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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-04-13 · Heft 15 (13.4.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 15 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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-2 — ■ .•;""". ' v' ■' v entsprechende Revision der Statuten an. Nachdem sodann Herr Urh unter allseitigem Beifall dem Vorstande, namentlich dem verdienst-- vollen Vorsitzenden, herzliche Worte des Dankes gewidmet, wurde die Versammlung geschlossen. Die durch Stimmzettel erfolgte Wahl des Vorstandes ergab, wie vorauszusehen war, die einstimmige Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder. Berlin, 9. April. Der Verein „Freunde der Taubstummen — Iedid e Ilm im" hielt gestern seine' ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Vereins, Geheimer Sanitätsrat Dr. Boas, gedenkt zunächst mit warmen Worten des kürzlich verstorbenen langjährigen Vorstandsmitgliedes Herrn M. Apelt in Halle a. S., dessen Andenken die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen ehren, und erteilt hierauf dem Direktor der Anstalt das Wort zur Erstattung des Berichtes über die Tätigkeit des Vereins. Die Anstalt zählt gegenwärtig 45 Zöglinge, 23 Knaben und 22 Mädchen, die sich aus verschiedenen Provinzen des Reiches rekrutieren. Der Unterricht wird von dem Direktor, zwei ordentlichen, zwei Hilfslehrern, einer Lehrerin und einer Erzieherin erteilt. Im engen Zusammenhänge mit der allgemeinen Ausbildung steht der Religions¬ und hebräische Unterricht. Außerdem sind ein Bildhauer- und ein Buchbindermeister angestellt, um die Knaben handgeschickt zu machen und sie so zu einem praktischen Berufe vorzubereiten. Der Verein zählte am Jahresschluß 1136 Berliner und 2199 auswärtige Mitglieder. Die immerwährende Mitgliedschaft wurde in acht Fällen neu erworben. Der Fonds für entlassene Zöglinge vermehrte sich im abgelaufenen Jahre um 1570 Mark. Die von Jahr zu Jahr sich steigernden Unkosten weisen den Verein auch ferner darauf hin, alle Gemeinden, Wohltätigkeitsanstalten, Logen, sowie alle edlen Menschenfreunde aufs herzlichste zu bitten, ihm finanziell zu helfen, um das Los der unglücklichen jüdischen taubstummen Kinder aus allen Gauen Deutschlands zu mildern. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß eine große Anzahl dieser unglücklichen Kinder in christlichen Anstalten sich befinden. Hierauf erstattet Herr Heinrich Frankel den Kassenbericht und beantragt namens der Revisionskommission die Entlastung der Kassenverwaltnng, die einstimmig erfolgt. Nach Festsetzung des Etats für 1906, der mit 39 450 Mark in Einnahmen und Ausgaben balanciert, wurden per Akklamation die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder: W. Loewenthal, A. Salomon, Louis Ed. Sachs-Berlin, H. Dessauer, Frankfurt a. M. wieder-, und Kommerzienrat R. Friedländer, Jsmar-Hamburg und Friedman n-Berlin neugewählt. Ebenfalls per Akklamation erfolgt die Wiederwahl der Revisoren Oskar "Berlin, Heinrich Fränke l und Oskar Rathenau. Der seit 22 Jahren bestehende und segensreich wirkende Verein verdient die tatkräftigste Förderung. y. Berlin, 15. April. Dem Komitee für Chanukahbescherung (Vorsitzende Frau Julie Reumann) sind, wie wir dem vor kurzem erstatteten Bericht entnehmen, an Barmitteln 22986,30 M. (darunter sieben Spenden in Gesamthöhe von 2000 M.), außerdem wertvolle Textilstoffe, Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände zugegangen. Die Unterstützung erbaten 691 Familien mit 1367 Kindern, von denen 7 abgewiesen worden sind. Für die übrigen 1360 Kinder wurden durchschnittlich je 15,05 M.. insgesamt 20468,93 M. verwendet, für welchen Betrag fast jedes Kind Kleidung. Stiefel und Wäsche nach Maß angefertigt erhielt. Zur Ausführung sind ausschließlich kleine Handwerker beschäftigt worden, denen dadurch vielfach ihr Fortkommen erleichtert wurde. 8., Berlin, 12. April. Der Berliner Synagogenbezirk ist durch Angliederung weiterer Ortschaften des Kreises Teltow und Niederbarnim beträchtlich erweitert worden. Er umsaßt, außer den Stadtkreisen Berlin. Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf, unter anderen folgende größere Ortschaften: Aus dem Kreise Teltow: Deutsch-Wilmersdorf, Friedenau, Steglitz, Tempelhof, Treptow, Groß- Lichterfelde, Zehlendorf-Grunewald, Wannsee, Schlachtensee, Teltow, Groß-Beeren usw.; aus dem Kreise Nieder-Barnim: Hohen- und Nieder-Schönhausen,Friedrichsberg-Lichtenberg.Friedrichsfelde,Pankow, Reinickendorf, Rummelsburg, Tegel, Weißensee, Plöhensee, BieSdorf bei Berlin, Blankenfelde, Heinersdorf usw. i. Benthen O.-Echl., 6. April. Am Dienstag sind hier in zwei Säcken die.Leichenteile einer männlichen Person gefunden worden. Aus diesem Funde macht nun die klerikale „Oberschlesische Zeitung" am selben Tage noch einen Ritualmord und wußte schon, ohne erst den ärztlichen Befund abzuwarten, daß der Körper und die einzelnen Teile blutleer waren, ja sie wußte auch, trotzdem die Leiche vollständig verstümmelt war, daß es sich bei dem Ermordeten um einen Nichtjuden handelte. Die „Oberschlesische Zeitung" behauptet nun, daß galizische Heujuden die in zwei Säcken untergebrachten Leichenteile im Heu versteckt und beim letzten Wochenmarkt in Beuthen unbemerkt auf die Straße geworfen haben. Die von dem Antisemitenblatt herbeigesehnte große Aufregung unter der Bevölkerung, von der es ebenfalls schon" zu melden wußte, ist auch eingetreten, denn 'am Mittwoch wurden einem jüdischen Händler aus der Ritterstraße die Fensterscheibeneingeschlagen. Durch den ärztlichen Befund ist nunmehr festgestellt worden, daß der Ermordete vergiftet und die Leiche erst nach Eintritt der Leichenstarre zerstückelt worden ist. z. Rybirik, 7. April. Am 25. v. M. haben wir eine hochbetagte Frau zu Grabe getragen, die einem Hause entstammte, das dem Judentum und der Menschheit eine Reihe bedeutender Gelehrten geschenkt: Frau Dorothea Aronade, geb. Rahmer. Eine Frau, wie ihre Eltern und Brüder, hervorragend an Geist und Gemüt, hat sie ihr Wissen und Können nicht nur in sich, sondern auch hinausgetragen zum Wohle ihrer Familie, zur Ehre der Gemeinde. Eine der Frauen, wie sie in unseren Gemeinden leider immer seltener werden! Eine fleißige, geschästsgewandte Gehilfin ihrer Eltern, eine hilfvereite Schwester, die die elterliche Fürsorge als heilige Pflicht übte, solange die rat- und tatheischenden verwaisten jüngeren Geschwister ihrer bedurften; eine Gattin und Mutter im Sinne unserer Stammütter, und endlich selbst ein Vorbild für das Wirken und Streben des echt jüdischen Weibes: Die letzte Säule unverfälschten' Judentums unserer Gemeinde. Darum war sie geachtet, geehrt, geliebt von denen, die durch die Bande des Blutes mit ihr verknüpft waren und von weiten Schichten unserer Bevölkerung. Das zahlreiche Trauergesolge war der lauteste, beste, erhebendste Mahnruf für dieses Biederweib. e. Hannöver, 9. April. Der Landgerichtsrat Hammerschlag von hier ist nach Berlin als Kammergerichtsrat berufen worden. Bisher galt die Beförderung eines jüdischen Richters zum Kammergerichtsrat, und wenn er sich auch noch so vorzüglich dazu eignete, bekanntlich als eine Unmöglichkeit, wie besonders das Beispiel des im vorigen Jahre verstorbenen Landgerichtsrat Baer beweist. Hammerschlag war Assessor vom Juni 1886; 1894 wurde er Amtsrichter in Papenburg und 1897 Landrichter in Hannover. Landgerichtsrat Hammerschlag war hier Mitglied des Kuratoriums der Erziehungsanstalt in Ahlem und des Vorstandes der Simon-Stiftung. M. Hamburg, 3. April. Eine Gedenkfeier am Grabe Rießers fand gestern hier auf dem jüdischen Friedhofe statt. Das Denkmal, das im Jahre 1865 .von christlichen und jüdischen Freunden errichtet wurde, ist einer vollständigen Renovierung unterzogen worden. Zur Gedenkfeier erschienen Vertreter des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums und Deputationen verschiedener Verbände, welche Kranzspenden niederlegten. Nachdem Kantor I. Mandl den Psalm 91 vorgetragen, hielt Prediger Dr. Leimdörfer eine tiefempfundene, ergreifende Gedenkrede, die nach Würdigung der unvergänglichen Verdienste Rießers mit dem Gelübde schloß, sein Andenken in Ehren zu halten und auf seinen Wegen zu wandeln für und für. - Im Namen des Komitees für die Jahrhundertfeier legte Dr. Lippmann einen Kranz nieder. Im Namen des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger .jüdischen Glaubens" legte Prediger Dr. Rieger eine Blumenspende mit folgenden Worten nieder: „Als Rießer den Kampf für die Freiheit der Juden ausgekämpft hatte, gab er seinen Glaubensgenossen den Rat, sich in Verbünden zusammen zu schließen. Diesen Rat hat der Zentralverein befolgt. Zwei Ehrentage sind es, die die deutsche Judenheit Gabriel Rießer verdankt, der 21. März 1849, als er, ein Jude, im Parlament die deutsche Reichsverfassung forderte, und dann jener Tag, wo er als Jude dem Hohenzollernkönig die deutsche Kaiserkrone mit anbieten durfte. Wir geloben hier am Grabe, im Kampfe nicht nachzulassen, bis wir das Ziel, das ihm einst vorgeschwebt, erreicht haben. Nicht Duldung, sondern Gleichberechtigung, nicht Rechte, sondern das Recht, nicht Freiheiten, sondern die Freiheit." Rektor Feiner sprach noch im Namen des Vereins „Mendelssohn"; für den Bürgerverein Harvestehude-Rotherbaum legte Herr Fraustädter, im

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