Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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dem Umstande zu dankendaß er als geborener Dresdener mit unserer Gemeinde eng verwachsen ist. Die Verhältnisse und Bedürfnisse derselben genau kennend und dem Judentum mit frommem Herzen zugetan, wird er das Vertrauen seiner Wähler gewiß allezeit rechtfertigen. — Das Hinscheiden des Herrn Justizrat G. Meyer hat in der ganzen Gemeinde schmerzliches Bedauern hervorgerufen. Ganz besonders ist hervorzuheben, daß er es verstanden hat, unsere Gemeinde in würdiger und wirksamer Weise bei den öffentlichen Behörden zu vertreten. Sehr häufig wurden durch persönliche Aussprache mit denselben wichtige Gemeindeangelegenheiten zu unsern Gunsten erledigt. Trotz seiner hervorragenden Stellung und der großen Verdienste, legte er stets ein bescheidenes Verhalten an den Tag, Befriedigung ausschließlich in der gedeihlichen Entwicklung unseres Gemeindelebens suchend. Der Plan betreffend die Bildung eines Verbandes der sächsischen Gemeinden, dessen Statuten Justizrat Meyer ausgearbeitet, hat durch seine Amtsniederlegung wohl eine kleine Verzögerung erfahren, wird aber nunmehr seiner Verwirklichung entgegengeführt werden. Das Andenken des vortrefflichen Mannes wird unvergessen irr unserer Gemeinde fortleben! — Am 1. d. M. feierte.-, Karr A. Löffler sein 50jähriges Amtsjubiläum als Kantor in unserer Gemeinde. Herr Lehrer Levi, an der Spitze der hiesigen Gemeindebeamten, hob in warm empsundener Ansprache das kollegiale Verhalten und die würdevolle Amtsführung des Jubilars hervor. Ein Vertreter des Gemeinderats wie der Synagogenkommission, gemeinsam mit Herrn Rabbiner Dr. Winter, hielten ehrende Ansprachen und überreichten dem Jubilar wertvolle Geschenke als Zeichen der Würdigung der treuen und gewissenhaften Wirksamkeit desselben. ----- Wiesbaden, 16. April. Der „Israelitische Unterstützungsverein" konstatiert in seinem Jahresbericht für 1905, daß die Zahl der Mitglieder von 263 auf 276 gestiegen ist. Tie Liste der „Ewigen Mitglieder" wurde infolge hochherziger Legate ebenfalls um drei vermehrt. Die Einnahmen aus den ordentlichen Beiträgen der Mitglieder haben sich indessen doch nur um weniges vergrößert, während die ordentlichen Ausgaben an Arme und Bedürftige eine ziemlich höhere Summe in Anspruch nahmen, als im Vorjahre, j Nur durch hochherzige Schenkungen und Legate ist es gelungen, den an die Vereinskaffe gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Der Rechnungsabschluß balanciert in Einnahmen und Ausgaben. e. Frankfurt a. M., 14. April. In der vierten ordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zu Frankfurt a. M. gedachte der Vorsitzende, Charles L. Hallgarten, der verstorbenen Mitglieder Dr. Heinrich Meyer Cohn - Berlin, Julius Goldschmidt-Worms. Edmund Kantorowitz-Posen, Zadok Kahn-Paris, F. D. Mocatta-London und Meyer S. Jsaacs-Newyork, machte die Anzeige, daß im lausenden Jahr wieder ein reich illustriertes Heft der „Mitteilungen" herausgegeben wird, berichtete über die Vorbereitungen für die in Frankfurt geplante Ausstellung für jüdische Kunst, Geschichte und Kultur und teilte mit, daß auf der dritten deutschen Kunstgewerbeausstellung zu Dresden Direktor Frauberger einen Synagogenraum angemeldet hat, zu dessen Herstellung die israelitischen Gemeinden und Kunstfreunde die erforderlichen Mittel zusammengeschossen haben. Direktor Frauberger erstattete den Bericht über das abgelaufene Jahr. Daraus geht hervor, daß dank der Mitwirkung verschiedener Künstler und Gelehrten die Sammlungen der Gesellschaft sich vermehrt haben. Gesterretch-Nngarn. A Wien, 15. April. In den Jubel, der augenblicklich wieder in Oesterreich über die Versöhnung mit Ungarn herrscht, stimmen die antisemitischen „Brüder" aller Farben gar nicht eiru Ihnen ist das „verjudete" Ungarn schon seit jeher ein Dorn im Auge. So haben sie alsbald ausgeheckt.derJustizminister des neuen Kabinetts Wekerle sei ein Jude! Geza Polönyi äußerte sich darüber folgendermaßen: „Ich weiß nicht, wie meine Ministerkollegen über die Angriffe der christlichsozialen Blätter denken, die ich wenigstens gelesen habe. Auf die gegen die Zusammenstellung des Kabinetts gerichtete abfällige Beurteilung will ich nicht reflektieren. Ein christlichsoziales Blatt konnte aber nur ein einziges Argument gegen das Kabinett Wekerle ins Treffen sühren: Es erklärte, daß ich Jude bin. Demgegenüber erkläre ich, daß ich zwar kein Jude bin, daß ich es aber nicht bedauern würde, wenn ich es wäre." — Noch komischer ist der Streit zweier klerikal-antisemitischer Blätter über dasselbe Thema. Das „Vaterland" hatte jüngst entdeckt, daß die ungarischen Wirren der letzten Jahre ein Werk der „jüdischen Freimaurerlogen" seien und belegte diese Behauptung sogar mit „Akten". Doch siehe da, das klerikale Organ in Budapest, „Alkotmany", rührte sich nicht. Tief gekränkt klagte das „Vaterland", daß „Alkotmany" bisher alle Enthüllungen über das Treiben der Logen reproduziert habe, nun aber teilnahmslos bleibe. Das hatte freilich einen guten Grund. Die magyarische Koalition, die ein Werkzeug des Freimaurertunrs sein soll, hat in der antisemitisch angehauchten katholischen Volkspartei Ungarns den eifrigsten Förderer und Mitstreiter gefunden und „Alkotmany", das Hauptorgan dieser Fraktion, konnte doch nicht die Behauptung unterstützen, daß die Koalitionsmitglieder und mithin die geistlichen Würdenträger und Kapläne, die in der katholischen Volkspartei organisiert find, Freimaurer seien. Doch das „Vaterland" fand bald eine Genugtuung. „Alkotmany" hat den Versuch gemacht, die Tulpe, die in der jüngsten Zeit von den radikalen Magyaren im Knopfloch getragen wird, zu einem antisemitischen Abzeichen zu stempeln. Als dann diese Behauptung von den Arrangeuren der Tulpendemonstrationen dementiert wurde, tat das „Vaterland" so, als wäre nun die Sühne für die Missetat gekommen. Die Leute scheinen wirklich keine anderen Sorgen zu haben. Ameriks. st. Philadelphia, 4. April. Es wird gewiß auch Ihre deutschen Leser sehr interessieren, das folgende anerkennende Schreiben zu lesen, das der als Kanzelredner und Philantrop rühmlichst bekannte Reverend Dr. Joseph Krauskopf, der Präsident der National Farm School in Germantown, Pa., vom Präsidenten Theodore Roosevelt erhalten: „Werter Herr! Sekretär Wilson hat mir mitgeteilt, daß er der von Ihnen und Ihren Kollegen in Doylestown, Pa., gegründeten „National Farm School" einen Besuch abgestattet hat, und er spricht sich in der begeistertsten Weise über den Wert Ihrer Bestrebungen und Ihrer Tätigkeit aus. Ich entsinne mich sehr wohl, daß ich den Vorzug hatte, während des spanisch-amerikanischen Krieges bei Santiago Ihre Bekanntschaft zu machen» als sie in Ihrer amtlichen Eigenschaft als „National Relief Commisfioner" der Gast des nunmehr verstorbenen Generals Joseph Wheeler waren. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen sowie ihren Herren Kollegen jeglichen Erfolg in Ihrem bewunderungswürdigen Bestreben wünsche, die jungen Leute, an deren Schicksal Sie einen Anteil nehmen, in praktischer sowie in wissenschaftlicher Beziehung für die Landwirtschaft auszubilden. Nichts tut dem Lande so not, wie die verschiedenen Bewegungen, um die Farmarbeit wissenschaftlicher, einträglicher und auch angenehmer zu gestalten, denn keine Nation kann es vergessen, daß ihre Wohlfahrt auf der Wohlfahrt und dem Charakter des Mannes beruht, der das Land bebaut. Mit den besten Wünschen verbleibe ich Ihr aufrichtiger Theodore Roosevelt." Von Ach und ssern. Dem praktischen Arzt Dr. med. Gustav Outm an n ist das Prädikat Professor beigelegt worden. — Von den Zöglingen der preußischen Lehrerseminare waren 621 evangelisch, 731 katholisch und 16 jüdisch. Die staatlichen Präparandenschulen wurden von 16 604 Schülern besucht, darunter war — einer jüdisch. — Dem Bankier Hermann Fr enkel wurde der Rote Adlerorden IV. Klasse, dem Geh. Kommerzienrat Emil Jacob der Kronenorden II. Klasse verliehen. — Der Justizrat Maximilian Kempner ist zum Geh. Justizrat ernannt worden. — Der Schriftsteller Wilhelm Lil i ent hat, der unter dem Namen Wilhelm Thal bekannt geworden, ist auf der Reise nach Meran, wo er Erholung suchen wollte, in Grafing (Bayern) infolge eines Schlaganfalls am 11. April gestorben. Er hat nur ein Alter von 39 Jahren erreicht. Das Uebersetzungsgebiet war seine eigentliche Domäne. In Lübbecke ist am 6. b. M. Herr Julius Rüben, der langjährige Vorsitzende des Repräsentanten-