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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-11 · Heft 19 (11.5.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 19 (11.5.1906)
Date
1906-05-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 11. Mai 1906. „>« .o.io. Dxx Oemeindebote. Deilagr zur „Allgemeinen Leitung deS IudrntumK". korrklpondm?m und Agchrichtm. Deutschland. — Berlin, 7. Mai. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat, nachdem seine von den jüdischen Organisationen Englands, Amerikas und Oesterreichs und hervorragenden Persönlichkeiten anderer Länder unterstützten Anregungen zur Besserstellung der rnarrokkanischen Juden einen erfreulichen Erfolg gehabt haben, Veranlassung genommen, dem Reichskanzler Fürsten v. Bülow, - dem Botschafter Herrn v. Radowitz, Herrn v. White und dem Herzog von Almodovar für die Förderung seiner Bestrebungen, gelegentlich der Marokko-Konferenz. seinen Dank zu übermitteln. 22 Berlin, 7. Mai. Gestern ist hier im 64. Lebensjahre Herr Theodor Marcus, der Chef der renommierten Bankfirma Marcus L Volkmar, nach langen Leiden gestorben. Theodor Marcus war einer der angesehensten und besten Männer unserer Gemeinde. Er nahm regen Anteil an allen Angelegenheiten des Judentums. Seit mehr als einem Vierteljahrhnndert gehörte er dem Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebuudes an und hat mit Eifer und Sachverständnis an allen Arbeiten des Bundes sich beteiligt. Auch in der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung, in die ihn das Vertrauen seiner Mitbürger, trotz einer sehr häßlichen Agitation von gegnerischer Seite, immer wieder berufen hat, gehörte er zu den eifrigsten und gründlichsten Arbeitern, namentlich auf dem Gebiete des Stadtbudgets, das er wie wenige andere beherrscht hat. Er war dort Vorsitzender der liberalen Fraktion. Außerdem bekleidete er feit Jahren die Ehrenstellung eines Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin. Alle, die den Entschlafenen näher kannten, wußten seinen ausgezeichneten 'Charakter, seine Herzensgute, seine Pflichttreue und Arbeitsfreudigkeit, und seine warme Anhänglichkeit an dem Väterglauben, aufrichtig zu schätzen. Ehre dem Andenken des vortrefflichen Mannes! & Berlin, 2. Mai. Der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur" lA. I. G. V.) an der Universität Berlin kann mit Befriedigung auf das vergangene 46. Semester seines Bestehens zurückblicken. Zweck und Ziel des genannten Vereins ist es, die Kenntnis der jüdischen Wissenschaft in akademischen Kreisen zu verbreiten und einer weitgehenden Gleichgültigkeit gegenüber das Interesse für dieses Studium zu erwecken. Die wissenschaftlichen Bestrebungen wurden durch allwöchentlich stattfindende Vorträge bezw. Referate, die teils von Ehrengästen, teils von alten Herren oder Aktiven gehalten wurden, sowie durch eine reichhaltige Bibliothek gefördert. Es seien aus dem letzten Semester die folgenden Vorträge erwähnt: Herr Dr. F. Goldmann, A. I. G. V.. „Ueber Pentateuchkritik", Herr Dr. Josef Lehmann: „Hochzeitslieder in der Bibel"; Herr Chefredakteur Dr. Landau: „Das Judentum im Theater"; Herr Dr. John Lehmann: „Jüdische Eigenart im Lichte moderner Psychologie"; Herr Professor Dr. M. Philippson, Ehrenmitglied: „Die Judeü im Orient. Selbstgeschautes." Herr Rabbiner Tr. Samuel-Essen. A. I. G. V. — A.! H.!: „Die jüdische Renaissance unserer Tage." — Allen Vorträgen folgten überaus interessante Diskussionen. Daneben wurden auch die Ideale, welche jedem akademischen Verein eigen sind, Freundschaft und Frohsinn, nicht außer' acht gelassen. Feuchtfröhliche Kneipen, auf denen echt studentischer Humor herrschte, bildeten den Schluß einer jeden offiziellen Veranstaltung. Außerdem turnt die Aktivitas jeden Donnerstag in der Turnhalle der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, Kaiserstr. 29/30. Zu der Frage der „akademischen Freiheit" hat der A. I. G. V. im vergangenen Semester durch die folgende Resolution, die sein erster Chargierter in der konstituierenden Sitzung des Studentenausschusses verlesen hat, Stellung genommen: „Der A. I. G. V. betrachtet seine wissenschaftlichen Bestrebungen als die naturgemäße Grundlage, auf der Angehörige einer universitas litterarum sich zu gemeinsamem Schaffen einen sollen, und verurteilt daher im Prinzip den Konfessionalismus in studentischen Korporationen. Trotzdem verkennt er nicht, daß nach den Grundsätzen wahrer akademischer Freiheit es jedem Kreise von Akademikern gestattet sein muß, sich auf jeder anderen Grundlage, sie sei politischer, konfessioneller oder sportlicher Natur, zusammenzutun. Betrachtet er schon aus diesem Grunde den Kampf gegen die katholischen Vereine als einen zu Unrecht geführten, so mutz er ihn um so mehr verurteilen, weil er von rein christlichen Verbindungen geführt wird, die selbst dem konfessionellen Absonderungsprinzip huldigen. Der A. I. G. V. lehnt es darum entschieden ab, in einem Studentenausschüsse vertreten zu sein, der unter intoleranter Mißachtung der Koalitionsfreiheit konfessionelle Korporationen ^ausschließt." Die Chargenwahlen ergaben für das Sommersemester 1906 folgendes Resultat: stud. jur. Hans Levh x, stud. med. Dagobert Flater xx, stud. med. Walter Wolffensteiu XXX, stud. jur Artur Katz XX'0<. Am 24. v. M. fand die Antrittskneipe im Vereinslokal Einsiedler-Bierhallen, Bahnhof Börse, Neue Promenade 9/10, statt, wobei Herr Schriftsteller Dr I. E. Poritztp einen Vortrag über „Maxim Gorki, mit besonderer Berücksichtigung seiner Verhältnisse zum Judentum" hielt. Mitteilungen und Allfragen wolle man an den Schriftführer, Herrn stud. med. D. Flater, W. 15, Pfalzburgerstraße 12, richten. TV Berlin, 6. Mai. Der Verein Lehrlingsheim Pankow versendet seinen zehnten Verwaltllngsbericht. Wie aus demselben ersichtlich, sind denl Verein, wie in früheren Jahren, so auch diesmal größere Geldspenden zugegangen. So hat unter anderen besonders Herr Moritz Mannheimer, der bereits 1895 dem Verein zürn Erwerb des Grundstückes die Summe von 20 000 Mark zur Verfügung gestellt, am Tage seiner goldenen Hochzeit aufs neue sein Interesse für die Bestrebungen des Vereins in großherziger Weise zu erkennen gegeben. Herrn und Frau Mannheimer wurde au ihren: Ehrentage von ihren Neffen und Nichten 50 000 Mark zu wohltätigen Zlvecken zur Verfügung gestellt. Diese Summe hat Herr Moritz Mannheimer im Februar dem Verein Lehrlingsheim Pankow mit der Bestimmung überwiesen, daß der Betrag sowie etwaige spätere Zuwendungen das Kapital einer „Moritz und Bertha Mannheimer- Stiftung" bilden sollen. In der Sitzung vom 1. März d. I. hat das Kuratorium beschlossen, die Stiftung, vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung, anzunehrnen und für die Stiftung bestimmte Satzungen festgesetzt. Der § 3 dieser Satzungen sei hier ganz besonders erwähnt: Die Zinsen der Stiftung sind zu den allgemeinen Zwecken des Vereins zu verwenden. Bei der Verwendung ist dern Wunsche des Herrn Mannheimer, daß auch Aufnahmegesucheu vvrr Zöglingen nichtdeutscher Nationalität stattgegeben werde, tunlichst Rechnung zu tragen. Von den 82 Zöglingen, die seit der Begründung der Anstalt nach beendeter Lehrzeit ins werktätige Leben eingetreten sind, üben 80 den erlernten Beruf mit bestem Erfolge aus uird haben es zum großen Teile zu selbständigen Lebensstellungen gebracht. Die Beziehungen der ehemaligen Zöglinge zur Anstalt und deren Leitung sind die allerbesten. Die Fürsorge der Verwaltung für die Zöglinge hört auch nach deren Entlassung aus der Anstalt nicht ans. Im Berichtsjahre gingen 26 Aufnahmegesuche ein, von denen nur 10 berücksichtigt werden konnten. Die 47 Zöglinge, die im Berichtsjahre in der Anstalt waren, besuchten Handwerker-und Fortbildungsschulen und zum Teil auch die durch das Berliner Ortsstatut ins Leben gerufene Pflichtfortbildungsschule. Dem Berliner Magistrat spricht der Verein für die Gewährung von Freistellen seinen Dank aus. Tie Zahl der Mitglieder des Vereins betrug am 31. März d. I. 831, davon entrichten 672 einen jährlichen Beitrag, 159 sind immerwährende Mitglieder. Der Voranschlag für das Geschäftsjahr 1906/07 schließt wie der vorhergehende unter Zugrundelegung einer Belagsziffer von 45 bis 50 Zöglingen mit dem Betrag von 27 000 Mark. Der Bericht schließt .mit der dringenden Bitte an unsere begüterten Glaubensgenossen, den Verein durch Zuführung von größeren Geldbeträgen auch fernerhin zu unterstützen. Auch wir

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