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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-04 · Heft 18 (4.5.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. No. 18. Berlin, 4. Mai 1906. Der Gemeindevote. Netlsge zur „Allgemeinen Leitung deK IudentnmK". lkorrelpondrnrrn und Sachrichttn. Deutschland. 8£2' Berlin, 1. Mai. Heute feiert in aller Stille Herr Moritz Manheimer seinen 80. Geburtstag. „Die Krone eines guten Namens, sagen unsere Weisen, überstrahlt selbst die Krone des Priestertums und der Gelehrsamkeit." An diese Worte, mit denen wir vor zehn Jahren unfern Glückwunsch zum 70. Geburtstage des ausgezeichneten Mannes einleiteten, müssen wir auch heute wieder anknüpfen, denn der Name „Moritz Manheimer" hat nicht nur sei,re volle Geltung in diesem Jahrzehnt behalten, sondern er ist, wenn dies überhaupt möglich war, zu noch höherem Ansehen gelangt, und er bleibt mit goldenen Lettern in der Geschichte unserer Gemeinde verzeichnet. Die Altersversorgungsanstalt in der Schönhauser Allee, das Hospital und viele andere Schöpfungen werden noch in ferner« Tagen den Enkeln ein Bild von der Herzensgute und edlen Gesinnung dieses Mannes liefern, den wir mit aufrichtiger Genugtuung als unseren Zeitgenossen verehren und der in seiner aufgeklärten Frömmigkeit und Bescheidenheit,.in seinem lautern Sinn und seiner Schlichtheit, das Muster und Vorbild eines guten Juden sür alle Zeit bleiben wird. Möge es unserer Gemeinde beschieden sein, noch lange mit berechtigtem Stolz auf diesen Mann blicken zu dürfen! ^2 Berlin, 1. Mai. Wie wir auf dem Umwege über London durch den gut unterrichteten Korrespondenten des „Jewish Chroniele" erfahren, hat der Kaiser Herrn Max Goldschmidt-Rothschild in Frankfurt a. M., dem Schwiegersohn des verstorbenen Freiherrn Willy v. Rothschild, den erblichen Adel verliehen. Es ist dies das erstemal unter der gegenwärtigen Regierung, daß diese Auszeichnung einem nicht getauften Juden zuteil wird. Wie „I. Ehr." berichtet, wurde dieselbe schon vor zwei Jahren Herrn Goldschmidt unter der Voraussetzung angeboten, daß er größeren Landbesitz erwerbe. Diese Voraussetzung ist nun erfüllt, und Herr Goldschmidt hat außer seinem Grundbesitz von unschätzbarem Wert in Frankfurt selbst, große Ländereien erworben. Das Adelsdiplom ist bereits ausgefertigt. „I. Ehr." hat Recht mit der Behauptung, daß den Antisemiten der Schreck über diese Nachricht arg in die Glieder fahren wird. Indes werden sie sich schließlich mit dem Hinweis auf die Nobilitierung von Bleichröder und Cohn unter Kaiser Wilhelm I. zu trösten versuchen müssen. -A. Berlin, 1. Mai. Die Erdbebenkatastrophe in San Francisco hat die Großloge sür Deutschland des Vnei Br iß-Orden veranlaßt, den Ordenspräsidenteu Adolf Kraus in Chikago unter dem Ausdruck der Teilnahme für unsere dortigen Glaubensgenossen per Kabel anzufragen, ob die Hilfe der deutschen Logen erwünscht wäre, um die voraussichtlich entstandene große Not, wenn auch nur in etwas, zu mildern. Daraufhin erhielt die Großloge für Deutschland die Antwort: „Danken für Teilnahme, auswärtige Hilfe vorerst nicht notwendig. Adolf Kraus." — Es ist dies derselbe Standpunkt, den Präsident Roosevelt in der Angelegenheit einnimmt, und es wäre recht sehr zu wünschen, daß eine Notlage namentlich unter unseren Glaubensgenossen in San Francisco durch die Katastrophe nicht entstanden wäre. ----- Berlin, 1. Mai. Heute vormittag hatten Vertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde, der Deutschen Konferenzgemeinschaft, der Alliance Israelite Universelle und des Hilfsvereins der Deutschen Juden eine Besprechung bei dem Herrn Minister des Innern. Gegenstand der Besprechung war die Handhabung der von der Staatsregierung angeordneten Ausweisung der rusfischen Zuzug l in ge. Der Minister des Innern erklärte, daß er bei der Ausführung der von ihm als notwendig erkannten Maßregel jede humane Rücksicht walten lassen wolle, daß es sich bei den Ausweisungen insgesamt um etwa 5500 Personen jüdischen Glaubens handle, die sich seit dem Jahre 1904 in Berlin neu angesammelt hätten. Von unmittelbarer Ausweisung sollten nur mittel- und ausweislose sowie politisch verdächtige Personen betroffen werden. Die Zahl der zu dieser Kategorie gehörigen Personen betrage etwa 700. Bezüglich der anderen Personen sollte jetzt keine Ausweisung verfügt, sondern es sollte den Betreffenden von der Behörde mitgeteilt werden, daß sie auf die Erlaubnis dauernder Niederlassung hier nicht rechnen dürsten und sich deshalb vorbereiten müßten, das Staatsgebiet wieder zu verlassen. Diesen Personen werde eine bestimmte Frist nicht gestellt. Wegen der russischbürtigen Personen, die vor dem Jahre 1904 hierher gekommen seien, solle es bei der bisherigen Praxis verbleiben, sofern sie sich nicht lästig machell. Den vereinigten jüdischen Hilfsorganisationen sollen von Polizei wegen die Namen der Personen genannt werden, denen das Verlassen des Staatsgebietes ohne Ausweisung empfohlen werde, damit die Hilfsorganisationen, ihrem Zweck entsprechend, Unterstützungen mit Rat und Tat gewähren und dazu beitragen könnten, daß die Abwanderung sich ohne Schwierigkeiten und tunlichst ohne Härte im einzelnen Falle vollziehe. Der Herr Minister behielt sich vor, über den ihn: ferner vorgetragenen Wunsch Zll entscheiden, ob und wie weit etwa die seit dem Jahre 1904 hier zugezogenen russischen Arbeiter, die hier ausreichenden Unterhalt gefunden und sich einwandfrei geführt hätten, unter die Kategorie der hier zu belassenden sremdbürtigen Personen aufzunehmen wären. Gegenüber der Anregung, es möchten d i e russisch-jüdischen Arbeiter hier belassen werden, deren Verbleiben im Interesse mancher einheimischerl und an Arbeitermangel leidenden Industrien liege, erklärte der Minister, daß es bei den allgemeinen Bestimmungen über die Zulassung fremdbürtiger Arbeiter sein Bewenden behalten müsse. De): Minister sagte ferner bereitwilligst zu, daß etwaige Jrrtümer, die bei der Handhabung der ministeriellen Vorschriften in einem Berliner Vorort vorgekommen sein möchten, Korrektur finden sollen. — Die Vertreter der Hilfsorganisationen, die prinzipiell die Rücknahme des ganzen Vorgehens dringend erbeten hatten, sprachen die Hoffnung aus, daß die Handhabungen der ministeriellen Vorschriften gemäß den Intentionen des Herrn Ministers vom Geiste des Wohlwollens getragen sein möchten. 8. Berlin, 28. April. Der Jahresbericht der Ferienkolonien für jüdische Kinder pro 1905, der sich wiederum pünktlich bei Beginn der wärmeren Jahreszeit einstellt, muß diesmal bedauerlicherweise die Freude und herzliche Begrüßung, - deren er stets seitens der vielen Freunde und Gönner dieser segensreichen Institution gewiß sein darf, etwas herabmindern, insofern, als im Berichtsjahre nicht die gleiche Zahl hilfsbedürftiger Kinder wie im Vorjahre in die Kolonien entsandt werden konnte. Die starke Inanspruchnahme unserer Glaubensgenossen für die Opfer der russischen Judenverfolgungen, die wie auf alle anderen wohltätigen Bestrebungen so auch auf die gedeihliche Förderung der Ferienkolonien von erheblichem Einfluß war, und die geringere Zahl der diesmal gewährten Freistellen gaben die Veranlassung zur Herabminderung der Zahl der Kolonisten. Doch das Komitee für die Ferienkolonien verzagt nicht, und mit vollem Rechte weist es auf die 21 Jahre seiner von steigendem Erfolg begleitetet: Tätigkeit hin. Auch wir sind überzeugt, daß es nur dieses erneuten Mahnrufs bedarf, um von neuem und in verstärktem Maße die Aufmerksamkeit und Sorge unserer besser gestellten Glaubensgenossen auf das stetig wachsende Elend in den niederen Schichten unserer Gemeinschaft zu lenken, ihnen wieder in Erinnerung zu bringen, einen wie eminent sozialen Faktor die Ferienkolonien darstellen, und - sie wieder zu veranlassen, Herz und Hand dieser segensreichen Bestrebung zuzuwenden. Wenn überhaupt noch Zweifel obwalteten über den außerordentlich wichtigen Einfluß der Ferienkolonien auf die Gesundheit des Heranwachsenden Geschlechts, so sind diese vollends beseitigt worden durch die wissenschaftlichen Untersuchungen, die der langjährige Vertrauensarzt Herr Dr. Max Sch ei er an einer größeren Zahl Kinder der jüdischen Ferienkolonie

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