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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-02-23 · Heft 8 (23.2.1906) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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mm b,du Serbienftcit. Aber «lehr! Der Knabe., den er gerettet uxt, war jüdischer Konfession! (Stürmische Heiterkeit rechts.) Der vandgerichtsrat ist also nach der Anschauung gewisser Kreise sogar in Mann von ganz besonderen Verdiensten. (Erneute Heiterkeit rechts.) s wäre also nicht nötig gewesen, ein Disziplinarverfahren gegen ihn ^liizuleiten. (Lebhafter Beifall rechts.) Minister Beseler: Was den Vorgang in Breslau anbetrifft, so zabe ich bereits in der Kommission gesagt, und ich bleibe dabei, daß ich ^ar nicht daran denke, den Beamten in der Justizpflege irgendwelche Vorschriften zu machen, wie sie sich ihren Verkehr wählen dürfen. Ich -oürde das für verkehrt halten. Was würde denn daraus werden? Daraus würde ja nur Zwietracht und Unheil entstehen. Lebhafte Zustimmung). Aber etwas ganz anderes ist es, wenn einzelne Richter die Rücksicht außer acht lassen, die sie aus Rücksicht auf hr Amt walten lassen müssen. Der Verein christlicher Referendare stierte ein Fest, an dem etwa 20 Herren teilgenommen haben. Das waren zum großen Teil ältere Herren. Das Lied, von dem der Herr Vorredner sprach, hatte der Landgerichtsrat Hoffmann gedichtet und ulitgebracht. Man hatte wohl Bedenken dagegen geäußert und hatte auch die Vorsicht walten lassen, daß das Lied durch den Druck nicht bekannt geworden ist. Nun ist es aber eine eigene Sache, wenn ein derartiges Lied verteilt wird; es ist das etwas bedenklich. (Sehr richtig! links.) Nun habe ich keineswegs dem Verein christlicher Referendare zu nahe treten wollen. Man hat sich lediglich darauf beschränkt, dem Vorsitzenden einen Vorwurf zu machen, daß er das Singen des Liedes nicht hätte dulden sollen. Aber etwas weiteres wird nicht geschehen, und gegen die Referendare wird nicht eingeschritten werden. Der Landgerichtsrat Hoffmann hatte Anlaß gegeben zu großer Verstimmung in Breslau, nicht nur in jüdischen Kreisen. Nun, da lag ja nichts näher, als daß man die Sache untersuchte, und es war der einzige Weg, daß man die Richter die Sache ausklären läßt. Jetzt schwebt die Untersuchung noch. Wir müssen einen vornehmen Ton in den richterlichen Kreisen aufrecht erhalten. (Sehr richtig! links.) Der Landgerichtsrat Hoffmann hat sich, wie der Vorredner erwähnte, dadurch ein großes Verdienst erworben, daß er ein Kind gerettet hat. Daß es jüdischen Glaubens war, hat er ja noch nicht vorher gewußt. (Große Heiterkeit.) Ich will zum Schluß nur noch bemerken, daß wir ein taktloses Verhalten nicht dulden können. (Beifall.) Abgeordneter Keruth (frs. Dpt.): Was den Breslauer Vorgang anlangt, so stehen wir selbstverständlich auch heute noch 'auf dem Standpunkt, daß man den Beamten nicht vorschreiben darf, wie sie sich außerhalb ihres Dienstes ihren Umgang wählen. Allerdings halten wir es nicht gerade für empsehlenswert, daß innerhalb derselben Beamtenkategorien sich Sondervereine nach politischen oder konfessionellen Rücksichten bilden. (Sehr richtig! links.) Dadurch wird die Arbeitsfreudigkeit entschieden leiden müssen. (Sehr richtig! links.) Für vollständig verwerflich halten wir es aber, wenn durch derartige Vereine Mißstimmung in das Publikum getragen wird. Wenn der Minister den Verfasser des Liedes zur Verantwortung zieht, so können wir uns dem nur anschließen. Der Abgeordnete Strosser hat sich auf Aeußerungen des Abgeordneten Munckel bei einer ähnlichen Gelegenheit bezogen. Damals hat sich aber auch der Justizminister Schönstedt dahin ausgesprochen, daß er von den Referendaren ein kollegialisches Verhalten ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis ihren Kollegen gegenüber verlange. (Hört, hört! links.) Minister Schönstedt erklärte es als seine Aufgabe, jedem unkollegialen Verhalten entgegenzutreten. Es würde Uns sehr freuen, wenn der Minister diese Grundsätze zu den feinigen machen würde. (Zustimmung links.) * Ueber die dritte Tagung der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle am 13. d. M. erhalten wir den folgenden Bericht: Schon seit mehreren Jahren waren unter den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees der Alliance Isra&ite Universelle Bestrebungen im Gange, um zunächst innerhalb des eigenen engeren Kreises und weiterhin unter den deutschen Komitees der Alliance überhaupt einen festeren Zusammenschluß und bamit eine leistungsfähigere Organisation der im Dienste der Alliance sich betätigende:! deutschen Kräfte zu schaffen. Diese Bestrebungen sind nunmehr zu einem erfreulichen Abschluß gediehen. Am 18. d. M. vereinigten sich zu Berlin unter den: Vorsitz des Geheimen Kommerzienrats Goldberger eine beträchtliche Zahl von Vertretern der Alliance aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes. Das Hauptergebnis der Beratungen war, daß sich die Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance als eine freie Vereinigung deutscher Mitglieder des Zentralkomitees 0er Alliance Israelite Universelle mit dem Sitz in Berlin fest konstituierte und Satzungen beschloß. Danach ist der Zweck der Deutschen Konferenzgemeinschaft der, die deutschen Mitglieder des Zentralkomitees zu vereinigen, um in Anpassung an die allgemeinen Satzungen und an die Verfassung der Alliance Israelite Universelle deren Aufgaben und Interessen in gemeinsamer Arbeit zu fördern. Die Deutsche Konferenzgemeinschaft bildet im Einverständnis mit dem Zentralkomitee in Paris die Zentralstelle für die Organisation und Verwaltung der Alliance Israelite Universelle in Deutschland. Ihre Geschäftsführung wird durch ein Bureau in Berlin bewirkt, das die Bezeichnung führt: „Deutsches Bureau der Alliance Israelite Universelle". Das Bureau untersteht der Leitung des Vorsitzenden der Deutscher: Konferenzgemeinschaft, der seinen Wohnsitz in Berlin haben muß. Mindestens alljährlich einmal beruft der Vorsitzende eine Tagung der Mitglieder nach Berlin oder anderswohin in Deutschland. Den regelmäßigen Jahrestagungen der Konferenzgemeinschaft wird ein Alliancetag angegliedert, zu dem alle Vertreter der deutschen Bezirks¬ und Lokalkomitees einberufen werden und alle Mitglieder der Alliance Zutritt haben. Auch sonst kann der Vorstand der Konferenzgemeinschaft einen Alliancetag einberufen, wenn er es für erforderlich erachtet. Auf diesen Versammlungen wird über die allgemeine Lage der Alliance sowie über Schritte, die im Interesse der Glaubensgenossen in Gemäßheit des Artikels 1 der Statuten der Alliance Israelite Universelle notwendig sein sollten, beraten werden. Der Vorstand der Deutschen Konferenzgemeinschaft besteht aus secks Mitgliedern: aus dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden und vier Beisitzern. Gewählt wurden zum Vorsitzenden Herr Geheimrat Goldberger-Berlin, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Charles Hallgarten-Franksurt a. M., zu Beisitzern die Herren Rechtsanwalt Joh. Behrendt-Danzig, Sally Flörsheim-Dortmund, Rabbiner Dr. Frank- Köln a. Rh. und Theodor Oschinskh-Bressau. Man hat ferner eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die demnächst durch Rundschreiben allen deutschen Alliance-Komitees zur Kenntnis gebracht werden sollen. Die Mitglieder der Konferenzgemeinschaft haben sich bereit erklärt, die Organisation in den betreffenden einzelnen Landesteilen zu überwachen und durchzuführen. Alle Aktionen der Komitees werden künftig an der Konferenzgemeinschaft eine kräftige Stütze finden und vom Deutschen Bureau aus tunlichst einheitlich geleitet werden. Nach Erledigung der Organisationsangelegenheiten beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage, wie von Deutschland aus eine Mitwirkung an den Arbeiten der Zentrale in Paris am zweckmäßigsten erfolgen könne und welche besonderen Wünsche gegenwärtig in bezug auf die Arbeiten der Zentrale zu äußern seien. Bei diesen: Punkte wurde einmütig ein Beschluß gefaßt, der die Erweiterung bezw. Einführung des deutschen Unterrichts in den Schulen der Alliance vorsieht. Es sei erwähnt, daß die Alliance zurzeit in den Orientländern über 48000 Schüler unterrichtet, von denen sie außerdem einen Teil kleidet und speist. Schließlich besprach man die Stellung der Alliance und ihrer Deutschen Konferenzgemeinschaft zu den anderen jüdischen Organisationen im In- und Auslande. Der Verkehr mit allen jüdischen Organisationen außerhalb Deutschlands untersteht der Leitung der Zentrale in Paris. Dagegen wurde der Grundsatz ausgestellt, daß die Regelung und Ausrechterhaltung der Beziehungen zu den Organisationen innerhalb Deutschlands ausschließlich der Deutschen Konferenzgemeinschaft obliegt. Mit allen diesen Verbänden soll ein gutes und einträchtliches Verhältnis fortbeziehungsweise herbei' geführt werden. »

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