Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 15 (3.2.1838)
- Date
- 1838-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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9 n. z-hrg.»-. AUgememe No. LS Zkitvkg des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.j Leipzig, den 3. Februar 1838. Zeitungsnachrichten. Mantua, 10. Januar. (Privatmitth.). Aus Italien kommt seltner eine Kunde von dem Thun und Streben der dortigen Israeliten nach Deutschland, weil sie noch nicht der allgemeinen Literatur sich so eng angeschloffen, daß sie wesentlich auf die italienische Journalistik influirten, und so die Ergebniffe ihres Lebens zu europäischer Kenntniß brächten. Die hebräische Literatur findet hingegen desto geschmackvollere Pflege in Italien. — . Wodurch sich die italischen Juden besonders auszeichnen, ist ihre großartige Wohlthätigkeit, die durch die Schöpfungenumfaffender Institute sich kund thut, und allerdings in einem tiefen Glaubensleben begründet ist, als sich zur Zeit wot in Deutschland vorfindet. Hier ist es denn wol erlaubt, besonders mehre Züge der Art hervorzuheben, die auch schon früher in einem hebr. Berichte Luzzatto's erwähnt worden sind, da die Objecte derselben nunmehr ins Leben 'getreten. Der sehr reiche und kinderlose Samuelle'Trabotti hier übergab vor seinem Hinscheiden (19. Nisan 1834) dem Rabbinen Oiaeomo 8urani sein Testament, durch dessen Ausführung jetzt theils neue Stiftungen organisirt, theils schon vorhandene reichlich dotirt wurden; nemlich nach folgender specieller Ausführung: Das jüdische, sonst ohnehin gut dotirte, hiesige Armenhaus erhielt 666 Fl. 40 Xr. jährlich; jedes Dorf, worin der Verblichene Bauergüter hatte, erhielt 20 Fl. jährlich für arme christlich e Bauern. Die Summe von 80,000 Fl. wurde dazu bestimmt, ein großartiges, die Leiden der Armuth milderndes Institut ins Leben zu rufen, das gegenwärtig bereits unter dem Namen „Cio Isituto Trabotti“ manche Thräne der Leidenden trocknet. Die Zinsen-Verwendung dieser Summe nemlich war im Testamente nach folgender Weise vorgeschrieben l der 10te Theit, 400 Ft., soll zur Verheirathung vier armer Judenmädchen aus Mantua verwendet werden. Von 1600 Fl. sollen vier arme jüdische Knaben unterstützt werden: wenn sie eine Kunst, ein Handwerk, vorzüglich aber wenn sie die Schifffahrtskunde erlernen. Die Summe von 666 Fl. 40 Tr. soll jährlich für Armen-Aerzte und für Armenmedizin verwendet werden. Die Summe von 333Fl. 20 Lr. soll jährlich vercheilt werden, um plötzlich Verunglückte oder von Natur Verwahrloste zu unterstützen, vorzüglich wenn diese Unglücklichen Wittwen oder Waisen sind. Dieselbe Summe soll jährlich in zwei oder drei Theilen als Prämien an rühmliche oder sich auszeichnende jüdische Handwerker vertheilt werden, und von der dann noch übrig bleibenden Summe der Zinsen sollen entweder Mädchen von 9 — 18 Jahren unterrichtet und erzogen, oder sonst Leidende unterstützt werden, wenn der Gemeindefond nicht ausreicht. Zu Vollziehern dieses Testaments wurden der hiesige Rabbine und fünf redliche Männer bestimmt, die allein das Recht haben, den Grad der Dürftigkeit zu bestimmen. Wer unfern jüdischen Todtenacker durchschreitet, der findet auf dem zierlichen Grabsteine Trabotti's drei tief ergreifende Senarien in der ehrwürdigen Sprache seiner Ahnen von äkUa Yolta eingegraben. — Ein gleicher Wohlthätigkeitssinn bethätigt sich in Livorno. Im Jahre 1834 starb dort der würdige Jsacco Franchetti, und hinterließ 50,000 Francs zur Begründung einer jüdischen Freischule daselbst. In demselben Jahre gab Giuda Franchettidie gleiche Summe zu demselben Zwecke; diesem schloß sich spater der würdige Abramo Pardo mit 10,000 Francs au, und von diesen Summen ist nun die jüd. Freischule zu Livorno gegründet, und sieht einer unveränderten Dauer entgegen. Im Jahre 1829 starb 8a1ornone Abudraham daselbst, welcher 50,000 Fr. zur Gründung eines Hospitals hinterließ; die noch fehlende Summe von 60,000 Fr. wurde in der kürzesten Zeit durch Beiträge herbeigeschafft. — Diesen Zügen könnte ich noch viele anreihen, aber diese genügen, wol, um den Geist der italischen Juden in Etwas zu bezeichnen. Sie leben geräuschloser, aber innerlicher und wahrer. Paris, 11. Jan. DurchOrdonnanz des Königs vom 18. Dec. ist Herr Lyon Mayer Lambert, Director der rabbinischen Centralschule von Metz, zum Grand-Rabbin dieses Bezirks an der Stelle des verstorbenen H. Worms und H. Louis Aaron Cahen zum Membre laique-&c$ Konsistoriums von Metz au der Stelle des verstorbenen H. Schwabe ernannt worden. In der Sitzung der Deputirtenkammer, am 10. Jan. brachte, bei der Discussion des § 3 der Addresse, der Deputirte Fulchiron die Klage vor, daß die Franzosen in der Schweiz nicht eben so viele Vortheile genießen, als die Schweizer in Frankreich. Der Conseilspräsident (H. v.Molö) antwortete, daß die Regierung sich bereits mit dieser Frage beschäftige, und in der That Sorge trage, daß diese nur zu reellen Mißlichsten in der gegenwärtigen Stellung abgeholfen werde. Es ist bekannt (besonders aus No. 23.44. 92. 93. vor.Jhrg.), daß dieses bedeutsamen Bezug auf die französischen Juden hat, denen die Schweiz nicht dieselbe Befugniß, wie französischen Bürgern tractatmaßkg zusteht, ertheilen will. Der Erfolg steht zu erwarten. Dresden, den 14. Jan. — (Privatmitth.). Das. Ge-