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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-02-23 · Heft 8 (23.2.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Mtzpitz Milchscher Arbetterunterftützungssonds 10 000 Mark, Mamrothjche 1546,60 Mark, Joseph Landsbcrgersche 2972,28 Mark, Pauline Kronthal 4000 Atark, S. D. Jaffö 30 000 Mark, Moritz Viktor 10000 Mark, Kornicker 10 000 Mark, die Max und Rosalinde Kantorowiczschen Stiftungen 50 317,64 Mark. Die Summe der Stiftungen jüdischer Erblasser beträgt demnach rund 566 000 Mark. 1. Lübbecke, 12. Februar. Ein großes Trauergefolge geleitete den Präses des Vorstandes der hiesigen Synagogengemeinde, Herrn I. Mannsbach. am 24. v. M. zu Grabe. Galt es doch, einem rechtlichen, braven Glaubensgenossen, einem biederen, angesehenen Bürger die letzte Ehre zu erweisen. Herzliche Gedenkworte weihte Lehrer Lazarus dem Verblichenen im Trauerhause und am Grabe. Redner wies unter anderem auf die hohen Kulturaufgaben jüdischer Gemeinden hin im religiösen, allgemein menschlichen Sinne, wie in bezug auf das Vaterland, und hob die Verdienste des Entschlafenen um die Gemeinde nach dieser Richtung gebührend hervor. Eine Dankkundgebung am offenen Grabe des Verstorbenen, der mehr als 10 Jahre seines Vorsteheramtes in Pflichttreue und Segen gewaltet, beschloß den würdigen Trauerakt. (2 Essen, 12. Februar. Anläßlich der am Samstag vollzogenen Einweihung der neuen höheren Töchterschule und des städtischen Lehrerinnenseminars stiftete Herr Kommerzienrat Hirschland, der neben seinen sonstigen vielen Ehrenämtern auch das eines Mitgliedes des Kuratoriums der höheren Schulen bekleidet, 10000 Mark als Stipendienfond für befähigte Schülerinnen der oberen Klassen. — Ende dieses Jahres begeht die hiesige Chewra das Jubelfest ihres 50jährigen Bestehens. C. Koblenz, 18. Februar. Am 28. v. M. fand hier im Zentralhotel die konstituierende Versammlung des Verbandes israelitischer Gemeinden des Regierungsbezirks Koblenz statt. Die meisten Gemeinden des Bezirks, selbst die abgelegensten, waren durch Vertrauensmänner vertreten. Die im Entwürfe vorliegenden Satzungen wurden beraten und angenommen. Zum Vorsitzenden des Verbandes wurde Dr. Lichtenstein-Neuwied einstimmig gewählt. Geleitet wird der Verband von einem Vorstande und einem Ausschüsse, dem auch der einzige Rabbiner des Bezirks, Dr. Tawrogi-Kreuznach und drei Lehrer angehören, die Herren Ransenberg-Nenwied, Nathan- Mayen und Huhn-Koblenz. Frankfurt a. M., 12. Februar. Der zwölfte Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen pro 1905 ist erschienen. Die Zahl der Schwestern beträgt zu Ende des Berichtsjahres 24. von denen 16 für die Privatpflege tätig sind. Außer zwei neuen Pflegestellen in Heilbronu und in Hamburg kam noch die von dem israelitischen Hilfsverein in König im Odenwald errichtete Rekonvaleszenten-Anstalt für Mädchen zu, wo die Schwestern mit der Leitung der Anstalt betraut wurden, in der Art, daß alte vier bis sechs Wochen eine andere Schwester für dieses Amt bestimmt wurde. Ilm die Schwesteru in der für die Kranken so wichtigen Zubereitung der Speisen besser auszubilden und ihre Kenntnisse in bezug auf die Gesetze der Ernährung und die Beschaffenheit der Nahrungsmittel zu erweitern, wurde beschlossen, alljährlich für eine Anzahl von Schwestern einen Kochkurs abzuhalten. Der erste Kurs unter der Leitung von Herrn Dr. Deutsch und der Oberin des Siechenhauses, Schwester- Thekla wav von großem Nutzen für die Teilnehmerinnen. Die Einrichtung des von den Schwestern erwählten Schwesternrats hat sich auch in diesem Jahre in jeder Richtung bewährt Der Schwesternrat ist nicht nur berechtigt, dem Vorstand Vorschläge für »die Neubesetzung einzelner Stellen zu machen, sondern auch selbständige Anträge und Wünsche dem Vorstande zu unterbreiten, so daß die Schwestern an der Führung der Geschäfte Anteil zu nehmen in der Lage sind. Den Vorstand des Vereins für. jüdische Krankenpflegerinnen bilden: Dr. med. S. Kirchheim, Vorsitzender, Emil Stiebet, stellvertr Vorsitzender, Philipp Schiff, Schriftführer, Eduard Cohen, Kassierer, Dr. jur. Julius Blau, Dr. med. Adolf Deutsch, Julius Goldschmidt, Dr. med. Adolf Günzburg, Sally Löwenick. e. Nlrn, 8. Februar. Am 2. d. M. in den ersten Morgenstunden ist sanft und kampflos, nach langem, schweren Leiden, infolge einer Herzlähmung, unser Rabbiner Herr Dr. M. Fried entschlafen. Er hat tu unserer Gemeinde 18 Jahre lang gewirkt, nachdent er zuvor in Meisenheim, Bernburg und Ratibor gewesen. Eine große MeNschenntonge, aus allen Ständen und Konfessionen, wie itlm wohl noch kein Trauergesolge gesehen haben mag, begleitete den Entschlafenen zur letzten Ruhestätte, die er auf dem interkonfessionellen Friedhofe gefunden hat. Unter dem Trauergefolge bemerkten wir den Regierungspräsidenten von Schmiedlein, den Oberbürgermeister von Wagner, die Geistlichkeit beider Konfessionen, sämtliche Direktoren der städtischen Lehranstalten und andere Notabilitäten mehr. In der stattlichen Leichenhalle, die ebenfalls allen drei Kulten zur Benutzung dient, sprach zuerst der Nachbarkollege des Verblichenen, Rabbiner Dr. Treitel-Laupheim. Er schilderte den Lebensgang des Entschlafenen, mit dem ihn gemeinsame, rabbinische Studien schon auf dem Breslauer Seminar verbunden hatten, hob seine Bedeutung als Gelehrter, sein rabbinisches Wirken im Leben hervor, würdigte seine Eigenschaften als Mensch und schloß mit der Dichterstelle: „Sie haben einen guten Mann begraben, uns war er mehr." Int Namen der Oberkirchenbehörde, als dessen theologisches Mitglied, zugleich im Namen des württembergischen Rabbinerverbandes, widmete Kirchenrat Dr. Kroner-Stuttgart dem Verblichenen einen gehaltvollen Nachruf. Nach kurzem Rückblick auf die jüdische Gemeinde Ulm im Mittelalter, ans das blühende Gemeindeleben, das sich im 13. und 14. Jahrhundert dort entwickelt hatte, ging der Redner auf die Gegenwart über und hob hervor, daß erst nach Jahrhunderten wieder neuerdings ein erstes jüdisches selbständiges Getneiuwesen iu Ulm entstanden war, dessen erstes geistliches Oberhaupt der Verblichene gewesen. Sinnig erinnerte er an die Totenlade Josephs, die die Israeliten auf ihrer Wüstenwanderung begleitete, und, so schloß er, möge auch die Lade, die die Gebeine ihres ersten Rabbiners enthält, der Gemeinde voranleuchten aus ihren ferneren Lebenswegen. Außerhalb der Halle sprach Rabbiner Dr. Werner-München im Namen des deutscheNjRabbinerverbandes und der B.B. Loge (München), deren Bruder, der Entschlafene lange Zeit gewesen. Er legte seiner Rede das aut abgelanfenen Sabbat verlesene Textwort ans Jeremia zugrunde: „Ich vernichte Dich nicht", und führte es in mannigfachen Variationen durch. Im Namen des israelitischen Kirchenvorsteheramts rief Rechtsanwalt Dr. Hirsch in belvegten Worten dem Verblichenen den Dank für seine treuen Dienste nach. Zuletzt trat Oberbürgermeister v. Wagner an die offene Gruft, legte einen Lorbeerkranz nieder und sprach im Namen der Armenkommission, deren Mitglied Herr Dr. Fried während seiner ganzen rabbinische« Tätigkeit in Ulm gewesen. Er dankte dem Entschlafenen, der es verstanden hatte, an die allzeit opferbereiten Herzen seiner Glaubensgenossen.zu appellieren, wann und wo es galt, Not zu lindern. — Dr. Fried, ein geborener Ungar, der ein Schwiegersohn von S. I. Halberstamm war, heiratete nach dem Tode seiner ersten Gattin eine Tochter des Rabbiners Dr. Bamberger in Königsberg. Er war ein tüchtiger Talmudist und Redner. Seine beiden Schriften über das Buch der Elemente von Jsak Israeli (Leipzig 1884 und 1901) zeigen seine große Gelehrsamkeit. Friede dem Andenken des waekern Mannes! Gesterreich-Nngsrn. . A Wien, 19. Februar. Das Buch des Berliner Rechtsanwalts Dr. Nußbaum über den Prozeß Hilsner hat den Stein wieder ins Rollen gebracht. Man spricht wieder viel von der Sache'und in einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses interpellierten Dr. Straucher und Genossen den Leiter des Justizministeriums wegett Ueberprüfung der Strafakten im Strafprozesse gegen Leopold Hilsner und die Anordnung einer Revision dieses Strafprozesses. In der Interpellation verweisen die Interpellanten auf die Schrift des Rechtsanwalts Nußbaum, welche auf Grund des Quellenmaterials zu dem Schluffe gelangt, daß die am 14. November 1900 vom Schwurgerichte in Pisek erfolgte Schuldigsprechung des Leopold Hilsner wegen Ermordung der Mädchen Agnes Hruza und Marie Klima und dessen Verurteilung zum Tode ein grauenvoller Justizmord, eine furchtbare Verirrung menschlicher Justiz ist,. und es als eine unabweisbare Pflicht betrachtet werden muß, diesen Justizirrtum zu sühnen. Die Interpellation erwähnt sodann das aus der Feder des deutschen Strafrechtslehrers v. Liszt stammende Vorwort zu dieser Schrift und fährt fort, daß es auf Grund des aktenmäßig gelieferten Nachweises in der Schrift Dr. Nutzbaums gewiß ist, daß die Geschworenen und

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