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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-03-30 · Heft 13 (30.3.1906) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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beträgt, und bedenkt man, daß in vielen großen Städten, wie Odessa, Kischinew, Kiew ufw. den Juden unverblümt mit einem Krawall gedroht wurde, falls sie sich erkühnen sollten, der Regierung nicht genehme Wähler zu wählen, so kann man sich von den Schwierigkeiten eine ungefähre Vorstellung machen. Unter diesen Umständen erscheint der Rat, den Witte der vor kurzem bei ihm erschienenen Deputation erteilt hat, die Juden mögen nur Juden in die Duma entsenden und da, wo es nicht möglich ist, sich auf seiten der Regierung stellen, als wertlos. Der Einstuß der Juden kann nur in den Städten sich geltend machen, die das Recht haben, eigene Abgeordnete zu wählen; und von diesen Städten kommen wiederum nur die Städte Wilna, Jekaterinoslaw, Kiew, Kischinew, Odessa und eventuell Riga, im ganzen höchstens sechs Orte, für sie in Betracht. In den übrigen Gouvernements können die Juden nicht anders, als mit den anderen Parteien paktieren. Der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung schwankt im Ansiedlungsrayon zwischen 4% im Gouvernement Poltawa und 18,2°/0 im Gouvernement Warschau. Die Juden haben also nirgends eine Majorität für sich allein und sind durchwegs auf die Mitwirkung der nichtjüdischen Bevölkerung angewiesen. Von den großen Städten, in denen die Juden allenfalls in größerer Anzahl wohnen, gibt es nur 16 Orte, in welchen sie für sich allein die Majorität der Bevölkerung bilden. Diese Majorität schwankt da zwischen 53,3% (Minsk und Witebsk) und 780/g (Berditschew). Und selbst in diesen Orten wird der eventuelle Einfluß der Juden durch den Einfluß der ländlichen Bevölkerung, mit deren Wahlmännern zusammen sie das betreffende Dumamitglied wählen, vollständig paralysiert. Ziemlich gute Aussichten, selbständig einen Abgeordneten zu wählen, haben sie nur in Kischinew, wo sie 46,30/0 der Bevölkerung bilden und in Wilna, wo sie 41,3°/» der Wähler haben. In den Städten Odessa, Lodz, Warschau und Jekaterinoslaw bilden sie nur 31—36°/o der Bevölkerung und sind so gezwungen, sich einer anderen Partei anzuschließen. Die erste kommende russische Reichsduma wird überhaupt ein eigenartiges Aussehen haben. Nebst starrköpfigen Reaktionären, die nichts gelernt und alles vergessen haben, wird sie zahlreiche gehorsame Jasager haben, der Rest wird aus Hooligans bestehen, die in der Hinmordung, Beraubung und Unterdrückung aller nichtrussischer Nationalitäten ihren Erwerb sehen. Die Duma wird, falls sie überhaupt in den ersten Jahren dazu kommen sollte, sich mit der Judenfrage zu befassen, den Juden nur das geben, was die'Regierung ihnen zu gewähren für gut befinden wird. Die 5—6 jüdischen Abgeordneten werden ohne Einfluß sein. Destomehr müßten daher die Juden trachten, daß diese wenigen jüdischen Abgeordneten wirklich Juden sind, d. h. Männer, die mit großem jüdischen Wißen ausgerüstet sind und warm für ihre Glaubensgenossen empfinden, damit sie auf die Angriffe gegen die Juden,, an denen es in der kommenden Duma wahrlich nicht fehlen wird, sofort die richtige Antwort finden. Das wird einstweilen ihre einzige Aufgabe sein. In diesem Sinne wissen wir uns mit dem Grafen Witte einig, der den zukünftigen jüdischen Abgeordneten geraten hat, sich in der Duma schweigend zu verhalten und nur da den Mund aufzutun, wenn die jüdischen Interessen irgendwie berührt werden. Dann aber mögen sie es auch gehörig tun und die Antisemiten in der russischen Reichsduma tüchtig abfahren lassen. 148 Gabriel Weher. Von Dr. M. Bauer., 0bschon ein Jahrhundert seit der Geburt Gabriel Rief- » im Strome der Zeit dahingeraufcht ist — er wurde m 2. April 1806 in Hamburg geboren — so ist die Spür i o, seinen Erdentagen noch immer nicht untergegangen und bei iter Mllg rt; 'L",eni rw eine ' ars 6 ziel senen Seite Johri Bcken si'Y d w r h und r glaub, gittlic Rechte tnuis. nichts Si asai >. fas geiub, wrhrk 0 ■ etct. chiaul Same des Guten, Wahren nnd Schönen, der Gerechtigi eit der Menschenwürde und Menschenhoheit, den er mit so volle, Händen ausstreute, ist üppig in die Halme geschofien. Ne i„ man die besten Namen der Vorkämpfer der Judenemanzj pation im 19. Jahrhundert, die durch ihre bewunderunz würdige Ausdauer, ihre zähe Beharrlichkeit und ihre TatkraMni hts die glänzendsten Ergebnisse zeitigten und am Abend ihres seiner Lebens die Ideale ihrer Jugendzeit verwirklicht sahen, so mr der Name Gabriel Rießer als einer der ersten genannt werd 1 Ist auch noch heutzutage leider die Lage der Juden i Deutschland vielfach eine unwürdige und traurige, so war be», Eintreten Gabriel Rießers für seine Glaubensgenossen nt politische und staatsbürgerliche Stellung der Israeliten eine >0 trostlose, daß man sie mit der jetzigen Zeit gar nicht in Vor gleich stellen kann. Als Gabriel Rießer seine Stimme für Me Enterbten der Menschheit, die Parias unter den Völkern, v hob und Machthaber wie Nationen der Verletzung des heilig c„ Menschenrechts im Juden anklagte, war man bei uns an dafreie Wort aus dem Munde eines Israeliten noch nicht wöhnt, weil man der Wahnvorstellung huldigte, daß d m Sohne des Ghetto überhaupt das Gefühl für Freiheit abgetzc, Was Rießer ihn vor vielen seiner hervorragenden Glaubensgenossen von seinem ersten Auftreten an auszeichnete, war vor allem sein lauterer und reiner Charakter, der allen Lockungen, die an ihn wiederholt in gleißender Form herantratn zu widerstehen wußte. Ihm wäre es als die größte Schmach erschienen, hätte er je den Glauben seiner Väter materiell Vorteile wegen oder aus ehrgeizigen Gelüsten abgeschworen. 9'itt seinen Brüdern, deren Leiden und Qualen er aus eigener Anschauung und eigener trüber Erfahrung kennen lernte, wollte er leben und sterben, und tief durchdrungen von der Wahrheit des Monotheismus und der mosaischen Gesetzgebung entrollte er bis zum letzten Augenblicke das Panier des Judentums. Ein Abkömmling des berühmten Altonaer Rabbin ns Raphael Cohen, erhielt er von seinem Vater, einem tüchtigen Talmudisten, der auch in profanen Wissenschaf.cn Bescheid wußte, eine gediegene Erziehung. Seine Gymnasiulstudien machte er in Lübeck und Hamburg. Großen Einfluß übte Dr. Heinrich Würtzer in Hamburg, der Direktor es dortigen Johanneums, auf seine Herzens-, Gemüts- und wissenschaftliche Bildung aus. Von diesem Mann rührt Dr. M. Jsler, der Biograph Gabriel Rießers, daß er zu t e» tolerantesten Pädagogen jener Zeit gehörte. Er habe un er allen Verhältnissen seines langen, wechselvollen Lebens sich Me unerschütterliche Wahrhaftigkeit und den Mut der Treue und Festigkeit in seinen gewonnenen Ueberzeugungen bewahrt. Auch auf Rießer wirkte sein Beispiel und seine Lei re anregend und stärkend. Er führte ihn zur Selbsterkenntnis und daher zur Bescheidenheit, gab seinen Arbeiten die Richtung auf das Feste und Gründliche; er liebte den Jüngling wie seinen Sohn, und dieser hing an ihm mit kindlicher Ehrfurcht bis zu seinem 1834 erfolgten Tode. Vom Wissensdurst getrieben, studierte Rießer in Heidelberg und Kiel die Rechte, obschon die Aussicht für einen Juden, die Advokatur in Hamburg zu erlangen, nichts weniger als günstig war. &»> 20. Dezember 1826 machte er in Heidelberg sein juristisches kto >d d druck citer vch! eben A iters Kruni i eint mehr ir ( laitl . oha ' irch« i - dir -abb trgä i r ei i »soi 1 ib 1 des V; brn '' >vc mc ula, fvui ai c.Mo mujjl -cht a'eidf Sinti -wißt 2chr

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