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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-18 · Heft 20 (18.5.1906) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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dem Männe, der die Nacht allein auf dem Weltmeer zubrachte, so leuchtet dir nach allen Stürmen und Sorgen der Ewige Darum verzage nicht in den- Anfechtungen der Schmerzen: „Regieren wird" der Ewige immerdar!" So überlaffe ihm die Lenkung, ergib dich in seinen Willen, mag er Herbes verhängen, mag er Ersehntes versagen. Wenn dein kleines'Kind dir das Meffer mit blanker Schneide — es funkelt so schön — zum Spielen unter heißen Bitten äbverlangt, du versagst ihm die Bitte, du weisest es ab — aus Liebe. Du siehst voraus, was geschehen könnte, wenn du schwach und willfährig bist. Das Kind wird in spielender Hantierung das Meffer öffnen und die scharfe Schneide wird es verwunden. Das Kind aber sieht nur, daß sein Verlangen unerfüllt blieb, es grollt und schmollt, es zürnt und weint! Sag' an, mein Lieber, wenn dein himmlischer Väter dir eine Hoffnung ztzrpBrt oder einen Wunsch verwehrt hat, weil er beffer weiß'Äls du, was deinem wahren Wohle frommt, wie oft warst du nichtgleich dem kleinen unverständigen Kinde, widersetzlich - und verdrießlich, und es ging dir nicht in den Sinn untr es kam dir nicht über die- Lippen der Psalmenruf ergebener Gotteshuldigung: „Regieren wird der Ewige immerdar, dein Gott, Zion, für und für!" * * So hat sich bei den Klängen des heiligen Gebetes ein Schleier hinweggehoben und uns einen Teil der göttlichen Weltlenkung enthüllt. Doch nur wenigen Auserwählten ist es vergönnt, was in feierlichen Weihestnnden sehnend durch die Seele zieht, zum Grundzug ihres ganzen Wesens zu gestalten. Allen aber wird als selige Ahnung die Einsicht aufgegangen sein, daß solche Augenblicke innerer Sammlung uns kräftigen und stärken, wie der Pilger zuversichtlicher und mutvoller weiterschreitet, wenn er in der Wüste von dem Waffer der Oase und dem Schatten der Palme träumt. Ein Quell der Labsal ist die Religion für uns müde Menschenkinder und ein Baum des Lebens für alle, die an ihr festhalten. Lrkrkrüchte. eber den Salamander schreibt dev Prager „Bohemia" Rabbiner Stark Folgendes: ^Der Glaube oder Aberglaube von der Entstehung und Wohnung des Salamanders im Feuer ist um wenigstens 1300 Jahre älter als Paracelsus, der im Anfänge des 16. Jahrhunderts in Basel und späterhin Salzburg gelebt hat. Schon im Talmud wird die Feuergeburt des Salamanders an drei Stellen erwähnt (Chagiga 27a, Sanhedrin 63 und Chulin 127 a). Nach der talmudischen Fabel ist aber der Salamander kein Geist, sondern ein Tier mit Fleisch und Blut. Eine Einreibung des menschlichen Körpers mit letzterem mache unempfindlich gegen Feuer. Der götzendienerische König Achas habe seinen Sohn, den späteren frommen König Chiskia, dem Moloch opfern wollen, aber dessen Mutter hatte ihn mit Salämanderblut eingerieben und der grausame Vater konnte deshalb sein scheußliches Vorhaben nicht ausführen. . Selbst das Feuer der Hölle vermag dem Salamander nichts anzuhaben. Ueber die Entstehung, des Sglainanders gibt es drei Versionen. Nach der einen entsteht er an einer Brandstätte, wo sieben Jahre ununterbrochen Feuer gelodert; nach, einer anderen in den Schmelzöfen von Glashütten, wenn wenigstens sieben Tage und sieben Nächte ein mächtiges Feuer unterhalten wurde; nach einer dritten aus der Kohlenglut von Myrthynholz mit Hilfe eines Zauberspruches. Die zweite Version findet sich in Tanchuma (Perikope Wajeschew). Die Fabel ist jedenfalls von den Griechen zu den Juden gekommen, denn Salamander stammt aus dem Griechischen und ist dort der Name einer Art Eidechse oder Molches mit naßkalter Haut. >; Letzterer Amstand verleiht dem Tiere eine längere Widerstandskraft gegen Feuer, und das mag wohl Mv Bildung der Fabel beigetragen haben. Wenigstens ist ein gelehrter Amsterdamer Arzt des 17. Jahrhunderts, .Benjamin Mussafia, dieser Meinung gewesen. Des Salamanders geschieht, auch im „Taucher" . Erwähnung: „Wie's von Salamandern, und Molchen und Drachen — Sich regt in dem furchtbaren Höllenrachen". Salamander, ist also, ein Feuer-, und Wassertier, darum wurde beim Trinken von „Feuerwasser" (Branntwein) ein Salamander gerieben."; . * ■ In einem interessanten Aufsatz, des berühmten Historikers Karl. Lamprecht: „Betrachtungen über Amerika" findet sich folgende Stelle: - - „And. nun ein letztes,Bild. Newyork, Grand Street, I ü d i s ches Theater. Man gibt vor dicht gedrängtem Publikum, das alle Ränge füllt,. in Jiddisch-Deutsch ein Stück, das in .Südrußland spielt: „Der Liebe Kroft". Ich freue mich, daß ich den mit hebräischen Typen gedruckten Theaterzettel lesen kann; die erste praktische Anwendung früher erlvorbener Kenntnisse. Das Stück beginnt; man spielt vorzüglich;, d^r Inhalt ist ernst: schwere sittliche und religiöse Probleme. Und mit welch heiligen Feiertagsmienen lauscht das jüdische Publikum; alte ergraute Gesichter, manch eines mir dem Typ nach vom Brühl in Leipzig bekannt, rncurch junge Physiognomie, deren Träger schwerlich, gleich den Alten, Galizien, Rumänien, Kleinrußland, die^ Ursprungsgebicle des Newyorker Halbasien, gesehen hat. Die Stimmung wird immer ernster, gespannter; einige junge Leute, die in tragischen Momenten lachen, werden niedergezischt, müssen ihre Plätze verlassen, einer wird angespieen. And was liegt in diesem Beifall nach dem ersten Akt! Nach dem letzten, nach Mitternacht — man hattr, denke ich, um 8 Ahr begonnen — weiß ich es: Erbauung, Frömmigkeit. Denn hier weht eine Luft, die das moderne Theater sonst vermissen läßt: die Luft der Einmütigkeit sittlicher Vorstellungen bei Publikum, Schauspielern und Dichter; hier gibt es keinen Unterschied in der Auffassung der Lösung der sittlichen und religiösen Fragen im Stück; hier fehlt problematische Bemerkung und Kritik: hier ist Schauspiel noch Gottesdienst! In diesem äußerlich wenig anmutenden Raume, in einer Luft, die besser sein könnte, unter Leuten, für deren Mission im europäischen Osten als deutsche Kulturträger ich erst bei dieser Gelegenheit Respekt gewann, ist mir klar geworden, was auch hellenisches Schauspiel einst gewesen sein muß, solange es Gottesdienst war, und dieser Eindruck steht mir in mehr, als einer Hinsicht ebenbürtig neben so außerordentlichen religiösen Eindrücken wie dem des Kölner Doms oder dem der erhabenen Ruinen Pästunis." Llthrr. Erzählung aus dem Leben von Henriette v. Siedmogrodzka. Bie war ein Kind von kaum 13 Jahren/ als sie die Eltern verlor und weinend an dem Hügel stand, der die tönten Reste ihrer Entschlafenen barg. Traurig streute sie Blumen auf das Grab und blickte sinnend auf die Blüten, welche den mit Schnee-bedeckten Hügel schmückten. Sie hatte die Lieblingsblumen der Eltern, Rosen und Nelken, teuer erstanden und schaute nun wehmütig-auf die Boten der Liebe, als sollten sie den dort unten Schlmnuiernden Grüße von ihrem trauernden Kinde bringen. Das Herz war ihr zum Ueberströmen voll, sie hätte sich totweinen mögen. .Sie fühlte sich so verlassen; dort unten bei den geliebten Eltern zu schlafen, schien ihr süß, wenn sie es mit ihrer jetzigen Verlassenheit verglich. ' Bisher hatte sie nur Liebe und Zärtlichkeit gekannt. War sie doch: der Abgott ) ihrer /gütigen Eltern gewesen. Da war

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