Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-04-06 · Heft 14 (6.4.1906) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228690-3228705--62524-3289674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

dMsellmr herantreten, kann er nur gewachsen bleibe», wenn seine EittMhWen sich wesentlich Mgern. .So richten wir denn an alle rlnseve Leser öie Bitte, viele neue Mitglieder für diesen Verein zu werben, resp. soweit das.möglich ist, auf eine Erhöhung der bisherigen Mitgliederbeiträge hinwirken zu wollen. 42 Berlin/ 2. April. Durch die Erlasse des königlich preußischen Ministeriums des Innern vom 20. Mai mrd 6. Oktober 1897 war hinsichtlich der religiösen Fürsorge sür die jüdischen Strafgefangenen eine wesentliche Verschlechterung eingetreten. Früher kamen für die jüdischen Zuchthausgefangenen nur die Anstalten zu Räwitsch, Insterburg und Köln in Betracht. Durch die Aufhebung des Zentralisierungssystems beim Strafvollzug wurde in den meisten Fällen eine Berücksichtigung der religiösen Bedürfnisse unmöglich gemacht, da eine vom Staate bezahlte Seelsorge nur dann zulässig war, wenn die Durchschnittszahl der jüdischen Strafgefangenen mehr als zehn betrug. Dieser naturgemäß von Jahr zu Jahr wachsende Mitzstand hat den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund seit längerer Zeit beschäftigt. DaS durch eine bei Gemeinden und jüdischen Gefangenenpredigern veranstaltete Enquete beschaffte Material wurde in einer Denkschrift zusammengefaßt, in der auch die amtlichen Publikationen benutzt wurden. Vor allem aber wurde auf die den Gemeinden und Seelsorgern solcher Orte, an denen sich Strafanstalten befinden, ausgebürdete ungerechtfertigte Belastung und auf die Nachteile hingewiesen, die dem Gemeinwohl in den Fällen erwachsen, in denen Gemeinden und Seelsorger für die kostenlose Uebernahme der religiösen Fürsorge nicht vorhanden oder geneigt sind. Als Ideal wurde die Rückkehr zum alten Zentralisationssystem anempfohlen und nach dieser Richtung praktische Vorschläge gemacht. Nachdem der geschäftsführende Vorsitzende des D. I. G. B. bei Ueberreichuug der Denkschrift an den Dezernenten für das Gefangenenwesen, Herrn Geh. Ober-Regierungsrat Dr. K roh ne, ein weitgehendes Entgegenkommen gefunden hatte, haben die inzwischen mit der genannten hohen Stelle fortgesührten Verhandlungen, um die sich besonders die der betreffenden Kommission angehörenden Herren Landgerichtsrat Peltasohn und Rechtsanwalt Salomon verdient gemacht haben, zu einem erfreulichem Resultat geführt. Nunmehr wird in den dem preußischen Ministerium des Innern unterstellten Strafanstalten und Gefängnissen eine Konzentration der jüdischen Gefangenen in die Wege geleitet, daß einerseits die Zuchthausgefangenen und anderseits die mit einer Gefängnisstrafe von mindestens sechs Monaten bestraften Juden jedes Oberlandgerichtsbezirkes in je einer einzigen Anstalt an solchen Orten zusammengebracht werden, wo ein jüdischer Seelsorger seinen Sitz hat. Es wird dadurch die für eine staatsseitige Beteiligung an der Besoldung der Seelsorger erforderliche Mndestzähl in den meisten Fällen bald erreicht sein. Bezüglich derjenigen Juden, die sich in den dem preußischen Justizministerium unterstellten Gefängnissen befinden, ist eine religiöse Fürsorge weniger dringlich, weil es sich hier meist um kurzfristige Strafen handelt. Potsdam, 2. April. Der allgemein geachtete Kantor unserer Gemeinde, Herr Schönberger, feierte gestern sein 25jähriges Amtsjubiläum. Schon am Morgen beglückwünschte den Jubilar durch ein Ständchen der von ihm. begründete Synagogen-Gesangverein, dem viele Damen pnd Herren unserer Gemeinde in inniger Liebe angehören. Hierauf erschienen Deputationen der Gemeindeverwaltung. geführt von dem Vorsitzenden deS Gemeindevorstandes Justizrat Friedländer und dem Rqbbiner Dr. Kälter, die in längeren Ansprachen die Verdienste des Jubilars um die Gemeinde würdigten und ihm eine Ehrengabe überreichten. Es folgte dann eine Deputation der Hilfskasse der Kantoren, geführt von Kantor Kalischer- Berlin, der dem Jubilar nach einer wirkungsvollen Ansprache eine künstlerisch ausgestattete Adresse übergab, und eine weitere Deputation des „Kantorenverbandes", dessen eigentlicher Begründer und Vorsitzender, der Jubilar ist. Letztere war durch Kantor Friedmann- Berlin vertreten, der mit beredten Worten die Verdienste des Jubilars um die Hebung der sozialen Lage seiner Standes genossen feierte und ihm ebenfalls eine Adresse und einen silbernen Pokal einhändigte. Mit bewegten Worten dankte Herr Schönberger für die ihm zuteil gewordene Ehrung und sprach den Wunsch aus, daß es ihm vergönnt sein möge, noch viele Jcchre für seine Gemeinde wie sür seine StandeSgenossen segensreich und zur allgemeinen Zufriedenheit zu wirken.. Den Schluß der Feier bildete ein vons der BeMeinde veranstaltetes sölennes Ballsest . n. Breslau, 81. März. Am 22. v. M. fand im Konzerthaus ein Wohltätigkeitskonzert des Vereins zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder statt, das sehr gut besucht war. Die austretenden Künstler ernteten für ihre Leistungen reichen Beifall. — Zum Syndikus der jüdischen Gemeinde wurde anstatt des verstorbenen Justizrat Dr. Honigmann Herr Rechtsanwalt Joel, ein Sohn des verstorbenen" Rabbiner Dr. Joel, gewählt. — Der liberale Verein der Synagogengemeinde hat sich mit anderen Vereinen in Verbindung gesetzt und für den 2. n. M. eine große, Gedenkfeier für Gabriel Rießer veranstaltet. — Das jüdisch -theologische S eminar schloß am 28. d. M. sein Wintersemester. Das Sommersemester beginnt am 1. Mai. M. Hamburg, 28. März. Das Komitee zur Veranstaltung von Vorträgen über die Wissenschaft des Judentums hatte bereits gestern abend eine Vorfeier zum 100. Geburtstage Gabriel Rießers arrangiert. Der große Festsaal des Logenheims war bis auf den letzten Platz gefüllt. Eingeleitet wurde die Feier durch einen stimmungsvollen Prolog, verfaßt und vorgetragen von Frl. Gisela Leimdörfer. Hierauf hielt Rektor Feiner einen Vortrag über „Gabriel Rießers Leben und Wirken". Die Ausführungen des Redners fanden bei dem Auditorium lebhaften Beifall. Zum Schluß schilderte Herr Prediger Dr. Leimdörfer noch die Verdienste Rießers um die Entwicklung der Hamburgischen Gemeinde, um die Verbreitung und Förderung der Wissenschaft. Herr Dr. Leimdörfer gab die Anregung, den Verein zu Ehren des großen Toten „Gabriel Rießer - Verein" zu nennen. Der Vorschlag fand bei den Erschienenen allseitige Zustimmung. i. Köln, 2. April. Es wird Ihre Leser gewiß interessieren, zu erfahren, daß heute von hier zwei jüdische Landgerichtsräte, Alfred Wi eruszo wsky zum Oberlandesgerichtsrat am hiesigen Oberlandesgericht und P a u l Rothschild zum Oberlandesgerichtsrat in Hamm i.W. ernannt worden sind. Die ersten jüdischen Oberlandesgerichtsräte nach 18 Jahren, denn die Ernennung Sommers in Kassel war zur Zeit nur eine Ausnahme. r. München, 30. März. Zum zweitenmal seit Bestehen des Reichsgerichts ist ein Jude zum Reichsgerichtsrat ernannt worden; abgesehen selbstverständlich von dem seinerzeit vom Reichsoberhandelsgerichte übernommenen berühmten Handelsrechtslehrer und Professor Goldschmidt, war Professor Behrendt der erste jüdische Reichsgerichtsrat. Jetzt ist der seitherige Rat am Kgl. Oberlandesgericht Zweibrücker Theodor Meyer, zum Reichsgerichtsrat ernannt worden. Leider ist dieser Herr aber seit etwa vier Jahren nur noch der Abstammung nach Jude, nachdem er durch Uebertritt zum Christentum dieses Hindernis seiner Beförderung beseitigt hat. Oesterreich-Ungarn. A Wiert, 2. April. Ein sonderbares Anfinnen ist es, das die Frau des-jüdischen Malers Michael Bihary dem Direktor des israelitischen Krankenhauses in Budapest stellte, nämlich, daß in dem israelitischen Spital, das den kranken Maler beherbergt, seine Taufe vollzogen werde — selbstverständlich verweigert? dies der Direktor ganz entschieden, was jedoch nicht hinderte, daß des folgenden Tages drei Herrn den kranken Künstler besuchen kamen, von denen einer, ein Priester, die Taufe vornahm. Maler Bihary wurde sofort in das Rote Kreuzspital überführt. — In Triest erschien den 23. d. M. der Statthalter Prinz Konrad zu Hohenlohe in der Wohnung des greisen Oberrabbiners S. R. Mel Li und überreichte ihm persönlich den Franz Josefs-Orden. In seiner schwungvollen italienischen Ansprache betonte der Statthalter, es freue ihn, den Wunsch seines lieben Freundes, des Vorstehers der israelitischen Kultusgemeinde, Edlen v. Richetti, erfüllen und dem im Amte ergrauten Oberrabbiner anläßlich seines 50jährigen Jubiläums diese Auszeichnung übergeben zu können. Er als erster Beamter des Küstenlandes halte ganz besonders darauf, daß die Rechte der jüdischen Bevölkerung nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch in Wirklichkeit geachtet werden, womit er übrigens strenge im Sinne des Landesherrn zu handeln sich bewußt sei. — Die Begründerin und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.