Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 15 (3.2.1838)
- Date
- 1838-02-03
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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58 setz wegen Verbesserung unserer bürgerlichen Verhältnisse ist nun 6-n Sr. Majestät sanctionirt woeben, und wird demnächst, nach Beendigung der nöthigen Vorbereitungen — wozu u. A. genaue AuSmittekung der bisherigen Erwerbszweige 0er Juden gehört, — durch das Gesetzblatt publicirt werden. Inzwischen haben die höchsten Behörden den Grundsatz angenommen, alle über die Befugnisse der Israeliten in einzelnen Fallen verkommende Zweifel im milderen Sinne zu Lnterpretiren, wie bereits einige Beispiele zeigen. — Sie bemerkten in einer früheren Nummer d. A. A. d. Judenth., daß die königl. Schatulle hier zu den Kosten des ist. Cultus beitrage; dies ist dahin zu erläutern, daß gedachter Beitrag in Folge eines Postulats der h. Staatsregierung und der Zustimmung beider Kammern, welche einstimmig erfolgte, aus der Staatskasse gezahlt wird, mithin einen um so stabileren Charakter erhalten hat. — Ein Stipendiat des hiesigen Mendelssohn-Vereins, 8t»d. meä. Bernhard Hirschel, wurde neulichst von der medecin. Fakultät zu Leipzig mit vieler Auszeichnung zum Doctor der Medicin und Chirurgie creirt. Seine bei dieser Gelegenheit verfaßte Jnaugural - Dissertation — betitelt: Scientia naturae medicinae magistra -— ist dem Mendelsfohn- Vereine (Societati, quae Dresdae floret, Philanthropicae, ia Meadelsohnii memoriain conditae) gewidmet. Verf. sucht darin in beredtem Latein die Nothwendigkeit eines gründlichen und umfassenden Stu diums der gesummten Naturwissenschaft für die Förderung der Arznekwissenscl)aft nachzuweisen. — Erwähnter junger Mann, welchem es als vaterloser Waise fast ausschließlich durch die Mittet des gedachten Vereins möglich wurde-, die Universität beziehen zu können, ist zugleich der erste Israelit in Sachsen, der — in Folge einer günstigen Entscheidung der hohen Universitäts-Behörde — einige Stipendien aus Landesstiftungen erhielt, worauf früher nur Mitglieder christlicher Confessionen Anspruch machen konnten. —. sPrivatmitth.*)j Amll. Jan. fanden unter derLeitung zweier Mitglieder des Magistrats die Wahlen neuer Gemeinde-Vorsteher statt. Von 105 stimmfähigen Mitgliedern hatten sich 8(j Ungesunden. Das Resultat fiel ziemlich einstimmig aus. Neukirchen bei Rietberg, 24. Jan. (Privatmkttheil.). Unter den regierenden Herren nimmt einen ganz vorzüglichen Antheil an der Entwicklung des Judeuthums Se. Durchlaucht der Fürst Georg Wilhelm von Schaumbürg-Lippe; er laßt sich die meisten in dieser Literatur erscheinenden Schriften verlogen, und hat erst vor Kurzem ein sehr belobendes eigenhändiges Handschreiben an den jüdischen Lehrer und Prediger Lipmannssohn deshalb erlassen. *) Bon einem andern Corrcspondenten. D. Redact. Theologie. Die jüdisch-theologische Facnltät und das jüdische Seminar für Deutschland. In No. 6 theilten wir die Notiz mit, daß Herr Rabb. Hold he im zu Frankfurt a. d. O. über die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt in unserm Jahrhundert gepredigt habe. Die Subscriptionsliste bezeugt, daß sein Wort bei seiner Gemeinde zur That geworden, und noch fahrt derselbe fort, uns einzelne Subscriptionen nachzusenden. Die Predigt ist bereits im Drucke erschienen, unter dem Titel: „Es ist die Pflicht jedes Israeliten für die Erhaltung „der Religion seiner Vater zu sorgen." Abgesehen bon dem Gegenstände, den sie betrifft, verdient diese Predigt durch die reiche Beredtsamkeit, durch die lebendige, hinreißende Wärme, durch die Gedankenfülle und den frommen Geist, die über sie ausgegoffen sind, allgemein verbreitet zu sein. (Sie kann durch jede Buchhandlung unter obigem Titel bezogen werden). Obgleich ich hier Gelegenheit nehme, noch einmal zu erklären, daß, bevor nicht ein größerer Theil des Fonds beschafft ist, ich in keine Diskussion ekngehen kann, weit es gewiß ein jeder Vernünftige billigt, sich nicht um des Kaisers Bürt zu streiten — so liegt es doch in der Sache selbst, hier das Vorwort des Herrn Hold he im, und einige einzelne Stellen der Predigt zu geben: Es ist viel geistiges Leben in Israel, aber eS ist vereinzelt. ES wohnt in ihm viel Kraft, aber sie ist zerstreuet, zersplittert. An so viele Regierungen vertheilt, dem Einflüsse so vieler, verschiedener Gesetzgebungen hingegeben, bildet Israel noch immer ein religiöses Ganze, aber ein in viele Zheile zerstückeltes Ganze. — Wunderbar genug, daß der Geist des Ganzen ibm nicht entflohen, daß die Theile eben durch den gemeinsamen Geist gleichartig geblieben, sich leicht zu einem Ganzen fügen, und daß jedes einzelne Stück, gleich den Polypen, ein eigenes Leben bildet. — Dieses vereinzelte Leben in einen einzigen großen Lebensfond umzusetzen, diese zerstreuten, zersplitterten Kräfte zu einerGesammtkraft zu sammeln, deren sich die Genossenschaft mit Lebendigkeit bewußt werden soll, ist der Impuls zu vielen Bestrebungen imIu, denthum unserer Zage in Deutschland. ES ist nicht immer Böswilligkeit, eS ist auch oft Unwissenheit, wenn noch immer den Juden vorgeworfen wird, daß sie nur den materiellen Interessen leben. Warlich, nicht gering ist die Anzahl von intelligenten Männern in Israel, deren gediegene Forschungen im Gebiete jüdischer Wissenschaft die schönsten und herrlichsten Resultate ins Leben gefördert haben, und eS gewährt dem Beschauer warlich keine geringe Seelentust, zahtlose Hände bemüht zu sehen, Bausteine und allerlei, nur durch die größten Schwierigkeiten zu erlangende, Materialien^zu einer Literatur zusammenzutragen. Aber diese Männer sitzen, statt auf Lehrstühlen, auf Jsolirs chemeln, außer aller Verbindung mit der Nation, und die, durch eigenen Reiz in sich erregte, wissenschaftliche Electricität geht, aus Mangel an natürlichen Leirungsmitteln, ' für die Gesammrmaffe verloren. —