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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-04 · Heft 18 (4.5.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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iuu* der Entsendung und noch der Rückkehr vorgenommen Hot. Er tonnte hierbei eine erhebliche Vermehrung der roten Blutkörperchen, der Träger des Btntstvffwechsels und domit der Träger der Gesundheit, mit Sicherheit Nachweisen, und er heit ferner feststetlen können, da fr die mit Wucherungen des Nasenrachenrnunr.es behafteten Kinder, deren Zahl unter den sich zur Ausnahme meldenden über 40 Prozent betrug, erst dann vollen Nutzen aus ihrern Ferienaufenthalt haben ziehen können, wenn die nur leichte Operation der Entfernung der kleinen Geschwülste vor der Abreise au den Kindern ausgeführt tvnrde. Der Hinweis der untersuchenden Aerzte ans das Leiden der Kinder hat auch erfreulicherweise stets genügt, um von den Eltern die Erlaubnis zur Vornahme der Entfernung der Rachenwncherungen zu erhalten. Im Heim der Ferienkolonie in Bad Elmen, in der Eugen und Amalie- Rosenstiel-Stiftnng, wurden im Jahre 4905 in der Zeit vom 13. Juni bis zum 8. September 60 Mädchen und 30 Knaben verpflegt, die sich wiederum des dankenstverten Entgegenkvtnmens der königlichen Badedirektion betreffs der Benutzung der berühmten Soolbäder zu erfreuen hatten und unter der vorzüglichen Obhut des Badearztes Tr. Fricke Genesung und Erholung fanden. Born jüdischen Kindergenesungsheim wurden außerdem 152 Kinder in Elmen aufgenoultnen und für Rechnung des Kinder-Sparvereins verpflegt. Der Neubau des Kinder-Genesungsheims, den wir bereits in unserm vorjährigen Bericht erwähnten, wird nunmehr zum Herbst dieses Jahres in Benutzung genommen werden können. In Misdroh waren 80 Mädchen in Mietsräumen untergebracht; falls der Eingang der Geldmittel ein zureichender ist, sollen in diesem Jahre dorthin drei Kolonien, zwei für Mädchen und eine für Knaben, entsandt werden. Der Wunsch, des Komitees, einen eigenen Besitz an der Ostsee zu erwerben, für welchen bereits ein Geschenk der Berliner Logen U. G. B. B. im Betrage von 10 000 Mark zur Verfügung steht, hat noch nicht verwirklicht werden können, weil die angebotenen Terrains sich als' zu teuer oder als ungeeignet erwiesen. In der mitten im Eichwald belegenen Kolonie Schreckshaide weilten 32 Knaben, in Schwerin an der Warthe befanden sich 6 Knaben in Privatpflege. Erfreulich ist, daß sich wiederum eine große Zahl von Familien in den Provinzen fand, welche den Kindern freie Ausnahme und Verpflegung für 4 Wochen gewährte. Zum großen Teil ist wiederum die Besorgung der Freistellen der bewährten Mitarbeit des treuen Freundes der Ferienkolonien, Herrn Lehrer Borchardt in Samter, zu danken. 71 Knaben und 45 Mädchen. konnte diese Wohltat erwiesen werden. Auch diesmal wurde wiederum die mühselige Tätigkeit des Komitees, an dessen Spitze mit unvermindertem Eiser und herzlicher Freude am Gelingen seines Werkes Herr Adv lph Ma her steht, in besterWeise durch einzelne Logen des lt. O. B. B. gefördert. So entsandte die Toleranz-Loge in Landsberg a.W. aufihreKosten4BerlinerMädcheninBegleitung einerFührerin nach Dühringshof und veranlaßte ihre Mitglieder in Schwerin a.W. 3 Knaben in Pension zu geben; ein Mitglied der Viktoria-Loge in Görlitz lud sich 3 Kinder nach Burg im Spreewald ein, die Eduard Lasker-Loge in Bromberg übernahm 3 besonders schwächliche Knaben, um sie in einer Anstalt unter Aussicht ihres Br. Dr. Lipowskr zur Heilung zu bringen, und die Raphael Kosch-Loge in Lissa verteilte 4 Knaben und 4 Mädchen unter ihre Mitglieder. Ein besonders glänzendes und nnistergültiges Beispiel gab die in Berlin ansässige Frau Gertrud Kraft, welche außer, ihren eigenen vier Kindern 13 arme Kinder in Bodenhagen bei Kolberg vier Wochen auf ihre Kosten verpflegte, sie täglich in der Ostsee baden ließ und mit zwei von ihren eigenen und einer Anzahl fremder Kinder jede Woche mehremal mit der Bahn zum jüdischen Kurhospital nach Kolberg fuhr, wo den Kleinen freie Soolbäder gewährt wurden. In einem an das Komitee gerichteten Schreiben gibt die edle Wohltäterin einen anschaulichen Bericht über den Aufenthalt, über die mit ihren Schützlingen gemeinsam verbrachte Ferienzeit, die sie als die reizvollste ihres Lebens bezeichnet, über die Verpflegung; ihre Erfahrungen, ihre kleinen Sorgen und großen Freuden und empfiehlt allen Damen, die Liebe zu Kindern und Verständnis für deren Verpflegung haben, einen gleichen Versuch, wenn auch nicht so groß, zu machen.. Der Erfolg, so heißt es zum Schluffe des Schreibens, lohnt reichlich alle Mühe, es gibt ja nichts Besseres und nichts Schöneres, als glückliche eigene und fremde Kinder! Möge diese warmherzige Begeisterung der selbstlosen Gönnerin für.die-Ferienkolonien immer weitere Kreise erfassen und den'Kolonien die allgemeine Teilnahme, zuwenden, deren sie bedürfen und die sie auch in vollstem Maße verdienen! Bei den ganz unbedeutenden Verwaltungskosten erfüllt selbst die kleinste Gabe ihren Zweck und kommt den hilfsbedürftigen Kindern zugute. & Berlin, 30. April. Die am 26. d. M. abgehaltene Plenarversammlung des Verb an des für Statistik der Juden wurde mit dem Jahresbericht des Vorsitzenden des Verbandes, Herrn Dr. Alfred Nosfig, eingeleitet. Es folgte der Kassenbericht, der vom Schatzmeister Herrn Benno Braun erstattet wurde. All die Berichte schloß sich eine Diskussion, die speziell Fragen der Propaganda behandelte und an der sich die Herren Dr. Cassel, Dr. Heynlann, Dr. Hildesheimer, Dr. Horwitz und Graupe beteiligten. Rach dem Bericht der Revisoren wurde dem Schatzrneister. Decharge erteilt. Die Beratung eines von Rechtsanwalt Dr. Horwitz ausgearbeiteten Entwurfes von Satzungen für den Verband lnußte bis zur nächsten Hauptversammlung vertagt werden. Irr der Zwischenzeit wird sich der Vorstand mit den auswärtigen Vereinen für Statistik der Juden in Verbindung setzen. Der Entwurf von Satzungen für das Kuratorium wurde von der Versammlung angenommen. In das Kuratorium wurden die Herren Geheimrat Blumenthal, Prof. Philippsohn, Benno Braun, Sanikätsrat Maretzki und Justizrat Engen Fuchs, in den Vorstand die Herren Dr. Nosfig, Dr. Zoclisti, Braun, Dr. Hepmann, Dr. Kllrt Alexander, Dr. Blau nnd Dr. Munk gewählt. Mit einem Dank an die Leitung und an das Bureau des Verbandes wurde die Versammlllng geschlossen. W— f. Posen, 28. April. Arr den Israelitischen Ar menhilfsverein sind noch in keinem Jahre — der Verein besteht nahezu 50 Jahre — so große Anforderungen gestellt und auch befriedigt worden. Während die Ausgaben für monatliche Unterstützungen mit eine Kleinigkeit zurückgegangen sind, verwendete der Verein 7119 Mark, nahezu 3000 Mark mehr als int Vorjahre, um Mitglieder der Gemeinde Hilfe in vorübergehender wirtschaftlicher Not, zur Erhaltung und Aufrichtung ihrer beruflichen Existenz, zu gewähren. Die Hilfe, die durchreisenden Glaubensgenossen geleistet wurde, erforderte 5107,70 Mark, 871,60 Mark mehr als 1904. Das größte Kontingent solcher Hilfesuchenden bildeten Auswanderer aus Rußland über die deutsche Grenze hinaus, die der Verein während des Aufenthalts in Posen und durch Beihilfe für Bahnfahrt unter-! stützte, und Personen, die von den Einwanderungsbehörden in Amerika und England zum Landen nicht zugelassen oder nach Einwanderung wieder zurückgeschickt wurden. Den letzteren ermöglichte der Verein die Heimreise. Eine nicht in jedem Jahre wiederkehrende Ausgabe entstand dem Verein dadurch, daß er hiesigen ärmlichen Familien Kartoffeln zum Preise von 2 Mark pro Zentner verkaufte,- für die er den Tagespreis von 3,50 Mark selbst bezahlte. Es wurden insgesamt ausgegeben ail sich gleichmäßig wiederholenden Unterstützungen 5456,70 M , an Durchreisende -5107,70 Mark, an außerordentlichen Unterstützungen 7119 Mark, für Kartoffeln 360,73 Mark, an Spenden und.Stiftungs- Verteilungen 705 Mark, Summa 18 749,13 Mark. Dem standen au Einnahmen 13 820,63 Mark gegenüber. Um die so sehr gewachsenen Anforderungen befriedigen, zu können, war der Verein gezwungen, seine ohnedies kleinen Reserven anzugreifen und 5000 Mark Papiere zu verkaufen. Die Reserve ist damit auf die Hälfte ihres Bestandes reduziert. Der Verein wendet sich aus diesem Grunde an alle Wohlhabenden in der jüdischen Gemeinde mit der eindringlichen Bitte, ihm sowohl durch einmalige Zuwendungen wie durch Erhöhung der Jahresbeiträge beiznstehen, nur dann könne er den großen unabweislichen Anforderungen genügen. n. Breslatt, 29. April. Am 26. d. M. starb hier der Rechtsanwalt und Notar Justizrat Dr. Ernst Samuelsöhn, der Sohn des bekannten Neligionslehrers und Dirigenten der Religionsanstalt I, der hier vor einigen Jahren starb. Justizrat Samuelsohn war seit 1882 als Rechtsanwalt tätig und erfreute sich nicht nur bei seinen Kollegen, sondern bei allen, die mit ihm in näherer Verbindung traten, einer großen Beliebtheit. Schon nach kurzer Zeit hatte er sich eine nicht unbedeutende Praxis erworben. Auch in unserer Geineinde war er eine geliebte und geachtete Persönlichkeit. Er gehörte mehrere Jahre dem Vorstand der Shnagogengemeinde an, in deren Dienst er einen großen Teil seiner Arbeitskraft und auch seine

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