Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- Seite 115 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Bedeutung, welche die englische Sprache für das Leben und die Zukunft des Judentums gewonnen hat, kräftiger veranschaulicht werden, als durch das große Werk, dessen Vollendung ebenfalls bestimmt war, das Newhorker Jubelfest zu verherrlichen und dessen Schlußband in diesen Tagen zur Versendung gelangen soll. Es ist das die Jüdische Enzyklopädie (The Jewisli Encylopedia), die in zwölf starken Bänden einen Gedanken zur Ausführung bringt, beu in konkreter Gestalt zuerst D. Cassel und M. Steinschneider vor mehr als sechzig Jahren zum Gegenstände der Erwägung gemacht haben. Die „Real-Enzyklopädie des Judentums", deren Plan im Jahre 1844 durch die genannten Gelehrten veröffentlicht wurde, ist Plan geblieben; andere Werke ähnlicher Art in hebräischer und deutscher Sprache blieben unvollendet oder beschränken sich auf ein spezielles Gebiet. Der Gegenwart, welche den ungeheuren Aufschwung des ainerikanischen Israel herbeiführte, blieb es Vorbehalten, den alten Plan, von dessen beiden Urhebern der eine als verehrter Nestor der jüdischen Wissenschaft demnächst seinen neunzigsten Geburtstag feiern wird, in englischem Sprachgewande zur Wirklichkeit werden zu sehen. Allerdings ist die „Jüdische Enzyklopädie" an Umfang und Inhalt und auch an äußerer Ausstattung etwas ganz anderes, als die „Real-Enzyklopädie des Judentums" geworden wäre. Aber der Grundgedanke jenes alten Plans ist durch das Werk, mit welchen, die Metropole des amerikanischen Judentums uns beschenkt hat, ausgeführt, und, was immer auch seine Mängel und. Lücken sein mögen, in glänzender Form verwirklicht worden. Denn es ist natürlich, daß ein Werk von solcher Ausdehnung (die zwölf Bände enthalten mehr als 8000 zweispaltige Querseiten in engem Druck) und so vielseitigen Inhaltes auch seine Mängel hat und viele Lücken aufweist; das ist schon eine natürliche Folge der Art, wie es entstanden ist. Namentlich war die ungewöhnliche Schnelligkeit, mit der die Bände der Enzyklopädie einander folgten, ein wesentliches Hindernis für die gehörige Sorgfalt in der Beschaffung und Redaktion des Stoffes. Das Vorwort zum ersten Bande ist vom 1. Mai 1901 datiert, und vor Ablauf von fünf Jahren war das Riesenwerk abgeschlossen. Aber auch die große Zähl der Mitarbeiter (nahezu 600) und die große Entfernung eines beträchtlichen Teiles derselben, aber auch eines Teiles der Redakteure vorn Sitze der Redaktion führten Uebelstände mit sich, unter denen mancher Artikel der Enzyklopädie zu leiden hatte. Dazu kornmen noch jene Uebelstände. die allen Literaturwerken anhasten, die durch die gemeinsame Arbeit Vieler zustande kommen. Aber was immer die Kritik an der Jüdischen Enzyklopädie im ganzen und in Einzelheiten zu bemängeln haben dürfte, das eine ist unbestreitbar, daß hier zun, erstennral ein alter und dringender Wunsch derer erfüllt ist, die sich über alles, rvas Juden und Judentum angeht, orientieren und belehren lassen wollen. Die Jüdische Enzyklopädie ist das erste Nachschlagewerk, in dem man alles Wißbare und Wissenswerte über Personen und Dinge, Begriffe und Institutionen, Ereignisse und Zustände, Epochen und Länder, soweit sie das Judentrrm und seine Geschichte angehen, finden kann. Für das ganze große Gebiet der Jahrtausende alten Literatur Israels bietet unsere Enzyklopädie reiche und bequeme Belehrung. In erster Reihe wird der Fachmann und der berufsmäßige Forscher mit aufrichtiger Dankbarkeit dieses Werk begrüßen, das ihm die zu den mannigfachen Gebieten der Wiffenschaft des Judentums gehörigen Daten entgegenbringt, welche man bisher oft mit großer Mühsal in zahllosen Schriften suchen, oft vergeblich suchen mußte. Entbehrte doch unsere Wissenschaft jedes Hilfsmittels, wie sie auf anderen Gebieten in stets wachsender Menge den, Forschenden und Lernenden zu Gebote stehen. Aber nicht nur wem sein wissenschaftlicher Berns ein derartiges Hilfsmittel zum Bedürfnis macht, sondern jeder, den die zahllosen, ins Bereich der Jüdischen Enzyklopädie gehörenden Gegenstände aus irgend einem Grunde interessieren, jeder, der über Juden und Judentum unterrichtet werden null, wird in den Artikeln unseres Werkes eine reiche Quelle der Belehrung finden. Auch als Ergänzung der allgemeinen enzyklopädischen Werke, der Konversationslexika und biographischen Nachschlagebücher, in denen nur in äußerst beschränktem Maße die speziell jüdischen Personen und Dinge vertreten sind, ist die Jüdische Enzyklopädie von unschätzbarem Werte. Ihr Doppelcharakter, als Hilfsmittel und Sammelwerk für wissenschaftliche Arbeit und als Repertorium des gesamten Wissens über Jüdisches für die große Gesamtheit der Gebildeten, verleiht der Jüdischen Enzyklopädie erhöhten Wert, da sie zu», erstenmal, und gleich in vollem Maße, den Bedürfnissen der Forscher und denen der Laien entgegenkommt. Die Illustrationen, deren das Werk nach der Angabe des Titelblattes mehr als zweitausend enthält, tragen diesen, Doppelcharakter Rechnung und werden vielfach auch dem Kenner willkommen sein. Zur richtigen Wertschätzung der Jüdischen Enzyklopädie muß vor allein Folgendes in Betracht gezogen werden. Während in der Regel Werke dieser Art ihren Mitarbeitern nur die Aufgabe stellen, den Wissensstoff unter den einzelnei, Schlagwörtern in geeigneter Form darzubieten und den Verfassern der einzelnen Artikel die für den Inhalt derselben zu verarbeitenden Forschungsergebnisse zumeist bereits in Werken verschiedener Art in anderweitig verarbeiteter Form zu Gebote stehen und leicht erreichbar sind, brachte es die Beschaffenheit unserer jüdischen wissenschaftlichen Literatur sowie der Mangel jeder enzyklopädischen Vorarbeit mit sich, daß für einen großen Teil der Artikel auch alle Vorarbeit des Sammelns und Disponierens des Stoffes geleistet werden mußte. Dieser Umstand erklärt auch inanche der Lücken und Mängel, die das Werk aufweift. Allerdings trug noch ein anderer Umstand dazu bei, daß es nicht jenen Grad von Vollkommenheit oder auch nur gleichmäßiger Bortrefflichkeit erreicht hat, den es trotz aller Schwierigkeiten hätte erreichen können. Es ist das die bedauerliche Tatsache, daß inanche der zur Mitarbeit an einen, so monumentatel, Werke Berufenen sich von vornherein von ihm ferne hielten, daß andere, die ihre Teilnahme an der Arbeit zugesagt und auch begonnen hatten, sich bald wieder zurückzogen. Die nach der alphabetischen Ordnung der den Artikeln beigegebenen Autorenchiffern zusanunengestellten Mitarbeiterlisten an der Spitze der einzelnen Bünde geben über die Verfasser der Artikel und ihre Beteiligung an den einzelnen Bänden genügenden Aufschluß. Die im Folgenden zusammengestellten Angaben, eine Statistik der Mitarbeiter an der Jüdischen Enzyklopädie darbietend, beziehen sich nur ans die erstei, elf Bände, da nur der zwölfte Band bei der Zusammenstellung derselben noch nicht vorlag. Diese Statistik soll vor allem auch dartun, in welchen, Maße die Arbeit an dem großen amerikanischen Werke durch in Amerika selbst einheimische Kräfte geleistet wurde und in welchem Maße europäische Mitarbeiter englischer und nichtenglischer Zunge, sowie nichtjüdische Kräfte, daran beteiligt waren. Fast die Hälfte der in den Autorenlisten sich findenden Namen (etwa 270) findet sich nur in je einem einzigen Bande des Werkes. Zun, Teil hängt dies damit zusammen, daß die Artikel über die einzelnen jüdischen Gemeinden sehr oft von den gegenwärtigen Inhabern des RabbinatssiHes der betreffenden Gemeinde verfaßt sind, ohne daß dieselben auch sonstige Beiträge zur Jüdischen Enzyklopädie geliefert hätten. Aber unter diesen Mitarbeitern, die nur in je einen, Bande vertreten sind, finden