Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 188 - . V berührt. Das Paradies der Kinder ist eine hohe Stufe der Herrlichkeit?)" Unter dem Titel „Aechte und unächte Religiosität" folgt darauf der 50. Psalm nebst Kommentar (S. 133 ff.); er ist, wie der Verfasser in der Vorrede (S. VH) hervorhebt, für die Jünglinge bestimmt, welche „durch Fleiß und Anstrengung schon einen höheren Grad von Bildung sich erworben haben, gleichsam als eine delikatere, gewürzreichere Speise". Auch „kleine Gedichte aus dem Hebräischen" finden wir in unserem Buche verzeichnet (S. 145 ff.); einige seien in diesem Artikel wiedergegeben: Der höfliche Verleumder. Wenn ein Verleumder sich sehr höflich vor dir neigt, So flieh: der Bogen schnellt, den Pfeil, wenn er sich beugt. Von Sacharissen?) Der Himmel wird die Harte strafen: Am Tage flieht mich Sacharisse; Und, daß ich nicht im Traum' sie küsse, Läßt sie mich in der Nacht nicht schlafen. Toren und Weise. Der Tor gedeiht, den Weisen beugt Verdruß und Not und Plage, - Die Welt ist eine Wage: Das Schwere sinkt, das Leichte steigt. Eigenschaft des Guten. (frei.) Das Gute bleibet gut, wenn's gleich vom Bösen kam: Im Wust entsteht das Gold, die Perle wächst im Schlamm. Klage eines Alten. Fürwahr, o Zeit! Du bist Ein schlechter Alchimist: Du machst ein silbern Haar Aus dem, was golden war. Leben und Tod. Ihr Freunde, sterb' ich einst, so sparet eure Trauer, Der Tod, fürwahr, ist süß, das Leben nur ist sauer. Der Tod befreit den Geist, dies Vögelchen, vom Bauer. Mensch bedenke dein Ende. Aufblühen-Staub werden — Sieh da, das große Gesetz der Natur! Schau an Des Jünglings Stärke, der Mädchen Schönheit; Was ist ihr Los? Aufblühen — — Staub werden. Als vorletztes Stück befindet sich in unserm Werke eine „Rede, gehalten zu Kopenhagen (den 5. Oktober 1803) in der Prämien-Gesellschaft für Anstellung der jüdischen Jugend bei Künstlern und Handwerkern, von V. A. Hyott, Prediger an der Holmenskirche. Aus dem Dänischen übersetzt". (S. 151 ff.) Die Aufnahme dieser Rede^) hielt Schottländer „nicht für unzweckmäßig, damit die Israelitischen Handwerksburschen, deren es, Gott sey Dank, auch ohne versprochene Prämien schon eine ziemliche Anzahl im Königreiche Westphalen giebt, ihren Stand im Staate aus dem gehörigen Gesichts-Punkte betrachten und dadurch zur muntern Thätigkeit und der ihren Wohlthätern schuldigen Dankbarkeit angefeuert werden mögen". Den Schluß bildet eine „kurze Geschichte der Israeliten, die aller ihrer Unvollständigkeit ungeachtet für manchen h Vergleiche Chagiga 5 a, und Midrasch Schir Ha-Schirim VI, 2. 2) Vielleicht weiß einer der geehrten Leser dieser Zeitung eine Deutung dieser Nummer. 3) In „Sulamith", II. Jahrg., II. Bd., 5. Heft, 1809, wird (S. 328 ff.) ebenfalls eine Rede mitgeteilt, welche Herr H. G. Clausen, Prediger an der Frauenkirche zu Kopenhagen, in der Prämiengesellschast für die Anstellung der jüdischen Jugend zu Künsten und Handwerken bei der Gelegenheit der Prämienverteilung hielt. vielleicht nicht ganz ohne Interesse sehn dürfte". (Vorred S. VIII), und zwar handelt der Verfasser in 13 Kapiteln „vvu dem Zustande der Israeliten nach der Zerstörung Jerusalems Schottländer hatte die Absicht, wie er am Schluffe de Vorrede erwähnt, auch ein „drittes Bändchen" seines Lese buches Nachfolgen zu lassen, dessen Erscheinen er von der: „Urtheile sachverständiger Männer über die Brauchbarkeit de zweiten Teiles^)" abhängig macht. Wir können jedoch un . Bestimmtheit annehmen, daß ein fernerer Band dieses Werke nicht erschienen ist. Ergänzend sei noch darauf hingewiesen« daß unser Verfasser in der Vorrede (S. VI, Anmerkung) eine von ihm ver öffentlichte Schrift: „Der Levit von Ephraim", Breslau 1798 nennt; andere von ihm der Oeffentlichkeit übergebene Werk sind in dem am Eingänge des vorliegenden Aufsatzes erwähnter Artikel angeführt. - Lsdor Kahm Von Dr. B. Marx-Westhofen. a die Menschheit auf dem Wege zu ihrer zukünftige, Bestimmung nur schwankend und zögernd vorwärts schreitet, muß sie ihren Blick auf einige auserwählte Gestalte, richten, die, den Fixsternen gleich, fähigsind, ihren Pfad zi erleuchten und ihre Schritte zu festigen; sie wählt inmittei; einer Ungeheuern Menge die seltenen Persönlichkeiten, die fidj ihrer Beachtung ausdrängen durch hervorragende Eigenschaftei- und außerordentliche Verdienste, und gestaltet sie — nicht zi, Abgöttern, jedoch zu Vorbildern, die würdig sind, der Nach ahmung aller empfohlen zu werden. Diese Worte, die Zadoc Kahn vor mehreren Jahren den? Gedächtnis eines der größten jüdischen Philanthropen ge widmet, offenbaren sich an seinem Grabe von neuem in ihre, vollen Wahrheit. War er als Mensch groß und bedeutend so daß schon deshalb das französische Judentum sein An denken in Ehrfurcht und Bewunderung bewahren müßte, ft kann er als Rabbiner das Ideal eines modernen jüdische, Seelsorgers genannt werden. Unbestrittene Autorität, hervorragende Beredsamkeit, vielseitiges Wissen verbanden sich in ihn mit gewinnender Liebenswürdigkeit, einem milden, bescheidene! Charakter, ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und einem Herze, voll unerschöpflicher Güte. Diese offenkundigen Eigenschaften und Fähigkeiten bewirkten es, daß er stets die Stelle einnahn? die ihm gebührte, so daß seine Laufbahn von Anbeginn voi. Glück begünstigt erscheint. Er wurde am 18. Februar 1839 in Mommenheim ii Elsaß geboren, wo seine Eltern in bescheidenen Verhältnisse lebten. Den ersten Unterricht erhielt er? in per dortigen Dor schule, später empfing er Privatunterricht bei dem Räbbim des benachbarten Städtchens Brumath, Salomon Levy, de> Vater des jetzigen Großrabbiners in Bayonne. 1856 trat i sodann in die 1830 gegründete Rabbinerschule in Metz ei> die drei Jahre später nach Paris verlegt wurde. Hier bestall er 1862 das Rabbinatsexamen und wurde bald zum Direkte der Talmud-Thora, der Vorbereitüngsschüle zum Rabbiner seminar, ernannt. 1867 wurde er dem Großrabbiner vo Paris, Isidor, als Stellvertreter (rabbin adjoint) beigesellt, un ») In „Sulamith", IV. Jahrg, I. Bd.. 6. Hest, 1815. findet sb (S.428) die Notiz: „HerrHofrath Schott, Direktor des Jakobsonsche Instituts zu Seesen, hat den zweiten Theil seines für die Israelitisch Jugend bestimmten Lesebuchs „Zaphnath Paneach oder Sammlun usw." heransgegeben."