Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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n.im >..16. Dxx Oemeindeüote. DrNsgr zur „Allgemeinen Letkung deK Judentums. Korrelpondrn-kn und Oschrichtrn. Deutschland. Berlin, 18. April. Die in der vorigen Nummer bereits angekündigte Konferenz des stellvertretenden Vorsitzenden des Hilfsvereins deutscher Inden, Dr. Nathan, mit dem Polizeipräsidenten von Borries hat dieser Tage stattgefunden und ein für die russischen Emigranten günstiges Ergebnis gehabt. Zwar wird auf jene Emigrauten, die sich in Rußland in revolutionärem Sinne betätigt haben, auch weiterhin keine Rücksicht genommen werden. Dagegen soll von jetzt ab russischen, politisch nicht verdächtigen Inden ein längerer Aufenthalt selbst dann gewährt werden, wenn sie momentan mittellos sind und noch auf eine Realisierung ihrer Liegenschaften in Rußland warten. Es handelt sich da übrigens größtenteils um Personen, die ohnehin die Absicht haben, späterhin nach Amerika auszuwandern. Dr. Nathan bestreitet noch ausdrücklich die Richtigkeit der in einem. Londoner Blatte erschienenen Notiz, daß die Mehrheit der von der Ausweisung aus Berlin bedrohten russischen Juden nach England abgeschoben werden soll. Das deutsche Hilfskomitee hat die ausdrückliche Verpflichtung übernommen, keine moralisch oder politisch zu beanstandenden Elemente nach England zu senden. 2/D Berlin, 18. April. Der VIII. Deutsch-Israelitische Gemeindetag hat im Oktober 1898 folgenden einstimmigen Beschluß gefaßt: „Der D. I. G. B. beauftragt den ständigen Ausschuß unter der Befugnis zur Kooptation, eine Enquete über die rechtliche Organisation der jüdischen Gemeinden Deutschlands zu veranstalten und den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Gesetzes vom 23. Juli 1847 und der übrigen im preußischen Staatsgebiet derzeit geltenden Judenorganisationsgesetze auszuarbeiten." Den ersten Teil dieses Beschlusses hat Herr Rechtsanwalt und Notar Machol in Königstein i. T. bereits vor längerer Zeit ausgeführt, indem er eine umfangreiche systematische Zusammenstellung sämtlicher in den verschiedenen Landesteilen Preußens und in den deutschen Bundesstaaten geltenden 'Judenschaftsorganisationen ausgearbeitet hat. Auf Grund dieses Materials hat es der ordentliche Professor an der juristischen Fakultät zu Freiburg, Herr Geheimer Hofrat Dr. Rosin, der als Mitglied des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten zu Freiburg i. B. die Angelegenheit auch aus praktischer Erfahrung kennt, übernommen, einen zur Einreichung an die zuständigen preußischen Ministerien bestimmten Gesetzentwurf für die Gesamt Organisation der preußischen Judenheit zu verfassen. Ueber feine Stellung zu den in Frage kommenden Grundsätzen der Organisation hat der genannte Gelehrte in einem mit großem Beifall aufgenommenen Referate an den X. ordentlichen Deutsch-Israelitischen Gemeindetag, der zu Pfingsten verflossenen Jahres in Frankfurt a. M. getagt hat, berichtet.. Auch in der jüdischen Fachpresse hat der in den „Mitteilungen Nr. 65 des Deutsch-Israelitischen Gemeindebündes" abgedruckte Vortrag im wesentlichen lebhafte Zustimmung gesunden. Inzwischen ist der mit eingehender Begründung versehene Gesetzentwurf beim D. I. G. B. eingelaufen, der so schnell als möglich die erforderlichen weiteren Schritte vornehmen wird, um die weitere Behandlung der Sache zu fördern. s. Berlin, 12. April. Eine von Berliner und auswärtigen Mitgliedern gut besuchte Sitzung des „Kuratoriums des Gesamtarchivs der deutschen Juden" wurde am 1. d. M. im Bureau des D. I. G. B. abgehalten. Das Archiv wurde am 1. Oktober 1905 im Hause Lützowstraße 15 unter Leitung des Herrn Dr. Täubler, der durch das hiesige Königliche Geheime Staatsarchiv für sein Amt ausgebildet wird, dem ein Hilfsarbeiter zur Seite steht, eröffnet. Bereits hat eine größere Anzahl von Gemeinden ihm ihre Akten übergeben, andere haben das gleiche zügesagt, mit noch anderen werden Verhandlungen geführt. Dazu kommen die Archivalien des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und eine Anzahl von Urkunden aus Privatbesitz. Es ist von großer Wichtigkeit, daß diese bedeutsamen und vielfach unersetzlichen Schriftstücke, die in den Händen ihrer bisherigen Besitzer, seien es Privatleute oder Gemeinden, wie die Erfahrung lehrt, vom Untergang bedroht sind, durch Uebergabe an das Gesamtarchiv bewahrt und der historischen Wissenschaft nutzbar gemacht werden. Jede Gemeinschaft ist es ihrer Ehre schuldig, alle auf ihre Vergangenheit bezüglichen Urkunden zu sammeln und vor der Vernichtung zu schützen. Auf einzelne Gemeinden hat das Vorhandensein des Archivs erzieherisch gewirkt, indem auch solche, die vorläufig noch nicht zur Abgabe ihrer Schätze bereit sind, sich nunmehr die Ordnung und Verwahrung derselben angelegen sein lassen. Das anzustrebende Ideal bleibt es, das alle historischen Dokumente der deutschen Judenheit an einer Stelle vereinigt werden. Von besonderem Werte sind die geschlossenen Gruppen, d. h. Sammlungen sämtlicher Gemeindeakten während eines längeren Zeitraumes; solche sind besonders von Darmstadt (mit dem Jahre 1650) und von Ostrowo (mit dem Jahre 1656 beginnend) eingegangen. Das älteste bisher eingegangene Archivstück rührt aus dem Jahre 1570 her. Das Kuratorium beabsichtigt, durch eine populär gefaßte Denkschrift das in jüdischen Kreisen noch wenig verbreitete Verständnis für die Bedeutung des Archivwesens zu heben und durch die Ernennung von korrespondierenden Mitgliedern in allen Teilen des Reiches seinen Bestrebungen Förderer zu gewinnen. Einer bei den Staatsarchiven bewährten Einrichtung entsprechend, soll an die Vorstände der jüdischen Genieinden die Aufforderung gerichtet werden, keine Kassation von Akten vorzunehmen, ohne sich mit denr Gesamtarchiv in Verbindung gesetzt zu haben. 22 Berlin, 18. April. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums seudetirns das Verzeichnis der im Sommer- Semester 1906 zu haltenden Vorlesungen. Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud babli] Kidduschin, Kap. III, 4 Stunden, Mittwochs und Freitags 10—12 Uhr. 2. Talmud babli Joma (curs.), Kap. II, 4 Stunden, Montags und Donnerstags 10—12 Uhr. 3. Talmud jer. Leraehot, Kap. II, 1 Stunde, Donnerstags 12—1 Uhr. 4. Jore De’a (Tur und Schulchan'Aruch 98), 2 Stunden, Mittwochs 8—10 Uhr. 5. Eben ha’ezer XVII (Forts.), 1 Stunde, Montags 12—1 Uhr. 6. Ui'sehne Thora, Buch 7, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 9—10 Uhr. — Dr. Elbogen wird lesen: 1. Pentateuch mit alten hebräischen Kommentaren, 2 Stunden, Sonntags und Mittwochs, 10—11 Uhr. 2) Talmud babli Schebuot, Kap. IV, 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs, 8—10 Uhr. 3. Die ersten Niederlassungen der Juden in Europa, 1 Stunde, Freitags 10—11 Uhr. 4. Der Abschluß des Talmuds und die Saboräer, 1 Stunde, Freitags 11—12 Uhr. 5. Geschichte des Synagogenkultus und der synagog. Literatur, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. 6. Historische Uebungen, 1V3 Stunden, Dienstags 9—10l/2 Uhr. — Professor Dr. Maybaum wird lesen: 1. Methodik des jüdischen Religionsunterrichts (Forts.), 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8-10 Uhr. — Dr. I ah uda wird lesen: 1. Prophetische Texte in historischer Folge (Forts.), 3 Stunden, Montags, Dienstags und Donnerstags 12-1 Uhr. 2. Die Bücher Samuelis mit Berücksichtigung textkritischer Fragen, 2 Stunden, Montags 10—12 Uhr. 3. Ausgewählte Stücke aus der hebräisch-andalusischen Literatur, 2 Stunden, Donnerstags 10—12 Uhr. 4. Bachja's Choboth Hallebabot mit Berücksichtigung des arab. Originals (Forts.), 2 Stunden, Dienstags 10—12 Uhr. 5. Lektüre arabischer Texte für Fortgeschrittene (privatissime), 2 Stunden, in noch zu bestimmenden Stunden. — Dr. Freund wird lesen: Das Gesetz „Ueber die Verhältnisse der Juden" vom 23. Juli 1847, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 8—9 Uhr. — Die Eröffnung des Sommer-Semesters findet am 24. April um 12 Uhr vormittags statt. s. Berlin, 10. April. Am 29. v. M. versammelten sich die Mitglieder des Hilfsvereins für Rawitscher in dem großen Saale des Altstädter Hofes zur 34. Generalversammlung. Der Vorsitzende, Vorstandsmitglied des Aeltesten-Kollegiums der Kaufmannschaft und