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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-03-02 · Heft 9 (2.3.1906) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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eine -emziK!> von meiner alten Wischen Köchin koscher bereitete; GpMe genoß und meiner Gesundheit wegen auch nicht ein Glas vdtt den seltenen Weinen trank, die ich aus der besten Quelle aus allen Ländern der Erde für meine Freunde und Gönner beziehe. Endlich aber, mein Herr, muß ich Ihnen noch eine Sache Mitteilen" — und da sprach er mit bewegter und zitternder Stimme. „Sie kennen meine Frau, es ist die vortrefflichste Frau, die ein Mann auf Erden finden kann. Mein seliger Vater hatte fie für mich bestimmt und gewollt, daß ich sie heiratete. Wenn auch kinderlos, war meine Ehe eine glückliche, eine sehr glückliche und ich Preise nur meinen Vater, daß er diese Heirat gewollt hat, obgleich ich damals anders darüber dachte, ich liebte nämlich eine andere und es war nicht das Weib meiner Wahl." Seine hier genannte Gattin war ein Fräulein Eva Hanau, die im 68. Jahre — am 14. Juli 1848 -- von aller Welt betrauert, starb. Er war mit ihr volle 54 Jahre verheiratet. Die Liebe seiner Neffen ersetzte ihm die ihm versagten Söhne. Eine innige Liebe empfand er. für seine Mutter Gudula, genannt auch Guthe, die im Jahre 1849 starb; sie hätte fast 100 Jahre erreicht, da sie 1753 geboren wurde. In prunkloser Einsamkeit lebte sie für religiöse und wohltätige Werke. Wie sein Vater, so zeichnete sich auch Amschel von Rothschild durch seinen außerordentlichen Wohltätigkeitssinn aus, den er stets den Armen und Notleidenden gegenüber betätigte. Auf seinen Spaziergängen wurde er oft von jüdischen Bettlern um Almosen angegangen und er hatte für sie stets eine offene Hand. Einmal aber sah der betreffende Schnorrer derartig unsauber aus, daß dem alten Rothschild direkt übel wurde. Rasch ging er weiter, indem er dem Manne zuries: „Schreibt mir einen Brief, an mich persönlich adressiert, worin Ihr mich an diese Begegnung erinnert, dann sollt Ihr eine Unterstützung haben." Am anderen Morgen brachte man Rothschild wie gewöhnlich einen ganzen Stoß Bettelbriefe. Mit kühnem Griff und ohne die Briefe zu öffnen, hatte Rothschild sofort das Schreiben seines neuen Schützlings heraus. Auf einem Kuvert stand nämlich: „An den hochwohlgeborenen Herrn Baron von Rothschild zum persönlichen Erbrechen." Jeden Sonntag ließ er sechshundert Gulden an die Stadtarmen verteilen, während er in der Woche selbst Almosenier war, und man konnte ihn, wenn er zum Kontor ging, von vielen Armen umringt, reiche Spenden austeilen sehen; er nannte diese Notdürftigen seine „Hofbeamten". Wie das Unglück, so kannte auch seine Hilfe keinen Glaubensunterschied, er half jedermann ohne Unterschied der Konfession und Nationalität Sein Personal liebte und verehrte ihn außerordentlich. Eine besondere Vorliebe für Amschel Mayer von Rothschild hatte der preußische Gesandte am Bundestage zu Frankfurt a. M. Otto von Bismarck. Dieser war oft Gast bei dem preußischen Geheimen Kommerzienrat, der, wie gesagt, in seiner Villa glänzende Festlichkeiten veranstaltete, die zu besuchen zum guten Ton gehörte. Rothschild war durchaus preußisch gesinnt und hat dem preußischen Staat manchen wichtigen Dienst geleistet, so daß sich der damalige Ministerpräsident Freiherr von Manteuffel veranlaßt sah, seine »Ernennung zum „Hosbankier" bei Friedrich WilhelmlV. in Vorschlag zu bringen. Zuvörderst fragte erjedoch beiHerrn von Bismarck an, ob dieser mit der Titelverleihung einverstanden sei. Darauf erwiderte der preußische Bundestagsgesandte unter dem 5. Januar 1853, daß er kein Bedenken geltend zu machen habe, auch glaube er bei dem Beteiligten „eine lebhafte Empfänglichkeit für die ihm zugedachte Ehre voraussetzen zu können." Er fährt dann fort: „Eine eigentliche antipreußische Tendenz haben die Rothschilds nie verfolgt; nur haben sie sich bei Gelegenheit eines Konstikts, der vor etwa Jahresfrist zwischen uns und Oesterreich über die Flüssigmachung der Depositen für die Flotte stattfand, vor Oesterreich mehr gefürchtet als vor uns. Da indessen der Mut, den Grafen Thun zurückzuweisen, von Rothschild füglich nicht verlangt werden kann, die Mitglieder der Familie auch über das damalige Verhalten des von ihnen für altersschwach bezeichneten Barons Amschel sich seither entschuldigt haben, so glaube ich, daß man diesen Fehler in ^Betracht der Dienste, welche diese Geldmacht zu leisten imstande ist, der Vergeffenheit übergeben kann." Auf Veranlaffung Bismarcks erhielt Rothschild am 15. Februar 1853 das Prädikat Preußischer Hofbankier. Auch die Nachfolger des Hofbankiers gaben bei verschiedenen Anläffen Beweise davon, daß sie es treu und ehrlich mit Preußen meinten. Als zum Beispiel im Dezember 1856 der Bundesrat Fußer in Frankfurt a. M. bei dem Neffen Mayer Amschels von Rothschild, Karl Mayer von Rothschild, erschien, um bei ihm eine Schweizer Kriegsanleihe aufzunehmen, wies der Baron dieses Ansinnen entschieden zurück, indem er anführte, daß er als preußischer Hofbankier und Bankier der deutschen Bundesversammlung sich auf Geschäfte dieser Art nicht einlaffen könne. Amschel Mayer von Rothschild war ein trefflicher Talmudist und ein streng religiöser Jude. Das Begräbnis dieses Fürsten der Börse war einfach und vollzog sich nach altem jüdischen Ritus. Die reichen, glänzenden Equipagen, die in unabsehbarer Reihe dem Toten die letzte Ehre erwiesen, stachen sonderbar ab von dem schmucklosen Leichenwagen, der die Hülle des Verblichenen trug. Die ganze Stadt folgte ihm zum Grabe, wo Rabbiner Samson Raphael Hirsch die Leichenrede hielt; auch dem der freisinnigen Richtung angehörenden Rabbiner Leopold Stein wurde durch eine von dem Gemeindevorstand von Frankfurt am 12. Dezember veranstaltete Seelenseier Gelegenheit geboten, die Verdienste des Verewigten gebührend zu würdigen. Rothschild hinterließ zahlreiche milde Stiftungen fürjüdische und allgemeine Zwecke, die aufs neue von seiner Fürsorge für seine Glaubensgenoffen, sowie für die Notleidenden, die Kranken, die Witwen und Waisen aller Konfessionen auch über das Grab hinaus ein glänzendes Zeugnis ablegten. Ser Jude. Aus dem Russischen von Grigorij Matschtet. IX. ur selben Zeit jagte ein entsetzlicher, menschlicher Sturm durch die Straßen, unbewußt, wie jeder Sturm, und grausam, mitleidslos, ebenso rasend und wahllos wie jeder elementare Ausbruch. Wie ein Ungewitter war es, daß irgendwo in der Tiefe leise und unmerklich beginnt und dann plötzlich unter dem Einfluß eines ganz unbedeutenden Faktors das augenscheinlich ruhige Meer des menschlichen Lebens aufwühlt. Solche elementaren Ausbrüche unterscheiden sich von bewußten Handlungen der Menschheit dadurch, daß ihnen jedes schöpferische Moment fehlt, sie sind nichts als der Ausbruch angehäuster Leidenschaften. Ueberhaupt haben sie vieles mit den Kataklysmen

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