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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-02 · Heft 21 (2.5.1906) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 21 (2.5.1906)
Date
1906-05-02
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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hätte. Die „Auskunstsstelle für jüdische Auswanderer nach Südamerika und den Südstaaten der Union" wandte sich an die argentinische Gesandtschaft in Berlin mit einem Schreiben, in dem hervorgehoben wurde, daß zu einer Zeit, in der unsere Glaubensgenossen aus Rußland in größerer Zahl sich Argentinien zuwenden, deren Einwanderung dem Lande nur die größten Vorteile bringen kann, da sich die russischen Juden erfahrungsgemäß stets als nützliche, die Wohlfahrt und die Kultur des Landes fördernde Staatsbürger erwiesen haben, eine Maßregel, wie die oben erwähnte, geeignet sei, die Einwanderung derselben nach Argentinien zu hemmen. Darauf ist nun folgendes Schreiben des argentinischen Gesandten und bevollmächtigten Ministers in Berlin, Dr. Jndalecio Gomez, an die Auskunstsstelle gelangt: Berlin, 9. Mai 1906. .Sehr geehrte Herren! Ich kann Sie versichern, daß die Regierung der Argentinischen Republik keine einzige Vorschrift erlassen hat gegen die Freiheit irgendeines Einwohners ihres Landes, die ihn an der freien Ausübung seines Kultus verhindern könnte, sei er auch, wer er sei, insofern er nicht gegen die Ordnung und die öffentliche Moral verstößt. Sollte sich irgend jemand ungerechterweise behindert fühlen an der freien Ausübung seiner Religionspflichten, so kann er mit Vertrauen auf Erfolg an die Föderaljustiz appellieren, welche ohne Zweifel sofort das Hindernis beseitigen wird. Ich begrüße Sie, meine Herren, aufrichtig und zeichne Dr. Jndalecio Gomez, Gesandter der Argentinischen Republik. So ganz aus den Fingern gesogen wird sich der Berichterstatter wohl nicht die Nachricht haben. Und man muß nun abwarten, was auf das Schreiben des argentinischen Gesandten geantwortet werden wird. * Die Gastfreundschaft, welche man Jacob H. Schiff aus Newyork und seinen mit ihm reisenden Freunden in Japan entgegenbringt, übersteigt alle Erwartungen. Herr Schiff wurde, wie bereits gemeldet, gleich am zweiten Tage seiner Ankunft vom Kaiser in außerordentlicher Privataudienz empfangen und von diesem mit dem Orden der ausgehenden Sonne dekoriert. Zu dem darauf folgenden Dejeuner waren neben verschiedenen Prinzen und Ministern auch die Spitzen der hiesigen Bankwelt zugezogen. Bekanntlich hat die Newyorker Firma Kuhn, Loeb u. Co., deren Seniorchef Herr Schiff ist, den größten Teil der Anleihen Japans übernommen. Es soll hier der erste Fall vorliegen, daß Privatleute zur kaiserlichen Tafel geladen worden sind. Herr Schiff äußerte sich über den Eindruck, den er bisher erhalten hat, dahin, daß das Volk im allgemeinen sehr zielbewußt vorgeht und daß die Regierung vorzüglich organisiert ist. Inwieweit Japans Hilfsquellen gehen, entziehe sich vorerst seiner Beurteilung; es will ihm; scheinen, als ob die Industrie und deren weitere Entwicklung in der Zukunft die bedeutendste Basis für die Prosperität des Landes liefern müffe, und daß Japan für deren Förderung speziell die Mandschurei und Korea, wie auch China mit seinen großen natürlichen Hilfsquellen tributär zu machen versuchen werde, was ihm auch gelingen dürfte. Vielleicht ist es dann auch möglich, den unglücklichen, aus ihrer Heimat vertriebenen russischen Juden dort irgendwo ein Asyl zu erschließen. Zum Schaden würde das der Industrie jener Länder sicher nicht gereichen. Aus der örrlmer Gemeinde. Berlin. 20. Mai. s war ein denkwürdiger Tag, an dem die Berliner Gemeinde das 25jährige Jubiläum ihres Rabbiners und Predigers, des Herrn Professor Dr. S. May bäum, gefeiert hat. Schon der frühe Morgen brachte dem Jubilar Ehrungen in reicher Fülle in Fornr von Blumenspenden. Gratulationen, Depeschen usw. Um 10 Uhr erösfnete das Rabbinat den Reigen der gratulierenden Deputationen. Dr. Rosenzweig hielt eine Ansprache, in der er den Gefühlen Ausdruck gab, die die Amtsbrüder für ihren ältesten Kollegen an diesem Tage empfinden. Hierauf folgten der Rabbinerverband für Deutschland, sür welchen Dr. Eschelbacher sprach, sodann die liberale Vereinigung des Rabbinerverbandes, in deren Namen Dr. Vogelstein-Stettin, der intimste Freund des Jubilars, in herzlichen und bewegten Worten denselben begrüßte. Nach dem Rabbinat kam die Gemeinde und zwar zuerst das Komitee, das zu Ehren des Jubilars sich aus den angesehensten Männern unserer Gemeinde gebildet hatte; der Vorfitzende dieses Komitees hielt eine Ansprache, in der er in kurzen Worten die Bedeutung Mahbaums für die Berliner Gemeinde und darüber hinaus für das deutsche Judentum feierte und eine Adresse sowie eine ansehnliche Ehrengabe überreichte, die zu einer Maybaum-Stiftuttg verwendet werden soll. Die Adresse des Komitees hat folgenden Wortlaut: Hochwürdiger Herr Rabbiner! Mit inniger Freude begrüßen wir den Anlaß Ihres 25jährigen Amtsjubiläums in unserer Gemeinde, um Ihnen an diesem bedeutungsvollen Tage Ihres Lebens unsere Verehrung und Dankbarkeit auszusprechen: unsere Verehrung für das,'was Sie im Reiche des Geistes geschaffen, unsere Dankbarkeit für all die Liebe und Fürsorge, die Sie unserer Gemeinde geweiht haben. Seit 25 Jahren schaffen und wirken Sie mit heiligem Eifer, mit nie ermüdender Tatkraft, mit einer seltenen Begabung für unsere Gemeinde, aber schon seit 35 Jahren stehen Sie arbeits- und opferfreudig im Dienste der Idee, der Sie Ihr ganzes Leben gewidmet haben. Ihre Verdienste um die Hebung und Veredelung der Glaubensgemeinschaft durch die Predigt bilden ein wichtiges Blatt in der Kulturgeschichte des deutschen Judentums. Mit hoher Begeisterung, mit inniger Empfindung, wußten Sie in jeder Feierstunde, in Freud und Leid, die Geister zu erheben, die Gemüter zu trösten, tief in die Herzen einzudringen, und in ihnen Stimmungen auszulösen, welche die Liebe zum Judentum und die Begeisterung für unser uraltes Bekenntnis in lausenden von neuem erweckten. Als ein kühner Forscher haben Sie aber auch allezeit das Banner der Lehre Israels unserer Glaubensgemeinschaft vorangetragen und diese in Wort und Schrift mit den erhabenen Gedanken zu erfüllen gesucht, welche Sie aus den alten Geistesschätzen Israels herausgehoben, in das Gewand der neuen Zeit gekleidet und mit dem allgemeinen Menschheitsgedanken ausgeglichen haben. So sind Sie der weise Führer, der treue Hirte unserer Gemeinde, der Bildner und Erzieher unserer Jugend ein Vierteljahrhundert hindurch, und reicher Segen ist aus Ihrem hohen Wirken, aus Ihrer großen Lebensarbeit sür unsere Gemeinschaft hervorgegangen. Es erscheint uns an diesem Tage als eine heilige Pflicht, dies mit freudiger Genugtuung, mit innigen! Danke anzuerkennen. Als einen geringen Zoll dieses Dankes erlauben wir uns, Ihnen heute eine Ehrengabe mit der Bitte zu überreichen, diese nach Ihrem Ermessen verwenden zu wollen. Möge der Allgütige, dessen Ruhm und Preis Ihre hinreißende Rede immerdar verkündet, Ihnen ein langes Leben in Frische.des Körpers und des Geistes gewähren, damit es Ihnen vergönnt sei. noch viel Ersprießliches und Bedeutendes auf dem Gebiete zu wirken, auf dem Sie heute mit allen Ihren Schülern und Verehrern die ganze jüdische Welt als Meister begrüßt. Genehmigen Sie, hochwürdiger Herr Rabbiner, die Versicherung unserer dankbaren Verehrung.

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