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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-04-06 · Heft 14 (6.4.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. No. 14. >. ■ Berlin, 6, April 190(5. Detlagr zur „Allgemeinen Leitung drK ZuüentumK". korrklpandkn-kn und Nachrichten. Deutschland. S. Berlin, 27 März. In der heutigen, fast dreistündigen Abendsitzung der Repräsentanten - Versammlung gelangte zunächst der bereits von uns erwähnte Antrag Senator zur Verhandlung, von den iui diesjährigen Jahrbuch der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur veröffentlichten „Parallelen zwischen Christentum und Judentum" Sonderabdrücke zur Versendung an alle Gemeindemitglieder Herstellen zu lassen. Zu dieser Vorlage ist ein Antrag Dr. Cohn eingegangen, die Angelegenheit einem fünfgliedrigen Ausschuß zur Vorberatung zu übergeben, den Gemeindevorstand zu ersuchen, an dieser Beratung teitzunehmen und einen Fachmann hinzuzuziehen. Professor B lasch k e befürwortet als Referent die Annahme der Vorlage. Er legt den Inhalt der Schrift dar, hebt nachdrücklich den Zweck derselben hervor, ausklärend zu wirken, und bezeichnet es als eine Pflicht der Gemeindebehörden, die Kenntnis jüdischer Tradition, vor allem auf dem Gebiete der Ethik, zu fördern, zumal dann, wenn, wie im vorliegenden Falle, nur so geringe Mittel hierzu erforderlich seien. Dem Anträge Cohn bittet der Referent zuzustimmen. Der Antragsteller Dr. Cohn erhebt verschiedene juristische Bedenken. Geheimrat Senator zerstreut dieselben und teilt mit, daß bereits die schriftliche Zusage des Vorsitzenden des Verbandes der Literaturvereine zum Nachdruck der Schrift, die von mehreren Autoren in mühevoller Arbeit zusammengestellt sei, vorhanden sei. Er begrüßt den Vorschlag, auch den Schulen die Schrift zugänglich zu machen und plädiert dafür, alljährlich unter den Schülern geeignete Schriften zu verbreiten. Syndikus Justizrat Lilienthal zweifelt nicht daran, daß der Gemeindevorstand der Vorlage zustimmen werde; die Kostensrage werde keine Rolle hierbei spielen. Er bittet jedoch auch, dem Anträge auf Vorberatung sich anzuschließen. Der Antrag Dr. Cohn wurde alsdann einstimmig angenommen; in den Ausschuß wurden die Herren Geheimrat Senator, Geheimrat Blumenthal, Professor Bla sch ke, Professor Kalischer und Rechtsanwalt Dr. Cohn per Akklamation gewählt. — Debattelos wurden bewilligt 750 Mark zur Einrichtung des Direktoratszimmers im Reichenheimschen Waisenhause, 1025 Mark zur Anschaffung zweier Geldschränke für das Plätzevermietungsbureau, 360 Mark zur Vermehrung des Klavierunterrichts für die 1. und 2. Präparandenklasse, 10000 Mark zur Einfriedigung des zur Vergrößerung des Friedhofs in Weißensee erforderlichen Terrains, das vor Jahren bereits angekauft worden ist. Zur Ausführung einer Treibhausanlage auf dem Friedhose Weißensee werden 112 000 Mark bewilligt. — Eine recht lange Debatte schloß sich an die Bewilligung eines Beitrages für die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund geplante Begründung einer Erziehungsanstalt für schwachsinnige jüdische Kinder. Herr Manheim er überbrachte oder vielmehr sollte die Zustimmung des Ausschusses I überbringen, einen Beitrag von 10 000 Mark zu bewilligen. Statt dessen beantragte er, die Vorlage im Ausschüsse einer nochmaligen Prüsung zu unterziehen. Er hielt die Schaffung einer solchen Anstalt gar nicht für so dringend, während für Berlin noch Lungenheilanstalten, Blinden-, Taubstummenanstalten und Nervenheilanstalten gänzlich fehlen. Er bemängelte, daß, wenn die Anstalt plangemäß nur schulpflichtige Kinder aufnehme und bis zum Alter von 22 Jahren in der Anstalt halte, die Idioten im 23. Jahre nicht plötzlich entlassen werden könnten; auch die Berechnung der Unterhaltungskosten hielt der Redner nicht für einwandfrei, was er an dem Etat anderer Anstalten zu beweisen suchte. Er warnte den Gemeindevorstand, die Summe zum Bau zu bewilligen und einen Delegierten in das Kuratorium zu entsenden, da alsdann der Gemeindevorstand verpflichtet sei, erforderlichen Falles mehr zu bewilligen und zu unabsehbaren Ausgaben gelange. Geheimrat Senator überbrachte den einstimmigen Beschluß des Ausschusses III, zum Bau die Summe von 15 000 Mark zu bewilligen. Er wies auf das dringende Erfordernis der Begründung der Erziehungsanstalt hin, da zweifellos in Deutschland noch mehr Idioten vorhanden seien, als die schwer anzustellenden statistischen Erhebungen ergeben hätten; zudem seien die Kranken jüdischen Glaubens in den meist konfessionellen Anstalten argen Verhöhnungen und Mißhandlungen ausgesetzt. Für andere Kranke werde bereits nach Kräften gesorgt, jedenfalls sei es nicht gerechtfertigt, gar nichts zu tun, wenn nicht alles erreicht werden könnte. Bei der Bewilligung von 15 000 Mark habe sich der Ausschuß III von der Erwägung leiten lassen, daß kleinere Gemeinden, wie Breslau und Frankfurt a. M., je 10 000 Mark gegeben hätten. Die Unterhaltungskosten würden sich auf dem Lande, wo die Anstalt errichtet werde, selbstverständlich geringer stellen. An der ferneren Debatte beteiligten sich die Herren Eisner, Minden, Man heim er, Blumenthal, Veit Simon und Senator. Bei der Abstimmung wird der Antrag Manheimer auf nochmalige Prüfung der Vorlage abgelehnt, der Antrag des Ausschusses III auf 15 000 Mark ebenfalls abgelehnt, dagegen der Antrag auf 10 000 Mark angenommen mit dem Amendement des Justizrats Dr. Simon, den Vorstand zu ersuchen, bei weiterer Entwicklung der Anstalt, insbesondere bei starker Inanspruchnahme durch Berliner Kinder, eine weitere Vorlage betreffs Unterstützung der Anstalt zu machen. Ebenso erklärt sich die Versammlung mit der Entsendung eines Vorstandsdelegierten in das Kuratorium der Anstalt einverstanden. — Debattelos wurde den Lehrerinnen der Mädchenschule und den Schuldienern der Gemeindeschulen eine Notstandszulage bewilligt. — Ueber den Rechnungsabschluß der Gemeindehauptkasfe pro 1904/05 gab Herr Gerson Simon einen ausführlichen Bericht. Einige interessante Zahlen geben wir daraus hier wieder: Es gingen an Steuerbeiträgen ein 1 518 244 Mark; gezahlt wurden von der Gemeinde an Amortisationen 276 562 Mark, für Gehälter 254 524 Mark, für Schulen 220 371 Mark, für Armenzwecke 359 595 Mark, für die Hauptsynagogen 220 629 Mark, für gottesdienstliche Veranstaltungen 40 793 Mark, für die Baukommission 54 200 Mark, für Subventionen 104105 Mark. Die Kapitalsvermehrung der Gemeindeverwaltung betrug gegen das Vorjahr 193 282 Mark. Der Abschluß wurde genehmigt, die erforderlichen Nachbewilligungen ausgesprochen. — Die Neubildung der 26 Verwaltungskommissionen hat keine wesentlichen Veränderungen ergeben In der musikalischen Kommission tritt an Stelle von Geheimrat Senator Professor Blaschke, in der Alterversorgungsanstalt wie. im Hospital wird die Amtsdauer der Kommisstonsmitglieder auf drei Jahre — bisher sechs Jahre — festgesetzt. In allen andern Kommissionen werden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt. — Zur Revision der Kassen und des Depositoriums wird die bisherige aus den Herren Kommerzienrat Friedländer, Sieskind, Isidor- Sa chs und Aron Hirsch bestehende Kommission wieder eingesetzt. Zum Schluß der Sitzung erklärt sich die Versammlung mit der Mietung der Hohenzollernsäle (2000 Mark), der Residenzsäte <2000 Mark) (für Haupt- und Jugendgottesdienst), der Jndustriefestsäle (600 Mark) und des Saales der Gesellschaft der Freunde einverstanden. 8. Berlin, 1. April. In würdiger Weise wurde heute vormittag die Zweihundertjahrfeier der Krankenpflege in der jüdischen Gemeinde zu Berlin durch einen Festgottesdienst geseiert. Die Neue Synagoge erstrahlte im Lichterglanze, der Almemor war mit frischen Blumen um säumt; schon lange vor Beginn der Feier war die Synagoge bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Die Mitglieder des Gemeindevorstandes, der Repräsentantenversammlung, die Ehrenbeamten aller Verwaltungskommissionen hatten sich in stattlicher Zahl eingefunden. Im reservierten Mittelschiff nahm die offizielle Deputation der Stadt Platz, welche aus den Herren Bürgermeister Reicke und den Abgeordneten Cassel, Rosenow, Buchow, Stapf und Runge bestand; wir bemerkten ferner noch die Stadträte Kalisch und Vensky. Um 11 Uhr setzte die Orgel mit einem Vorspiel ein, an das sich das vom gesamten Chor

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