Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1906)
- Date
- 1906-02-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahren in der vordersten 'Reihe der Männer steht, welche-eine führende Stellung in der Finanz- und der. Geschäftswelt Berlins einnehmen. Die stilvoll schönen Salons seiner Wohnung waren gefüllt mit herrlichen Blumenspenden, die Verwandte, Freunde und Verehrer als Dolmetscher ihrer Glückwünsche übersandt hatten. Im Kreise seiner Familie empfing der Jubilar die Vielen, die es sich nicht versagt hatten, ihm persönlich ihre Wünsche darzubringen, während Depeschen über Depeschen Grüße aus der Ferne übermittelten. Im Namen des Reichskanzlers gratulierte der Chef der Reichskanzlei v. Löbell. Ihm schlossen sich zahlreiche Deputationen an, so eine Abordnung der Korporation der Berliner Kaufmannschaft unter Führung des Stadtrats Kämpf, eine Abordnung des Börsenvorstandes, für den Herr Bankier Alexander das Wort ergriff, eine Deputation des Hilfsvereins junger Kaufleute, für die Herr Heymann das Wort nahm. Für die Einschätzungskommission, deren Mitglied der Jubilar ist, erschien Geheimrat Jung. Im Namen des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller hatte Geheimrat Jacob einen Korb mit Blumen übersandt. Unter den hohen Würdenträgern, die dem Herrn Geheimrat Helfft in eigener Person ihre Glückwünsche darbrachten, befand sich auch Generaladjutant v. Plessen. Exzellenz v. Oertzen, der mecklenburgische Gesandte, überbrachte dem Jubilar im Aufträge des Großherzogs das Komturkreuz des mecklenburgisch-strelitzschen Greifenordens und sprach den Wunsch aus, daß die Beziehungen zwischen dem großherzoglichen Hofe und dem Bankhause Helfft noch lange fortbestehen mögen. 8. Berlin, 14. Februar. Heute abend fand im Saale des „Tiergartenhof" der erste der angekündigten vier „Vortragsabende" statt, an dem moderne jüdische Dichtungen zu Gehör gebracht wurden. Die Beteiligung war leider nur eine schwache, was um so mehr zu bedauern, als es zweifellos ein verdienstvolles Unternehmen des ungenannten Komitees ist, die jung-jüdische Dichtung einem weiteren Hörerkreis zugänglich zu machen. Die Mitwirkenden waren zum Teil Mitglieder hiesiger gröberer Bühnen, und es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß die ausgewählten Dichtungen in ihnen ausgezeichnete Interpreten fanden und tiefe Wirkung hervorriefen. Einleitend gab Herr Dr. Alfred Nossig ein übersichtliches Bild von der Wiederbelebung der jüdischen Literatur, würdigte in eingehender Weise die neuhebräische Poesie und die modern jüdische Dichtung. Eine Mahnung möge bei dem Komitee nicht ungehört verhallen: Den Vortragsabend programmmäßig pünktlich beginnen zu lassen, um dem Publikum, das sich, wie üblich bei derartigen Vorträgen, zum größeren Teil aus Damen zusammensetzt, die Möglichkeit zu geben, wenigstens einen Teil desselben anzuhören und die Reihenfolge nicht durch so große Pausen zu unterbrechen. 8. Berlin, 18. Februar. Die Jacob Israel-Stiftung, Pensionskasse für die Angestellten der Firma N. Israel zu Berlin, sowie für deren Witwen und Waisen, hielt am 8. d. M. in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße, ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab und beschloß mit derselben das erste Jahrzehnt ihres Bestehens. Eine vom Vorstand aus diesem Anlaß den Mitgliedern überreichte Denkschrift gibt ein erfreuliches Bild von der Entwicklung der Kasse. Das Vermögen derselben ist zu der stattlichen Summe von 841 662,92 Mark angewachsen. Da der Mitgliederbestand und demnach auch die Einnahmen der Kasse von Jahr zu Jahr in stetem Wachsen begriffen sind, so können die Angestellten der Firma N. Israel mit Recht dereinst die Segnungen aus der Kasse erwarten, die den Chefs bei Begründung derselben seinerzeit vorgeschwebt haben. a. Danzig, 9. Februar. Wiederum hat unsere Stadt einen Bürger verloren, der während eines langen Lebens voll Treueernster Pflichterfüllung und nie erkaltender Liebe seinen Mitbürgern und ihrem Gemeinwesen gedient hat bis zum letzten Atemzuge. Geh. Sanitätsrat Dr. Julius Semon ist am 7. d. entschlafen. Der ehrwürdige Greis stand ein Jahrzehnt lang als allverehrter Senior an der Spitze der Stadtverordnetenversammlung. Er wurde am 7. Januar 1819 hier geboren, hatte das hiesige Gymnasium absolviert, in Königsberg. Halle und Berlin studiert und am 6. April 1844 in Berlin zum Doktor promoviert. Mitte der 1840er Jahre ließ er sich in Danzig als Arzt nieder und hat ein halbes Jahrhundert läng hier als solcher, viele Jahrzehnte lang auch als 2 Eisenbahn- und 'Polizeiarzt, wie als Kreiswundarzt, gewirkt. Aastein halbes Jahrhundert lang war er auch Sekretär, zuletzt für die inneren Angelegenheiten der Naturforschenden Gesellschaft, ferner Vorstandsmitglied und ein regsamer Mitarbeiter von Vereinigungen und Instituten sanitärer und hygienischer Wohlfahrtspflege. Semon war auch Ehrenmitglied der Jüdischen Gemeinde. Die Beerdigung fand heute mittag statt. In und vor dem Sterbehause am Winterplatz hatte sich um 12 Uhr eine nach Hunderten zählende Trauerversammtu ng ein gefunden,. in der wir die Spitzen aller hiesigen Behörden, eine Anzahl höherer Offiziere, Sanitätsoffiziere, viele Aerzte, fast sämtliche Mitglieder des Magistrats und eine größere Anzahl Stadtverordneter bemerkten. Im Sterbehause hielt Rabbiner *Dr. Freudenthal eine von Gefühlswärme durchg'lühte Gedächtnisrede, welcher er das biblische Wort: „Deine Hände haben in Treuen ausgehalten bis zum Sonnenuntergang" zugrunde legte. Die Rede gab ein treues und edles Bild des langen gemeinnützigen Wirkens, der vorbildlichen bürgerlichen und patriotischen Gesinnung, des ernsten idealistischen und doch stets lebensfrohen und menschenfreundlichen Charakters, seiner Unwandelbarkeit und Treue und noch im hohen Alter stets hervorleuchtenden Geistesfrische und klang aus in das dankbare Anerkenntnis vieler und namentlich auch seiner Angehörigen, sein ganzes Leben sei ein Segen gewesen. — Dann wurde der Sarg hinausgetragen in den Leichenwagen und der lange Trauerzug setzte sich in Bewegung. Rabbiner Dr. Freudenthal sprach am Grabe eine kurze Liturgie und mit den üblichen Trauergesängen fand die Begräbniszeremonie ihren Abschluß. V. Stettin, 16. Februar. Mit dem am 12. d. M. im 54. Lebensjahre verstorbenen Rabbiner von Filehne, Dr. Sälomon Richter, ist ein hervorragender Talmudist zu Grabe gegangen, dessen Hinscheiden in weiten Kreiserl schmerzliches Bedauern hervorgerufen hat. Großer Scharfsinn und eine Staunen erregende Belesenheit in der rabbinischen Literatur waren in ihm in glücklichster Weise vereinigt. Allen Spitzfindigkeiten abhold, verstand er es, schwierige Talmudstellen geschickt zu entwirren und lichtvoll zu erklären. Bereitwillig hat er das ihm vor einigen Jahren übertragene Ehrenamt eines Examinators in der von der Vereinigung liberaler Rabbiner in Deutschland eingesetzten ravbinischen Prüfungskommission übernommen und die Pflichten dieses Amtes mit größtem Eifer und rühmenswerter Gewissenhaftigkeit erfüllt, zuletzt noch vor wenig Wochen, am 21. Dezember v. I. Daß er seinen Amtsgenossen, seiner Gemeinde und seiner zahlreichen, größtenteils noch unversorgten Familie so bald sollte entrissen werden, hatten wir nicht vermutet, und die Trauerkunde von seinem Hinscheiden hat alle, die den wahrhaft frommen, anspruchslosen, gelehrten und menschenfreundlichen Mann kannten, tief erschüttert. Ein ehrenvolles Andenken bleibt ihm gewahrt, namentlich wird die Vereinigung liberaler Rabbiner ihm für seine selbstlose Hingabe und seine hohen Verdienste eine unauslöschliche, dankbare Erinnerung weihen. W. f. Posen, 12. Februar. Die Stiftungen der Stadt Posen sind folgende: Die Stadt verfügt über 72 Stiftungen, deren Gesamtbetrag sich auf rund 1 900 000 Mark beläuft. Die Stiftungen, nach der Konfession ihrer Stifter festgestellt, ergeben für Bildnngszwecke drei von jüdischen Stiftern. Bertheimsche Stipendien 600 Mark, Dr. Warschauersche Bücherprämien für Realschüler 312,10 Mark, Kronthalsche 21973,41 M. Unter den Stiftungen für Armen- und Wohltätigkeitszwecke sind jüdischen Glaubens die Erblasser folgender Stiftungen und Legate: Abraham Packschersches Legat 300 Mark, Kommissionsrat Schie Jaffesche 4217,36 Mark, Geheimer Kommerzienrat Bernhard Jaffösche 27 907,99 Mark, Allgemeiner Rettungsfond: Dr. Lewinskische 35 355,75 Mark, Leopold Goldensingsche 25 000 Mark, Bernsteinsche 15 000 Mark, Moritz Milchsche 10 000 Mark, Dr. Landsberger 2000 Mark, Goldschmidt und Kuttnersche 1000 Mark, Heimann Markussche 5864,39 Mark, M. Louis Jaffesche Altersversorgung 33 688,87 Mark, Samuel Jaffesche 102 302,33 Mark, Ephraimsche 17 727,34 Mark, Auerbachsche 30 727.17 Mark. Orglersche 15692,37 M. Lißnersche 11572,73 Mark, Heimann Jtzig und Philippine Remaksche 1530,45 Mark, Königsbergersche Altersversorgung 15 218,68 Mark, Ed. Kaatzsche 14 988,68 Mark, David Jaffe Familien 30 839,56 Mark, Dr. Samtersche 3603,11 Mark, Moralsche 16 681,06 Mark, Wollheimsches Legat 3000 Mark, Dr. Kantorowiczsche Spende 254,71 M.,