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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-18 · Heft 20 (18.5.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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' ' ■ " —ßMWWM^WMWMBi.'>^^WW^HM - 2 —- Versammlung des Verbandes der deutschen Juden statt gesunden, in welcher Herr Goldschmidt den Verband vertreten hat. — Am 24. September 1905 beging der Mitbegründer des Verbands, Herr Gemeinderabbiner Dr. Feilchenfeld, die Feier seiner 50 jährigen Amtstätigkeit. Der Verband richtete an den Jubilar eine Adresse, in welcher ihm für die Förderung der Aufgaben des Verbandes, insbesondere für die von ihm eingerichtete und hingebungsvoll geleitete Ausbildung von Kultusbeamten, gedankt und die Glückwünsche des Verbandes zum Ausdruck gebracht wurden. Der Jubilar dankte schriftlich dem Verband und erwiderte die Segenswünsche. Der Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden übersandte eine von ihm gesertigte Denkschrift zum Entwurf eines Gesetzes betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen. — Von den betreffenden Bezirksrabbinaten sind die diesbezüglichen Berichte eingefordert worden. An der Ausbildung zu Kultusbeamten haben im Berichtsjahre fünf Kandidaten teilgenommen, von denen einer dieser Tage die Reifeprüfung bestanden hat und eine Stelle anzunehmen bereit ist. Die hier ausgebildeten Kultusbeamten haben alle Anstellungen mit auskömmlichem Gehalt gesunden. Zwei genügen zurzeit ihrer Militärpflicht. E s empfiehlt sich, daß die Gemeindevorstände, sobald die Stelle eines Kultusbeamten in ihrer Gemeinde vakant wird, dies der Verbandsleitung anzeigen. — Infolge eines Ansuchens des deutsch-israelitischen Gemeindebundes hat das Mitglied des diesseitigen Verband-Ausschusses Herr Alfred Markus - Pinne Erkundigungen darüber eingezogen, ob im Verbandsbezirk archivalisches Material von Gemeinden, welche sich aufgelöst haben oder in der Auflösung begriffen sind, vorhanden ist, damit es dem Gesamtarchiv der deutschen Juden in Berlin zugeführt werden kann- — Die Verbandsleitung hat auch im Berichtsjahre, soviel es il)tc bescheidenen Mittel gestatten, dafür gewirkt, daß die religiösen Einrichtungen und der Religionsunterricht in den Verbandsgemeinden gefördert werden. Die von dem Verbände herbeigeführten Anschlüsse kleiner Gemeinden an Rabbinatsgemeinden haben sich, wie die vorgelegten Berichte ergeben, sehr segensreich erwissen. Zurzeit bestehen die Bezirksrabbinate Samter-Obernik, Pinne-Neustadt l. P., Schrimm- Santomischel—Hions, Grätz-Buk—Neuto mischet, Wreschen-Schwersenz. Weitere zwei Bezirksrabbinate dürften demnächst zustande kommen. Die Jahresrechnung pro 1905 wurde geprüft, richtig befunden und die Entlastung ausgesprochen. — Sodann wurde der Etat pro 190b in Einnahmen und Ausgaben mit 2416,31 Mark festgestellt. — Da der Referent Herr Rabbiner Tr. Ltzwin-Wreschen durch Unwohlsein verhindert wah der Versammlung beizuwohnen, hat er das Referat schriftlich erstattet, welches vorgelesen wurde. — Es folgte sodann die Bewilligung von Subventionen zur Förderung des Religionsunterrichts und zu den Kosten der Bezirksrabbinate. — Zu Ausschußmitgliedern auf zwei Jahre wurden die Herren Justizrat Salz-Posen, Geheimrat Herz-Posen, M. Werner-Posen,. Lippmann-Buk wieder-, und die Herren Rechtsanwalt Goldschmidt-Ostrowo, S. Goldschmidt-Lissa nem gewählt. — Anfchließeüd fand eine Sitzung des Ausschusses des Verbandes der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen statt und wurden zum Verbandsvorsteher Herr Ignatz Goldschmidt, zum stellvertretenden Verbandsvorsteher Herr Justizrat Salz, zum Kaffensührer Herr Silberberg-Posen gewählt. In der Generalversammlung des Verbandes waren folgende Gemeinden vertreten: Buk durch Herrn Lippmann, Grätz durch Herrn Rabbiner Dr. Friedmann, Koschmin durch Herrn Rabbiner Dr. Heppner, Koschin durch Herrn Lehrer Hermann Wolff-Posen, Pinne durch Herrn Alfred Markus, Posen durch die Herren Ignaz Goldschmidt. Gemeinderabbiner Dr. Feilchenfeld, I. Scheffel, M. Werner, Justizrat Salz, Rawitsch durch Herrn Justizrat Breslauer, Schmiegel durch Herrn Muscat, Schwersenz durch Herrn Lehrer Grünfeld. n. Breslau, 6. Mai. Vor kurzem erschienen die Jahresberichte der hiesigen Religionsunterrichtsanstaltem Dem Bericht der Neligionsunterrichtsanstalt 1 (Dirigent Herr Dr. Rosenthal) geht ein Aufsatz des Herrn Rabbiner Dr. Deutsch voran über „Die Häufung der Synonyma, eine Schwierigkeit beim Uebersetzen der Gebetes indem der Verfasser in dankenswerter Weise eine Anleitung gibt, wie der Lehrer und der Lernende ganz gut die Schwierigkeiten überwinden kann, die sich in der Häufung gleicher Ausdrücke beim Uebersetzen unserer Gebete ergeben. Besucht wurde die Schule von 384 Schülern und 222 Schülerinnen, zusammen 606 Kindern. In diesem Jahr ist auch für die Knaben ein Fortbildungskursus eingesührt worden, wie er bei den Mädchen schon längere Zeit besteht. Unter anderem wird auch mitgeteilt, daß der Vorstand der Gemeinde mit Beginn des neuen Schuljahres eine nicht unbedeutende Aufbesserung der Lehrergehälter eintreten läßt, dann folgt der Bericht über die durch genommenen Pensa. Der Bericht der Anstalten II und III (Dirigent Herr Dr. Guttmann) bringt nur eine kurze Uebersicht der beschäftigten Lehrer und der durchgenommenen Pensa. Anstalt II wurde von 396 Kindern besucht (244 Knaben und 152 Mädchen). Anstalt 111 wurde von 51 Kindern besucht (31 Knaben und 20 Mädchen). R. Osnabrück, 8. Mai. Hier fand gestern die Fertigstellung des Rohbaues der neuen Synagoge statt, und man hat mit den reichen inneren Arbeiten nunmehr begonnen. Der ganz in Hausteinen ausgeführte romanische Bau macht auf den Beschauer einen vornehmen und erhebenden Eindruck. Der mächtige Mittelbau, von einer großen Kuppel bekrönt, überragt die Seitenflügel fast um das Doppelte- Das große Gewölbe, welches den Hauptraum überspannt, hat in der Mitte eine eigenartige, charakteristisch angeordnete, rundlaufende Fenstergalerie, durch welche der Hauptraum außer seinem seitlichen Lichte direktes Licht von oben erhält. Den Eindruck des Erhabenen erhöhen noch ganz besonders die hoch über dem „Allerheiligsten" angeordneten 80 Sängerplätze. Die nicht leichten Verhältnisse der Anordnung, herborgerufen durch die Orientierung des „Allerheiligsten" nach Osten, sind glücklich gelöst worden, und ist letzteres so angelegt, daß auch die Akustik in dem großen Jnnenraume eine gute sein wird. Das ganze groß angelegte und gut durchdachte Gotteshaus wird ein wahres Schmuckstück werden, und hat der Erbauer desselben, Baumeister Münchhausen aus Köln, nicht allein der israelitischen Gemeinde eine künstlerische und stilgerechte Synagoge erbaut, sondern auch die monumentalen Gebäude der Stadt Osnabrück um ein hervorragendes Bauwerk vermehrt. In kurzem wird die Synagoge eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden. B. N.-Marsberg, 10. Mai. Ein Leichenzug, so groß, wie er in hiesiger Stadt noch selten gesehen wurde, bewegte sich gestern zum jüdischen Friedhof. Es galt die irdischen Reste des Brennereibesitzers Herrn Hermann Oppenheimer zur letzten Ruhe zu bestatten. Eine allgemeine Trauer und Teilnahme herrschte in der Stadt, als die Nachricht eintraf, derselbe sei in Bonn infolge einer Operation gestorben. Der Verschiedene war in jeder Weise ein edler und braver Mensch und genoß die Achtung und Liebe seiner Mitbürger. Als langjähriger Stadtrat hat er sich durch seinen Eifer und Kenntnisse manche Verdienste erworben, bekleidete auch sonst noch manches Ehrenamt. Im Jahre 1870 wurde er bei Sedan verwundet und bedauerte damals sehr, an den weiteren Siegen nicht teilnehmen zu können. Der Kriegerverein, fast vollzählig, begleitete die Leiche zum Friedhof und gab nach beendeter Trauerrede des Lehrers Braun drei Salven ab. Ein treuer Anhänger des Judentums, versäumte O. fast nie den Gottesdienst und übte auch mit Eifer noch die meisten Zeremonien. In der Gemeinde war sein Rat stets maßgebend und hat sein Tod eine schmerzliche Lücke gerissen. Sein Andenken wird bei allen, die ihn kannten, stets in der Erinnerung bleiben. ----- München, 10. Mai. Im hiesigen Gemeindekollegium war vor kurzem, wie damals gemeldet, von dem Antisemiten Wagner der Antrag gestellt worden, der Magistrat wolle bei der Regierung und bei der Polizeidirektion Maßnahmen erwirken, um die weitere Einwanderung und Niederlassung fremder, insbesondere russischer Juden in München zu verhindern oder doch einzuschränken. Der Antrag kam am 4. d. zur Verhandlung. Im Lause der Debatte beantragte der Gemeindebevollmächtigte Riggauer (Zentrum), der Magistrat München möge dahin zu wirken suchen, daß die Einwanderung gänzlich subsistenzloser Ausländer, die sich nur durch den Hausierhandel hier fortzubringen suchen, im Interesse der ansässigen Gewerbetreibenden hintangehalten werde. Ueber den Antrag Wagner ging man schließlich gegen neun Zentrumsstimmen zur Tagesordnung über. Damit war auch der Antrag Riggauer gefallen, nachdem eine eigene Abstimmung über diesen Antrag, die die Parteigenossen Riggauers wollten, mit großer Mehrheit abgelehnt worden war. ----- Frankfurt a. M., 2. Mai. Der achte Bericht des Vereins „Kindergarten süv Israeliten" für das Jahr 1904—1905 ist

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