Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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- xV-V. - ’ <yp»mv wsrfcs'K - ■ -**tV •.rv" ' /■• / --7 ■/v.y^r fe» Hirmrover, 26. Februar. Die Landrabbiner und Gynägogenvorsteher der Provinz Hannover hatten, wie erinnerlich, im vorigen Monat eine Petition an das Abgeordnetenhaus gerichtet, in welcher gegen einzelne Bestimmungen des Entwurfs eines Schulu nt e rhaltungsgesetzes Stellung genom mm wurde. Auch von den Vertretern der jüdischen Schulen der Provinz Hessen-Nassau hatte man sich an das Abgeordnetenhaus gewendet. Dieser Tage hatten nun die Landrabbiner der genannten Provinzen bei dem Kultusminister eine Audienz, in der ihnen, nach dem ^Hannov. Kur.", bestimmte Zu- , sagen für das Fortbestehen der jüdischen Molksschulen gegeben worden sind. r, Bonn a. Rh., 23. Februar. Am. 10. d. M.hielt! Hexr Siegmund Bergel, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der deutschen Juden in Berlin, Hierselbst einen Vortrag über die Lage der Juden im Osten, vor allem in Rußland. In ergreifender Weise schilderte Redner die beispiellos traurigen Zustände der dortigen Glaubensgenossen. In .Anknüpsung hieran gab er ein eindruckvolles Bild von der unermüdlichen Tätigkeit und segensreichen Wirksamkeit des Hilfsvereins der deutschen Juden. Die zahlreiche Versammlung spendete reichen Beifall und äußerte, ihn vor allem darin, daß sämtliche Anwesende^sofort dem7Hilfsverein beitraten. Zugleich wurde eine Ortsgruppe gebildet, zu deren Vorstand die Herren Rabbiner Dr. Kalrscher, Robert Goldschmidt, Moritz David und Max Herschel ernannt wurden. •; Kooptationen wurden Vorbehalten. Gesterretch-Nnsam. X Wien, 26. Februar. Die Geschworenen fällten in dieser Woche einer: - Wahrspruch, der einen schweren Schlag für die christlich-soziale Partei bedeutet, die unter Luegers Führung das Regiment im Wiendv Gemeinderat inne hat. Es handelte sich um eine Klage des Stadtrats Hraba, der die Rolle eines FinanzministersLuegers vijv.Si&Aejjf^ Kommune spielt und ein Haupt der antisemitischen^ParEeiherrschajt in Wien ist. Stadrat Hraba wurde von SckstildUektdüDrWiWinN einer gedruckten Flugschrift schamloser politischer. Heuchele^mnü d^r - Verleumdung beschuldigt. Direktor Kreibig fMM'-mMßre-MM?n,-- in denen Hraba, der stets Loyalität zur Schau trug, sich sehr ünehx- . erbietig über Mitglieder des Kaiserhauses geäußert hatte. Ferner brachte Kreibig Beispiele des Parteiterrorismus vor^ -dVn Hraba ausgeübt .habe namentlich gegen nicht ' antisemrlisHe '^Mer»,!OärDW' - auch gegen Kreibig selbst. Die Geschworenen sprachen Direktor Kreibig mit dem Zusatz frei, daß ihm der Bßwe.is, d.ex^,.pyAiMW^ Heuchelei und der Verleumdung Hrabas gelungen ses und verurteilter^ Kreibig nur in einem nebensächlichen Klagepunkt au Strafe. Aber was nutzt dies alles — der dumme Kerl Won MDn? bleibt unverbesserlich!^— Der böhmische Räbbiwer^WbÄAUDat ' in seiner letzten Generalversammlung Stellung zur Fra^e der^ Leichenv'erbrennung in einer Resolution des^JnhaltsKnomumm < daß die Leichenverbrennung in talmudischer Zeit in der Praxis ver- . .boten war, wenn auch das Verbot theoretisch nie begründet wurde, die Beerdigung hingegen nachdrücklichst geboten waü Dieses Gebot ist aber nicht auf religiöse Gründe, die das. ^yWige^LMy.^MI^ die Auferstehung betreffen, zurückzuführen, sondern auf die uralte Abneigung gegen Leichenverbrennung, wie auch Wtänf,., daß> es besonders schimpflich erschien, unbestattet liegen zu bleiben. Darum., ist genügender^ Grund vorhanden, cm bet Beerdigung der nicht verbrannten Leichen festzuhalten und in diesem Sinne auch auf unsere Glaubensgenossen einzuwirken. Hingegen liegt kein Grund vor, dort schroff aufzutreten, wo trotz aller' gemachten Vorstellungen die Verbrennung beschlossen wird, Der Rabbiner kann in einem solchen Falle an der Bestattung der Leiche in gewohnter Weise teilnehmen. Nur soll darauf hingewirkt werden, daß die Asche unbedingt auf einem jüdischen Friedhöfe beigesetzt werde.'DerÄorsitzende des Verbandes, Oberrabbiner Dr. EhrerMd-Prag, hat infolge dieser Resolution sein Amt niedergelegt und seinen Äustrit aus. dem Verbände erklärt. Von Ash und ssrrn. —- Aus Anlaß der Silberhochzeit unseres Kaiserpaares errichtete der Rentier Herrmann Abraham eine Stiftung von. 10000 M. mit der Bestimmung, daß aus dem Ertrag derselben alljährlich am 3. April, dem Tage feines Unfalls, notleidende Krüppel unterstützt werden rspütznV^WWMM Kr. Fritz Straßmann, der bekannte LehWMr gerichtlichen Mödizrn und gerichWchL Sachverständige lstMm GeWWen MedizinaÜat -ernannt worden» -z .ä)a§,Gesamtergebnis' der nurftnehr abgeschlossenen Sam m l u n gen; b 0 jjnt e rk o it j e^si o n elhen HMß - fomitees für di e Opfer de fc Msfischeu' Iudtznverfolgnügen beläuft sich auf 28 416 Mark^Mlchedem „Hilssveretn der DeMchen Juden" überwiesen worden sind. Darunter befinden sich 6671,KHik-, die von den Mitgliedern des Odd-Fellow-Ordens-in Deutschland ^gespendet wurden. — Während des Jahres 1905 sind 1378 preußisch e Ehejubiläumsmedaillen verliehen ^worden, Die Zahl der. jüdischen 'Khepaaxe, die.dprart ^eehrt wurden^ .betrug 3ö. — Im Jahre Ä0ß/05 besuchten 12 366 Schüler die städtischen Gymnasien, Realgymnasien und Oherrealschulen. Von diesen Schülern entfielen auf jüdische 2658, Von den 9550 Schülern der Hauptanstalten gehörten den Gymnasien an 1185; den Realgymnasien 679; den Oberrealschulen 106 jüdische. — In der Petitionskommission des Reichstags kam jüngst eine solche des Weltbundes zum Schütze der Tiere, Abteilung Mainz, . zur Erörterung. - Derselbe petitionierte um das Verbot des sogenannten gewerblichen Schächtens in der Militärkonserverrfabrik Mainz. Da dort das Schgckften inzwischen abgestellt ist, wurde die Petition für erledigt erklärt. — Dr. Richard Mühsam wurde zum Oberarzt der chirurgischen'.:WiWikMg.<..-es städtischen Krankenhauses in Moabit gewählt. — Auf-.dem^jüdischen Jriedhofe in Krone a. Br. ist ein ^Fgchwerk guS. der Leichenhalle herapsgeschlagen und ein srisches Grab ' aufgegraben -worden; Schleifen siüd.von den Kränzen abgerissen und die Kränze an dieLeichenwagen^Aebunden worden. Der Täter ist .nochwicht ermittelt. — Der in Berlin verstorbene Rentier Martin Zitta u er vermachte der Stadtgeureinde Breslau 290 000 Mark zur Errichtung eines. Asyls für verkrüppelte arme Personen beiderlei Ge- --- amFW.'-'b. M. der Stadtrat Salo Block r-gestorben, der 16 Jahre' ' lang ein eifriges Mitglied der ^MWäDntanten WMWPulung dev dortigen jüdischen Gemeinde war. — Die fHr-tzverLpolle SantMung .hebräischer HandschMten, 1904/l^^^hetze-. KeMsanwW Dv. H. B. LevM langjähriges Bürgerschaf^HHE^RÄDlüd nrgMirfterlaffen hat, ist jetzt pon^der --Hamburger worden unter Mitwirkung von MarMMAEEMMerhoHWMmlg. Die Sammlung ent- - Mli-M0 seD' EÄÄl^Dandschr^Dn und 1000 Drucke. — Am 1. d. M. feierte ÄäbWner Dr, KusHnitzki in Bayreuth unter flf(= Mn 25 jähriges Ämtsjubitäum -in LI^dortilgen KultusgerMnde, Nachdem er vorher sieben Jahre in WMrnschOeß^ fMPexte.H^MieL verstchbenen Eheleute G abriel- und D^sa AHtRetzME^^D hhbey^eknKapital von Md lW Mürk - fü4 die ^Mch^E^emerMff^tlWett Speisehalle bestimmt. Die ^y^tuMMrerndeMünchen ist zur Verwaltung dieser Wohltätigkeitsanstalt ^OerLW^tvvrden. — Der Profesfpr der Rhetorik am „Lyceum Louis le . Grands.in H,ar^.s,Mlb^rt Cah ön , ist.zum Inspektor der Akademie ernannt worden^ — ^Am I. ,d. M. .ist der Oberstleutnant des f a n teriereAime nts^ R a tha n Bl um in Paris, gestorben. — In ^Le pi zum Bürgermeister gewählt, — Der ru..jsißche^MinHerviWMt^ein- .neues,'Jrchengefetz^nus-! -M^Wet^W^Ds^WWMsdMA^V werden soll. Jn'-emwiÄ^Kje vAtp Wztte befMwartete Gleichstellung der Juden verworfen, jedoch .-ihnen Zugeständnisse betreffend die Wohnorte, das politische MeMe gemacht. — In O d es s a - ist am 16. d^<M. MbPpMapid^SalomrM SloMch im 54. Lebensjahr^ gestorben, ,,M^Dr Än föommch und gelehrter Mann, der auch als ein Opfer der letzten Jndenverfoigungen gelten kann. — Am 29. v. M. wurde der.131/2jährige Sohn deSÄ)r. Morse Nachimsohn durch denMesserstich eines bulgarische Kameraden in der Schule inTatar- Ker Mörder^beülchte die Mittagszeit, um sich ein Messer zu kaufen, und als der . Knabe nach Beendigung der Mittagsstunden-die Klasse sorglos verließ, begegnete ihm^ der Missetäter und durchbohrte sein Herz mit dinem Schlage. Der 17 jährige Böse- , wicht gibt an, daß Fer die Tat deshalb begangen hat/ weil er fürchtete, daß" Nachimsohn und die Juden sein Blut „für rituelle Zwecke" abzapfen wollten. Gewisse Kreise! bemühen siiD, den' BÜrsch^n als wahnsinnig zu erklären. '