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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-04-13 · Heft 15 (13.4.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 15 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. No. 15. gJ'JJ Berlin, 13. April 1906 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums. r~ karrrlpo»dm?ru und Machrichten. Deutschland. '2^L Berlin, 12. April. Unsere Gemeindebehörden haben aus dem Geheimen Zivilkabinett des Kaisers das nachfolgende Handschreiben erhalten: Berlin, den 26. März 1906. Ihre Majestäten der Kaiser und König und die Kaiserin und Königin haben die Allerhöchstihnen zur Feier der Silbernen Hochzeit von dem Vorstande und den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Berlin in einer Adresse dargebrachten Glückwünsche sowie die Meldung von der aus diesem Anlasse erfolgten Stiftung eines Kapitals von^'100 000 Mark als Grundstock für die Errichtung einer Abteilung für Frauenkrankheiten nebst einer Entbindungsanstalt an dem' ^demnächst zu erbauenden Krankenhause mit Befriedigung entgegengenommen und lassen für das freundliche Gedenken an Allerhöchstihrem Ehrentage bestens danken. Allerhöchstem Aufträge zufolge setze ich den Vorstand und die Repräsentanten hiervon ergebenst in Kenntnis. Der Geheime Kabinettsrat Wirkliche Geheime Rat (gez.:) Lucanus. Berlin, 9. April. Seitens der hiesigen jüdischen Gemeinde sind Ostern v. I. Kurse eingerichtet worden, welche bezwecken, S emi n ari stinnen Gelegenheit zu bieten, sich auch in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Dauer der Kurse, deren Besuch unentgeltlich ist, beträgt, entsprechend der Dauer des Seminarbesuches, bei 4 Stunden wöchentlich 3 Jahre. Am Ende der Ausbildungszeit soll eine Abschlußprüfung stattfinden und über deren Ergebnis den Teilnehmerinnen ein Zeugnis ausgestellt werden. Der Besuch der Kurse ist auch geprüften Lehrerinnen gestattet. Der Unterricht findet Montag und Donnerstag nachmittag statt. Leiter der Kurse ist der Rektor der Mädchenschule der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Dr. Gutmann, Kaiserstraße 29 30, der Anmeldungen entgegennimmt und zu jeder weiteren Auskunft gern bereit ist. 8. Berlin, 6. April. Die Rießer- Gedenkfeier, die gestern abend zur hundertsten Wiederkehr des Geburtstages dieses bedeutenden Vorkämpfers für die politische und soziale Gleichberechtigung der deutschen Juden im großen Saale der „Philharmonie" vom „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" abgehalten wurde, hatte eine vieltausendköpfige Menschenmenge herbeigeführt. Auf dem Podium, dessen Hintergrund gleichfalls von einer dichtgedrängten Zuhörerschaft besetzt war, hatten die Abordnungen jüdisch - studentischer Verbindungen in Wichs und mit ihren Bannern Platz gefunden. Ein Orgel-Präludium leitete mit seinen mächtig rauschenden Klängen die Feier ein. Ihm schloß sich ein Quartett aus Mendelssohns Oratorium „Elias" an, von trefflichen Künstlern vorgetragen, von Herrn Kapellmeister Eduard Levy vortrefflich dirigiert. Eine Bachsche Kantate beschloß das Programm. Die Festrede hielt Professor Ludwig Geiger. Er feierte Gabriel Rießer als den unermüdlichen Streiter, bei dem gleichfalls — nach einem Worte von David Friedrich Strauß über Ulrich von Hutten — „der Zorn die Hebamme seines Geistes gewesen sei". Die glänzende Charakteristik Rießers als Kämpfer und Politiker, als Schriftsteller und Mensch, namentlich die feurigen Schlußworte des Redners, in denen er mit Rießer seinen unerschütterlichen Glauben an den endlichen Sieg des Rechts aussprach, machten in der Versammlung den tiefsten Eindruck und entfeflelten einen Sturm des Beifalls. Es folgte sodann eine kurze aber inhaltreiche und warmherzige Ansprache des Vorsitzenden Rechtsanwalt Horwitz, die ausklang in der Mahnung, - weiter fortzuwirken auf der Bahn, die Rießer einst gewiesen habe. 8. Berlin, 8. April. Am25.v.M. fand in den Räumen der Ressource von 1794 die ordentliche Generalversammlung der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums statt, zu welcher sich eine ansehnliche Zahl von Mitgliedern eingefunden hatte. Bei Eintritt in die Tagesordnung sprach die Versammlung einstimmig Herrn Sanitätsrat Dr. S. Reumann für seine hervorragende, segensreiche Tätigkeit als bisheriger Vorsitzender ihren wärmsten Dank aus. Der zeitige Vorsitzende Justizrat Dr. Hermann Veit Simon erstattete sodann den Jahresbericht für 1905 und wies bei dieser Gelegenheit mit Genugtuung auf den Aufschwung hin, welchen die Lehranstalt in den letzten Jahren genommen hat, einerseits durch die Vermehrung der Lehrkräfte, dutch die Erweiterung *des Lehrplans, insbesondere durch die Einrichtung der Ferienkurse für Ethik und Religionsphilosophie, andererseits durch den Beitritt einer großen Zahl neuer Mitglieder, vornehmlich aber durch die hochherzigen Zuwendungen, welche Frau Geh. Kommerzienrat Jda Simon zur Errichtung eines neuen Lehrstuhls und Herr Rittergutsbesitzer Nathan Bernstein zur^Erwerbung eines eigenen Heims für die Lehranstalt in dankenswerter Weise gemacht haben. Aber trotz dieser Zuwendungen ist die Lehranstalt noch nicht in der Lage, den an sie gestellten Anforderungen, wie z. B. die Gehaltserhöhung der Lehrer und der anderen Angestellten und die Begründung einer Pensionskasse für diese, gerecht zu werden. Zudem liegt ihr jetzt die Pflicht ob, für die Errichtung eines würdigen Gebäudes auf dem bereits erworbenen Grundstück Sorge zu tragen, wozu noch ein Kapital von 120000 Mark erforderlich ist. Der Vorsitzende richtete daher einen warmen Appell an die Versammlung, aus eigenen Mitteln zum Bau der Lehranstalt nach Kräften beizusteuern und auch andere zu veranlassen, für diesen Zweck größere Zuwendungen zu machen. Nach Erstattung des Berichtes, woran sich eine kurze Diskussion knüpfte, fanden die Wahlen statt, in welchen die nach dem Turnus ausscheidenden Mitglieder des Kuratoriums, die Herren Geheimer Kommerzienrat Goldberger, Justizrat Dr. H. V. Simon und Max Weiß wiedergewählt und die Herren Prof. Dr. Ludwig Geiger und Oskar Wassermann neugewühlt worden sind. 22 Berlin, 5. April. Der „Hilfsverein für jüdische Studierende" versendet seinen Bericht pro 1905. Wie wir demselben entnehmen, sind im abgelaufenen Jahre dem Hauptverein 128 Gesuche (17 mehr als im Jahre 1904) zugegangen, von denen 60 bewilligt wurden, dem Zweigverein für Gewerbe-, Bau- und Kunstakademiker 28, von denen nur 10 berücksichtigt werden konnten. Einschließlich früherer Verleihungen unterstützte der Verein insgesamt 190 Studierende mit zusammen 33 650 Mark (gegen 37 740 Mark im Jahre 1904). Das Vereinsvermögen ist von 387 826,60 Mark im Vorjahre auf 461 001 Mark gestiegen, dank einer Reihe namhafter Stiftungen, von Frau Johanna Simon (30 000 Mark), Jul. Bleichröder.(15 000 Mark), Professor Felix Liebermann (5000 Mark) usw. Der Ausruf, den der Vorstand zur Begründung einer den Namen des Heimgegangenen verdienstvollen Schriftführers, Herrn Geheimrat Ed. Croner, tragenden Stiftung erließ, brachte 19 085 Mark. Das Amt des Schriftführers hat Herr Professor Dr. Felix Liebermann übernommen. 6. Berlin, 12. April. Die Gesellschaft^ „NaAine Heim" (Verein zu gegenseitiger Hilfe) hielt am 2. d. M. ihre 101. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Moritz Manheimer, gedachte in seiner Begrüßungsansprache des im Vorjahre begangenen hundertjährigen Bestehens des Vereins und verwies sodann auf den gedruckt vorliegenden Bericht über die Entwicklung und die Wirksamkeit der Gesellchaft während der letzten beiden Jahre. Danach ist die Zahl der Mitglieder auf 1601 gestiegen, darunter 58 lebende nnd 258 verstorbene immerwährende. Die Einnahmen der Gesellschaft haben betragen: im Jahre 1904 48 313,65 Mark, 1905 42 924,76 Mark, die der Witwen- und Waisenanstalt 15 843, 35 resp. 28163,38 Mark. An Unterstützungen wurden in beiden Jahren von der Gesellschaft 29 105, von der Witwen- und Waisenanstalt 22 524,08 Mark zusammen also 51 629 Mark ausgegeben. Der Fonds ist auf 519 827,64 Mark gestiegen. Der Schriftführer, Herr Direktor Dr. Minden, verlas die Namen der in der Berichtsperiode verstorbenen Mitglieder und regte eine den veränderten Zeitverhältnisfen

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