Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-18 · Heft 20 (18.5.1906) · p. Seite 240

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
Seite 240 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3228690-3228711--62625-3289781
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

bleiben und nur das Ziel im Altge« Haben>- die--KaAernden Inden zu schützen." : -- - ©a half kein Bitten, kein Zureden, Esther bliW fest in ihrem Entschlüsse. Richard müßte sich fügen und zog mit blutendem Herzen von dannen. n-- Auch die Bitten ihrer Freundin Marie'vermochten nicht ihren Entschluß zu ändern. ' . ' So lebte sie denn weiter, wanderte--einsam ihre Pfade. Ohne Liebe ging sie einher, das Judenkind, nur das Wohl ihrer Glaubensgenossen im Auge. Eine, Jüdin mit edlem Streben! ' - Ssbbat-Pusgsng. Von Martin Salamonski. er Abendhimmel grüßt, ein lichtes Meer, Da segeln zarte 'Wölkchen leicht einher. Schon sank die Sonne;, ihre Feuergluten .. Verbleichen mild im Blau zu Rosenfluten. Ganz hinten schwebt des Mondes bleiche Pracht Herauf; drei Sterne leuchten. — Es ist Nacht. „Komm, Freund, laß in das Gotteshaus uns treten, Der Sabbat scheidet, es ist Zeit zum Beten/ Wir steigen zu dem matten Kerzenschein Langsam hinab und. sind mit uns allein. , Nur wenige, ehrwürdige Gestalten,. Andächtig im Gebete;; ja, die Alten! Und wie auch meine Lippen - sich bewegen, Erwacht bei meinem Freund seltsames Regen. -! Ihm wird, als wenn er frei von dieser Welt < Mit seinem Gott geheime Zwiesprach'. hält. „Seele in mir, die /mein Gefährte ist, Halt fest t>en Geist, in-dessen Reich du. bist!. Ich sühl's, ich habe Ewiges gesehen, Wie ist mir, ach so wohl, so wohl geschehen!" Kurzes Verweilen — das Gebet ist aus. Ich eile,, wundersam bewegt, nach Haus. Dort wartet mein der Vater und er spricht Den Segen über Wein, Gewürz und Licht: Jetzt hat er sich der Kerze zugewandt. Ich halt' sie, wie als Kind, hoch in der Hand. Auslischt die Flamme. — Mutters Lippen hauchen '. „Gut' Woch'!" .— Wir können sie gebrauchen.. , Litrrsrilchr Mitteilungen. ----- Musik-Aesthetik von William Wolf. 2 Bände. Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart. 1906. Der I.. Band dieses Werkes ist bereits vor längerer Zeit erschienen und fand damals bei der Kritik außerordentliche Anerkennung, der. Abschluß durch den II. Band aber verzögerte sich leider, bis jetzt, Mit dem nun vollendeten Werke wird der musikalischen Welt, den Fachmusikern und Aesthetikern, nicht minder aber auch den nach wissenschaftlicher Aufklärung strebenden Musikfreunden — ihnen vor allem gilt die populäre, anregende und kaum irgendwelche Vorkenntpisse voraussetzende Art der DnrstMmg >r-; eine MufiEesthetik geboten / welche alle bisherigen Merke dieser "Gattung nach rprschiLdepen Rsichtupgerr hinüberholt. ^DirMwstiseln niM^dMM^dc^^das von den ersten Autoritäten ausdiesem.ÄMete. in cmerkennepdster Weise besprochene Werk des geschätztenMusikdirigepten, der auch auf dem Gebiete der Shnagogeu-Mustk bereits sehrÄLMöHs//gesHäDn^' 'Men^ Lesern, die einer Einführung in dieses' Wissensgebiet, bedürfen, eine ganz besonders' willkommene Gabe /fein wird. 7 — Dr. Marlin I.piedländ^r: Familie Hirschwald. Jüdische Komödie in vier Äufzügen. Berlin 1906." PqÄ Äaa'tz Co. Eine Zeitsatire, und als solche ein Tendeuzstück!" Mer ein Tendenzstück' bester Art: nicht lehrhaft, sondern frisch, sprudelnd, formgewandt, mitten aus dem Leben der Gegenwart gegriffen ünd nicht züm letzten bühnenwirksam. Mt der Logik'/; die dem Komischen Mezbit -innewohnt, wird ein großer Schaden uttMl-chänche kleine: Schwächen der Gesellschaft aufgedeckt und Helenchtet,:Doch wird auch? die Heilung atzg^edeutet: sie ist möglich ip VerbrnduggMit' demJdmb tzer Lösung des-gesamten jüdischen Problems überhMpZ. Mit. diesem Ideal sind wir allerdings picht durchweg einverstanden,alswitzige — aber picht nur witzige — Illustration zueinender.'bedeutendsten. Fragen der Gegenwart, vor allem auch als Dichtung und Drama, wird das Werk sicherlich Beachtung finden. / ' ■; V:., Unter dem Titel: Talmudsprüche, eine Kulturskizze, hat Viktor Klemperer im Verlage von Baumert L Ronge, Großenhain, eine Sammlung freier Versübertragüngen aus dem Talmud erscheinen lassen: In der Widmung an seinen Vater lehnt er in schlichten Reimen alles wissenschaftliche Verdienst zu dessen Gunsten ab; in der Einleitung begründet er den- Untertitel „Kulturskizze". Er sagt, das-Wesen eines'Volkes spiegele ßch am. unmittelbarsten in seinem Spruchschutz. „Gewiß, es. kommt häufig genug vor,, daß über ein und. dieselbe Sache zwei sehr verschiedene Ansichten zutage treten. Doch schon, womit sich der Volksgeist beschäftigt, ist charakteristisch, wenn auch' die Resultate einzelner Sentenzen verschieden ausfallen." So bringt denn das Büchlein verschiedenartige Sprüche aus manchem Lebensgebiet in vorzüglichster Bearbeitung; es behandelt religiöse Fragen so gut wie allerhand irdische Geschäfte/ Der Verfasser hat nirgends eine wörtliche Uebersetzüng angestrebt. Es kam ihm darauf an, eine : gut deutsche,/wirklich poetische Form zu schaffen. Unsere Zeitschrift brachte bereits im vorigen Jahre einige Sprüche V. Klemperers, die jetzt in die Sammlung ausgenommen sind. Sie haben ., allgemeinen Beifall gefunden. So . dürfen wir wohl annehmen, daß diese größere Sammlung Ich gleichen Beifalls in weiteren Kreisen zu erfreuen haben wird. — Gleichzeitig läßt V. Klemperer in einem anderen Verlag (Hermann Krüger, Berlin) sein, poetisches Erstlingswerk erscheinen: die Phantasiensammlung Schwesterchen. Ein älterer Schüler ist aus der Hauptstadt in ein kleutes Märkisches Nest verbannt worden, daß er dort endlich sein Abiturientenexamen bestehe.. Aber „Schwesterchen"' die Verkörperung der Phantasie, Sehnsucht und / auskeiwevden Dicht^ kunst des jungen Menschen, beugt sich in der Kleinstadt so ungern dem Schulzwangs wie vordem in Berlin. Vor den Fenstern des Gymnasiums liegt der Schienenstrang der. großen Ostbahn. An den regelmäßig vorübersausenden . Schnellzug knüpfen sich mit Vorliebe die hübschen Phantasien und noch hübscheren Geschichten des Buches, die nur locker durch den angegebenen Rahmen.zusaMmengefaßt find: Das Stoffgebiet der Skizzen ist ein großes, aber der junge Autor beherrscht es durchweg mitgroßer Sicherheit. Neben Schulgeschichten stehen historische und moderne Novelletten, die Erzählung ist oft stark' lyrisch, einmal (in „Circe") sehr satirisch gefärbt. Mit dem Ueberstehen. des. gefürchteten Examens schließt das Buch. Es klingt übsr w keinen Jubelruf über die Mdlich gewonnene Freiheit aus, vielmehr m Verse des bangem Zweifels, ob /denn null die Freiheit, der „ersehnte Tag", den Träumen Mtsprechen würde. Druck und Verlag von Rudolf Moffe in Bttlin. Verauvoortlich für die Redaktion : Max KuuLhwiin Btr//n..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.