Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1906)
- Date
- 1906-04-06
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
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nützige, charakterfeste Patriot Fischhos hat gewiß auch Empfänglichkeit, Verständnis und Duldung für von der 'einigen abweichende Ansichten und Ueberzeugungen, wenn sie nur aus der unverfälschten, reinen Quelle stammen, aus welcher er selber schöpfte, und so hoffe ich auch fernerhin bei ihm auch für meinen Standpunkt jenes freundliche Zugeständnis zu finden, von welchem mir soeben die'Spende seines neuen Suches ein liebenswürdiges und verbindliches Zeichen ist." Nicht allem für Schriften politischen Inhalts, deren Verfasser Juden waren, sondern auch für poetische Werke und ilebertragungen aus der Bibelvon Israeliten herrührend, hatte Grün lebhaftes Interesse und zögerte er nicht, brieflich oder öffentlich seiner Sympathie für dieselben Ausdruck zu geben. Als - z. B. Jakob Altschuls Werk: „Der Geist des hohen Liedes" 1874 in Wien erschien, erkundigte er sich bei Franfl nach der Adresse des Derfäffers: Er habe dessen/ geistvolles Buch von Anfang bis zu Ende gelesen, und zwar mit großem Interesse und künstlerischer Befriedigung. Eine solche müffe dem Poeten der überaus gelungene Versuch der Herstellung, der Einheitlichkeit des wunderbaren Liedes gewähren. Er fährt dann wörtlich fort: „Ich sage gelungen, weil ich mich gern seiner Argumentation gefangen gebe, und dadurch den Vorteil des Genuffes eines einheitlichen Kunstwerkes gewinne, das Mir, obschon ich aus meinen Volksliederstudien mit lyrischen Saltomortales vertraut bin, ohne seine Führung ein zwar blendendes aber fremdartiges Phänomen, eine Gruppe zerstreuter Perlen geblieben wäre, zu denen ich den anreihenden Faden nicht zu finden wüßte." Auch Karl E mil Franzos bezeigte er seine Hochachtung. Frankl machte Auersperg ineiner Zuschrift vom 2. August 1876 auf Franzos' Buch : „Aus Halbasien", bekanntlich Kulturvilder aus Galizien, der Bukowina, Südrußland und Rumänien enthaltend, aufmerksam, und obschon damals Anastasius Grün bereits sehr leidend war, ließ er sich die Schrift kommen und erfreute sich an deffen ebenso lehrreichen wie unterhaltenden Fnhalt. Zu den Autoren, die Auersperg hochschätzte, gehörte ferner der bekannte Schriftsteller urd Publizist S. Heller in Prag, deffen „Ahasverus" ihn mächtig fesselte. Er las seine Dichtung mit großem Eifer, sich bei Frankl nach dem Namen des Beriaffers erkundigend. Ueber die Dichtung selbst urteilt er mit den Worten : „Die Großartigkeit der Aufgabe und teilweise auch der Lösung, oder doch der Durchführung, müssen Achtung vor diesem Geiste einflößen. Und doch konnte das Buch — wenigstens in seiner ersten Hälfte — auf mich keinen mächtigen Eindruck, keine nachhaltige und tiefere poetische Wirkung hervorbringen. Das dichterische Gebilde scheint mir zu sehr Mosaikarbeit, an welcher der verbindende poetische Kitt zu sehr vemerkbar hervortritt." Wie schon erwähnt, waren die freundschaftlichen Bande, ne viele Jahrzehnte hindurch Auersperg und Frankl miteinander vereinigten, besonders innige und herzliche. Sie korrespondierten über die wichtigsten politischen, litearischen und gesellschaftlichen Fragen miteinander, wobei sie ich über alles in unumwundener Weise äußerten. Gegenseitige Hochachtung und innige Sympathie führten bei beiden die Feder, und so zeichnen sich, dann auch diese Briefe durch großen Gedankenreichtum einerseits und einen herzlichen und freundschaftlichen Ton anderseits aus. Natürlich kann an dieser Stelle nur von jenen Aeußerungen und Bemerkungen die Rede ein, die in erster Linie das Judentum, seine Lehre, seine Geschichte sowie sein Schrifttum betreffen. Vor 52 Jahren, im Frühling 1855, übersandte Frankl seinem gräflichen Freunde zwei auf Israel bezügliche Bücher, die er eben veröffentlicht hakte : „Inschriften des alten jüdischen Friedhofs in Wien" und „Libanon, ein poetisches Familienbuch". Wie sehr Auersperg diese Sendung erfreute, erkennt maN aus seinem Dankschreiben, wo es u. a. heißt: „Libanon hat mich durch seine Reichhaltigkeit überrascht und durch Takt, sinnvolle Wahl und Ordnung aufs angenehmste befriedigt. Ich begreife und wünsche Ihnen von Herzen Glück dazu, daß das Werk in so kurzer Zeit einen so günstigen Erfolg erringen konnte. Es ist in der Tat ein wahres Familienbuch. Ich habe es immer auf meinem Tisch liegen, um gelegentlich von seinen, reichen Inhalt zu genießen." Mit großem Interesse verfolgte er den Plan Frankls, nach Jerusalem zu reisen, um dort eine Kinderbewahranstalt, die eine hochherzige Dame, eine Frau Herz geb. v. Laemel, mit 50000 Gulden fundiert hatte, ins Leben zu rufen. Er prach brieflich dem Freunde feine wärmste Teilnahme an deffen Mission ayK. „Sowohl was deren edle humanitäre Zwecke als auch was die Ihnen eröffneten herrlichen Reiseaussichten betrifft." Nicht minder, erfreuten ihn die Reiseberichte und Reiseschilderungen, die Frankl im Jahre 1856 von Jerusalem aus an den Grafen sandte. Zu Weihnachten des genannten Jahres ließ er Auersperg einige sinnige Geschenke aus dem heiligen Lande mit einem Begleitschreiben zukommen, worin es unter anderem heißt: „Nehmen Sie einen Stab freundlich auf, den ich am Jordan abschnitt und dem ein Griff aus Olivenholz vom Oelberge mit der hebräischen Inschrift „Jeruscholaim 5616" eingefügt ist. Die Erde sammelte ich im Tal Josafat. Die Juden glauben nur auf der gelobten Erde auferstehen zu können. Die Gebeine derer, die außerhalb derselben begraben werden, müssen unter Qualen durch die Erde sich Bahn brechen, bis sie im heiligen Lande angelangt sind. Wer nur ein Stäubchen Erde sich unters Haupt im Grabe legen läßt, der kann frischweg, und wenn es in Preußen z. B. wäre, .auferstehen! Erde von Gräbern gewährt aber einen so traurigen Anblick, daß ich einige Blumen — freilich auch nur trockene, welke, wie der Glaube in Jerusalem — von heiligen Stätten dazu lege. Weiter bringen wir's überhaupt nicht: welke Blumen auf Gräberstaub! Sie haben mir die Gunst gewährt, Ihrer Frau Gemahlin einige Kleinigkeiten aus dem gelobten Lande verehren zu dürfen; ich bitte Sie demnach, ihr die Blumen, den am heiligen Grabe geweihten Rosenkranz und die zu einem Schmuckhalter geformte Frucht einer Zeder aus Libanon übergeben zu wollen." Voll Freude über diese Sendung aus dem heiligen Lande seitens des aufmerksamen Freundes, dankt ihm Auersperg in einem Briefe voll Innigkeit und Rührung. „Nicht nur, daß diese mit so sinniger Wahl zusammengestellten Gegenstände durch ihren Zusammenhang mit einer großen Vergangenheit, durch den Anhauch der Geschichte geweiht sind, macht sie mir lieb und wert," schreibt er ihm, „aber vor allem dringt mir zum Herzen die Bedeutung, welche sie für mich in der Gegenwart besitzen. Sie find ja Zeichen jener seltenen und uns allen doch so notwendigen Liebe, welche uns erfrischt und aufrichtet, wenn wir uns entmutigt und gebeugt fühlen, und uns wieder Vertrauen und Richtung gibt, wenn wir an uns fast irre werden wollen." Nach 20jähriger Ehe hatte Graf Auersperg das Glück, daß ihm ein Knabe geboren wurde. Zur Taufe desselben sandte ihm der Freund Wasser aus dem Jordan mit dem Bemerken: „Ich hoffe, daß die heilige Flut nichts an weihender Kraft verloren haben wird durch den Umstand, daß sie ein Jude geschöpft hat. Sie ist doch aus einem Strom, der seinen Urvätern gehörte in ihrem heiligen Vaterlande."