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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-04-06 · Heft 14 (6.4.1906) · p. Seite 167

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
Seite 167 (sequence 11)
Language
German
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minister und das Ministerium des Innern, an den Reichskanzler, ja sogar an den Kaiser. Aus Mitleid für feine bedrängte Latze hatte ihn gleich nach seiner Ankunft die dortige jüdische Gemeinde auf den Posten ihres Rabbiners, der eben neu zu besetzen war, berufen, und zwar nicht zeitweilig, sondern für immer. Damit glaubten sie seine Position zu festigen, denn ihrer Ansicht nach konnte somit kein Zweifel mehr existieren, daß er in Ostrokow heimatsberechtigt und somit sein Anspruch begründet war. Endlich, endlich, etwa drei Wochen vor Ablauf der ihm zugestandenen Frist, traf die Entscheidung des Ministers des Innern ein, die dahin ging, daß Herr Rabbiner Eisenmann naturalisiert werden könne, falls Stadtverordnete und Magistrat von Ostrokow einwilligten, ihn innerhalb der Zeit, die ihm dort zum Aufenthalt gestattet sei, als Bürger aufzunehmen. Damit war sicherlich sehr viel erreicht, insofern wenigstens, als der Kampf mit unsichtbaren Möglichkeiten in einen solchen mit etwas Wirklichem und Persönlichem verwandelt worden war. Freilich, der Sieg lag noch in so weiter Ferne wie nur je zuvor. Stadtverordnete und Magistrat von Ostrokow wußten sich vor Stolz nicht zu lassen, als ihnen bekannt wurde, daß der Reichskanzler eine solch wichtige Entscheidung in ihre Hände gelegt habe. Bald waren sie sich darüber einig, daß sie den kleinen Maulwurfshügel der Verantwortung in einen hohen Berg verwandeln wollten, den der Herr Rabbiner vielleicht imstande sein sollte, zu erklimmen, vielleicht aber auch nicht. Abgesehen davon waren sie auch gerade nicht in einer j sehr mitleidsvollen Stimmung. Das Geschäft war infolge! einer anhaltenden Dürre in der letzten Zeit gar nicht gegangen, | und statt daß die Bauern aus den benachbarten Dörfern nach j der Stadt gekommen wären, um hier ihre gewohnten Einkäufe! zu machen, waren sie zu Haus geblieben und tauschten mitein-! ander ihre Meinungen über die gefährdete Ernte aus. Die! eigentliche Schwierigkeit wurde aber Herrn Rabbiner Eisenmann durch seinen würdigen und ihm wohlgesinnten Berater Jsaac Friedenthal, den Vorsteher der Gemeinde, klar gemacht. 187 —— „Ich fürchte, Herr Rabbiner," hatte ihm der freundliche, alte Herr mit traurigem Köpfschütteln erklärt, „ich fürchte, auf Hilfe von uns können Sie nur sehr wenig rechnen. Wie Sie wissen, besitzen Sie unsere Sympathien und unsere moralische Unterstützung, das ist aber auch alles, was wir tun können. Wir sind hier keine starke Gemeinde und der Einfluß, den wir in der Stadt besitzen, ist so gut wie null. Uns wird fortwährend zu verstehen gegeben, daß wir hier nur geduldet sind; wir leben hier in einem wahren Treibhause des Rassenhasses und wir sind keinen Augenblick sicher, daß wir nicht seinen schlimmsten Ausbrüchen zum Opfer fallen. Um ganz offen zu sein, der hauptsächlichste Grund, aus dem wir wünschen, Sie an uns zu feffeln, ist der, weil wir erkannt haben, daß in künftigen Zeiten Sie uns ein Hort der Stärke und des Schutzes werden könnten. Würden wir uns aber jetzt für Sie verwenden, so könnten wir damit nur Ihre Aussichten schädigen. Wir haben alles für Sie getan, was wir tun konnten; was das übrige anbetrifft, so müffeN Sie aus Ihr gutes Glück bauen." Als Rabbi Eisenmanrr sah, wie diese starke Säule, von der er so viel Beistand erhofft hatte, vor seinen Augen in Staub zerfiel, ließ er seinen Kopf hängen. Das hatte er nicht erwartet. Er hatte viel auf die Unterstützung seiner Glaubensgenossen gerechnet; wenn er jetzt aber die Lage überdachte, so mußte er zugeben, daß die von dem Vorsteher angeführten Gründe ihre Berechtigung hatten. So sah er sich denn nochmals auf sich selber angewiesen. Im nächsten Augenblicke hatte der Gedanke an das, was er schon erreicht hatte, ihn wieder aufgerichtet. »Ich danke Ihnen vielmals, Herr Friedenthal, das Sie mich nicht zu falschen Hoffnungen ermutigt haben," erwiderte er ruhigen Tones. „Schon dadurch haben Sie mir einen großen Dienst erwiesen, daß Sie mir erklärten, wie und woran ich bin. Aber ich bitte Sie um noch einen anderen Gefallen. Wollen Sie mir gefälligst gestatten, in dieser Angelegenheit ganz nach meinem eigenen Gutdünken vorzugehen?" „Gewiß, gewiß, Herr Rabbiner." (Fortsetzung folgt.» an den Oberpräsidenten, an das Konsistorium, an den Kultus An banger Dacbt. Von Martha Hellmuth. Und nieder auf Aegypten Sank eine seltsame Nacht! In den Lüften murrt's von Stimmen, Donnergrimmen! Durch die Gassen wallt Eine bleiche Gestalt: - Ein schlanker Lilienstengel, Farblos, fahl und kalt Gleitet der Todesengel! Seine Augen fressend Feuer, Immer höher, ungeheuer Wächst der Schatten des Blassen! Von den Hütten der Hebräer, Gezeichnet mit purpurnem Mal, Abwärts weicht der weiße Späher! In angstgewürgten Träumen stöhnt Aus seinem Pfühl der Pharao. Durch sein Gedächtnis dröhnt Des Mose felsige Stimme, Den er gehöhnt! — Die ehrnen Pforten tün sich auf. Es schwebt herein, am Lager schon, Da dunkelt's über goldnem Knauf, Verröchelnd zuckt sein erster Sohn! Er will empor, es haucht Frost und Grausen um ihn her, Von Opferblut umraucht. Verrinnen Flügel schwer! Sterbegewimmer,' Sensengeflimmer, Rastend nimmer, Nieder mähend, nieder immer! Unersättlich sausend singt's! Den Königssproß, den Sohn der Magd Erdrosselnd umschlingt^! — Vom Lager taumelt wirr Der Fürst: Ruft den Hebräer! Zischend näher, näher, Vernehmt Ihr das Geschwirr? Der Würger, der Rächer Bricht unsre Saat, Rot durch alle Gemächer Rinnt sein Pfad! Es hängt wie blutige Wolke, Es gähnt wie gier'ge Gruft, Den Stammler Mose ruft, Hinweg mit seinem Volke! Aus des Niles Schlamme, Mir zum Hohn, Eine. Feuerflamme, Stieg der Judensohn, Spott meinem Drohn: Würgt ihre Knaben, Tod der Judenbrut! Bald mein eignes Blut Begraben! Rust Mose her! Hyänensacht Umschleicht uns Mord Und lacht. Ruft Mose her! Unser Stamm verdorrt! Eh die Nacht vorbei, Ruft ihn, gebt die Juden frei! Sil /i i!

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