Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228690-3228711--62626-3289782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
70. Jahrgang. Uv. 20. > Berlin, 18. Mai 1906. Veilsge zur „Allgemeinen Tettung LrK Judentums. ■'■;svly,fi-i-V .•- T- „ , - .. l ■ T. lksrrrkpondmstm und Oachrjchtm. DeMschlsnd. L2 Berlin, 13. Mai. Nachdem der Entwurf eines neuen Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden Preußens von seiten des Herrn Geheimrät Pros. Dr. Rosin in. Freiburg ÜB. eingelaufen ist, hat der Ausschuß des.Deutsch-Jsraelitischerr Gemeindebundes beschlossen, zunächst zu demselben keine Stellung zu nehmen, sondern ihn den größerenGemeinden, sowie den Provinzial- und Bezirksverbänden in Preußen zur Begutachtung vorzulegen. 82 Berlin- 14. Mai. Der folgende beherzigenswerte Aufruf zur .Begründung der Ze ntralhilfskasse für j irdische Lehrer im Deutschen Reiche wurde in diesen Tagen versandt: „Zur Tilgung einer Ehrenschuld gegenüber den jüdischen, Lehrern erbitten wir Ihre tatkräftige Mithilfe. . Bedeutsam und verantwortungsvoll find die Aufgaben, die den jüdischen Lehrern gestellt sind. Sie. haben die Pflicht, die Jugend in Liebe-und Treue gegen Vaterland und Religion zu erziehen, sie sind berufen,- in kleinen Gemeinden die geistigen Führer zu sein. Solche Aufgaben erfordern hingebende Liebe und freudige Arbeit; doch diese sind, nur da zu finden, wo die Lehrer frei von drückenden materiellen Sorgen ihrem Beruf leben können Das. ist leider bei einer sehr großen Zahl nicht der Fall. Die. kleinen Gemeinden, die an Mitgliederzahl immer mehr abnehmen, sind nicht imstande, ihren Lehrern ein auskömmliches Gehalt zu gewähren und ihrer Angehörigen Versorgung sicherzustellen. Nach den früheren Statistiken haben 38,4 Prozent der. jüdischen Lehrer im Deutschen Reiche ein Einkommen von unter 1000 Mark. Die in. solchen Gemeinden ohne Pensionsberechtigung angestellten Lehrer find somit, wenn sie arbeitsunfähig werden, bitterer Not ausgesetzt; sterben, sie frühzeitig, dann sind ihre Hinterbliebenen dem nackten Elend preisgegeben. Wenn auch die. Lehrer auf dem Wege der Selbsthilfe dieser . Notlage entgegenzuwirken versucht haben, so reichen doch die so gesammelten geringen Mittel bei weitem nicht dazu aus, der geschilderten Notlage abzuhelfen. In genauer Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse haben wir Unterzeichneten eine Zentralhilfskasse für jüdische Lehrer im Deutschen Reiche" gegründet, um den bestehenden Kassen durch Gewährung von Zuschüssen die Erfüllung' ihrer Ausgabe zu ermöglichen. Wir bitten, uns in unseren Bemühungen dadurch zu unterstüben, daß Sie sich mit einem jährlichen Beitrage an der Förderung unserer Bestrebungen.beteiligen. Ist es doch stets ein Ruhmestitel unserer Glaubensgenossen gewesen, sich derer anzunehmen, die unter der Last der Sorgen zusammenzubrechen drohen;, ganz besonders haben die Lehrer als die Führer der Jugend' zum Guten, Wahren und Schönen und als die Hüter der erhabenen Lehren unserer Religion schon seit alter Zeit bei uns Juden in hohem Ansehen gestanden. -Wir vertrauen auf Ihren so oft bewährten Wohltätigkeitssinn und geben uns der Hoffnung hin, auch Sie als Mitglied der Zentralhilfskasse begrüßen zu können. Das Komitee der Zentralhilfskasse für jüdische Lehrer im Deutschen Reiche: Direktor. Dr. S. Adler- Frankfurt a. M., Sanitätsrat Dr. Apfel-Köln, Professor Dr. M. Apt- Berliry Lehrer A. Auerbach-Berlin,. Dr. M. Barrach-Berlin, Rechtsanwalt Dr. Blau-Frankfurt a. M., Lehrer S. Blümenfeld-Adelebsen, Lehrer Dr. M. Fiegel-Charlottenburg, Lehrer M. Hauff-Berlin, Hauptlehrer A. Herbst-Lissa i. P., Subdirektor S. I. Leszynskh-Berlin, Rechtsanwalt Tr. Lipprnann-Hamburg, Bankier Oskar Loewenberg- Berlin, Handelsrichter Th. Lustig-Berlin, Dr.^ Julius Mänkiewicz- . Berlin- Verlagsbuchhändler Rudolf Mosse-Berlin, Professor Dr. M. Philippson-Berlin, Dr. med. Reich-Breslau, Lehxer M. Steinhardt- Mägdeburg. Berlin, 7. Mai. Der V e re i n j ü d i s ch e r S t u den t e n im B. I. C. an der Universität Berlin eröffnete am 2. d. M. durch eine zahlreich besuchte Antrittskneipe im „König von Portugal" sein 23. Vereinssemester. Wie stets lieferte der würdige Verlauf der Kneipe - den. Beweis dafür, daß die Bestre.brmgen beß Vereins jüdischer Studenten in den weitesten Kreisen der jüdischen Oeffentlichkeii sich die Sympathie aller derer erworben haben, in denen ein warmes Herz für das Judentum schlägt. Die Tendenzrede hielt Bdbr. Rosenblüth, auf die A. H. A: H. sprach Fux Salomon. In längeren Ansprachen beglückwünschten den Verein zum Semesterbeginn die Chargierten der befreundeten studentischen Korporationen „Hasmonaea" und „vahlvmia", sowie die Vertreter der AHianee l8raehte llniverseUe, des Jüdischen Volksvereins, des „Dibbuk Chawerim" und der Vereinigung jüdischer Akademiker. Herr Redakteur Dr. Julius Moses betonte in seinen Ausführungen die Bedeutung des Vereins jüdischer Studenten für die jüdische Bewegung der Gegenwart. Die Kneipe schloß eine feuchtfröhliche Fidelrtät. Das wissenschaftliche Programm des Vereins für das Sommersemester sei hier in Kürze aufgesührt. Es werden Vorträge hätten am 8. Mai: A. H. Rabbiner Dr. Emil Cöhn über „Religiöse Äusdrucksformen"; am 15. Mai: Herr Moritz Bäum über „Politischer Zionismus und zionistische Politik"; am ' 22. Mai: Herr Dozent Dr. Ellbogen über „Vorboten des Lar Kochha- Aufstandes"; am 12. Juni: Bdbr. Rosenblnth über „Die wirtschaftliche Lage der Juden Preußens zu Beginn der Emanzipation"; am 19. Juni: A. H. Dr. Kirschner <Thema unbestimmt); am 26. Juni: Herr Gymnasiallehrer Dr. Ealvary über „Jüdische Nuancen in deutscher Prosa"; am 10. Juli: Bdbr. Moses über „Die kulturelle Lage der Juden Preußens zu Beginn der Emanzipation"; am 17. Juli: A. L. Dr. Max Eschelbacher <Thema unbestimmt). Der Ausbildüng der Bdbr. Bdbr/ dienert die internen wissenschaftlichen Kurse: A. H. Dr. Namiot: Hebräisch für Anfänger, A. L. Dr. Gotthold Weil: Hebräisch' für Fortgeschrittene, A. L. Dr. Th. Zlocisti: Historische Hebungen über die Zeit der Emanzipation, A. H. ' Dr. Soskin: Einführung in die Palästinakunde. An jedem Sonntagvormittag turnt die Aktivitas in d er Turnhalle des Reichenheimschen Waisenhauses. Das Präsidium des Sommersemesters bilden: jur. Siegfried Moses X, zur. Felix Rosenblüth xx F. M., phil. Arno Wagner xxx, phil. Louis Sternberg K. W,, med. Sally Leib o Witz T. W. Zuschrfften sind zu richten an den Schriftwart phil. Arno Wagner, Große Frünkfurterstraße 86, oder an die Kneipe des Vereins jüdischer Studenten, Gipsstraße 12a, II. W-f. Posen, 9. Mai. Der Verband der Synagogen- Gemeinden des Regierungsbezirks Posen Hielt in diesen Tagen im Repräsentantensitzungssaale der Synagogengemeinde Hier seine neunte ordentliche Generalversammlung ab. Der Verbandsvorsteher, Herr Bankier Ignaz Goldschmidt-Posen erstattete den Jahresbericht. Im Berichtsjahre haben folgende 29 Gemeinden dem Verbände angehört: Birnbaum, Bojanowo, Buck, Czempin, Grätz, Jarotschin, Kobylin, Koschmin, Kosten, Kostschin^ Lissa, Moschin, Neustadt b. P., Ostrowo, Pinne, Posen, Schwersenz, Tirschtiegel, Wöllstein, Wrescheu, Wronke und Zduny. Neuerdings hat Joretschewo sich dem Verbände angeschlossen. Im Jahre 1905 wurden vereinnahmt: a. Beiträge von Synagogengemeinden 925- Mark,. h. Beiträge von persönlichen Mitgliedern 288 Mark. c. einmalige Zuwendungen 212,20 Mark, d. Beihilfe des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes zu den Kosten der Bezirksrabbinate pro 1904 300 Mark, pro 1905 300 Mark, e. Beitrag einer Gemeinde zu den Kosten ihres Anschlusses an ein Bezirksrabbinat 35 Mark, f. Rückzahlung eines Kultusbeamten 10 Mark, §. Zinsen pro 1905 20,65 Mark — 2090,85 Mark, hinzu der Bestand vom 1. Januar 1905 696,31 Mark, zusammen 2787,16 Mark. Verausgabt wurden: a. zur Ausbildung von Kultusbeamten 950 Mark, b. zu Beihilfen und Reisen zur Förderung des Religionsunterrichts 241,50 Mark, c. zu den Kosten der Bezirksrabbinate 400 Mark, d. Beihilfen an 3 Lehrer zur Teilnahme an einem Ferienkursus in Breslau 60 Mark, e. für Drucksachen, Porto usw. 180,34 Mark, k. Beitrag an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund pro 1905 50 Mark. Zusammen 1831,84 Mark. Einnahme 2-87/16 Mark, Ausgaben .1831,84 Mark. Mithin Bestand pro Januar 1906 955,32 Mark. — Am 30. Oktober 1905 hat in Berlin die erste" Haupt-