Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1906)
- Date
- 1906-03-16
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
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bm Militärgerichten gefällten. Unsere Reichskrrnrinalstatiftik, die im Jahre l882 emsetzte, ist in bezug auf die. Technik ihrer Erhebungen und auf die Sorgfalt bei dev Verarbeitung dieser Erhebungen als durchaus ^mustergültig zu bezeichnen. Eie leidet nur an dem Alangeh daß sie unvollständig ist.» Im Jahre 1882 setzt sie ein, so daß wir im Jahre 1901 bereits die Ziffern von zwei Dezennien vor uns haben. Gerade die Ziffern für diese beiden Dezennien bieten nun eine außerordentlich wichtige Unterlage für unsere Betrachtungen. Nun fragt es sich, wie stellt sich innerhalb dieser Gesamtziffern die jüdische Kriminalität dar? Ich habe für diesen Zweck eine besondere Tabelle zuiammengestellt: 1. Uebersicht (a bedeutet den Durchschnitt 1882/91, b den Durchschnitt 1892/1901). Auf 100 000 strafmündige Zivilpersonen der gleichen Religionsgemeinschaft kommen Verurteilte: ' Strafbare Handlungen überhaupt i Verurteilte Evan-! Katt)'- , gel jctie > tiiche jC^lsterl^ Juden Ueberhaupt bl) 1031 963 1153 : i03o : ""784 b)1207 1122 1361! 1206 ' 1030 1. Hauptgruppe. Straftaten gegen a) 124 124 124 124 104 Staat, Religion, öffentliche b) 169 169! 164 167 234 Ordnung 2. Hauptgruppe. Straftaten gegen a) 403! 359 477 401 330 die Person b) 522 461 634 533 382 3. Hauptgrnppe. Straftaten gegen a) 499 476 546! 500 346 das Vermögen b) 5.2 489 559 513 410 4. Straftaten im Amt a) 5 5 5 5 5 b) 4 4 4 4 3 Wenn wir die strafbaren Handlungen überhaupt ins Auge fassen, so sehen wir, daß die Kriminalität der Christen im ersten Dezennium 1039 betrug gegenüber 963 bei den Evangelischen und 1153 bei den Katholiken und 784 bei den Juden. Es zeigt sich also eine wesentlich ungünstigere Stellung der Katholiken und eine wesentlich günstigere Stellung der Juden. Im nächsten Dezennium finden wir bei den Christen überhaupt 1206 Fälle, bei den Katholiken 1361, bei den Juden 1030. Verteilen wir nun diese Gesamtziffern auf die vier Hauptgruppen, so sehen wir sofort eine ganz auffallende Erscheinung bei der ersten Hauptgruppe und zwar ist im ersten Dezennium die jüdische Kriminalität mit 104 geringer als die der Christen mit 124. Für das zweite Dezennium springt die Ziffer der jüdischen Kriminellen beträchtlich in die Höhe auf 234, während die Ziffer bei den Christen bezüglich dieser Delikte 167 beträgt — zweifellos eine ganz merkwürdige Erscheinung. Bei den übrigen Hauptgruppen ist überall die jüdische Kriminalität eine bessere. Es bringt uns dies sofort auf die Frage, wie es denn mit den einzelnen Jahren in diesen beiden Dezennien gewesen ist. Es ergibt sich dann folgende Uebersicht: 2. Uebersicht. Auf 100000 strafmündige Zivilpersonen der gleichen Religionsgesellschaft kommen Verurteilte: Jahr Ueberhaupt! Evangelische 1 Katholische 1 Christen! Juden 1882 998 944 1078 991 844 1883 986 925 1087 982 809 1884 1023 953 i 1145 1021 799 1885 1005 926! 1147 1104 740 1886 1022 947 | 1160 1022 767 1887 10-8 948!■ 1161 1023 j 762 1888 992 924 t 1117 992 ' 764 1889 1043 977 | 1167 1044 792 1890 1065 997! 1194 1066 793 1891 1073 1011; 1190 1074 .799 1892 1146 1082 I -1268 1148 862 1893 1156 1088 1281 1156 976 1894 1195 1125 1321 1194 1027 1895 1202 1134 1326 1201 1104 1>96 1197 1122! 3332 1195! 1051 1897 1204 1126 i 1341 1202 1076 1898 1219 1181! 1376 1217 i 1038 1899 1201 1104 j 1375 1200! 1018 1900 1164 - 1065! 1339 1163 1033 1901 1223 1117 1 1412 1222 , 1053 . Wir sehen hieraus, daß die 'Kriminalität der. Christen ziemlich gleichmäßig steigt. Die Kriminalität der Juden zeigt eine, andere Bewegung. Sie setzt mit 844 ein — das ist eine ziemlich hohe Ziffer — sinkt dann auf 809. hä t sich dann ungefähr auf dieser Höhe und beträgt am Schluß des ersten Dezenniums 799. Im folgenden Jahrzehnt steigt sie zunächst stark an, um daun ziemlich stationär zu bleiben. Wenn wir uns die prozentuale Vermehrung der Kriminalitätsziffern bei den Christen und bei den Juden berechnen, so haben wir bei den Christen überhaupt eine Zunahme im zweiten Dezennium gegenüber dem ersten von 17,i0/0, bei den Juden von 31,4%. Es ist das zweifellos eine auffallende Zunahme. Nun möchte ich nebenbei nur ein kleines Beispiel liefern, wie verschieden es ist, welche Zahlen man zu einander in Relation sehr: Wenn man 1882 vergleicht mit 1901, so ergibt sich merkwürdigerweise, daß, die Zahl der Kriminalität für 1882 gleich 100 gesetzt, die Kriminalität der JudiM 1901. 124, die der Christen 123.4 beträgt. Setzen wir also das Jahr 1882 in Relation zu dem Jahre 1901, so ergibt sich ein wesentlich günstigeres Bild, als wenn wir die beiden Dezennien untereinander in Vergleich setzen. Wir. konstatieren also allgemeine Zunahme der Kriminalität, nicht bloß absolut, sondern auch relativ sowohl im Den!scheu Reich, also auch mit verstärkter Jntensit.lt, bei der jüdischen Bevölkerung. Wirschlieben daran sofort die weitere Frage, .wie stellt sich das Verhältnis, wenn wir die Ziffern der Hauptguppen, die wir vorhin kennen gelernt haben, noch weiter zerlegen? Die Reichskriminalstatistik enthält hierüber eine sehr interessante Zusammenstellung, welche zunächst diejenigen Delikte umfaßt, bei denen die Zahl der verurteilten Juden zu der Zahl der gleichzeitig verurteilten Christen mindestens dreimal so groß ist: 3. Uebersicht. Die Zahl der im Durchschnitt der Jahre 1892 bis 1901 verurteilten Christen verhält sich bei den verzeichneten Delikten zu der der Juden wie 100 zu: 1400 strafbarer Eigennutz, 1300 Wucher, 1100 Vergehen gegen das geistige Eigentum, 890 betrügerischer Bankrott. 730 verbotene Beschäftigung von Arbeiterinnen und Jugendlichen, 68 > Sonntagsruhe und Ladenschluß, 610 Konkursdelikte außer Bankrott, 580 Viehseuchen, 490 Hehlerei im Rückfall, 470 Rahrungsmittelsälschung, 400 gewerbs- und gewohnheitsmäßige Hehlerei, 360 Zweikampf, 340 Unterdrückung von Urkunden, 330 Verletzung fremder Geheimnisse. Außerdem ergibt sich aus der Reichskriminalstatistik eine Zusammenstellung derjenigen Delikte, bei denen die Zahl der verurteilten Christen mindestens dreimal so groß ist wie die Zahl der verurteilten Juden: 33 schwerer Diebstahl, 33 gefährliche Körperverletzung, 30 Gewalt und Drohung gegen Beamje, 24 einfacher Rückfallsdiebstahl, 24 Sachbeschädigung, 23 Widerstand gegen die Staatsgewalt, 22 schwerer Rückfallsdiebstahl, 21 Blutschande, 2! Raub und räuberische Erpressung, 20 fahrlässige Eisenbahngefährdung, 18 Brandstiftung, 18 Amtsverbrechen, 16 schwere Körperverletzung. 13 Befreiung von Gefangenen, 2,9 Jagd- und Flschereivergehen. *) Veräußerung von Lotterielosen usw. gegen Teilzahlungen, Uebervörteilung Minderjähriger, Vorenthaltung des Rechnungsauszuges bei Geld- und Kreditgeschäften und andere Fälle.