Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden auf diesem Gebiete in hebräischer Sprache geleistet, nur Material zur Geschichtsschreibung, nicht aber.Geschichtsschreibung selbst, und auch dieses ist meistens in Schriftwerken zu finden, die von Hause aus nicht im entferntesten historiographischen Zwecken dienen sollten, z. B. «mrS, patriotischen und gesellschaftlichen Gesäugen. Statuten, Grabschristen, Kontroversen, Vorreden zu Büchern, ja oft auch Titelblättern. Selbst die arabisch schreibenden Juden im Orient und in Spanien, die in wissenschaftlicher Beziehung ihren deutschen und französischen Glaubensgenossen weit überlegen waren und sich sonst an die fremdartigsten Stoffe heranwagten, ließen das weite Feld der Geschichtsschreibung so gut wie brach liegen (vergleiche Steinschneider: Die arabische Literatur der Juden, S. XX. und die Einleitung zu dem vorliegenden Werke S. VIII). Abraham Jbn Esra (zu Ex. 2, 22; vergl. Reifmann, in Zion II, S. 153) und Maimonides (Ende seiner Einleitung zu den 13 Glaubensartikeln im Kommentar zur Mischnah Synh. XI, vergl. Moreh I, 2) sprachen sich sehr abfällig über Geschichtswerke ihrer Zeit aus, und letzterer erklärte das Studium derselben als Zeitverschwendnng (vergl. jedoch Steinschneider in Frankels Monatsschrift II, 389, der Maimonides hartes Urteil auf die fabelhaften Chroniken der Araber beschränkt; siehe auch „Jewish Liierature“ Ans. § 10 und Arab. Literatur 1. c.) Wie arm nun auch die hebräische Literatur an eigentlichen Geschichtswerken ist, so bieten doch immerhin die mannigfaltigen literarischen Erzeugnisse einer fast zweitausendjährigen Zeit genug Material zur Geschichte im allgemeinen und zur jüdischen Geschichte im besonderen. Das meiste, wohl auch das wichtigste, ist bereits von verschiedenen Gelehrten der neueren Zeit gelegentlich hercmgezogen oder auch direkt besprochen und behandelt worden. Es bedurfte jedoch der außerordentlichen Gelehrsamkeit eines Steinschneider, um die gesamte hebräische Literatur auf ihre historiographischen Bestandteile zu prüfen, diese auszusondern und als Quellenmaterial der jüdischen Geschichtsschreibung in chronologischer Ordnung darzustellen. Das jüngste Werk Steinschneiders unter obigem Titel erfüllt diese Aufgabe mit der bei Steinschneider zu erwartenden Meisterschaft. Nach einer kurzen, fast aphoristischen Einleitung, in der der Verfasser auch über die Entstehung und Entwicklung dieser Arbeit berichtet, bespricht er zunächst die talmudische und midraschische Literatur, hebt die geschichtlichen Elemente in der Halachah und besonders in der erzählenden Haggadah hervor, behandelt in kurzen Paragraphen die wenigen Geschichtswerke aus jener Zeit und aus der darauffolgenden gaonäischen Periode (3, B. dSu? “HD/ JT’Jrn rDJÖ. DWIDX1 D'XZtl "HD) bis auf das bekannte Sendschreiben Scheriras, überall mit Einflechtung wertvoller Bemerkungen' über Inhalt und Bedeutung der einzelnen Schriften nebst Angabe der Quellen und bibliographischen Notizen. Ein sehr beachtenswerter einleitender Abschnitt, auf den ein längerer Exkurs über das Buch Josippon folgt (8 19), führt uns in das eigentliche Mittelalter, in die Geschichte der Kalamitäten. In chronologischer Reihenfolge werden nacheinander sämtliche Schriften des Mittelalters, gedruckte und ungedruckte, vorgeführt, von denen die meisten von den bitteren Leiden der Juden in den verschiedenen Ländern, besonders unter christlicher Herrschaft, berichten (8 20 bis 90). Der Verfasser beschränkt sich auch hier nicht lediglich auf das streng Bibliographische, sondern geht näher auf Inhalt und Kritik der einzelnen Schriften ein unter steter Hinweisung aus Quellen über ihre Verfasser und mit zahlreichen gelegentlich eingestrenten Bemerkungen, die über kulturhistorisch bedeutsame Erscheinungen helles Licht verbreiten (vgl. z. B. § 23 b, 24, 68). Der auf diese Abteilung folgende Anhang („Verschiedenes", S. 80 bis 86) behandelt „allerlei Schriften des Mittelalters, welche man wegen der in ihnen enthaltenen Nachrichten in dieser Bibliographie suchen möchte" (8 91), zum Beispiel Moses Jbn Esras Poetik, Charisis '»Sl&Snfl, Jmanuel b. Salomos JYTDnft u. a. Die zweite Hälfte des Werkes, „Die Neuzeit" überschrieben (S. 87), beginnt mit einer Schrift (Ms.) aus dem Jahre 1502 und verfolgt die gesamte hebräische Gefchichtsliteratur bis auf das Jahr 1900 resp. 1903 (S. 168, Zl. 8). Hier dursten, einer voraugeschickten Bemerkung des Verfassers zufolge, die charakterisierenden Angaben über Buch und Verfasser etwas spärlicher fließen, da es sich meistenteils um gedruckte, weniger um unzugängliche handschriftliche Werke handelt. Wichtigere Werke, zum Beispiel Abraham Zakutos r>Dm\ des abenteuernden David Reubeni Josef ha-Kohens Geschichtswerke, David Gans* u. a., find auch hier ausführlich besprochen. Von besonderem Werte für weitere Forschungen sind die zahlreichen bibliographischen Nachweisungen, die in dieser Vollständigkeit kein anderer als Steinschneider geben konnte. Zu erwähnen sei noch, daß in diesem Teile, und besonders in dem reichhaltigen Nachtrag (S. 172 bis 182), verschiedene bibliographische Mitteilungen der Herren Dr. A. Freimann und Al. Marx, hauptsächlich aus der neuhebräischen periodischen Literatur vom Verfasser verarbeitet sind. Ein vollständiges Titelregister der hebräischen Schriften (S. 183 bis 190) beschließt das Werk. Zum Schluß sei es uns gestattet,. einige Bemerkungen über Einzelheiten hinzuzufügen. Unter JVJUfi (§ 7) war noch Dalmans vokalisierte Ausgabe („Aramäische Textproben", Leipzig 1896, S. 1 bis 3) nebst „Bemerkungen zur Fastenrolle" (ib S. 32 bis 34) zu erwähnen. Auffallend ist ferner, daß dem bekannten '■Wir NLO (siehe Zunz, Gottesd. Vortr. S. 162 ff.) kein Artikel gewidmet ist. 8 110 wäre ein Hinweis auf Benjacobs Ibesaurus S. 368 n. 2164 nachzutragen, wo das rttpOfi *"l£D des Joselmann Rosheim (1547) irrtümlich einem Abraham beigelegt wird, der in dem von mir aus dem Nachlasse Benjacobs (bei Steinschneider) angefertigten Autorenindex mit dem kabbalistischen Verfasser des Werkes zusammengestellt ist. Vgl. Steinsch. (Arab. Lit. der Juden, S. XL,, Anmerk. 3), der in dem Verfasser dieses Buches Abraham b. Elieser Ha-Lewi, den Alten (1552) vermutet. Das Buch '"2^ fHDt (S. 126, bei Benjacob 158 nn. 154 und 155) von Baruch ben Gerson aus Arezzo (ms. Almanzi 204) ist identisch mit n®5Ö bei Benjacob S. 357 n. 1911 (ms. Michael 836). Das Buch dTtSn (§ 152) ist von Israel Böhmer-unter Mitwirkung von G. Polak herausgegeben worden (vgl. Zeitlin, BibJioth. I. S. 36). Nach Seite 143 (Schriften Chajjuns unter Buchstabe c und d) ist Benjacob S. 162 n. 260 zu berichtigen. Zu 8 245 in dem oben erwähnten Autorenindex ist der angebliche Verfasser Benusch (Benj. S. 232 n. 463) überhaupt nicht aufgesührt, auch nicht Israel Frankel. Aus der neuhebräischen Literatur wäre vor allem nachzutragen: Salomon Mandelkern, fTD'H Geschichte Rußlands aus den Quellen bearbeitet mit Berücksichtigung der Juden daselbst. (Im Aufträge und auf Kosten des Vereins zur Förderung der Kultur unter den russischen Juden herausgegeben.) 3 Teile, Warschau 1875, 8° (stehe Zeitlin, Biblioth. I. S. 227); Israel Belkind (Lehrer an der hebräischen Schule zu Jaffa) ^2*7, erster Teil, die Völker des Altertums, Jerusalem 1897 (stehe CH. D. Lippe,Bibliogr. Lexikon, Wien 1899, S. 32); M. S. Raisin, rß'TDKD DH1NH Geschichte der Juden in Amerika seit ihrer ersten Ansiedlung bis auf die Gegenwart, nach verschiedenen Quellen ausführlich bearbeitet, in 3 Teilen, Warschau 1902, Verlag „Tuschijjah"; Josef Mejuchas, N'pID pKS DH1.T.T in Luncz' Almanach, Jerusalem 1904, S. 22 bis 96 (aus dem Französischen des M. Franco). Einige irreführende Druckfehler mögen hier noch korrigiert werden: S. 4 Anmerk. 1, Zl. 2, für 86 l. 80; 8 44, Zl. 8, für V l XV; S. 107. letzte Zeile, für 467 l. 407; § 167, letzte Zeile l. e"T7; S. 136, Zl. 12 v. u., für 1654 l. 1053; S. 159, Zl. 8, ist „Zolkiew" wohl Drucksehler; beide dort erwähnte Schriften beziehen sich aus „Brände in Brody" lsiehe dieselben Werke bei Benj. s. vv. und auch Zeitlin II. S. 389). Cincinnati. Dr. Heinrich Malter. $ — Heute rüstet man sich, um den Gedenktag Gabriel Rießers, dieses siegreichen Streiters für die Emanzipation der deutschen Juden würdig zu begehen. Der in pädagogischen Kreisen rühmlichst bekannte Rektor Jos. Feiner hat es unternommen, Rießers Lebensbild aus dem Geiste unserer Zeit heraus in einer Schrift vor uns zu entrollen, die den Titel führt: Ga briet Rießers Leben und W irken, für jung und alt dargestellt. (Mit einem Bildnis Gabriel Rießers.) Hamburg. M. Slogan jr. 1906. Das von edlem Geiste durchwärmte, von Begeisterung für feineit Helden getragene und durch die markigsten Stellen aus seinen Schriften in seiner Wirkung gesteigerte Buch dürfte allgemeines Interesse erregen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.