Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 3× ep/1048155
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-101 »orgsrwttrittert, und alle Verhafteten, welche nicht aus eigenen Mitteln sich zu beköstigen vermögen, können Hungers sterben. Rechtsverweigerungen sind auf der Tagesordnung. Da die tunesischen Juden keine Franzosen sind, so können sie kein französisches Amt bekleiden. Da sie keine Mohammedaner sind, so werden sie auch in kein mohammedanisches Amt berufen. So befindet sich unter den 40 Stadtverordneten der Stadt Tunis nur ein einziger Jude, obwohl die jüdische Bevölkerung daselbst circa 36 Prozent beträgt. Sehr traurig ist die Lage derjenigen Juden, die in Frankreich eine Universität beendet haben und dennoch zu Hause Bürger zweiten Ranges sind. Eine Naturalisation dieser akademischen Elemente ist nach den bestehenden Gesetzen nahezu unmöglich- Jeder Judeder französisches Bürgerrecht erwerben will, muß entweder drei Jahre in Frankreich gewohnt haben, oder Soldat gewesen sein. Nun werden die Juden als Giaurs nicht in die tunesische Armee ausgenommen. Die Juden baten nunmehr die Kammer: 1. Um Ausdehnung der französischen Gerichtsbarkeit auf sämtliche Juden Trinis. 2. Einer großen Anzahl tunesischer Juden das Bürgerrecht zu verleihen. Die Kammer überwies die Eingabe dem Abgeordneten Chaumet, der mit dem Generalbericht über sämtliche Angelegenheiten von Tunis beauftragt wurde. Mr. Chaumet denkt in seinem Bericht nicht daran, dem von Cremieux im Jahre 1870 in Algier gegebenen Beispiel zu folgen und sämtliche tunesische Juden als französische Bürger zu erklären. Es gehe nicht an, meint der Berichterstatter, dem Bey von Tunis mit einem Federstrich hunderttausend Untertanen zu entziehen. Dagegen wäre er sehr geneigt, den Wünschen einiger tunesischer Juden nachzukommen und die Machtbefugnisse des Beth - Din aufzuheben. Was dem Bey von Tunis gegenüber ganz unmöglich scheint, ist dem Beth-Din gegenüber sehr wohl möglich. Ferner schlägt er vor, die Eingeborenengerichtshöfe der Kontrolle eines französischen Beamten zu unterstellen, um so den Juden ein gerechtes Gericht zu verbürgen. Die Naturalisation soll der Maste der tunesischen Juden nach wie vor oorenthalten bleiben. Dagegen soll der Elite des tunesischen Judentums die Möglichkeit gegeben werden, französische Bürger zu werden. Das Zentralkomitee der Alliance Isra6lite Universelle ist bemüht, die Wünsche der tunesischen Juden bei den Behörden zu fördern. Der Präsident der Alliance Israölite, Mr. Narcis Leven, hat schon öfters mit Mr. Pichon, dem Generalresidenten von Tunis, Unterhandlungen gepflogen; aber man sagt, daß auch dieser höchste französische Beamte in Tunis den Bestrebungen Mr. Chaumets seine Unterstützung leihe. Oolener Brief. Posen/ 18. Februar. er erste Bericht braucht nichts Eigenes zu enthalten. Nur zwei Zeitungsausschnitte. Um die Entwicklung der Stadt Posen hat sich der Kommerzienrat Adolf Kantorowiez ebenso verdient gemacht, wie seine selbstlose, direkt aufopfernde Tätigkeit im Dienste der Provinz Posen hier die ungeteilteste Anerkennung findet. Bei dem 25 jährigen Jubiläum seiner ehrenamtlichen Tätigkeit überreichten die offiziellen Vertreter der Provinz Herrn Adolf Kantorowiez die folgende Adresse: An dem Tage, der Sie auf eine 25 jährige Dauer städtischer ehrenamtlicher Tätigkeit zurückschauen läßt, richtet auch die Provinz an Sie den Ausdruck anerkennendsten Dankes und herzlichster Wünsche. Im Ehrendienste des Provinzialständischen Verbandes haben Sie gleichfalls Jahrzehnte hindurch gestanden, weder Arbeit noch Mühe gescheut, niemandem zu Liebe noch zu Leide das Gesamtwohl "der Provinz zum Ziele gewählt und in nie versagender Pflichterfüllung an der Lösung schwerer und weitreichender Aufgaben mit Rat^und Tat sich beteiligt. Dem Landtage der Provinz Posen haben Sie zuerst im Jahre 1888 angehört; in den Provinzial-Ausschuß sind Sie von seiner Bildung und dem Anbeginn seiner Betätigung ab berufen gewesen. Sie haben mit vollster Hingabe wie mit vertrauender Zuversicht der provinziellen Selbstverwaltung sich gewidmet. und ' zur ersprießlichen Entfaltung derselben wirksam beigetragen. Namens des Provinzialständischen Verbandes dürfen die Unterzeichneten die Ueberbringer lebhaften allgemeinen Dankes^für Ihre der Provinz geleistete unermüdliche und erfolgreiche Arbeit sein und den von Herzen kommenden Wunsch daran knüpfen, daß Ihnen Rüstigkeit und Frische noch lange erhalten werde, auch die Tage Ihres Alters reich gesegnete bleiben mögen. Herr Kommerzienrat Kantorowiez nimmt, was in diesem Falle noch besonders hervorgehoben sein soll, an den jüdischen Angelegenheiten den lebhaftesten Anteil. * * * Einige Wochen später sah sich Herr Rechtsanwalt Kirfchner genötigt, in der Posener Stadtverordneten-Versammlung die folgende Erklärung abzugeben. Herr Kirschner war zum Mitglied des Ausschusses für die Nominierung von Geschworenen gewählt worden. Als Vertrauensmänner zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen für 1907 wurden die bisherigen Herren, unter ihnen Herr Rechtsanwalt Kirschner, wiedergewählt. Herr Kirschner nahm darauf das Wort zu folgender Rede: „Ich kann die auf mich gefallene Wahl nur mit schwerem Herzen annehmen. Keine Arbeit ist so unangenehm wie die nutzlose. In dem Ausschuß zur Wahl der Schöffen und Geschworenen, in den Sie mich schon seit einigen Jahren deputieren, werden mit großer Mühe und strengster Objektivität ohne Ansehen der politischen, nationalen und konfessionellen Stellung alle die Personen zu Geschworenen vorgeschlagen, die nach ihrem Charakter und ihrer Intelligenz geeignet erscheinen. Jedes Ausschußmitglied, auch der mitwirkende Vertreter der Staatsverwaltung, bemühen sich in gleicher, unbefangener Weise. Zu den vorgeschlagenen Personen gehören selbstverständlich neben Protestanten und Katholiken auch eine große Anzahl jüdischer Bürger. Umfaßt doch der Landgerichtsbezirk außer der Großstadt Posen noch eine ganze Anzahl Städte, wie Schwersenz. Schrimm, Schroda, Rogasen, Gosthn, Wronke, Stenschewo, Obornik, Pinne, Samter, in denen geeignete jüdische Elemente zahlreich vertreten sind. Aber von dieser erheblichen Schar von Kandidaten bleibt merkwürdig wenig übrig, wenn die höhere Instanz ihre nachprüfende Tätigkeit entwickelt hat. Sie wissen ja, daß die Geschworenen nach einem gewissen Filtriersystem ausgewählt werden. Erst die Urliste der Gemeindevorstände, dann die Vorschlagsliste des Ausschusses, hernach die vorsichtig gesiebte Jahresliste des Landgerichtspräsidiums, endlich die ausgeloste Lifte für die einzelne Periode. Die jüdischen Bürger beobachten es mit steigendem Unwillen, wie die Zahl der jüdischen Geschworenen, die aus die Liste der einzelnen Schwurgerichtsperioden kommen, immer geringer wird. Und es ist nicht nur in jüdischen Kreisen aufgefallen, daß die Liste der ersten diesjährigen Session unter ca. 30 Namen auch nicht einen Juden auswies. Es ist selbstverständlich, daß ich und andere jüdische Mitglieder des Ausschusses über diese auffallende und beklagenswerte Erscheinung häufig interpelliert werden, und man könnte vielleicht glauben, daß die Mitglieder des Ausschusses nicht sorgfältig genug arbeiten. Dies ist aber, wie ich schon bemerkte, keineswegs der Fall. Der Ausschuß präsentiert eine möglichst vollständige Liste. Die Lücken werden erst in einem späteren Stadium hineingerissen. So glauben die jüdischen Mitbürger, daß sie auch aus diesem Gebiete hintangesetzt werden, und weitere Volkskreise müssen zu der gewiß unberechtigten