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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-18 · Heft 20 (18.5.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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erschienen. 1904 betrug die Anzahl der Kinder, die den Kindergarten besuchten, 60. Wegen der engen Räumlichkeiten war es seitens der Behörden untersagt, mehr Kinder -aufzunehmen. Die durchschnittliche Frequenz war in den beiden letzten Jahren etwas höher als früher. Im Februar 1904 hat die Verwaltung einstimmig beschlossen, ein . Grundstück zu dem Preise von 60 000 Mark anzukaufen, um daraus ein den Anforderungen der Hygiene entsprechendes Gebäude für den Kindergarten zu errichten. Ermöglicht wird ihm dies durch die Familie Rothschild. Nachdem schon vor‘ l1^ Jahren Freifrau Wilhelm von Rothschild 20 000 Mark für den Bau gespendet hatte, haben im vergangenen Jahre Herr Generalkonsul von Goldschmidt-Rothschild 10 000 Mark und Frau Baronin Edmund von Rothschild in Paris 15 000 Mark zum Ankauf eines Hauses zur Verfügung gestellt. Ohne diese Gaben wäre es nicht möglich gewesen, an einen Neubau zu denken. Auch das Jahr 1905 zeigt eine günstige Entwicklung des Instituts. Die Anzahl der Kinder betrug 60, die Durchschnittsfrequenz 58. Die Einnahmen betrugen Mark 15 195,72 Mark, dieAusgaben 14 563,94 Mark. — Karlsruhe, 11. Mai. Das von der Religionskonserenz des Oberrates im Laufe des letzten Jahrzehnts bearbeitete Gebetbuch mit deutscher Uebertragung (rechts hebräisch, links deutsch) wird demnächst zur Ausgabe gelangen. Den Eingang des ungefähr 40 Bogen (über 600 Seiten) starken Buches bilden unter der Ueberschrist „Gedenke dieser Worte!" die vollständigen zehn Gebote, ferner Sätze aus Bibel, Talmud und nachtatmudischem Schrifttum über Gebet und Andachtdie Gebete beim Anlegen von Tattith und Tefillin sowie das übliche Morgengebet für Kinder. Der weitere Inhalt des Buches zerfällt in folgende, durch Unterabteilungen übersichtlich gegliederte Hauptabschnitte: I. Einleitende Gebete. II. Morgengottesdienst für alle Tage. III. Nachmittags- und Abendgottesdienst für Werktage. IV. Sabbatvorabend-Gottesdienst. V. Sabbatvormittags- Gottesdienst. VI. Sabbatnachmittag-Gottesdienst (Uebersehung der Sprüche der Väter in systematischer Anordnung). VII. Gottesdienst für Sabbatausgang. VIII. Gottesdienst für werktägliche Neumondstage. IX. Gottesdienst für Befreiungsfest, Offenbarungsfest und Hüttenfest (auch Pijutim — darunter solche von Juda Halevi, Abraham ibn Esra, Josifja — sowie sämtliche festtägliche Pentateuch- und Prophetenabschnitte und die Seelenfeier enthaltend). X. Gottesdienst für das Weihesest. XI. Gottesdienst für das Losefest. XII. Gottesdienst für den Geburtstag des Kaisers und des Landesherrn. XIII. Herkömmliche Gebete bei verschiedenen Anlässen, des täglichen Lebens. XIV. Gebete auf dem Friedhofe und in der Trauerwoche (auch Gebete beim Besuch der Gräber von Verwandten und Befreundeten sowie bei Errichtung eines Grabdenkmals enthaltend). XV. Gebete und Psalmen zur freien Wahl für die Privatandacht. (1. Für Kinder. 2. Für Erwachsene.) XVI. Gebote und Lehren (über 200 unter entsprechenden Ueberfchriften systematisch geordnete, die Glaubens- und Sittenlehre des Judentums darstellende Kernsprüche aus Bibel, Talmud und nachtalurudischem Schrifttum). XVIO Lieder (Texte deutscher Gesänge, welche nach den gemachten Erhebungen in badischen und außerbadischen Gemeinden von Synagogenchören vorgetragen werden.) Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, dem ein Verzeichnis der in dem Bande enthaltenen 77 Psalmen beigesügt ist, erleichtert dessen Gebrauch. Das Buch ist in handlichem Klassikerformat unter Verwendung glatten, haltbaren Papiers hergestellt und wird ganz in Leinwand gebunden. Ueber die Einführung des neuen Gebetbuches wird die' im Jahre 1907 zusammentretende Synode zu beschließen haben. Nach der Bekanntmachung des Oberrats vom 26. Oktober 1903 soll aber das Werk, sobald es fertiggestellt ist, veröffentlicht und den weitesten Kreisen Gelegenheit gegeben werden, sich darüber ein Urteil zu bilden, bevor es an die Synode gelangt. Um dementsprechend jedermann die Prüfung und Beurteilung zu ermöglichen, kann das Buch für Angehörige der Landessynagoge zu dem Vorzugspreise von 90 Pfennig für das gebundene Exemplar van dem Sekretariate des Großherzoglichen Oberrats portofrei bezogen werden. Gesterretch-Nngsrn. A Wien, 14. Mai. Die erste empfindliche Wahlniederlage der Antisemiten brachten die am letzten Mittwoch vollzogenen Gemeinderatswahlen des vierten Wahlkörpers; sie zeigen den Allfang des Niedergangs der antisemitischen Parteiherrschast in Wien. Den Sozialdemokraten gelang es trotz der intensivsten Agitation der herrschenden Machthaber, nicht nur die in ihrem Besitze befindlichen drei Mandate der Bezirke Favoriten, Ottakring und Floridsdorf zu behaupten, sondern noch vier andere in den Bezirken Margarethen, Meidling. Rudolssheim und Brigittenau hinzu zu erobern. Sie haben damit ein Drittel der zur Besetzung gelangenden Mandate gewonnen und ein achtes Mandat, das von Simmering, wurde nur mit einer geringen Stimmendifferenz verloren. Und an diesen Wahlsiegen haben die Juden gar keine Schuld; denn sie beteiligten sich fast gar nicht an der Wahl. —- Wie ich höre, hat Herr Theodor Ritter v. Taus sig, der für die letzte russische Anleihe so energisch eingetreten ist, sein Amt als Gemeindevorsteher nunmehr niedergelegt. — Biel besprochen wird hier die dieser Tage stattgehabte Taufe des Redakteurs des „Neuen Wiener Tageblattes", Adolf Gelber, der vor nicht zu langer Zeit noch in jüdischen Blättern mit Aufsätzen paradierte, aus denen mit jeder einzelnen Zeile ein „guter Jude von nationaler Gesinnung" zu den Lesern sprach. — Bei den ungarischen Parlamentswahlen sind bisher folgende Glaubensgenossen gewählt worden: Dr. S. Bakonyi in Debreczin, Dr. B. Barta (Felvidek), Dr. S. Farkashäzy (Elesd), Dr. S. Kelemen (Szatmar), Dr. A. Leitner (Miskolez), W. Mesöfi (Szegvür), Dr. I. Molnar (Szentes), Dr. A. Rajk (Baja), P. Szandor (Budapest), M. Szatmari (Margitta), Dr. A. Somogyi (L. Sz.-Miklos), Dr. V. Vaszonyi (Budapest), ferner Dr. E. Brody (Nagy-Szöllös), Dr. L. Fried (Munkacs), L. Hirtenstein (M. Kaszonh), Dr. I. Markbreit (Vizakna) und Dr. M. SLgh (Zsolna). Von diesen insgesamt 17. jüdischen Abgeordneten gehörten die erstgenannten 12 bereits dem vorigen Parlament an, die übrigen fünf sind neugewählt worden. Der Parteistellung nach gehören 11 der Unabhängigkeits- (Kossuth-), 1 der Verfassungs-, 3 der demokratischen, 1 der sozialistischen Partei an, 1 ist parteilos. Dr. Soma Visontay, der in seinem bisherigen Wahlkreise (Gyöngyös) unterlegen ist, hat Aussicht, in Uughvar gewählt zu werden. Das vorige Parlament zählte 21 jüdische Abgeordnete. Sehr schlecht ist es einem getauften Kandidaten gegangen. Der Mann heitzt Dr. Belau Landauer und hat sich erst vor einigen Jahren getauft, um sich die Beamtenkarriere zu erleichtern. Er begann diese als Staatsbeamter in Sarajevo, wurde später Unternotar des Honter Komitates und hat es nun zum Abgeordnetenkandidaten der antisemitischen Volkspartei gebracht. Er hat die Absicht, Csaktornya mit seiner Landesvaterschaft zu beglücken. Die Csaktornyaer Wähler scheinen aber nicht allen Sinn für Moral und guten Geschmack verloren zu haben, denn als der jüdische Antisemit behufs Abhaltung seiner Kandidatenrede in Csaktornya erschien, wurde er mit Steinwürfen und Eiergeschossen empfangen, so daß er unverrichteter Dinge wieder abziehen und sich zu seinen „heiligen Vätern" versammeln mußte. — In der letzten Generalversammlung der Budapester Gemeinde wurde einstimmig beschlossen, dem Rabbiner Dr. Samuel Kohn anläßlich seines 40jährigen Rabbinerjubiläums den Titel eines Oberrabbiners zu verleihen. An Stelle Prof. Dr. Ignaz Goldzihers wurde Rabbiner Dr. Julius Weißburg zum Sekretär der Gemeinde gewählt. An Stelle des Hofrats Siegmund Kohner, der sein Amt niedergelegt, sollte das Magnatenhausmitglied Sigmund Kornfeld zum Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde gewählt werden. Dieser hat jedoch auf das Bestimmteste erklärt, daß er die Stelle nicht annehmen könne, da er nicht über soviel Zeit verfügt, als ein so verantwortungsvoller Posten erheischt. Dagegen würde er, falls Dr. Philipp Weinmann zum Präsidenten gewählt wird, die Stelle eines Vizepräsidenten gern annehmen und als Auszeichnung betrachten. Vvn Ksh und fern. Professor Dr. Jutrosinski. der in weiten Kreisen bekannte Direktor des Reichenheimschen Waisenhauses, tritt nach 34jähriger segensreicher Tätigkeit in den Ruhestand. Am 9. d. M. vereinigtell sich in den.Festräumen der Gesellschaft der Freunde die ehemaligen Zöglinge uüd Lehrer zu einer Abfchiedsfeier, an der auch Vertreter des Kuratoriums und des Vorstandes der jüdischen Gemeinde teil* nahmen. — Die Sammlungen der ^Manee Israelite Universelle für die notleidenden marokkanischen Juden haben bis zum 10. d. M. 25 400 Francs ergeben. Hiervon sind 6100 Francs von der Deutschen Konferenzgemeinschast der Alliance beigesteuert

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