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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-03-23 · Heft 12 (23.3.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. No. 12 > Berlin, 23. März 1906. Drtlsge zur „ANgrmeinen Leitung deK Iudrnknmö". Korrrhmndrimn und Aschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 18. März. In eintöniger, geschäftsmäßiger Form verlief die heutige nur einstündige Sitzung der Repräsentantenversammlung, welche im wesentlichen Geldbewilligungen ihre Zustimmung zu geben hatte. Vor Eintritt in die Tagesordnung dankte Geheimrat Blumenthal für die ihm seitens des Gemeindevorstandes und der Repräsentanten anläßlich seines 70. Geburtstages zuge° gangenen Ehrungen, in denen er die Anerkennung für sein Wirken zu erblicken glaubt, und versprach, seine Kraft auch fernerhin den Interessen und dem Wohle der hiesigen Gemeinde zu widmen. Der Vorsitzende Louis Sachs wiederholt nochmals namens der Versammlung die herzlichsten Glückwünsche und bittet den Jubilar, in gleicher Weise wie bisher für die Gemeinde zu wirken. Eingegangen ist ein Antrag Senator, von den im Jahrbuch des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur erschienenen Parallelen zwischen Judentum und Christentum eine genügende Anzahl Sonderdrucke Herstellen und möglichst allen Gemeindemitgliedern zugehen zu lassen. Der Antrag wird auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gestellt werden. Die Zuwendung des Herrn L. Haenpler in Höhe von 10000 Mark zugunsten des Jüdischen Krankenhauses wurde angenommen. Herr Louis Sachs beantragte hierbei, den Gemeindevorstand zu ersuchen, diese Summe zugunsten der neu zu errichtenden gynaekologischen Abteilung zu verwenden, zog aber auf den Einspruch des Herrn Manheim er, welcher die Ermächtigung des Geschenkgebers für erforderlich hielt, seinen Antrag zurück und überließ dem Gemeindevorstand^ die spezielle Bestimmung über das Legat. Die Zuwendung der Frau Helene Tomski geb. Hirschfeld im Betrage von 7000 Mark zum Zwecke der Grabeserhaltung wurde ebenfalls angenommen. Zur Erneuerung zweier Grabstätten der Muhrschen Eheleute auf dem Friedhofe Schönhauser-Allee wurde die erforderliche Ausgabe bewilligt. Der vom Gemeindevorstand unternommene Versuch, wohlhabende^ Verwandte zur Pflege der Gräber zu veranlassen, ist ergebnislos verlaufen. Der Etat der Synagoge Rhkestraße wurde nochmals) wegen eines kleinen Irrtums in der Aufstellung vorgelegt und genehmigt. Die Versammlung erteilte alsdann ihre Zustimmung zur Mietung folgender Säle zum Zwecke gottesdienstlicher Veranstaltungen.' des Beethovensaales (1500 Mark), der Brauerer Königstadt, des.^Saales Tiergartenhof (2000 Mark), der Sophiensäle (500 Mark), des Fiebigschen Konzertsaales <750 Mark) und zur^Veranstaltung von Jugendgottesdienst: des Oberlichtsaales der Philharmonie (1000 Mark), des Saales des Brüdervereins . (300 Mark), des Logenhauses in der Joachimstalerstraße (600 Mark) und der Unionssäle (395 Mark). Die Wiederwahl von 18 turnusmäßig ausscheidenden bezw. die Wahl von 4 neuen Mitgliedern der Kommission zur Unterstützung, hilfsbedürftiger Durchreisender wurde beschlossen, ebenso die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder des Krankenhausvorstandes. Für l den Religionsunterricht eines Proselyten wurden 30 Mark bewilligt. Herr Weinberg regt, wie er dies bei einer früheren Debatte bereits getan hatte, hierbei wieder an, ob es nicht zweckmäßiger wäre, mit einem Lehrer ein Abkommen zu treffen, welcher die ersorderliche.Unterrveisung aller Proselyten zu übernehmen hätte. Zum Umbau) der Direktorwohnung im Reichenheimschen Waisenhause wurden 3000 Mark, als Entschädigung für die in der Synagoge Kaiserstraße abhanden gekommenen Gegenstände 40 Mark und für einen erst jüngst angestellten Gemeindebsamten 50 Mark als Notstandszulage bewilligt. An die öffentliche Sitzung schloß sich eine geheime an, die sich mit Anstellungen von Beamten, Unterstützungen und der Bewilligung eines Ehrengeschenkes zu befassen hatte. 8. Berlin, 19.j März. Der „Liberale Verein für die Interessen der jüdischen Gemeinde zu Berlin" Hielt heute abend im Saale des Brstdervereins seine ordentliche Mitgliederversammlung ab, dje, wie der Vorsitzende des Vereins, Iustizrat Breslauer, mit Freuden konstatiert, lebhafteren Besuch zeigte als die früheren Generalversammlungen. Mit warnr empfundenen Worten gedachte der Vorsitzende der im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder, besonders des Geheimrats Wiesenthal, der Jahrzehnte lang eifrig und tapfer für die liberalen Interessen gewirkt hat. Der Referent des Abends, Rechtsanwalt Plonsker, gab in seinem Vortrage: „Was ist in der jüdischen Gemeinde zu Berlin seit den letzten Wahlen geleistet worden?" ein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes vorzügliches Bild der weitumfassenden Tätigkeit unserer Gemeindeverwaltung. Einleitend rief er das häßliche Bild des Wahlkampfes, in welchem die Liberalen sich wacker gegen die mit unzulässigen Mitteln betriebenen Anfeindungen der Gegner zu wehren hatten, in die Erinnerung zurück, um an der Hand dieser Tatsachen das Entgegenkommen der liberalen Repräsentanten in helleres Licht zu rücken und .zu besserer Würdigung zu bringen. Er erörterte ausführlich die Vorgänge bei der Wahl der Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung, die Verteilung der Aemter in den einzelnen Ausschüssen, in denen die konservative Minderheit mehr als genügend zu Sitz und Stimme gelangte, die Wählen zum Gemeindevorstand, die Affäre Fromer, die auch zuungunsten der Liberalen ausgespielt wurde, die umfassende Bautätigkeit in der Verwaltung, die Arbeit in den einzelnen Verwaltungskomrnissionen, die Orgelsrage in der Synagoge Rykestraße, die auf Grund der vorgenommenen statistischen Erhebungen sich von einer religiösen Frage zu einer reinen Zweckmäßigkeitsfrage umgestaltet hat, und die in letzter Zeit wieder größere Steigerung der Austritte aus dem Judentum — Tatsachen, auf die wir hier nicht näher einzugehen brauchen, weil unsere Leser die Tätigkeit der Gemeindeverwaltung aus unseren ausführlichen Repräsentantenberichten hinreichend kennen. Der Redner resümierte sich dahin, daß die Gemeindeverwaltung überall und stets bemüht gewesen ist, ihren Verwaltungskörper und ihre Organisation auszubauen, daß beide Parteien, die Liberalen wie die Konservativen, zurzeit friedlich zum Wohle der Gemeinde wirken, und daß die Verwaltung liberal ist, das heißt tolerant gegen alle Parteischattierungen, die sie in sich vereinigt. Als erstrebenswertes Ziel wäre gewiß zu betrachten, wenn die Verwaltung alle Parteigruppierungen unter ihrem genügend Raum bietenden Schirmdach vereinigen könnte, doch, solange das nicht geschieht, müssen wir froh sein, daß Friede und Eintracht herrscht. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Friede auch weiterhin gewahrt bleiben möge, daß jedoch entgegengesetzten Falles die Liberalen unter der Aegide des liberalen Vereins mutig in die Kampfstellung wieder einrückeu werden, denn „links schlägt das Herz, auch das der Zeit". Justizrat Breslauer ergänzte das Referat in einigen wichtigen Punkten. Er wies vor allen Dingen darauf hin. daß die Macht der Persönlichkeit der liberalen Repräsentanten, die Macht ihrer Gründe und ihrer Ueberzeugung die Gegner dazu gebracht hat, die Anschauungen und Anträge der Liberalen zu prüfen und zu erwägen. Er bat, die Macht'der gegnerischen Parteien nicht zu unterschätzen, vor allern die der zionistischen Partei, und beklagte eindringlich den Mangel eines geeigneten Nachwuchses, der den liberalen Gedanken in der Gemeinde hochzuhalten und weiteren pflegen in der Lage ist. Weniger ängstlich steht dieser Redner gegenüber der Gefahr der Judentaufen, die schon in verschiedenen Perioden starke. Steigerung erfahren hätten, und weist init'Nachdruck darauf hin. daß die Gemeindeverwaltung immer den auf die Verhütung der Taufen abzielenden Bestrebungen tatkräftige Hilfe hat zuteil werden lassen, wie erst neuerdings durch die erfreuliche Anteilnahme au den Arbeiten des Verbandes der deutschen Juden zur Evidenz bewiesen sei., Zur Tätigkeit des Liberalen Vereins berichtete er noch,',daß sich der Vorstand mit den gleiche Ziele verfolgenden Vereinen in Breslau, Köln, Hamburg und Frankfurt a. M. zum gegenseitigen Austausch ihro^r Erfahrungen in Verbindung gesetzt hat. Herr Benas Levy legte den Kassenbericht vor und erhielt die Decharge für die Kassen verwaltung. Die sich alsdann anschließende Diskussion war eine recht

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