Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-04-13 · Heft 15 (13.4.1906) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 15 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228690-3228706--62543-3289694
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

s Aufträge der Henry-Jones-Loge Herr «Solomon Goldschmidt einen Kränz mit entsprechender Ansprache meder. Die vom Rleßer-Konntee gestern abend verattstattete Jahrhundert fei er im Konzerthaus Hamburg war von mehr denn 3000 Personen besucht. Die Veranstaltung nahm einen' glänzenden Verlauf. Außer der mit Begeisterung aüfgenommenen Festrede des Herrn Dr. I. Löwenberg hatte das' Komitee "auch ' für wertvolle mnsikalische Darbietungen Sorge getragen. n. Cassel, 8. April. Das verwaiste hiesige Rabbinat ist nun besetzt.. BezirkSrabbiner Dr. Doktor aus Bruchsal ist Allerhöchst zum Landrabbiner bestellt worden und wird am 1. Mai hierherkommen. Möge er „ein Mann über der Gemeinde" sein, denn leicht ist es nicht. Schon regt sich die Orthodoxie gegen die Wahl, aber diese ist nicht mehr rückgängig zu machen, da sie durch Kabinettsorder erfolgt ist. Eine Petition von hier und einzelner Landgemeinden um Anstellung eines zweiten, und zwarorthodoxen Rabbiners ist von der Regierung abgelehnt worden. IN Duisburg, 9. April. Den Bemühungen des Fräulein Bertha Löwe ist es gelungen, hier eine Vereinigung jüdischer junger Mädchen zu gründen, die schon eine beträchtliche Anzahl Mitglieder zählt. Der Zweck der Vereinigung geht einmal dahin, ihre Mitglieder allen jüdischen Interessen zugänglich zu machen. Das soll erreicht, werden durch regelmäßige Vorträge über die Geschichte des jüdischen Volkes, die Herr Rabbiner Dr. Neumark übernommen hat, durch Diskussions- und Vortragsabende, an denen alle das jüdische Leben berührende Fragen erörtert werden, sowie durch Unterhaltungsabende, die vorzüglich der neujüdischen Kunst gewidmet sein sollen. Ein anderes Ziel, das die Vereinigung mit allem Eifer zu erreichen sucht, ist eine ausgebreitete soziale Tätigkeit. Vorerst ist ins Auge genommen, Kinder solcher Eltern bei Anfertigung der Schularbeiten zu überwachen, die den Tag über durch ihre Berufstätigkeit an der Beaufsichtigung ihrer Kinder verhindert sind. Sodann werden Kindernachmittage veranstaltet werden, die den Kiüdern Vergnügungen im edleren Sinne bieten und durch Ausflüge und Spiele der gesundheitlichen Förderung der jüdischen Jugend dienen sollen. Durch dieses praktische Judentum hofft die Vereinigung einmal, die Kleinen zu stolzen jungen Juden zu machen, die im Kampf gegen unsere Todfeinde, Duckmäuserei und Drückebergerei, allezeit aus dem Posten sind unst andererseits den jüdischen jungen Mädchen durch die Betätigung im Dienste des Judentums die Freude am Judentum wiederzugeben, die besonders den jüdischen Frauen so sehr not tut. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat die Bedeutung der jungen Vereinigung dadurch gewürdigt, daß er ihr das Gemeindesitzungszimmer zur Benutzung überlassen hat. G esterretch-Angsrn. □ Wien, 9.»April. Vor einigen Wochen berichtete ich über die Affäre des jüdischen Malers Alexander Biharh in Budapest, der in einem jüdischen Krankenhause die Taufe empfangen sollte, da seine katholische Gattin sich vor seinem Tode kirchlich wollte trauen lassen. Die Taufe hat auch wirklich und zwar gegen den ausdrücklichen Widerspruch des Spitaldirektors, der dies in den Räumen einer jüdischen Anstalt nicht zugeben wollte, stattgefunden; nun ist wenige Tage danach der Künstler, dem ein Stipendium der israel. Kultusgemeinde in Pest die Ausbildung ermöglichte, gestorben, ohne daß er kirchlich getraut wurde. — Der Leiter des Ministeriums für Kultus und Unterricht hat dem Rabbiner und Religionslehrer an der Staatsrealschule in Karolinenthal, Dr. Isidor Hirsch, den Titel Professor verliehen. — Der galizische Landesschulrat hat den Gymnasiallehrer Eugen Bieganowski, der in der Schule lehrte, daß der „Ritualmord eine historische Tatsache" sei, strafweise von Drohobycz nach Dembiea versetzt und über die weiteren von den jüdischen Eltern vorgebrachten Beschwerden gegen die Gymnasialleitung durch Entsendung eines Schulinspektors eine genaue Untersuchung eingeleitet. Von jflaij und ffnrn. =r Pros. Dr. Moritz Steinschneider hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. Die Universitäten zu Straßburg und Cambridge widmeten ihm eine tabula gratulatoria. — Dr. M. Fie gel ist zum Oberlehrer an den städtischen Mädchen-Realgymnasialklassen ernannt worden. — Wir sind heute in der erfreulichen Lage, die aus Grund falscher Informationen von einigen jüdischen Blättern gebrachte Notiz, der wir in Nr. 10 ebenfalls Raum gegeben, daß Herr Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Fritz Straß mann nicht mehr Jude sei, aus erster Quelle entschieden dementieren zu können. — Bon den 666 weibliche n Studierenden, die als Hospitantinnen für das Wintersemester 1905/06 an der Berliner Universität zugelassen waren, waren 191 Jüdinnen. Diese rekrutieren sich hauptsächlich ans dem Jnlande, da von den 666 Hospitantinnen nur 104 Russinnen waren, von denen ein sehr erheblicher Prozentsatz nichtjudischen Glaubens war. — Der Stadtverordnete H. Wittkowski hat am 5. d. M. seinen 70. Geburtstag fern von Berlin gefeiert. Seit 19 Jahren ist derselbe Stadtverordneter und Mitglied der Armendirektion, der Deputation für das Arbeitshaus und das städtische Obdach, des Heimstättenkuratoriums, sowie der Deputationen sür Jrrenpflege, Krankenanstalten, öffentliche Gesundheitspflege nsw., ferner des Oranienburger Torbezirksvereins, des Wahlvereins der freisinnigen Volkspartei, des V. Berliner Reichstagswahlkreises, des Vereins gegen Verarmung und Bettelei, des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, des Genesungsheims zu Lehnitz usw. Möchte er mit gleicher Frische und Ausdauer noch lange im Dienste unserer Gemeinde zu deren Gedeihen beitragen! — Mit der Verladung von Mazzes ist in Schönlanke jetzt soviel zu tun, daß auf der Eisenbahn dauernder Waggonmangel herrscht. Im ganzen kommen nach dem „Kujav. Boten" 150 000 Kilo Mazzes zum Versand. — Frl. Dr. Paula Philip pson ist. nachdem sie erst vor wenigen Wochen zur unbesoldeten, jetzt zur besoldeten Assistentin au der Breslauer Universitäts-Poliklinik ernannt wurde, unseres Wissens die erste besoldete medizinische Assistentin dieser Art in Preußen überhaupt. — Dr. H. Grünthalin Lauenburg ist als Rabbiner nach Pinne berufen wvrden. — Direktor I. Nobel, Antwerpen, ist einstimmig zum Prediger und Schuldirigenten in Filehne gewählt worden. — In Frankreich wurde Oberst Francfort, Kommandant des 35. Artillerieregiments, zum Brigadegeneral, der Hauptmann Libmann zum Major, der Hauplmann Mayer zum Bataillonschef, die Leutnants Pintus und Aaron zu Hauptleuten, der Leutnant Mayer-Samuel zum Ordonnanzoffizier des Kriegsministers ernannt. — Rev. S. Friedeberg ist zum Senator der hebräischen Sprache an der Universität in Liverpool gewählt worden. — Dieser Tage, übergab eine jüdische Gruppe der Stadt Wyborg dem dortigen Gouverneur eine Bittschrift mit der Forderung, den in Finnland eine gewisse Anzahl von Jahren wohnenden Juden alle Rechte des finnländischen Bürgertums zu erteilen und die Bittschrift dem Sejen (Parlament) des Jahres 1907 vorzulegen. Zu diesem Schritte zwingt die Juden das fruchtlose Warten auf den Tag, wo endlich die finnländische Bureaukratie geneigt sein wird, diese brennende Frage zu lösen. — Die Petersburger „Rjetsch" berichtet, daß der frühere Oberprokuralor des Heiligen Synod, Pobj edo noszew, der wiederum persona g*raia geworden ist, sich in der Nachbarschaft des kaiserlichen Palastes in Zarskoje Selo eingemietet hat. — Die Synagoge in Kali sch. ist polizeilich geschlossen worden und soll dieselbe zur Andacht erst freigegeben werden, wenn die Gemeinde eine Strafe von 3000 Mark zahlt. Anlaß zu dieser Maßnahme soll eine sozialistische Ansprache gewesen sein, die ein junger Mann ohne Erlaubnis des Vorstandes zu halten begonnen hatte. — In Mo hilew ist der Prozeß wegen der Judenmassakers zum Abschluß gelangt. Sechs Angeklagte wurden zu anderthalb Jahren Strafarbeit und zum Verluste der Bürgerrechte und ein Angeklagter zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, drei Angeklagte wurden freigesprochen. Die Entschädigungsansprüche der geplünderten Juden wurden abgewiesen. — In Cleveland ist die rühmlichst bekannte Schriftstellerin Martha Wolsenstein, die Tochter des Waisenhausdirigenten Dr. S. Wolsenstein daselbst, im 37. Lebensjahre vom Tode hinweggerafft worden. Ihre Ghettogeschichten „Idyls of the Gassu sind auch ins Deutsche übersetzt. Ehre ihrem Andenken! — Wie aus Buenos-Aires telegraphiert wird, ist dort von der Regierung ein Verbot gegen das rituelle Schächten erlassen worden. Die argentinischen Juden wollen dagegen Stellung nehmen und streben die Aushebung des Verbotes an.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.