Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeindebiblwthek beschlossen worden. An die unterstützungsbedürftigen israelitischen Gemeinden Anhalts sind gleichfalls zur Förderung des sittlich religiösen Lebens Beihilfen von 18 322 Mark gewählt worden. Für die zu begründende Penstons- und Reliktenkasse der Knltnsbeamten in sanglichen anhaltischen israelitischen Gemeinden wurden anftatt der sonst snr diesen Zweck vorgesehenen Zuwendung voll 5999 Mark ausnahmsweise 7537,50 Mark bewilligt. Der Grundstock der angesammelten Mittel dieser Kasse hat bisher die Hohe von etwa 13 000 Mark erreicht. Zlrr Unterstützung Armer unb hilfsbedürftig er ohne. Unterschied .des Glaubeusbekeuntnisses, sowie zur Förderung von Vereinen und Veranstaltungen, die der moralischen, sozialen und wirtschaftlichen Hebung der Armen sowie sonstigen Werken der Nächstenliebe gewidnlet sind, wurden insgesamt 65 002 Mark ausgegeben, obwohl die für diesen Titel vorgesehenen Mittel nur 30 000 Mark betragen. Zwei Drittel der zur Verausgabung gelangenden Mittel müssen laut Stiftungsurkunde zur Unterstützung von Armen bezw. Institutionen in Anhalt verwendet werden. Es wurden demgemäß verbraucht in. Anhalt 44 262 Mark, außerhalb Anhalts 20740 Mark. Der Kategorie uach erhielten in Dessau Korporationen 1850 Mark, Einzelpersonen 32432 Mark, im übrigen Anhalt Korporationen 1000 Mark, Einzelpersonen 8980 Mark, außerhalb Anhalts Korporationen 4530 Mark, Einzelpersonen 16 210 Mark. Eine wesentliche Mehrausgabe an Korporationen außerhalb Anhalts wurde durch die furchtbare Rottage, in welche unsere russischen Glanbensbrüder burcl) die grausamen Angriffe auf deren Leben und Eigentum geraten sind, veranlaßt. Leider waren die Mittel der Stiftung bei Eintritt des bedauernswerten Ereignisses schon zu sehr für das Lausende Jahr erschöpft, um eine noch, größere Beihilfe, als erfolgt ist, zur Beseitigung der Not den unglücklichen Opfern der Verfolgung gewähren zu können. Am Todestage der Stifterin wurden 278 Personen, meist Greise und erwerbsunfähige Gesnchsteller, mit Spenden von 20—100 Mark bedacht; es wurden hierfür 7715 Mark verwendet. Die Gesuche, welche auf gelverbsmäßige Bettelei oder Sucht zum Müßiggang sich zurückführen ließen, haben auch in diesem Jahre keine Erfüllung gefunden. Die Stiftung hat vielfach dort helfend eingegriffen, wm ein neuer Erwerb für den Bittsteller geschaffen werden muhte, hauptsächlich jedoch würdigen alten und erwerbsunfähigen Personen angemessene Unterstützungen gewährt und dadurch manche Träne des Kummers getrocknet. Bon den an Korporationen erfolgten Bewilligungen heben wir folgende hervor: Die Lehrerinnen-Stiftung (Lindenheim) in Dessall 500 Mark. — Die Hilfskasse der israelitischen Studenten in Cöthen 500 Mark. — Die Hilfskasse der israelitischen Kultusbeamten für Deutschland in Berlin 100 Mark. — Strafanstalt Brandenburg zur rituellen Speisnngisraelitischer Gefangenen am Pessachfeste 50 Mark. — Strafanstalt Insterburg zu gleichem Zwecke 30 Mark. — Israel. Mädchenstist in Berlin 300 Mark. — Hilfsverein für die russischen Allswanderer in Bremen 500 Mark. — Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin für die notleidenden russischen Judell 3000 Mark. - Zum gleichen Zwecke an Herrn Rechtsanwalt Dr. Ascher in Dessau 500 Mark. — Akademischer Jüdischer Turnverein in Eöthen 400 Mark. - Jüdische Turnerschaft in Berlin 50 Mark. — Die freiwillige S.anitütskolonne vom Roten Kreuz in Dessall zur Erhaltung des von derselben eingerichteten selbständigen Sanitätsdienstes für die Stadt Dessau 3000 Mark. — Das Direktorium des Kreiskrankenhauses zur Beschaffung moderner Heileinrichtungen 1000 Mark. — Der Kreisverein vom Roten Kreuz für beit Kreis Dessall für die Eillrichtltng und Erhaltung der Landkrankenpflege dltrch Schaffling von Krankenpflegeftatiuuen in den Ortschaften des Kreises 3000 Mark. Die Anhalttoge in Dessau zur Entsendnlig einer Ferienkolonie von Kindern jüdischen Glaubens ans bau Anhattlande in die Somnlerfrische 800 Mark. — Die Kinder-Lungenheilstätte „Herzogin Marie" in Oranienbanm zltr Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr in der Provinz Sachsen lmd dem Herzogtum Anhalt irr Halle 1000 Mark. Der Verein zur Ausbildung jüdischer Kraukeupflegerinlien in Berlin H>0(> Mark. Der Deutsch-Israelitische Gejneindebuud in Berliit für die zu errichtende Anstalt für schwachsinllige israelitische Kinder 1090 Mark. — Es wurden ferner eine Anzahl humanitärer Krankenpflege-Anstalten in Badeorten unterstützt, so die Anstalten in Bad Soden, Enls, Kissiugeu, Kolberg, Kinderhellstätte in Königsdorff-Iastrzemb, Warmbrunn. Der Hilfsverein für jüdische Taubstumme in Deutschland in Berlin 100 Mark. — Das Israelitische Schüler- und Lehrliugsheim in Marburg 1000 Mark. — Der Israelitische Kinderhort in Limburg 150 Mark. — Der Verein Freunde der Taubstummen (Jedide-Ilmiin) in Berlin 1000 Mark. — Das; Deutsch-Israelitische Kinderheim in Diez 300 Mark. - Israei litisches Zentral-Waisen- und Mndchenheim in Bad Ems 300 Mark. — Zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und zur Unterstützung von Vereinen und Anstalten, welche der sozialen und moralischen Hebung des Judentums dienen, sowie derjenigen Vereine, die durch organischen Zusammenschluß sowohl das religiöse Leben als auch das Selbstbewußtsein und I die Rechtsgleichheit der Juden zu fördern bestrebt sind, erfolgten im Berichtsjahre nachstehende Bewilligungen: Tie Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin 3000 Mark. — Die Gesellschaft zur Förderung jüdischer Wissenschaft 3000 Mark. — Das Israelitische Lehrerinnenheim in Berlin 500 Mark. — Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Berlin 1500 Mark. — Der Verein zur Begründung eines i Zentralarchivs für die sämtlichen israelitischen Gemeinden j Deutschlands 500 Mark. — Der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland 500 Mark. — Die Zunz-Stiftnng in Berlin 500 Mark. — Der Deutsch- Israelitische Gemeindebund in Berlin 1000 Mark. - Der Hilfsverein der deutschen Inden in Berlin 599 Mark. — Der Verband der deutschen Inden in Berlin 1000 Mark. - Der Mendelssohn-Verein in Dessau 1000 Mark. - Das zionistische Aktionskomitee für den jüdischen Natioualfon.d in Köln .KiOMark. — Die zionistische Ortsgruppe in Dessau 50<>Mark. Gemäß Titel VII ist der neu errichteten städtischen Handelsrealschule dauernd der vorgesehene Betrag von 20 00o Mark überwiesen worden. — Für Stipendien an begabte Schüler und würdige junge Leute sind schließlich 14 375 Mark verausgabt worden. Davon entfallen auf Dessau 7020 Mark, das übrige Anhalt 3430 Mark, außerhalb Anhalt 3925 Mark. Von den im ganzen eingegangenen 100 Gesuchen wurden 40 berücksichtigt; die gewahrten Stipendien bewegen sich zwischen 50 bis 1500 Mark. Ein Neberblick über die zu sämtlichen Titeln der Stiftungsurkunde pro 1905 gemachten Ausgaben ergibt folgendes ., die insgesamt zur Verwendung gelangte Summe betrügt 191 890,80 Mark (gegen 171 201,65 Mark im Vorjahre). Die Mehrausgabe beläuft sich somit auf 20 989,15 Mark. Von dieser Ausgabe erhielten Korporationen 108 299 Mark, Einzelpersonen 83 620,80 Mark. Nach örtlicher Beziehung gesichtet erhielten in Dessau Korporationen 70 005,50 Mark, Einzelpersonen 47 950,80 Mark, im übrigen Anhalt Korporationen 12 754,50 Mark, Einzelpersonen 13 485 Mark, außerhalb Anhalts Korporationen 25 530 Mark, Einzelpersonen 22 185 Mark. An Steuern hat die Stiftung im Jahre 1995 bezahlt 24 972,59 Mark. Die Gesamtausgabe der Stiftung betrug 224.712,34 Mark gegen 294 485,49 Mark im Vorjahre, die