. Es kennzeichnet dies die Bemühungen, die der Jubilar sich um die Herstellung der unter den gegenwärtigen Verhältnissen so notwendigen Einigkeit unter den verschiedenen Parteien innerhalb des deutschen Judentums erworben hat. Erst in später Nachmittagsstunde war die lange Reihe der Deputationen beendet. Dann wurde der Jubilar vom Gemeindeältesten Iustizrat Timendorfer und dem Repräsentanten Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn im Wagen zur offiziellen Feier der Gemeinde abgeholt, welche in der Neuen Synagoge in Verbindung mit dem Sabbatgottesdienst stattfand. Im Trauungssaal der Synagoge wurde der Jubilar vom Gemeindevorstand und der Repräsentanz empfangen. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Julius I a c o b y, hielt hier eine kurze Begrüßungsansprache, während der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Louis Sachs, folgende Adresse der Gemeindebehörden verlas: „Hochverehrter Herr Professor! Jur Anblick der geweihten Stätte Ihres Wirkens sprechen wir Ihnen, hochverehrter Herr Professor, Gruß und Glückwunsch aus an dem Tage, da Sie zurückschauen auf ein Vierteljahrhundert gesegneter Tätigkeit als Rabbiner unserer Gemeinde. Nicht nur für unsere engere Gemeinschaft ist dies ein Festtag, sondern weit über ihre Grenzen hinarrs reicht das Gefühl dankender Verehrung, das Ihnen entgegengebracht wird und dem Ausdruck zu geben wir heut berufen sind. Bewundern wir doch in Ihnen den begeisterten Prediger, "D^^der das Gotteswort in unvergleichlicher Klarheit und Schönheit verkündet und'ihm den Weg öffnet zum Herzen der Gemeinde, den Meister, der seines Lichtes teilhaftitz werden läßt Scharen von Jüngern und den Pfad weist den Lehrern unserer heiligen Religion, dem tiefen Kenner des jüdischen Schrifttums, der mit der Fackel der Erkenntnis hineingeleuchtet hat in die uralten Geistesstätten der Priester und Propheten. Möge es Ihnen noch viele Jahre vergönnt sein, wie bisher lichtverbreilend zu wirken und nach dem Worte des Psalmisten: 8oraob deebausebeeli aur lajeschorim, als eine Leuchte im geistigen Dunkel den Frommen zu erstrahlen! Möge Ihnen an der Seite Ihrer verehrten Gattin noch lange Glück und Heil beschieden sein, Ihrem Hause, unserer Gemeinde und dem Judentum zum dauernden Segen!" Inzwischen setzte in der festlich erleuchteten Synagoge, welche, besonders am Almemor, aufs reichste mit frischen Blumen geschmückt und bis auf den letzten Platz gefüllt war, die Orgel mit einem Präludium ein, und unter den Klängen des Na tauwu erfolgte nunmehr die feierliche Einführung des Jubilars durch den Mittelgang des Gotteshauses. Unter Vorantritt seiner sieben Amtskollegen wurde der Jubilar von den Herren Julius Jacobh und Louis Sachs zum Almemor geleitet, während die übrigen Mitglieder des Gemeindevorstandes wie der Repräsentanz, die fast vollzählig zur Stelle waren, den Schluß des Zuges bildeten; von auswärtigen Rabbinern hatten sich Rabbiner Dr. Vogel stein-Stettin, der langjährige vertraute Freund des Maybaumschen Hauses, und dessen in Königsberg amtierender Sohn dem Ehrengeleite angeschlossen. Auf der linken Seite des Allerheiligsten, auf festlich geschmücktem Sessel, nahm der Jubilar Platz, ihm zur Seite die beiden Vorsitzenden der Gemeindebehörden und die dienstältesten Amtskollegen Rabbiner Dr. Rosenzweig und Dr. Stier, während die übrigen Amtsgenossen zur rechten Seite des Almemors saßen. Kantor S ch m a l. rezitierte nunmehr die Gebete für den Eingang des Sabbats, in welche einige .Gesangseinlagen neu eingefügt waren, mit sonorer Stimme und schönem Vortrag; dann setzte der unter Leitung des Kapellmeisters Kellermann stehende Chor mit Psalm 100 ein. Hierauf nahm im Aufträge der Gemeindebehörden Rabbiner Dr. Rosen zweig das Wort, um in dieser festlichen Stunde zu künden, was der Jubilar der Berliner Gemeinde geworden und gewesen ist. Er wies in seiner Ansprache darauf hin, daß das Wort des Propheten: „Der ewige Gott gab mir eine redegewandte Zunge, daß ich erquicke die Müden. Er weckt mich am Morgen, an jedem Morgen weckt er mich, daß ich höre das Wort der Lehre," wie für alle Lehrer in Israel, so auch für den Jubilar wegweisend geblieben ist. Der Redner erinnerte an die Zeit des Dienstantritts des Jubilars, jene Zeit, wenige Jahre nach der Einigung Deutschlands, wo es galt, für das Judentum den Boden zu schaffen für den Bau künftiger Zeiten und eine Brücke zu schlagen aus der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft. In dieser Zeit trat Maybaum, mit rabbinischem wie mit modernem Wissen ausgerüstet, mit einem seinen Blick für die Zeit und deren Forderungen, sein Amt an. Mit der Kraft seines Wortes hat er gekündet die Botschaft aus alten Zeiten, mit prophetischer Begeisterung hat er gekündet Israels völkergeschichtlichen Beruf. Mit mutiger Ueberzeugung ist er stets für die Wahrheit eingetreten. mit Kraft und Eifer hat er die Fortentwicklung unseres Glaubenslebens verfochten. Dadurch hat er sich nicht nur zur Zierde der Kanzel erhoben, sondern auch einen Namen sich geschaffen, der weit über das Weichbild unserer Gemeinde hinaus Bedeutung und Anerkennung gefunden hat. Mit innigem Dank an die Sachwalter der Gemeinde für die heutige Feier, die nicht nur für den Jubilar, sondern auch für alle, die im Dienste der Gemeinde stehen, eine Stunde der Erhebung sei und sinkende Kraft und neuen Mut wecke, und mit dem über den Jubilar ausgesprochenen Segen schloß der Redner. Nun bestieg Rabbiner Dr. Warschauer, ein Schüler des Gefeierten, die Kanzel, um als einer der Vertreter des jüngeren Rabbinergeschlechts in dem Jubilar den Lehrer und Führer zu feiern, im Namen der Schüler ihm zu danken für das, was er ihnen im Lehrhause wie m Gotteshause gegeben, für die empfangene Belehrung und Ausbildung aber zugleich auch der Berliner Gemeinde zu danken, in welcher und durch welche der Jubilar in der Lösung der großen und bedeutsamen Aufgabe zu dem anerkannten Meister der Beredsamkeit herangewcrchsen ist. Er hob hervor, daß ein Vergleich der Erstlingsarbeiten Maybaums in Berlin mit ausgereiften rednerischen Erzeugnissen der letzten Jahre deutlich die hoch ansteigende Entwicklung erkennen lasse, welche in den 2l/.2 Jahrzehnten seiner hiesigen Wirksamkeit sein rednerisches Können genommen, wie die reichen Erfahrungen an so bedeutsamer Redestätte ihn zu einer Ausgestaltung der Theorie der Beredsamkeit führten und ihn zum Schöpfer der ersten jüdischen Homiletik machten, deren Grundgedanken den Schülern in vollendeten Leistungen vorzuführen wiederum ihm die Praxis die Gelegenheit geboten habe. Er wies darauf hin, daß Maybaum geradezu in der vordersten Reihe der Männer steht, welche die neu aufblühende jüdische Redekunst von ihren Vorbildern, der Rhetorik des klassischen Altertums und der Beredsamkeit der Kirche, frei gemacht und die Aufgabe gelöst haben, die Verkündigung des Gotteswortes

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