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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-03-02 · Heft 9 (2.3.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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zu machen. Zum Schluß der öffentlichen Sitzung wurden die Rechnungsabschlüsse der Schulverwaltung, des ' Quellbades lMinderverbrauch 608,89 Mark) und der Kommission zur Beschaffung des Koscherfteisches pro 1904/05 mit einem Minderverbrauch von 4909,12 Mark dechargrert. Bei der letztgenannten Vorlage gelangte eine Resolution zur Annahme, den Gemeindevorstand zu ersuchen, bei der Aufstellung des nächsten Etats zu erwägen, ob nicht den unter Aufsicht der Gemeinde stehenden Fleischhändlern die Beiträge zu den Kosten der Beaufsichtigung erlassen werden sollen. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes Julius Jacoby erklärte, daß die Verwaltung hierauf nicht eiugehen könne; die Kosten der Beaufsichtigung, welche früher vollständig von den Schlächtern erstattet worden waren, betragen jetzt nur 2 bis 21/-2 Pfennig pro Pfund für die Schlächter, den übrigen Teil trage die Gemeindeverwaltung selber. Der einzige Grund, weshalb nicht sämtliche Fleischhändler sich unter Aufsicht stellen, sei nur der, daß diese Kontrolle eine sehr strenge sei und täglich zweimal durchgeführt würde. Es sei ganz ausgeschlossen, daß die Gemeinde noch weitere Beitragsermäßigungen den Schlächtern einräume, denen gewissermaßen ein Monopol seitens der Gemeinde gewährt würde. Die höheren Preise für das Koscherfleisch seien jedenfalls nicht durch die Unkosten bedingt, welche den Schlächtern durch die Beaufsichtigung ihres Betriebes erwachsen. 8. Berlin, 26. Februar. Wie bereits durch Veröffentlichung des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums vom 22. d. M. bekannt gemacht worden ist, hat sich Herr Geh. Regierungsrat Professor Dr. H. Cohen ans Marburg auch in diesem Jahre bereit erklärt, die philosophischen Ferienkurse an der Lehranstalt wieder aufzunehmen und fortzusetzen. Während der vorjährige Vorlesungszyklus über „Logik" nur dazu bestimmt war. die Zuhörer in ethische und religionsphilosophische Probleme einzuführen, so haben die diesjährigen Vorlesungen diese Probleme selbst zu ihrem Gegenstände. Herr Geheimrat Cohen wird nämlich während des Monats März d. I. über das Thema „Ethik mit Bezugnahme auf ReligionsPhilosophie" lesen, und zwar am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 6V2—71,2 Uhr abends im Dorotheenstüdtischen Realgymnasium, Georgenstraße 30/31. sieben diesen Vorlesungen wird er auch, wie im Vorjahre, Uebnngen über Plato und Kant abhalten, und zwar im Auditorium der Lehranstalt, Lindenstraße 48/50 I. in noch zu bestimmenden Stunden. Außer den Studierenden der Lehranstalt ist es auch anderen Personen — Damen und Herren — nach vorheriger schriftlicher oder mündlicher Anmeldung gestattet, als Hospitanten an den Vorlesungen und Hebungen teilznnehmen. Meldungen werden bis spätestens den 5. März d. I. vormittags zwischen 10 und 11 Uhr in dem Sekretariat der Lehranstalt, Lindenstraße 48/50 I, entgegengenommen. Bei der hohen Bedeutung, welche gerade die diesjährigen Vorlesungen für Gelehrte wie für Laien haben, ist zu erwarten, daß sie sich eines regen Besuches erfreuen werden. 8. Berlin, 26. Februar. An: 30. März d. II tritt, wie wir bereits gemeldet, Professor Moritz Steinschneider in sein 91. Lebensjahr. Aus Gesundheitsrücksichten wird der ruhebedürftige Gelehrte jj-ch allen persönlichen Glückwünschen entziehen und den Tag in vollster Zurückgezogenheit verleben. 8. Berlin, 23. Februar. Im V ere i n f ür jüdi sch e G eschichte und Literatur hielt gestern Herr Dr. Gustav Karpeles einen Vortrag über „Heinrich Heine und das Judentum". Der für diesen .Abend angekündigte Vortrag des Herrn Oberrabbiners Dr. Immanuel Löw aus Szegedin mußte leider wegen Persönlicher Verhinderung ausfallen. Aber wir hoffen, daß es dem Verein gelingen wird, Herrn Dr. Löw für die. nächste Vortragssaison sicher zu gewinnen. — Aus den auswärtige u Literaturvereinen: In Königsberg sprach Dr. H. Vogelstein über „Die jüdische Propaganda im Altertum"; in Osterode Prediger Sturmann über „Die unterscheidenden Lehren im Judentum und Christentum", Dr. Nt o s es-Berlin über „Morris Rosenfelds Lieder des Ghetto", Tr. Rosenthal-Stargard über „Raschi", Zahnarzt Salomonsohn über „Die Kreuzzüge im Vergleich zu den Leiden der Juden in Rußland"; in Lautenburg Dr. Rosenth al-Pr.-Stargard über „Psalmen und Weltliteratur"; in Ra witsch Dr. Lewin-Kempen über „Heimatkunst und Heimatliebe"; in Schneidemühl und 1 Hohensalza Dr/ Car4 Pi nn-Berlin über „Der Jude als"Romanfigür"; lnForst Dr. Ackermann-Brandenburg „Kennt das Judentum eine doppelte Moral?" in Kattowitz Dr. Frank-Kattowitz über „Das Auge in Bibel und Talmud", Dr. Gold schm i dt-Königshütte über „Im heiligen Lande"/ Dr. Mases-Berlinüber „Jüdischer-Witz und Humor", Dr. Gutmann-Berlin über „Judentum und Toleranz"; in Küstrin Dr. Finkel-Pafewalk über. „Schule und.Haus bei'den Juden", Sanitätsrat Dr. Peyser-Königsberg i. N. über „Den Jargon und seine Dichter"; in St ein heim Lehrer Buchdahl-Unna über „Fritz Reuter und die Juden"; in Alzey Dr. Grünfeld-Bingen über „Die soziale Frage im alten Israel"; in Bruchsal Dr. Doctor über „Gekrönte Proselyten im Judentum", Professor Tr. Lefmann- Heidelberg über „Antikes Judentum und moderne Weltanschauung" - Rechtsanwalt Rothschild-Bruchsal über „Heineund das Judentum". Neben diesen öffentlichen Vorträgen hielt Dr. Do ctor-Bruchsal einen Zyklus von fünf Vorträgen über „Das Judentum zur Zeit der Entstehung des Christentums". In Mannheim sprach Rechtsanwalt Dr. Holländer-München über „Die soziale Erziehung und modernes Judentum"; in Nürnberg Professor Dr. S. Günther-München über „Die exakten Wissenschaften im mittelalterlichen Judentum"; in Würzburg Frau B. Leiier-Köln über „Die Kulturarbeit der jüdischen Frau"; in Konstanz Dr. Sch le sing er-St. Gallen über „Die Juden im 15. Jahrhundert". — Neue Literaturvereine wurden begründet: in Bernstadt i. Schl, durch Herrn Prediger Wolfgang, (den Vorstand bilden die Herren: Moritz Holländer, Vorsitzender, Albert Wolfgang, Schriftführer, Hugo Bloch, Schatzmeister, Julius Vertun, Stellvertreter); in Cosel O.-S. durch die Herren Rabbiner El lg u t he r-Neiße und Tr. Brauns ch w ei g er-Kattowitz; in Murawana-Goslin durch Herrn Gemeindevorsteher Gib alle; in Schlochau durch den unermüdlich im Interesse der Literaturvereine wirkenden Herrn Adolf Vukofzer-Danzig. 8. Berlin, 26. Februar. Im Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach heute, nachdem der Vorsitzende in herzlichen Worten der Feier der Silberhochzeit des Kaiserpaares Erwähnung getan hatte, im Langenbeckhause vor dichtgesülltern Auditorium Herr Justizrat Breslauer über „Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland". Der Vortragende gab zunächst einen geschichtlichen Rückblick über die Wandlungen, welche die gesellschaftliche Stellung der,Juden in Deutschland durchgemacht hat, und beleuchtete dann in glänzenden und ausführlichen Darlegungen^ wie sehr sich der Glaubenshaß in allen Gesellschastsschichten der Bevölkerung geltend macht, wie Schule und Universität den Untergrund bilden für die judenfeindlichen Bestrebungen und wie unter den Handwerkern, in Handel und Industrie, Börse und Großbanken der Glaubensunterschied in den Vordergrund gestellt wird. An .der Hand genauer statistischer Zahlen gab er einen Ueberblick über das prozentuale Mißverhältnis zwischen der Zahl der jüdischen Aerzte überhaupt und der jüdischen Mitglieder der Aerztekamrnern und Ehrengerichte, der Gesamtzahl der jüdischen Rechtsanwälte und der. Zahl der jüdischen Mitglieder der Anwaltskammern und knüpfte daran die Mahnung an hie jüdischen Aerzte und Rechtsanwälte, sich wenigstens dort, wo sie die Macht hätten, nicht zurückdrängen zu lassen und an den Wahlen zu den Standes Vertretungen weit regeren Anteil zu nehmen. Nur auf dem Gebiete der ehrenamtlichen Tätigkeit werde kein Glaubensunterschied gemacht. Hier seien Juden überall zu finden, und gern und freudig stellen sie ihre Tätigkeit in den Dienst sür ihre Mitmenschen, für den Staat, dem sie angehören. Mit scharfen Worten geißelte der Redner das Verhalten gewisser jüdischer Kreise, die sich von ihren Glaubensgenossen in den jetzigen . Zeiten des Kampfes fernhalten. Der -Redner gab zum Schluß seines mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrages der Ueberzeuguug Ausdruck, daß die gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden .nach und nach erobert werden würde, daß wir dieses Ziel erreichen werden und müssen, „und wenn die Welt voll Teufel wäre". — Nach einem kurzen Referat des Rechtsanwalts Dr. Brodnitz gelangte eine Resolution einstimmig zur Annahme, in Verbindung mit der nächstjährigen Generalversammlung eine Delegiertenversammlung einzuberufen, die zunächst die Aufgabe haben soll, .eineengere Fühlung zwischen den Provinzialmitgliedern und dem Zentralvorstande des Vereins herzustellen. Die bestehenden Ortsgruppen sollen je einen

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