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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-02-16 · Heft 7 (16.2.1906) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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wiederholt inspiziert und in überaus anerkennenden Zuschriften ausgesprochen, daß er „das Krankenhaus der Unterstützung und dem Interesse weiterer Kreise warm empfehlen kann." Das Vertrauen auf die nie versiegende jüdische Opferwilligkeit, die sich in dem Hospitale „Schaare Zedek" ein Ruhmesdenkmal gesetzt, bestärkt die Verwaltung in der Hoffnung auf die Vervollkommnung und den endlichen Ausbau dieses der Verwirklichung echtjüdischer Ideale dienenden großen Liebeswerkes. Lörrach, 1. Februar. Zu Ehren ihrer Präsidentin, Frau David Nordmann, versammelten sich gestern nachmittag in dem Saale „Eintracht" die Dameü des hiesigen israelitischen Frauenvereins, um das Jubiläum der 25 jährigen Vorstandschaft Mit einer kleinen festlichen Veranstaltung im engeren Kreise zu begehen. Für ihr unentwegtes Ausharren an der Spitze des' Vereins, der vor ungefähr 30 Jahren in das Leben trat, wurde der Jubilarin der gebührende allgemeine Dank von allen Seiten in herzlichen Worten dargebracht. Die erste Huldigung mit einem in poetische Form gekleideten Dank brachte die Jugend dar. Im Austrage des Vorstandes überreichte Herr Lehrer Abel eine in herzlichen Worten der Verehrung abgefaßte Urkunde, welche der israelitische Frauenverein der Jubilarin in Anerkennung ihrer Verdienste für stete Hilfsbereitschaft und treue Pflichterfüllung gestiftet hat. In einer besonderen Ansprache feierte dann Herr Abel noch die Verdienste der Jubilarin um den Verein und gedachte dabei auch der beiden anderen anwesenden Gründerinnen. Er pries die nie ermüdende Weise, wie die Präsidentin den drei speziellen Liebeswerken, welche sich der Verein unter den Religionsgenossen gesetzt, ihre Tätigkeit gewidmet, und das gute Beispiel, mit dem sie in Ausübung allgemeiner-Menschenliebe den Mitgliedern vorangeschritten. Mit dem Wunsche, daß der Jubilarin noch lange Jahre, der Rüstigkeit, Gesundheit und Arische beschieden sein möchten, schloß die gehaltvolle Rede. In sinniger Form erfolgte durch zwei junge Mädchen die Ueberreichung des Liebespreises von Rosen und Lorbeer. Aus Kindermunde erklang-besonders frisch und unerschrocken das Hoch auf die Frau Nordrnänn und den Frauenverein. Nach der Feier vereinigten sich die Anwesenden zu einer gemütlichen Kaffeestunde, während derer Herr Abel über die Zwecke nnd Ziele eines israelitischen Frauenvereins' sprach und. zu reger Betätigung in demselben aufforderte. - :> -- o. München, 2. Februar. Zu der letzten Rede des bayerischen Kriegsministers bietet die folgende Mitteilung der „Münchener Post" eine recht drastische Illustration. „Unter den Pensionierungen fällt uns besonders jene eines gewissen Hauptmannes auf. Wir kannten den Herrn dienstlich wie außerordentlich persönlich und wissen, daß er ebenso tüchtig und pflichteifrig war wie andere Offiziere, die es bis zum Major gebracht haben. Dabei war er ein sehr guter Kamerad. So verzichtete er z. B. zugunsten eines kränklichen Offiziers auf einen sehr angenehmen Posten. Eine „Eigentümlichkeit" hat er allerdings an sich: er ist nämlich Jude. Schon lange waren wir darauf gespannt, ob dieser Herr an die Spitze einD Bataillons gestellt würde. In der preußischen Armee werden Juden nicht einmal zu Reserveoffizieren ernannt. Als Gemeine, Unteroffiziere und Feldwebel aber müssen sie im Kriegsfälle ' ihre Knochen genau so zu Markte tragen, wie die Katholiken .und Protestanten. Die bayerische Armee hat sich, abgesehen von einigen Offizieren, vom Antisemitismus ziemlich frei gehalten- Es ist dringend zu wünschen, daß sie sich auch hier nicht von Preußen anstecken läßt. Die Pensionierung des bewußten Hauptmanns mahnt jedoch sehr, zur Wachsamkeit." Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 12. Februar. Einen wichtigen Beschluß hat unser Vorstand in seiner letzten Sitzung gefaßt, nämlich, daß durch die freiwillige Entrichtung einer Kultussteuer von 10 Kronen seitens solcher Personen, welche nicht zu einer höheren Steuerleistüng'herangezogen werden, alle im Statute angeführten Rechte als Kultussteuerträger erworben werden können. Jüngst stand in Ihrem geschätzten Blatte-: „Mit Ausnahme des Rabbiners Dr. Josef Bloch, der eitrige Jahre hindurch eine der markantesten Erscheinungen des österreichischen Reichsrates bildete, hat noch kein Parlament auf Erden einen Rabbiner zum Mitglied gehabt." Diese Mitteilung beruht auf>Mern Jrrturn Bereits vor Dr. Bloch waren im österreichischen AbgMrdnetenhause zunächst sein unmittelbarer Vorgänger der Krakauer Rabbiner Schreiber und noch.vordiesem zählte für kurze Zeit das österreichische Abgeordnetenhaus zu seinen Mitgliedern, diederühmten Rabbinen Meisels aus Krakau und den Prediger Jsac Nua Mannheimer aus Wien. ' : Von -sh und fmi. Zur Begründung einer „MovitzStrauß- St iftun g"> aus der Rekonvaleszenten ünterstützt werden sollenfind von der Frau Hermlne Strauß,' geb. Maßenbäch, dem Magistrat von Berlin 20 000 Mark überwiesen worden. Der Magistrat hat die Annahme der Stiftung beschlossen. — Nach kurzen Leiden ist der Sanitätsrat Dr. Leo Lesser Hirschberg am 5. b. M. gestorben. Er betrieb seit 1878 die ärztliche Praxis. Seit 1890 widmete er sich, besonders im Dienste des Gewerks-Krankenvereins, der Behandlung von Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. — Von der Gründung einer neuen antisemitischen Tageszeitung in Berlin verlautete schon früher wiederholt. Der „Vorwärts" erfährt jetzt, daß der Beginn des Unternehmens für den 1. Aprik in sichere Aussicht genommen sei. An der Gründung seien hauptsächlich Wiener Kapitalisten beteiligt, an deren Spitze der bekannte Führer der Christlichsozialen, Herr Ernst Vergani, der Herausgeber des „Deutschen Völksblattes" in Men. steht. Das Gründungskapital beträgt vorläufig etwa Vs Millionen Mark. — In Läuenburg ist, nachdem in der vorigen Woche' aüf dem evangelischen Friedhofe Grabschändungen verübt wurden, jetzt auch auf dem jüdischen Friedhofe ein gleicher Frevel geschehen. Eine Anzahl Grabsteine wurden zertrümmert und Denkmäler umgerissen. — Am 6. d. M. ist der frühere Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Plauen, Herr Isidor Gottheil, nach langem Leiden gestorben. — Der Bezirksrabbiner Dr. Metzer in Zweibrücken verweigerte der dortigen israelitischen . Kultusgemeinde die Bezahlung der Kultusumlage,' weil dieselbe ihm die vertragsmäßige Gehaltsaufbesserung nicht gewährt und auch nicht ein rituelles Bad eingerichtet habe. Das Bezirksamt Zweibrücken und Nunmehr auch der Verwaltüngsgerichtshof verurteilten ihn zur Zahlung der Kuttusumlage, nachdem diese als eine öffentliche rechtliche Leistung mit den auf Privatverträgen beruhenden Gshaltsansprüchen nicht kompensiert werden könne. — Der „Ruß" widerspricht der Meldung, die jüngst durch die Blätter ging, der russische Justiz minister Akimow habe angeordnet, es würden künftighin keine Juden mehr unter die Zahl der vereidigten Anwälte ausgenommen. Der Verein der Rechtsanwälte in Petersburg habe keinerlei derartige Mitteilung erhalten. — Aus Petersburg komrnt die wichtige Nachricht, daß Gräfin Mathilde Witte, die Frau des Ministerpriäsidenten, vom Protestantismus zur orthodoxen Kirche übergetreten ist und dabei den Namen Maria angenommen hat. Bekanntlich ist die Gräfin ursprünglich Jüdin, die nun-also zum zweitenmal ihren ^Glauben" wechselt. — Eine jüdische Deputation hat in einer Audienz den russischen.Minister des Innern um die Erlaubnis zur Abhaltung eines Kongresses in Petersburg gebeten, die Bitte wurde aber abgeschlagen. — In der Nähe von Matzgran in Marokko fanden Unruhen statt, wobei drei europäische Israeliten geplündert und ermordet wurden. Ihre irdischen Ueberreste wurden in einen Brünnen geworfen. Der Zwischenfall ruft unter der Bevölkerung große Aufregung hervor. — Vom 1. Oktober 1904 bis 30. September 1905 sind nichl weniger als 100 388 jüdische Immigranten in Newyork gelandet, von denen 72 324 an Ort und Stelle verblieben sind. VoA den Einwanderern kamen 77 564 aus Rußland, 17 562 aus Oesterreich und 3862 aus Rumänien. Der am 15. Juli verstorbene langjährige Präsident der Rodef Scholern Gemeinde in Philadelphia, Benjamin Teller, hat dieser Gemeinde 50 000 Dollars zum Bau einer Schule vermacht. — Die Zahl der Juden in Südafrika wird geschätzt auf 49 000 (davon in der Kapkolonie 20 000 und in Transvaal 25 000). Vor einigen Jahrzehnten hatte Südafrika noch fast keinen Juden.

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