Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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■■■■'•/•■ 3 —— VerkMtzr. in dieseDelegiertenve^säMM-lüng 'Mtsen'Venr- Nach Vorlegung irtt- Dechargierung des Kassenberichts gab'<zum SchüW der Sitzung der Vorsitzende des Vereins/ RechksanwültDv. Horwitz, einen kurzen Geschäftsbericht. Die Mitgliederzahl hat sich unLletzten Jahr um rund 1600 vermehrt. Für Rheinland und Westfäten hat sich ein Landesausschüß gebildet/ für düs Herzogtum Anhalt uftd für das Königreich Württemberg ist ein solcher in Vorbereitung. In den'Vorstand des Vereins sind die Rechtsanwälte S. Wreschner-Berlin und Dr. Abel und Dr. Herzfeld; beide in Essen, kooptiert worden. n. Berlin, 23. Februar. Der Verein zur Pflege hebräischer Musik veranstaltete am 19. d. M. einen Vortragsabend, bei dem Herr Rabbiner Dr. Ackermann aus Brandenburg a. H. über die Originalität der synagogalen Melodien sprach. Äev Redner, dessen Vortrag lebhaftes Interesse fand, wies insbesondere auf den Unterschied zwischen norddeutschen (polnischen) und süddeutschen Gesängen hin. Herr Hauptkantor Rosenthal gab hierzu musikalische Erläuterungen in wirkungsvoller Weise. — Die an den Vortrag sich anschließenden Chorgesänge (Bearbeitungen süddeutscher aller Melodien durch den Vereinsdirigenten Albert Kellermann) wurden unter dessen Leitung von dem wohl geschulten Vereinschor in tadelloser Weise Zn Gehör gebracht und fanden Dank ihrer Eigenart und des vorzüglichen Vortrags vielen Beifall bei dem zahlreich erschienenen Publikum. ££2 Berlin, 28. Februar. Seinen 80. Geburtstag feierte heute der bekannte Komponist A. W. Blumenfeldt. Am 28. Februar 1826' geboren, kam er aus Lissa (Posen) 1845 nach Berlin, und studierte bei dem Senator und Professor an der Königlichen Akademie der Künste und Direktor der Singakademie Nungenhägen Musik. Als Lehrer fungierte er später in den höchsten Kreisen. Seine vielseitigen Klavier- und Liederkompositionen, zü denen auch besonders die- Oper „Künstlerleben" gehört, sind allgemein bekannt und erfreuen sich der größten Beliebtheit. Blumenfeldt schrieb 1866 nach dem österreichischen Kriege den Berliner.Einzugsmarsch, 1871 nach dem französischen Kriege, den Deutschen Triumphmarsch. Beide Märsche wurden seinerzeit vom hochseligen Kaiser Wilhelm 1. angenommen und beim Einzuge der Truppen'in Berlin gespielt. 1888 schrieb er zur Erinnerung an den Heimgang Kaiser Wilhelm I. den Trauermarsch „All-Deutschlands Klage". Der Trauermarsch wurde seinerzeit von Kaiser Friedrich III. angenommen und bei der Ueberführung der Leiche gespielt. Sämtliche Kompositionen sind durch alle Musikalienhandlungen zu beziehen. Der Jubilar hat, um Ovationen zu umgehen, seinen Festtag außerhalb Berlins in stiller Zurückgezogenheit verlebt. J W. Osterode (Ostpr), 22. Februar. Unser unermüdlicher, im Amte ergrauter Prediger Stur mann hat trotz seiner nicht mehr ganz kernfesten Gesundheit zu Ende des 'abgelaufenen Jahres zu den bereits in unserer Gemeinde bestehenden vier Vereinen noch einen sehr zeitgemäßen fünften begründet. Es ist dies ein Verein junger Leute zur Förderung jüdischen Wissens und des jüdischen Selbstbewußtseins unter ihren Mtgliedern und zur Pflege der Geselligkeit. Alle jungen Leute, zwanzig an der Zahl, selbständige sowie angestellte, auch die, welche im Elternhause leben, sind beigetreten. Diese versammeln sich im Winter allwöchentlich und im Sommer alle 14 Tage zu einer bestimmten Stunde, die der Belehrung gewidmet ist. Möge nun dieser Theorie auch die Praxis in religiösen Dingen folgen und diesem Verein für junge Männer sich auch ein solcher für Jungfrauen änschließen. — Seit langen Jahren ist wieder in unserer Stadt ein jüdischer Bürger zum Stadtrat erwählt worden, es ist dies der allgemein geachtete Kaufmann und Mühlenbesitzer, Präsident der ostpreußischen Bne b'ris Loge, Herr Siegfried Ja k o b so h n. Vier jüdische Bürger sind Stadtverordnete, trotzdem unsere Gemeinde nur etwas über 200 Seelen zählt, innerhalb einer Stadt von 13 000 Einwohnern. — Was Herrn Rabbiner Dr. Finkel-Pafewalk hinsichtlich jüdischer Soldaten nach großer Mühe gelungen ist, besteht hier schon seit 1893. Seit jenem Jahr werden die Rekruten zum Fahneneid in der Synagoge vorbereitet; an jedem vierten Sabbat kommen sie nach der Shüagoge und sind an allen Feiertagen von jedem Dienste frei. r. Filehne, 20. Februar. Am 12. d. M. verstarb, wie bereits gemeldet, nach langer Krankheit mnser Rabbiner Dr. Salomon Richter, nachdem derselbe 27 Hähre in ununterbrochener Pflichterfüllung und seltener - Treue das hiesige Rabbinat verwaltet hatte. Am 15. d'.- vormittags wurde die Leiche des allzufrüh Verstorbenen aus seinem Heim, wo Rabbiner Dr. Bamberger (Schönlanke) herzliche Abschiedsworte dem dahingeschiedenen Amtsbruder sowohl im Namen der trauernden Familie als auch der verwaisten Gemeinde widmete, nach der Synagoge unter dem Gefolge der ganzen Gemeinde überführt, und hier unter Schofarblasen aufgebahrt. Die Ehrenwache übernahmen die Mitglieder des Vorstandes und Repräsentanten. Die Trauerfeier in der Synagoge selbst begann mit der Rezitation eines Psalms durch den Kantor Rehfeld, worauf Rabbiner Dr. Bloch (Posen) als Freund des Entschlafenen die Gedächtnisrede hielt. Mit vom Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten entwarf Redner ein getreues Lebensbild des Verblichenen und hob noch besonders seine großen Kenntnisse in der talmudischen Wissenschaft hervor. Hieraus sprach Dr. Elsaß (Landsberg) im Namen des Rabbinerverbandes. Nun bewegte sich der Leichenzug nach dem Friedhofe. Vor demselben gingen die Schüler des Pädagogiums Ostrau, an welchem der Heimgegangene als Religionslehrer gewirkt, hinter demselben folgten die von nah und fern herbeigeeilten Amtsbrüder, die Herren Rabbiner Dr Bloch (Posen), Dr. Elsaß (Landsberg), Dr. BaMberger (Schönlanke), Dr. Nordheimer (Schwetz), Dr. Perlitz (Nakel), Dr. Wreschner (Samter), Dr. Walther (Bromberg) und Dr. Weil (Czarnikau) mit den Leidtragenden. Nun folgten der Vorstand und die Repräsentanten, die. Vertreter der Kreis- und Stadtbehörden, die Direktionen und die Lehrer des Pädagogiums Ostrau, die ganze Gemeinde und Mitbürgeraus allen Konfessionen. In der Predigthalle sprachen die Herren Rabbiner Dr. Nordheimer- Schwetz und Dr. Wreschner-Sämter und an der offenen Gruft durste Herr Dr. med. Tronzig als Vorstandsvorsitzender in formvollendeter Rede für alle die Liebe und Güte, die der Verblichene in seiner langen Wirksamkeit der Gemeinde zugewendet, danken. Wir wünschen, daß die Lehren der Gottesfurcht, der wahren Frömmigkeit und Liebe zu dem Judentume, die der Verstorbene in die Herzen unserer Jugend und seiner Gemeinde als Saatkorn gepflanzt, aufgehen möge zur herrlichen Blüte. s. Magdeburg, 23. Februar. Am 16. d. M. ist in Rom eilies der besten und angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde im 82, Lebensjahre gestorben: der rühmlichst bekannte Oberstabsarzt a.T. Dr. Hermann Rosenthal. Er zählte zu denjenigen deutschen Aerzten, die sich frühzeitig des Studiums der Gesundheitspflege angenommen haben. Die ersten seiner einschlägigen Arbeiten fallen noch ganz in die Zeit, wo die Gesundheitspflege noch weit davon entfernt war, als Wissenschaft, oder gar vollends als akademischer Lehrgegenstand anerkannt zu werden. Rosenthal stellte sich die Aufgabe, die gesundheitlichen Verhältnisse und die hygienischen Einrichtungen seines Wohnortes Magdeburg zu erforschen. Er ging ihnen einmal historisch nach; sodann verfolgte er. sachlich und kritisch ihre Entwicklung in der Gegenwart. Alls dieser Arbeit ging eine lange Reihe von Einzelstudien hervor, die Rosenthal teils in Fachzeitschriften und Tageszeitungen, teils in den Verhandlungen der Magdebnrgischen Gesellschaft für Gesllndheitspflege veröffentlichte, deren Geschäfte Rosenthal viele Jahre lang mit führte. Aus der wissenschaftlichen Arbeit entnahm Rosenthal auch die Anregung, für vielerlei Verbesserungen der öffentlichen und privaten Gesundheitspflege in Magdeburg einzutreten. Er hatte hier manchen praktischen Erfolg. In Buchform veröffentlichte Rosenthal zwei Schriftell, eine medizinische Topographie von Magdeburg und eine Geschichte der Magdebnrgischen Gesellschaft für Gesundheitspflege. Im Interesse seiner wissenschaftlichen Studien unternahm Rosenthal bis in seine letzten Lebensjahre ausgedehnte Reisen, lieber eine nach Palästina berichtete er seinerzeit in deur Berliner Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Rosenthal war seit 1849 Arzt. Im deutsch-französischen Kriege wurde er durch das Eiserne Kreuz ausgezeichnet. Der Heimgegangene war ein glaubenstreuer Jude, der an allen jüdischen Angelegenheiten den regsten Anteil nahm. Er gehörte zu den Begründern des hiesigen jüdischen Literaturvereins und war bis zum vorigen Jahre Vorsteher desselben. Die Leser dieses Blattes erinnern sich noch gewiß der interessantem Feldzngs-Eriunerungem die er in den 90 er Jahren in der „Allgem: Zeitung des. Judentums" veröffentlicht hat. Ehre seinem Mrdenken! " \. •i f