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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-04-27 · Heft 17 (27.4.1906) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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199;-'ic Gleichstellung bei; Rabbiner in Preuße«« mit den Äiiitsgev offen anderer Konfessionen handEn wixd^ a«lf die Aeiißerung des Regierungsvertreters von den nicht „bestehenden Vorschriften über die Vorbildung der Rabbiner" sich berufen. Darum auf gegen diese Vorstellung! Diseitc moniti! Lrirk aus Köln. L. Köln, im April, eim Festabendgöttesdienst am Sonntag, den 15. d. M., wurde post tot äiserimina rsnim die Orgel in rrnferer chönen Neuen Synagoge zum erstenmal gespielt. Das Gottes-' >ans war bis auf den letzten Platz gefüllt, und es bekundete ich hierdurch das lebhafte Interesse, welchem die neue Einichtung in der Gemeinde begegnet. Es hat freilich lange ger wuert, ehe wir so weit kamen; denn der Widerstand de- Orgelgegner klammerte sich an alles, was nur irgend die Ein; ührung der Orgel, wenn nicht verhindern, so doch verzögern sonnte. Eine solche fanatische und feindselige Stellringnahme st eigentlich an einen« Platze wie Köln gar nicht zu verstehen; «cnn nach dieser Richtung hin liegen hier die Verhältnisse so lücklich, daß niemand seinem Gefühle Zwang anzutun braucht. Wen die Orgel stört, der kann in der alten Synagoge sein eligiösen Bedürfnisse befriedigen; wem aber auf solche Weife >olle Genüge getan ist, der sollte doch aber auch nicht zu verändern suchen, daß denjenigen, welche der weihevolle Klang )er Orgel zu größerer Andacht fübrt, nun ebenfalls Gelegenheit geboten werde, nach ihrer Art zu beten. Daß die Orgel in einer Synagoge nicht gespielt werden dürfe, suchen die Gegner ja lediglich dadurch zu beweisen, weil es die Nachihinung eines christlichen Kirchenbrauches sei. Wen«« man «ber bedenkt, daß schon in den ältesten Zeiten die Musik benutzt wurde, den Gottesdienst im Tempel zu Jerusalem zu verherrlichen, so könnte man doch mit größerer Berechtigung behaupten, der christliche Kultus, habe von dem unserigen die Musik, wenn auch vielleicht «licht gerade in der Gestalt der Drgel, obwohl ja die Magrepha etwas Aehnliches gewesen sein soll, übernominen, und «vir. nähmen jetzt nur zurück, was nufer ursprüngliches Eigentum war. Es geht ja auch nicht an, sich Neuerungen, die so den« modernen Gefühlsleben entsprechen, nur deswegen zu widersetzen, weil sie zu uns vielleicht ihren Weg durch die christliche Kirche nahmen. Welchen noch so konservativen Juden stört es denn heute noch, daß unsere Geistlichen ein Ornat tragen, das dein der Pastoren ehr ähnlich ist, daß eine deutsche Predigt gehalten wird, daß;n der .Synagoge, wie z. B. in unserer Neuen, eine Kanzel, ganz irn Stile der in den Kirchen gebräuchlichen, mit einer Wendeltreppe errichtet «vird, daß der Almemor nicht mehr in oer Mitte steht u. dgl. m. Und doch «varen das Einrichtungen, ne eine viel größere und durchgreifendere Neuerung darstellten, «ls die Einführung der Orgel. Zweierlei voneinander gereimte Gefühlsleben können «vir doch nicht haben, etwa daß man mit den« religiösen im graue«« Altertun« steckte und das andere de«« Forderungen «rnsererZeit anpasfeu «vollte. Unsere iuschauungen und Gewohnheitei« bilden sich aus der Welt, in >er »vir leben, i«nd wenn wir daher den Gottesdienst nicht unsere«« also entivickelten Gefühlen und Empfindungei« anpassen. so kann er uns nicht erwärmen; er gibt uns dann, nur etwas Kaltes, wobei eben so wenig für den Geist, «vie 'ür. das Herz^'abfällt.KDie Entwicklung der Juden ««nserer Zeit, oder sagen wir wenigstens ««nseres Landes, hat doch >«un einmal den Gang genommen, daß gegen die vielen sonstigen Anforderungen der Schule das Erlernen der hebräischen Sprache leider mehr und mehr in den Hintergrund getreten ist. * Das mag man preisen oder beklagen, Tatsache ist. daß der «veitaus größte Teil der deutschen Juden nicht in der Lage ist, die von« Ritus vorgeschriebenen hebräischen Gebete zu verstehen ««nd zu lesen — ja. Wer aber dergestalt Gxbete hersagt. ohne ihren Geist in sich auszunehmen, der erfüllt doch nur eine leere Form, die ihn nicht befriedigen kann. Hauptzweck des Gottesdienstes ist es doch aber, uns zu innerer Sammlung anzuregen, uns zur Weihe und Andacht zu erheben. Diesen Zweck glaubten unsere Altvorderen, und gewiß für die damalige Zeit mit Recht, am besten dadurch zu erreichen, daß sie den Gottesdie««st in der von allein Anfang her geübten Forin gestalteten. Mögen also doch alle, bei denen dieses gewvllte Ziel durch die ältere Forin des Gottesdienstes auch heute noch erreicht wird, diesem Ritus treu bleiben; keinem liberalen, keinem gefühlvollen Manne «vird das verächtlich oder lächerlich erscheinen, und niernand «vird sie hindern wollen, den Kultus in der sie befriedigenden Form auszuübeu. Da aber, wo der gewollte Zweck nicht erreicht wird, laffe man den anders Fühlenden die Freiheit, sich der Mittel zu bedienen, von denen sie eine Erhöhung ihrer Andacht und inneren, Sammlung erwarten. Denn dieser Zweck, nicht die Mittel, die zu ihrn führe»«, bleibt die Hauptsache; und speziell in ««nserer Religion »vird doch überall hervorgehobeu, daß der Geist über den Blrchstaben siegen soll. Das Gefühl der konservativen Jltden wird durch die Orgelinitsik verletzt? Das Gefühl ist zum großen Teil nur ein Ergebnis unserer Gewohnheiten; «vas man täglich tut, sieht und hört, von de««« bekommt man das Gesühl, daß es nur so, und nur so, geschehen müsse. Alles, was aus diesem Rahmen herausgeht, wird unserem Gefühl nach der angenehnien oder «lnangenehinen Seite — auffällig. Und «vie sich das Gefühl «nit dem Ornat, mit dem Chorgesang, mit der de««tschen Predigt «cnd mit der urbildlich christlichen Kanzel abgefunden hat, so wird es sich auch schließlich «nit der Orgel abfinden, «venn nur die Träger dieses Gefühls sich überwinden können, die Orgel nicht von vornherein verurteilen zu «vollen, ohne sie eine Zeitlang wenigstens auf sich «virken zu lassen. Wer etwas abscheulich finden will, der kann das allerdings leicht haben, und so sind denn allerdings eiuige — nicht zu zahlreiche — Gemeindemitglieder jetzt von der neuen in die alte Synagoge übergefiedelt. Hier wurden sie von« Rabbiner Dr. Rosenthal mit einer allen Zuhörern sehr zu Herzen gehenden «tnb sehr beachteten Predigt empfangen, worin dieser, selbst ein Gegner der Orgel, in schöner, erbaulicher Rede zum Frieden ermahnte. Jetzt, wo für die Erregung der Ge«nüter durch die Aufstellung der Orgel, welche das Streitobjekt bildete, kein Grund inehr vorhanden sei, jetzt solle «nan die Streitaxt auch begraben und jeder solle das Seinige zur Erhaltung und Kräftigung des Friedens in der Gemeinde beitragen, eine Mahnung, die hoffentlich alle. Liberale «vie Konservative, recht sehr beherzigen werden! Die Wirkling der Orgel bei ihre««« ersten Erschallen »var überivältigend; ein Hauch der Weihe und der Erhebung durchzog das «veite Gotteshaus. Es war aber auch kein Geringerer als Professor Franke, welcher diese Klänge aus ihr hervorzauberte und mit einem Präludiu»« von Händel die Orgel zum erstenmal zur Geltung brachte. Die Gemeinde ist diesen« Meister z«« großem Dank verpflichtet; denn er hat ihr nicht nur diese Liebenswürdigkeit erwiesen, die Orgel bei ihrer Einweihung zu spielen, sondern auch während des Baues als Sachverständiger der Gemeinde manche Aenderung in der Disposition der Stiinmen veranlaßt. Dafür darf die Orgel

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