Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1906)
- Date
- 1906-02-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 rechtigkeit des Entwurfes gegen Hie Juden bezüglich der jüdischen VoÄsschülen, bezüglich des' jüdischen Religionsunterrichts, bezüglich der Stellung der Rabbiner in der Schuldeputation. Seine Ausführungen fanden stürmischen Beifall. Die Diskussion stand auf der Höhe der Situation. Sowohl Herr Rabbiner Dr. Gnttmann als Herr Landgerichtsrat Wollstein, ersterer bei Beleuchtung der großen Schäden, die den jüdischen Volksschulen besonders im Westen unseres Vaterlandes drohen, letzterer bei Aufzählung der Chancen, die wir bei den verschiedenen Parteien des Abgeordnetenhauses zu gewärtigen haben, fanden lebhaftesten Beifall. An der Debatte beteiligten sich ferner Justizrat Ollendorf, Stadtverordneter Emanuel Breslauer u. a. Nachstehende Resolution fand einstimmige Annahme und wird dem „Verbände der Deutschen Inden" übersandt werden: „Die vom Liberalen Verein der Shnagogengemeinde zu Breslau einberufene Versammlung schließt sich der vom „Verband der Deutschen Juden" an das Haus der Abgeordneten gerichteten Denkschrift bezüglich des Entwurfes eines Gesetzes betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen vollinhaltlich an. Sie erblickt in den die Juden berührenden Bestimmungen des Gesetzentwurfes eine Verletzung der ihnen durch die Verfassung gewährleisteten bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und hegt zu den Abgeordneten aller Parteien das feste Vertrauen, daß sie der im Gesetzentwurf versuchten Durchbrechung der Gleichberechtigung aller preußischen Staatsbürger ihre Zustimmung versagen, und daß sie insbesondere die Aufstellung von Ausnahmebestimmungen für die jüdischen Volksschulen wie für den Religionsunterricht jüdischer Volksschulkinder nicht zulassen werden." Schließlich referierte Herr Dozent Dr. Brann über das Buch von Dr. Samter: „Judentaufen im 19. Jahrhundert", und empfahl es zur angelegentlichsten Verbreitung in den Kreisen der liberalen Juden. — Ein Mitglied der Shnagogengemeinde. das nicht genannt sein will, überwies Herrn Dr. Klüger 1000 Mark zur Verteilung an notleidende jüdische Taubstumme. Fünf männliche zurzeit arbeitslose Handwerker erhielten je 70 Mark, fünf Mädchen erhielten Sparkassenbücher über je 50 Mark, 250 Mark wurden an den Hilfsverein für die jüdischen Taubstummen in Berlin gesandt als Beitrag zur Errichtung eines Asyls für invalide Taubstumme. Den Rest überwies Dr. "Krüger dem Direktor der hiesigen Taubstummenanstalt zur Verteilung an bedürftige Kinder nichtjüdischer Konfession. — Zwickau, 2. Februar. Die hiesige israelitische Religionsgemeinde versendet ihren ersten Verwaltungsbericht für U05. Sie hatte Ende des Jahres 138 Gemeindemitglieder (Seelen). Davon entfielen auf Zwickau 80, Aue 14, Beierfeld 3, Eibenstock 4, Johanngeorgenstadt 5, Grünhain 1, Loßnitz 3, Schneeberg 3, Werdau 9, Krimmitschau 11, Niederschlema 1, Schwarzenberg 1, Schönheide 3 Seelen. Den Religionsunterricht besuchten im Jahre 1905 in Zwickau 11, Aue 2 und Krimmitschau 2 Kinder. Die Gemeindeverwaltung besteht zurzeit aus: a) Vorstand: Gustav I. Tobias. Vorsteher, Simon Schocken, Schriftführer, Hermann Katz, Kassierer, b) Gemeindeverordneten: Salli Tobias, Isidor Lazarus, Max Schiff. Die in der Bahnhofstraße 8 (Hinterbau) befindliche Andachtsstätte der israelitischen Religionsgemeinde wurde am 15. Juni v. I. eingeweiht. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. Winter, Dresden. Die christlichen Religionsgemeinden waren durch die Herren Superindenten der Ephorie Zwickau, Kirchenrat Dr. Meyer und Kaplan Wenke, vertreten. Außerdem waren die Behörden, die Stadtverordneten und die israelitischen Schwestergemeinden zu Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Annaberg durch Delegierte vertreten. Ein Gottesdienst findet im Winter jeden vierten Sonnabend, im Sommer jeden Sonnabend statt. Im Interesse eines würdigen Gottesdienstes wird sehr lebhaft der Gemeindegesang gepflegt. Auf Ansuchen des Vorstandes überließ die Stadt Zwickau der israelitischen Religionsgemeinde ein Grundstück, auf Pölbitzer Flur, behufs Anlage eines Friedhofes, zum Preise von. 1 Mark pro Quadratmeter. Der Haushaltungsplan belief sich im abgelaufenen Jahre auf 4000 Mark. Zur Pflege eines geselligen Verkehrs der Gemeindemitglieder unter einander, veranstaltete der Gemeindevorstand mehrere Unterhaltungsabende, an denen teilzunehmen. sämtliche Gemeindemitglieder aufgefordert wurden. W. Stadtlengsfeld, 1. Februar. Am 25. v. M. starb hier die verwitwete Frau Landrabbiner Rosalie Salzer, geb. Rosenblatt, im 56. Lebensjahre. Die Heimgegangene war Langjährige Vorsteherin des hiesigen Frauenvereins uud wurde wegen ihrer Herzensgüte gerühmt. Eine große Trauerversammlung von nah und fern zeugte von der allgemeinen Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich die biedere Frau zu erfreuen hatte. I/'Frankfurt a. M., 28. Januar. Der Vorstand des Allgemeinen jüdischen Krankenhauses „Schaare Zedek" in Jerusalem erstattet den Rechenschaftsbericht über den Zeitrau in vom 27. Januar 1902 bis zum 26. Januar 1905. Das an der Jaffastraße in Jerusalem belegene, aus einem HauptgebLu.de und zwei Jsolierpavillons mit Nebengebäuden bestehende Hospital wurde am 27. Januar 1902, dem Geburtstage des deutschen Kaisers, in Anwesenheit der türkischen Behörden, des Gouverneurs, der Konsuln aller Nationalitäten, sowie zahlreicher Vertreter der Gesamtbevölkerung Jerusalems, seiner segensreichen Bestimmung übergeben. Der Posten des Direktors war dem durch seine mehrjährige ärztliche Tätigkeit in Jerusalem bereits wohlbekannten und anerkannten Herrn Dr. med. M. Wallach aus Köln. a. Rh., das Amt eines Verwalters Herrn Jonas Marx aus Oberdorf-Bopfingen (Württemberg), der sich sechs Jahre zuvor in Jerusalem angesiedelt hatte, übertragen worden. Beide Herren haben im Spital ständige Wohnung. Die Eröffnung erfolgte mit vorerst nur 20 Krankenbetten, da entgegen den ursprünglichen Erwartungen der Betriebsfonds die beabsichtigte Höhe noch bei weitem nicht erreicht hatte, um die projektierten 60 bis 70 Krankenbetten, für die der Raum vorhanden ist, zu belegen. Demgemäß konnten nur die allerschwersten Fälle zur Spitalbehandlung gelangen, und diese erstreckte sich anfänglich auf schwierige operative Fälle, auf Behandlung von Infektionskrankheiten in den Jsolierpavillons — den einzigen unter allen jüdischen Spitälern Jerusalems — sowie auch aus Entbindung von Patientinnen, deren häuslicher Aufenthalt mit Lebensgefahr verbunden gewesen wäre. Bei der sehr langsamen Vermehrung der Betriebsmittel ergab sich erst im Oktober 1903 die Möglichkeit, die Belegziffer um zehn Betten zu erhöhen, so daß am Ende der Berichtsperiode mindestens 30 Betten belegt gehalten wurden. Für die Aufnahme war regelmäßig, wenn mangels freier Betten eine Auswahl getroffen werden mußte, die Schwere der Erkrankung, bezw. der Grad der Armut maßgebend, unbekümmert um die Gemeindezugehörigkeit einerlei, ob Sephardi, Aschkenasi, ob Perser, Marokkaner, Russe, Deutscher. Oesterreicher, Ungar, Pole rc. — wie um die private Gesinnung des Kranken. Mit ganz minimalen Ausnahmen erfolgte die Spitalaufnahme und -Behandlung vollkommen unentgeltlich. Während der drei Jahre gelangten an 1068 Tagen mit 26 014 Verpflegungstagen 1660 Personen zur Aufnahme, 224 Männer, 633 Frauen und 595 Kinder, sowie 208 Begleitpersonen (die Mütter, die ihre kranken Kinder stillten, oder Kinder, die der Brust der kranken Mutter bedurften). 913 Patienten wurden als geheilt, 307 als wesentlich gebessert entlassen. Von den Aufgenommenen entfallen aus den Hauptbau 1542, auf die Jsolierpavillons 118 Personen. Von letzteren waren 43 an Diphterie, 36 an Scharlach erkrankt. Äußer dieser Behandlung innerhalb des Hospitals fanden täglich, mit Ausnahme der Sabbathe und Feiertage, Konsultationen statt, und zwar wurde ärztliche Hilfe zuteil: für innere Krankheiten in 26 281, für Augenkrankheiten in 34 033, für chirurgische Krankheiten in 1644, insgesamt in 73 119 Fällen. Diese Konsultationen geschahen kostenlos, sowohl für Juden als auch für Nichtjuden. Von den ourch allgemeine Sammlung aufgebrachten Geldern waren für Ankauf des Grundstückes, Errichtung der Gebäude und Anschaffung des Inventars bei der Eröffnung insgesamt 461 590,19 Mark aufgewendet worden. Am 31. März 1905 — dem Enddatum der Berichtsperiode — betrug das vorhandene Vermögen der Anstalt in Obligationen und Wertpapieren 221 349, in Bar 6992 zusammen also 228 341 Mark. Die Unterhaltung des Hospitals erforderte in der dreijährigen Berichtsperiode für Verpflegung, Gehälter und Löhne 116 441, für Inventar- Anschaffungen 21 546, insgesamt 137 988 Mark. Bei einer Durchschnittsbelegziffer von täglich 24,36 Belten und einem durchschnittlichen Spitalsaufenthalt von 15,49 Tagen Pro Patient war demnach pro Kopf und Tag durchschnittlich 5,25 Mark an Verpflegungskosten anfzubringen. Da aus Stiftungserträgnissen insgesamt in diesen drei- Jahren nur 21198.56 Mark eingingen, mußte der Restbetrag von 116 789 Mark aus Jahresbeiträgen und Spenden gedeckt.werden. Der deutsche Konsul in Jerusalem, Herr Dr. Schmidt, hat das Hospital