Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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jurrflifchcii .lli*nntni}|e stellte. Knrz mach seiner Erttelltttlttg zttut Notar 1903 befiel ihn eilt scluveres, unheilbares Veibett, detnzttfotge er feilt Amt als Rechtsanwalt, und auch seine zahlreichen Ehrenämter — er gehörte vielen gemeinnützigen Vereinen an — nieberlegen mußte. Jetzt, nach jahrelangem Leiben hat ihm im Alter von 50 Jahren der Tob die lang ersehnte Erlösung gebracht. Sein Heimgang hat allgemeine Teilnahme in allen Kreisen erregt. Das bewies auch die Beerdigung, die am 29. d. M. auf bem alten Friedhöfe stattfand. Eine große Zahl der Gemeindemitglieder und seiner Berufsgenosseu, sowie auch die Repräsentanten itttb der Vorstand der Synagogengemeinde, hatten sich eingefunden, um ihn zur letzten Ruhe zu geleiten. Rach einem Chorgesang ergriff Herr Rabbiner Dr. Guttmann das Wort zu einer Ansprache. Er schilderte in ergreifender Rede den Heimgegangenen sowohl als tüchtigen Juristen als auch als Mensch, der es durch seine Liebenswürdigkeit und seinen großartigen Charakter verstanden hat, die Liebe und Achtung seiner Mitbürger in vollstem Maße zu erwerben. Er dankte ihm vor allen im Narnen der Gemeinde und des Vorstandes für die selbstlose Aufopferung. mit der er seine Arbeitskraft in ihre ®teufte gestellt hat. Rach einenl weiteren Chorgesang wurde der Sarg zum Grabe getragen und der- Heimgegangene zur letzten Ruhe gebettet. Er ruhe in Frieden! x. Schwerin i. M., 27. April. Aut 24. d. M. feierte He:r L a n d e § r a b b i n e r Dr. Fa b i a n Feil ch e n f o l d hier sein fünfzigjähriges Doktorjubilanm. Ter Großherzog von Mecklenburg-Schwerin verlieh ihm aus diesem Anlaß die goldene Verdienstmedaille, die von Friedrich Franz II. für „einzelne rühmliche Handlungen und für hervorragende Verdienste aus den verschiedenen Gebieten der Künste, der Wissenschaften.und'des Gewerbefleißes" gestiftet worden ist. Mit der Uebersendung des Diploms und des am knrtnoistnroten breiten Bande am Halse getragenen Ordens übermittelte das DJtinifteriimi für Knltnrangelegenheiten dem Jubilar seine Glückwünsche. Ferner überbrachte Herr Schulrat Dr. Schemen im Austrage des Oberrates eine besondere Gratulation, der schon am Morgen die Vorlesung einer Adresse durch Herrn Vorsteher Moritz Bornheim vorangegangen war, gleichzeitig mit der Beglückwünschung durch den gesamten Synagogenvorstand. Die Universität Halle sandte die Erneuerung des Doktordiploms, in dem auch auf. die segensreiche Tätigkeit des Jubilars in seimem Rabbinerberuf hin gewiesen lvurde. Die gartze Gemeinde erwies dem vollkommen rüstigen und in seinem Amte unermüdlich tätigen Landesrabbiner durch öinen regen Besuch ihre Sympathie. Ist die dem verdienten Herrn zuteil gewordene Auszeichnung schon an sich sehr bemerkenswert durch ihre Seltenheit und den hohen Rang des Ordens, so gewinnt sie noch mehr Bedeutung durch die Spontaneität ihrer.Gewährung. L. Lübveeke, 22. April. Ein großes Tranergesolge geleitete beu in hiesiger Gegend wie in der Geschäftswelt sehr geschätzten Fabrikanten Herrn Julius Rüben am Rüsttage des Peßachsestes zu Grabe. Deut Verblichenen ist ritt großes Verdienst tun das Emporblü'heu der stiesigen Stadt und des gteichuamigen Kreises in gerverblicher Hinsicht zuznschreibet:. Seine hervorragende, geniale . Ktast, sein edler Charakter wie sein menschenfreundliches, bescheidenes Wesen machten ihn weit und breit beliebt und erwarben ahnt das höchste Vertrauen seiner Mitbürger, des Staates und der hiesigen jüdischen Gemeinde. So gehörte er viele Jahre dem Stadtverordnetenkolleginm und der Handelskammer Winde,:-L:'tbbecke als treuförderrides, zielbewußtes Mitglied an; sein Wirket: als langjähriger Vorsteher der Repräsentanten bleibt tu hiesiger Gemeinde unvergeßlich. Der Tranerakt entsprach dem allgemein empfundenetr Schmerz um. den int blühenden Meitschenalter Erttschtafenen; der Kultusbeatnte der hiesigen Synagogengemeittde, Herr Lazarus, verlieh ihm tu tuarm empfundenen Worten gebührenden Ausdruck. — Am 8. d. M. wurde einer der ältesten Einwohner unserer Rachbarstadt Preußisch-Oldendorf, Herr Jakob Löw en st ein, zur letzten Ruhe gebracht. Mit detn Entschlafenen, der viele Jahrzehnte als Vorsteher der jüdischen Geuteittde daselbst zun: Segen gewirkt, ist eine Säule und Lichtgestalt des Judentums dahittgegaugeu. Von der. hohen Acht::wg dieses lvürdigen Greises legte die überaus große Teilnahme au seiner Beerdigung Zeugnis ab. a. Cöltt, 29. April. Nachträglich muß ich Ihnen noch über die sehr würdige Gabriel Nießer-Feier in unserer Gemeinde berichten, die aut <s. d. M. statt fand. Dieselbe toar votl fäutllichel: jüdifclici: Vereittigltugett Eölns veranstaltet, in bereu Auftrag der Gabriel Rießer-Beroin (Vors.: Referendar Dr. Alfred Apfel) und die hiesige Ortsgruppe des Vereins deutscher Staatsbürger jüdisch et: Glaubens (Vors.: Hermann Jonas) die Angelegenheit leiteten. Die Feier bestand aus Gesangsvorträgen des Architektett Mummt, Ansprachen der Rechtsanwälte Dr. Apfel und Dr. Mattttheim für beu Gabriel rlließer- Nereitt uttd den Staatsbürger-Verein, und der votr Herrn Rabbiner Dr. Roseulhal gehaltenen schwungvollen und geistreichen Festrede. Die Feier hat einen überaus erhebenden und eindrucksvollen Verlaus genommen. Gesterretch-Angarn. A Wien 30 April. Die Entrüstung über das Vorgehen der Finattzmämter, die sich an der russischen Anleihe beteiligt haben, tvächst Von Tag Zlt Tag. Atu 23. d. M. hat eine große jirdische Voltsversammlttng folgenden Beschluß gefaßt: „Die heutige Massenversammlung der Wiener Juden gibt ihrer tiefstet: Entrüstuttg über das unerhörte Vorgehen von jüdischen Kapitalisten Ausdruck, die tticht davor zurückgeschreckt sittd, der blutbefleckten russischen Regierung dttrch Verunttlutlg einer Anleihe die Inszenierung neuer Judcn- Massakers und die Unterdrückttng der Freiheitsbetvegung itt ^Rußland zu ermögliche::. Als besottdere Schutach empfindet es die Wiener Jltdenschaft, daß gerade ein Kultnsrat der jüdischen Kultnsgemeiude itt Wien es ist, der den russischen Juden in ihrem Freiheitskatupfe gegen eine 'Hetlkerregierung um schnöder Prozente willen verräterisch itt beu Rücken fällt. Die Versammlung fordert den Wiener Knltusvorstand aus, den Knltusrat Theodor Ritter von Taussig zur soi fortigen Riederlegung seines Mandates zu zwingen. Mit Rücksicht daraus, daß diese Wahl nur infolge des Bestehens eines reaktionären Kuriensystemes möglich wurde, verlangt die Versammlung die rascheste Eiusühruttg des allgemeinett Wahlrechtes für die Knltusgemeinde, um würdige Vertreter wählen zu körnten. Reichsratsabgeordueter Tr. Ostler konstatiert, „daß jüdische mtb arische Bankiers sich bei , diesem Geschäft brüderlich die Hand reichen. Matt tttüsse unterscheidet: zwischen Juden und jüdischett Bankiers. Es sei gut, wettn man diese Unterschiede deutlich hervorhebt." lStürmischer Beifall.) — Auch im Pari an: ent wurden zwei Interpellationen tvegeu der Anleihe eingebracht. Bei den Zeichnungen auf dieselbe habet: sich die tschechischen Kreise utld die österreichischen Klöster atu meisten beteiligt. Das gettügt. — Tie Assanieruugsarbeiten, welche ein altes Prager Stadtviertel bloßlegen mtb verschiedene alte Wahrzeichen von' historischem oder künstlerischem Wert von ihretn Platze vertreiben, wie sie auch dttrch die Riederreißung der meisten Syttagogen die dort aufgestapeltetr kttnstgetverblichen Schätze zu zerstreuen drohen, haben den Gedanken gezeitigt, alle wertvollett Gegenstände, sotveit sie nicht dem Privatbesitz Vorbehalten bleibet:, zu sammeln und ir: eitlen: jüdischen Musen tu zu vereinigen. Einstweilen werdet: die bereits obdachlosen Gegenstände in: jüdischen Rathaus betvahrt werden, bis ein geeigneter Ort für eine günstige Ausstellung :u:d wisseuschaftliche Nutzbar machuug gefttnden ist. — In uttserer I a h r e s k u n st a u s ste l l u u g haben viele jüdische Künstler uüt großen: Erfolg ausgestellt. Von den verliehenen 17 Preisen erhielt Lazar Krestin für seit: Bild „Beth Hamidrasch" det: Dnmbapreis, Rudolf Knittner für seinen „Herbsttag" die kleine goldene Medaille und Viktor Schars für ein'Porträt die kleine goldene Medaille. — Das ungarische Finanzulinisteriutt: ernannte det: Szolnoker Finanzsekretär Ferdinand Apor zum Finattzdirektor-Stellvertreter.' Apor ist der erste Jude in Ungarn, der in: Finanzdienfte diese Stufe erreicht hat. — Itt Bud apc ft ist der ehemalige Antisetnitenführer I t: l ins Ve rh o v a y gestorben. Er war 1878-1887 Reichstagsabgeordneler und nahm lvährend der Zeit des Tisza-Eßlarer Ritualmordprozesses an der Seite Jstvczys als Autisemitcttführer an der datnaligett Bewegnttg - teil. Nachdem die Antisemiteupartei sich aufgelöst hatte, zog er sieh auf sein Gut zttrück. Jstoczy aber lebt noch und hat neuerdings erst angeregt, bei detn Wechsel der Dittge in Ungar:: die Antisemitenpartei wieder ins Leben zu rttfen. Belgien. o. Brüssel, 2t. April. Hettte vortttittag starb hier der frühere Senator George Montefiore Levi ati eitlem Herzschlag, als er