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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-04-27 · Heft 17 (27.4.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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W, 3 ahrgang. M 17, » - Berlin, 27. April 1906 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrelpondmrm und Sachrichttn. Deutschland. 8. Berytt, 22. April. In der heutigen Repräsentantenversammlung, die in Abwesenheit des ersten Vorsitzenden unter Leitung des Herrn Geheimrat Blumenthal stattfand, standen mit Ausnahme einer Vorlage, welche eine lange und recht interessante Debatte auslöste, ausschließlich Bewilligungen und Kommissionswahlen zur Verhandlung. Zum geschäftlichen Teil gab der Vorsitzende von der von uns bereits veröffentlichten Antwort aus dem kaiserlichen Zivilkabinett Kenntnis, verlas, ein Dankschreiben des Herrn Professor Geiger auf die ihm seitens der Versammlung zugegangenen Glückwünsche zu seiner Silberhochzeit und teilte schließlich mit, daß der Gemeindevorstand sich dem Wunsche auf Einsetzung einer gemischten Kommission zur Vorberatung der Sonderdrucke der „Parallelen zwischen Christentum und Judentum" angeschlossen und zu den Verhandlungen die Herren Geheimrat Pinn er und Rabbiner Dr,' Eschelbach er delegiert hat. Die Legate des verstorbenen Kommerzienrats Joseph Pinkus im Betrage von 50 000 Mark und der Witwe Rosa Wollenberg im Betrage von 5000 Mark an die Armenkommisfion wurden debattelos angenommen. Zur Pessachbeköstigung der jüdischen Strafgefangenen in Brandenburg wurden 150 Mark, zum gleichen Zwecke für das Gefängnis in Insterburg, wo 6 Personen (im Vorjahre 9) interniert sind, 50 Mark bewilligt. Für den Rechnungsabschluß der Synagoge Kaiserstraße, der mit einem Minderverbrauch von 3348 Mark abschließt, wurde Entlastung erteilt. Für Anschlutzarbeiten der Wasserzuleitung zum Friedhofe in Weißensee wurden 423,68 Mark, für Arbeiten an der Abflnßleitung des Friedhofes Schönhauser Allee 1973.20 Mark, zur Einrichtung des Vermietungsbureaus für die Stände in Synagogen und Festgottesdiensten 3900 Mark genehmigt. Nach kurzer Debatte erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, daß zur Deckung der Ausgaben für Uebernahme der Gärtnereiverwaltung in Weißensee, sowie für die Umgestaltung des Friedhofes, die erforderlichen Mittel aus dem dritten Amortisationsfonds entnommen werden. Die Wiederergänzung dieses Fonds soll binnen 10 Jahren dadurch bewirkt werden, daß jährlich mindestens 10o/o aus den Ueberfchüsfen der Gärtnerei dem Fonds wieder zugeführt werden. Herr Weinberg erklärt sich gegen den Beschluß der Wiederergänzung und hält es nicht für richtig, über 10 Jahre hinaus bereits jetzt zu disponieren; im Anschluß daran erhebt er wiederum die Bitte an den Gemeindevorstand, die einjährige Etatsperiode einzuführen, da es bei dem bedeutenden Wachstum der Gemeinde und der Zunahme ihrer Ausgaben ganz unmöglich sei, über drei Jahre hinaus zu disponieren. Justizrat Dr. Lachmann hält die dreijährige Etatsperiode für praktischer, um nicht alljährlich eine große Etatsberatung vornehmenzu müssen. Die Wiederergänzung des Fonds erklärt er für notwendig, da der Fonds zum Ankauf eines neuen Friedhofes angesammelt sei und diesem Zwecke nicht entzogen werden dürfe; werde der Ankauf erforderlich, so brauche alsdann die Ausgabe auch nicht zur Anleihe geschlagen werden. Herr Kommissar Netter bezeichnet es als eine Pflicht der Gemeindeverwaltung, beizeiten Vorkehrung zu treffen, daß nicht plötzlich eine große Ausgabe die Gemeinde belaste. Bereits in absehbarer Zeit werde die Erwerbung eines neuen Friedhofterrains erforderlich werden, das zweifellos recht bedeutende Ausgaben erforderlich machen werde, Auch die Herren Manh e imer, Direktor Min den und Loewenthal sprechen für den Vorstandsbeschluß, der alsdann in beiden Teilen angenommen wird. — Für den naturwissenschaftlichen Apparat der neuen Knabenschule waren vom Schul-und Talmud-Torah-Vorstand 1831 Mark gefordert worden. Der Gemeindevorstand ist noch über diesen Antrag hinausgegangen und hat die Summe von 2000 Mark bewilligt. Der Referent Professor Kalischer gibt seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Gemeindevorstand aus eigener Initiative mehr bewilligt, als der Schulvorstand verlangt habe, und glaubt nicht fehl zu gehen, wenn er bei. diesem Beschlüsse die Mitwirkung des neuen sachverständigen Mitgliedes des Gemeindevorstandes, des Chemikers Geheimrat Pinner, vermutet. Geheimrat Pinner teilt auf Anfrage dann mit, daß die von ihm befürwortete Ergänzung meist elektrotechnische Apparate betreffen. Er weist gleichzeitig darauf hin, daß in den Etat der Schule jährlich eine kleine Summe zur Erhaltung und Ergänzung der Apparate eingestellt werden.müsse. — An den Bibliothekar der Schüler- und Lehrerbibliothek der Knabenschule wurde alsdann debatkelos eine Remuneration von 75 Mark bewilligt, für die Herrichtung einer neuen Laubhütte für die Synagoge Kaisersträße die Ausgabe von 2400 Mark beschlossen. — Die bereits eingangs erwähnte interessante Debatte schloß sich an Punkt 14: die Einsetzung einer gemischten. Deputation zur Vorberatung der Frage der Wahl noch eines Predigers sowie eines Rabbiners an. Der Referent Rechtsanwalt Dr. Cohn empfiehlt die Vorlage zur Annahme. Er weist kurz darauf hin, daß das Wachstum der Gemeinde, die Errichtung zweier neuer Synagogen (Rhkeftraße und Fasanenstraße), die Anstellung neuer Funktionäre dringend erforderlich machen, um den Beschwerden des Publikums entgegenzuwirken, daß nicht an allen Sabbaten und Festtagen in sämtlichen Synagogen Predigten gehalten werden. Aus Mangel an Rabbinern hätten auch die . Schrifterklärungen nicht in allen Synagogen gegeben werden können. Gemäß dem Ausschußantrage befürwortet der Referent, die für die Wahl des letztgewählten Predigers tätige Kommission wieder zusammenzusetzen und die Herren Plumenthal, Loewenthal, Geiger und Cohn zu wählen. Der Gemeindevorstand hat die Einsetzung der Kommission genehmigt und die Herren Julius Jacoby und Kommerzienrat Eisner hierzu delegiert. Professor Kalis ch er hat sich nicht von der Notwendigkeit der Anstellung beider Beamten überzeugen können. Nach seiner Ansicht sollte der Gemeindevorstand seine Autorität einsetzen, die beschlossenen Schrifterklärungen, die wesentlich zur Hebung des Interesses am Gottesdienst beitragen, zur Durchführung für alle Synagogen zu bringen. Herr Weinberg erkennt dagegen das Bedürfnis der Anstellung eines Rabbiners an,_ wünscht aber die Ablehnung der Wahl eines Predigers. Sollte ein Rabbiner sich als Prediger hier melden, so würde dieser nicht einer der besten sein,, und für die hiesige Gemeinde müsse das Beste gerade gut genug sein. Andererseits könne es nicht gut . geheißen werden, junge Kandidaten als Prediger anzustellen, die sich hier erst ihre Sporen verdienen sollen Direktor Dr. Minden hat nichts gegen die Einsetzung der Kommission einzuwenden. Er beklagt den Mangel eines Organs, in dem sich die berufenen Vertreter der Gemeinde mit ihren Geistlichen über den Inhalt der Predigten aussprechen, und verweist auf das Beispiel der hiesigen Reformgemeinde, in welcher seit Jahren eine derartige Institution bestehe und sich gut bewährt habe. Er könne darin, wie bereits im Ausschuß erwidert worden sei, eine Beschränkung der Redefreiheit nicht erblicken; eine solche Einrichtung einer gemeinsamen Aussprache bringe nicht nur der Gemeinde Nutzen, sondern auch den Rabbinern, die nicht für alle Zeiten unfehlbar seien und denen auch an einer Fortentwicklung viel gelegen sein müsse. Herr Julius Jacoby betont, daß die Zahl der Rabbiner nicht ausreiche und daß wir mehr Beamte einstellen müssen, schon um die älteren Geistlichen zu entlasten. Gegen dieWahl des Predigers sei nichts einzuwenden, und die in der hiesigen Gemeinde vollzogenen letzten Predigerwahlen hätte niemand zu bereuen gehabt. Während man aber einen Rabbinerlebenslänglich anzustellen verpflichtet sei, könne man erforderlichenfalls einen Prediger wieder entlassen. Der Zeitpunkt der Einsetzung der gemischten Kommission sei nicht zu früh, da, wie schon früher, Jahre vergehen können, ehe ein geeigneter Rabbiner gefunden werde. Den Mindenschen Vorschlag hält Herr Jacoby für unbedenklich, aber sehr: schwierig werde es sein, die geeigneten Männer für eine

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