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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-03-23 · Heft 12 (23.3.1906) · p. Seite 134

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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niedrig wie den eines Sklaven an, und das war vor 50 Jahren im Durchschnitt 1000 Dollars, dann haben wir durch die. Einwanderung einen Jahresgewinn von 440 Millionen Dollars bar.. Ferner'ist jede Person, die hierher-kommt, ein -Konsument, und 90 Prozent von allen Einnahmen, selbst des Sparsamsten, werden für irgend welche Arbeit ausgegeben. Man legt Wert auf die Reinheit des Blutes? Es ist aber gerade die Vermischung des Blutes, was den Amerikaner macht." - - Sehr interessant sprach der frühere Mayor von Newhork Seth Low über die Einwanderung russischer Juden. Soll' fragte er, ein Jude, weil er das Unglück hat, in einem Lande wie Rußland geboren worden zu sein, nicht die Möglichkeit haben, seine Lage in diesem Lande zu verbessern? „Ich hoffe, daß weder Jude noch Christ einen so verächtlichen Standpunkt einnehmen werden. Es wird die sprichwörtliche Generosität der Juden auf eine harte Probe stellen, dieses Problem der jüdischen Einwanderung, aber ich weiß, daß die Probe bestanden werden wird. Ich denke im Sinne des ganzen amerikanischen Volkes zu sprechen, wenn ich sage, daß die russischen Juden hier werden willkommen geheißen werden, wo sie sicher sein werden vor Verfolgung, und wo wir der Hilfe bedürfen, die sie uns leisten können. Vielleicht kann ich meinen Gedanken am besten anschaulich machen durch eine persönliche Erinnerung. Ich glaube, daß das erstemal, daß ich eine Ansprache an eine Versammlung gehalten habe, zu Anfang der 70 er Jahre in Chikago war, wo ich an einer Konferenz der Wohltätigkeits- und Besserungsanstalten teilnahm. Auf jener Versammlung erhob sich ein Herr aus Indiana und beantragte zu meinem Erstaunen eine Resolution, welche 'gegen die Verpflanzung von Kindern durch den Newhorker Kinderschutzverein nach dem Westen protestierte. Ich war verblüfft, doch sah ich sofort ein, daß der Mann die Angelegenheit nicht von dem Standpunkt der Kinder, sondern von seinem Standpunkt betrachtet hatte. Der Mann selbst war als kleiner Junge von Newhork dorthin gekommen; und ich fragte ihn: Was hat Sie denn nach dem Weste« geführt? Sind Sie nicht dorthin gegangen, weil Sie glaubten, daß Sie dort mit mehr Erfolg den Kampf ums Dasein führen könnten?. — Und dennoch sagen Sie, daß die Straßenkinder von Newyork nicht dieselbe Chance haben sollen, die Sie für sich in Anspruch genommen haben? Ich freue mich, sagen zu können, daß, als es zur Abstimmung über die Resolution kam, sie nicht eine Stimme erhielt außer derjenigen des Antragstellers. Als ich vor kurzem gerade in Indiana eine Ansprache hielt, fand ich, daß der Mayor der Stadt einer von jenen in den Straßen von Newhork aufgegriffenen und hinausgeschickten Knaben war Da mußte ich denn glauben, daß, als ich zu Anfang der 70 er Jahre, wie erwähnt, gesprochen hatte, ich weiser war, als ich wußte. Ich bin fest überzeugt, daß die Christen in Amerika zu den russischen Juden sagen werden: Kommt her und laßt Euch's Wohlergehen, wie esso viele vor Euch getan haben. Wenn Rußland Euch verfolgt, kommt her, wir brauchen die Hilfe, die Ihr uns leisten könnt. — Wir wissen sehr wohl, daß die Lage Deutschlands nicht zu vergleichen ist mit derjenigen der Vereinigten Staaten. Aber immerhin hat ein Land Ausnahmepflichten, wenn es im Nachbarlande drauf und drüber geht, wie eine Familie, auch wenn sie nicht imstande und daher willens ist, Bedrängte für die Dauer aufzunehmen, die Nachbarfamilie aufnehmen soll, die aus einem brennenden Hause flüchtet. Die antisemitische Moral aber lehrt: Schließt die Türen, treibt die Hilfeflehenden, wenn es Juden sind, von Eurer Schwelle, jagt sie weit hinweg, wenn es nicht anders geht, zurück mit ihnen in das brennend^ Haus. Wenn es nach den Herzen der Antisemiten gegangen wäre, dann hätte Deutschland die Kor den Mördern, Ziehenden Juden zurück über -die russische Grenze treiben muffen, hättees den ' russischen - Myrdbamdeüs-Whälter- und Nchkepperdienste leisten rsolken.. Und dieselben Antisemiten -wagen über die Selbstsucht. dei>Hankeesblutige Tränen zu vergießen! -;. Dir Woche. . - Berlin, 20. März, y I uch in den letzten Sitzungen der Kommission, für.das neue Schulgesetz gelang es den liberalen Parteien einige für uns günstigere Bestimmungen als die des Entwurfs zu erzielen. Speziell zu 8 28 Nr: 6. Derselbe handelt von der Zulassung des Rabbiners zur Schuldeputation. Die Vorlage gestattet diese nur, wenn sich in der Stadt öffentliche jüdische oder jüdisch-christliche Schulen befinden. Ein nationalliberaler Antrag wollte' aber den zuständigen Rabbiner schon dann zulassen, wenn zwanzig jüdische- Volksschüler vorhanden sind. Die Regierung wendete dagegen ein, daß dies eine Bevorzugung der' jüdischen Kinder bedeuten würde. Die Kommission nahm trotzdem den nationalliberalen Antrag an Stelle der Regierungsvorlage an. Die Absätze 3 und 4 wurden unverändert angenommen/ Absatz 5 enthält das Bestätigungsrecht der Regierung, dessen der Rabbiner bedarf und welches widerruflichsein. soll. Von nationalliberaler Seite wurde wiederum verlangt, die Rabbiner ebenso zu stellen, wie die andern Geistlichen. Von der Regierung wurde dagegen betont, die Rabbiner den anderen Geistlichen gleichzustellen/sei aus inneren Gründen nicht zu billigen, da über die Vorbildung dieser Geistlichen keine Vorschriften beständen. Bei der Abstimmung wurde der Regierungsantrag angenommen. Hoffentlich wird sich bei der Beratung im Plenum ein jüdischer Abgeordneter bereit finden, dem Hause beffer orientierende Aufklärungen über die Vorbildung der Rabbiner zu geben. Zu § 31 des Entwurfs, Absatz 3, wird ein von liberaler Seite gestellter Antrag, in den Schulvorstand der Landgemeinden eventuell auch den Rabbiner zuzuziehen, angenommen. Im übrigen stehen, nach den Debatten in der Kommission zu schließen, die Chancen des ganzen Gesetzentwurfs nicht gerade sehr günstig; undaus dem- Kreise der führenden Partei ist bereits wiederholt der Gedanke laut geworden, daß man nach all den Aenderungen und Zusätzen, die er erfahren, auf das Zustandekommen des ganzen Gesetzentwurfs kein großes Gewicht lege. Nachträglich wird übrigens eine interessante Szene aus einer der ersten Sitzungen der Kommission bekannt: Im Laufe der Diskussion, über die erst jetzt ein ausführlicher Bericht in der) „Preußischen Lehrerzeitung" vorliegt, hatte ein. Regierungsvertreter betont, daß der Staat sich in allen, religiös-jüdischen Fragen für inkompetent erachten müsse, daß er darum an den jüdischen Lehrerseminaren in allen Fächern, mit Ausnahme der Religion, Zeugnis erteile und daß es vor allem nicht Sache des Staates sei, zu entscheiden, „ob die orthodoxe jüdische Religion die richtige, sei oder die .der Reformjuden." Darauf nunerhob sich ein Vertreter der freisinnigen Partei — der Berichterstatter weiß nicht, ob es-Herr Cassel war oder Herr Funk — und machte die Mitteilung, „es seien überhaupt nur wenige; jüdische Reformgemeinden (in Preußen oder Deutschland) vorhanden." Auf diese Erklärung gab der Regierungs- Vertreter zur Antwort: „Es könnten sich doch jeden Augenblick

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