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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-03-30 · Heft 13 (30.3.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Forschungen dienen soll, zugleich aber auch den Laien einen Einblick in das Wesen, die Ursachen und Folgen der Taubstummheit gewähren wird. Es ist daher für die verläßliche Feststellung aller Daten von großer Wichtigkeit, daß nicht nur Eltern, Vormünder, Erzieher und Verwandte taubstummer Personen Mitteilung an die Geschäftsstelle des Vereines, Berlin 80., Köpenickerstraße 124 gelangen lassen, sondern auch alle Menschenfreunde, die .sich für jüdische Angelegenheiten interessieren, Aerzte, Lehrer. Vorsteher und Vereine sich der Fragebogen, die von genannter Stelle gratis und fr an ko'erhältlich sind, bedienen. Auch Portoauslagen werden dankbar zurückerstattet, und allen Interessenten die Broschüre gratis zurückgesandt. 22 Berlin, 25. März. Die vierte ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins „Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee" bei Berlin hat am 18. d. M im Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes stattgefunden. Hauptgegenstand der Besprechung bildete der Entwurf neuer Satzungen, die auf Grund der in den Betriebsjahren gesammelt?» Erfahrungen eine Anzahl teils materieller, teils formaler Aenderungen vorsehen. Von besonderer Bedeutung ist der Fortfall der durch die bisherige Mitbezeichnung „Asyl" gestellten Aufgaben. Es hat sich gezeigt, daß die Arbeiterkolonie mit Kolonisten stets voll besetzt ist und seine Aufgabe, als Asyl für Auswanderer zu dienen, sowohl aus Raummangel als auch aus Verwaltungsschwierigkeiten nicht erfüllen konn An Stelle dessen wird die vorübergehende kostenlose Beherbergung stellungsloser Handwerker jüdischen Glaubens vorgesehen. Eine interessante Debatte knüpfte sich an die Mitteilung des Jahresberichtes, wonach 50°/o der Kolonisten im Alter zwischen 16 und 24 Jahren stehen- Von den meisten Rednern wurde dies als ein Vorzug anerkannt, weil gerade im jugendlichen Alter die Gewöhnung an Arbeit am leichtesten an die Stelle zur Neigung der Wanderbettelei zu setzen ist. Mit Rücksicht auf die ungünstige finanzielle Lage der Kolonie haben mehrere Teilnehmer Geldbeiträge gespendet. Fernere Unterstützungen sind erwünscht unter der Adresse: Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Berlin W., Steglitzerstraße 85. Wegen Abholung gebrauchter Kleidungsstücke wolle man sich gefälligst wenden an Herrn Inspektor Behrendt, Wörthstraße 20. 3. Königsberg, 5.März. Das „Israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz" hielt am Sonntag unter dem Vorsitz des Herrn Professors Dr. Saalschütz seine Jahresgeneralversammlung ab. Nach dem Jahresbericht betrug die Zahl der Zöglinge am Ende des Berichtsjahres 32, und zwar 20 schulpflichtige Knaben, 6 schulpflichtige Mädchen, 4 Knaben und 2 Mädchen in beruflicher Ausbildung. Die Einnahmen betrugen 134 324 Mark, die Ausgaben 211 760 Mark, das Vermögen 266 584 Mark. Der Haushaltungsentwurf für 1906 wurde mit 21 000 Mark angenommen. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Herren M. Minkowski-Königsberg, Dr. Kamnitzer-Allenstein und Otto Eichelbaum-Insterburg, wurden wiedergewählt. 6. Leipzig, 17. März. Die Generalversammlung des Hilfsvereins israelitischer Gewerbetreibender fand in dieser Woche statt. Nach Eröffnung der Versammlung durch den ersten Vorsitzenden Herrn Kaufmann Bisenthal wurde Bericht über die Tätigkeit im Jahre 1905 erstattet. Es war ein arbeitsreiches Jahr in bezug auf Linderung der Notlage verschiedener Mitglieder, von denen viele durch schwere Krankheitsfälle heimgesucht wurden. Ueber die Darlehnskasse berichtet Herr Tamarkin, daß an 56 Nachsuchende ca. 14 000 Mk. ausgeliehen werden konnten. Die Verwaltung des Vereinsvermögens lag in den Händen des Herrn Kaufmanns Reichwald. Die Buchhalter und Revisoren beider Kassen gaben einen ausführlichen Rechnungs- und Kassenbericht. Da zurzeit König Friedrich August in unserer Stadt weilte, fand ein Vorschlag, ein Huldigungstelegramm an ihn abzusenden, freudige Zustimmung. Es wurde mit folgendem Telegramm beantwortet: „Se. Majestät der König lassen den Mitgliedern des Vereins israelitischer Gewerbetreibender für den Huldigungsgrub und für das Gelöbnis unwandelbarer Treue Allerhöchst seinen herzlichen Dank aussprechen. Major v. d. Decken, Flügeladjutant vom Dienst." e. Paderborn, 10. März. Die hiesige israelitische Warsenerziehungsanstatt für Knaben und Mädchen aus Rheinland und Westfalen feierte am 1. d. M. das Fest des 50 jährigM Bestehens. Während dieser Zeit hat'Die Anstalt segensreich, lange als die einzige ihrer Art, in den, beiden westlichen Provinzen und darüber hinaus gewirkt. Viele tüchtige Männev und Frauen sind aus ihr hervorgegangen. Infolgedessen haben sich recht viele ehemalige Zöglinge und Freunde der Anstalt an ihrem Jubelfeste beteiligt. Die Begründerin des Institutes war das unvergeßliche Fräulein Fanny Nathan, die Vorsteherin eines Mädchenpensionats' hier. Sie erbaute das Haus; sie stellte die Anstalt auf sichere Grundlagen. Ihre Nachfolgerin wurde ihre Nichte und Adoptivtochter Johanna Märcks- Nathan, eine Tochter des .Lehrers Dinkelspiel. Bis zu ihrem Tode am 21. März 1899 leitete sie das Waisenhaus mit vielem Geschick und bestem Erfolge. An ihre Stelle trat ihre Tochter Fräulein Paula Marcks, die im Sinne ihrer Vorgängerinnen mit ihrem klaren Verstände und praktischen Sinne ihres wohltätigen Amtes hoffentlich noch lange walten wird. Die Zahl der Kinder in der Anstalt .beträgt zurzeit 38. die Höchstzahl war im Jahre 1888 mit 63; insgesamt sind 457 Zöglinge (322 Knaben, 135 Mädchenj erzogen worden. Die. Feier am 1. d. M. verlief in sehr würdiger Weise. Als Vertreter des Oberprändenten und des Regierungspräsidenten war Regierungsrat Schulze-Minden erschienen, ferner Landrat v. Laer. Bürgermeister Plaßmann und zahlreiche Freunde der Anstalt aus beiden Provinzen. Am Schluffe seiner Festpredigl gedachte Rabbiner Dr. Jacob-Dortmund der Heimgegangenen Stifter und Wohltäter, speziell des Frl. Fanny Nathan. Während des Festdiners sprach u. a. Regierungsrat Schulze die Glückwünsche der Staatsregierung aus. Landrat v. Laer führte aus, zu besonderer Freude gereiche es ihm, daß mit diesem Jubiläum sich auch ein persönliches goldenes Jubiläum, nämlich für die Oberin Frl. Marcks verbinde. Bürgermeister Plaßmann feierte den Tag als einen Ehrentag für die Stadl Paderborn, die Geburtsstadt der Gründerin der Anstalt. Diese habe hier, den günstigen Boden gefunden, da hier das Verhältnis zwischen den einzelnen Konfessionen sich stets besonders friedlich und angenehm gestaltet habe und die Bürgerschaft Paderborns sehr wohl wisse, was sie ihren israelitischen Mitbürgern für die Entwicklung und das Aufblühen der Stadt zu verdanken habe. Die Hauptsache bei der Anstalt seien und bleiben die Zöglinge, allen diesen, den früheren wie den jetzigen, gelte sein Hoch. Frl Marcks sprach Worte des Dankes. Eine Reihe weiterer Reden schloffen sich an. Es war ein schönes, eindrucksvolles Fest. m. Darmstadt, 15. März. Ueber unsere so wenig erfreulichen Gern eindeverhällnisse wurde in den letzten Jahren wiederholt in diesen geschätzten Blättern berichtet. Um so mehr dürfte heute die Mitteilung am Platze sein, daß durch die am 11. d. M. stattgehabten Ergänzungswahlen für den Vorstand eine Wendung zum Besseren eingeleitet wurde. Die Gemeinde hat sich endlich aufgerafft und hat den bisherigen Vorstand, d. h. den Vorsitzenden mit seinem Anhang, hinaus—gewählt. Es war aber auch die höchste Zeit. Die Herren, die durch ihr Regiment, und nicht am wenigsten durch ihr Vorgehen gegen den Rabbiner, die Gemeinde nach innen und außen schädigten, hatten es zuletzt so weit gebracht, daß für die Regierung der Vorstand der Residenzgemeinde gar nicht mehr existierte. So wurden bei den letzten Verhandlungen über die Bildung eines jüdischen Konsistoriums in Hessen nur die Vorstände der Gemeinden Mainz, Worms, Offenbach und Gießen von der Regierung zugezogen, während der Vorstand unserer Gemeinde vollständig ignoriert wurde. — Nun kamen die Ergänzungswahlen. Alle bisherigen Agitationswittel verfingen nicht mehr. Die bessern Elemente trugen dennoch den Sieg davon; mit glänzender Majorität wurden gewählt die Herren: Dr. Hugo Bender, Leop. Hachenburger, Ludwig Joseph, Alexander Sander, Louis Trier, Otto Wolfi. Die Gemeinde fühlt sich wie von einem Alpdruck befreit. Möge sie und der neugewählte Vorstand die Lehren der schweren Prüfungszeit nicht vergessen. e. Mannheim, 23. März. Am 6. d. M. fand eine Sitzung der Mitglieder der israelitischen Gemeindevertretung statt. In dieser standen u. a. die Beratung und Beschlußfassung über die Voranschläge für das Jahr 1906 zur Tagesordnung. In der Gemeindekafse ergab das Rechnungsjahr 1905 gegen 1904 einen minder günstigen Abschluß. Auf 1. Januar d. I. konnte gegenüber dem Vorjahr ein um 3995 Mark, niederer Kassenvorrat vorgesehen werden; aus diesem Grunde weist in Verbindung mit einigen kleineren

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