Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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BUÄMurürtg Mit bstt beMKm VuApsergesellschLftw Fürsorge ge-- trWUW&tbeii; faftafHie nicht mehr nach der Gvenze zurückgehracht werDen, svndebN die Reise fattfetzen können. Das System der Preußischen Kontrollstationen wurde einer eingehenden Kritik unterzogen. Wenn auch über viele Mißstände, die dem ganzen System anhafteü, lebhaft geklagt wurde, so wurde doch auch anerkannt, daß die deutschen Schiffahrtsgesellschaften, die Hamburg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd, in loyaler Weise bemüht sind, die bestehenden Härten zu mildern, und es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß die Schiffahrtsgesellschaften dem „Hilfsverein" und seinen Grenzkomitees auch weiterhin bei der Erfüllung berechtigter Wünsche entgegenkommen werden. Kolbrrg, 6. Februar. Das jüdische Kurhospital, dem auch viele Gemeinden in unserer Provinz Beiträge zukommen lassen, besteht nunmehr seit 31 Jahren. Die Reineinnahmen betrugen im Berichtsjahre 39 901,26 Mark, 7 445,81 Mark weniger als im Vorjahre. Den Einnahmen gegenüber stehen Ausgaben in Höhe von 3 636,31 Mark, so daß zur Unterhaltung der Anstalt 3 360,75 M. mehr verausgabt wurden als vereinnahmt waren. Im ablaufenden Berichtsjahre haben 1122 Personen die Aufnahme in der Anstalt nachgesucht. Nach sorgfältiger Prüfung wurde 487 Personen die Ausnahme genehmigt, der Rest mußte notgedrungen abgewiesen werden. Aber nur 419 Personen haben die ihnen zugebilligte Wohltat angenommen, während 68 Personen davon keinen Gebrauch machten. In Freistellen waren 286 Personen ausgenommen, während 133 Personen einen geringeren oder größeren Teil der Selbstkosten als. Verpflegungsentschädigung zahlten. Von den Pfleglingen waren 49 aus der Provinz Posen. Dem Geschlechts nach waren 181 männlich und 238 weiblich, dem Alter nach 204 erwachsene Pfleglinge und 215 Kinder. Der pädagogische Führer der letzteren war Lehrer Wolff aus Posen. Der Anstaltsbetrieb wurde am 25. Mai begonnen und am 29. September eingestellt. il. Pasewalk, 4. Februar. Unser Rabbiner Dr. Finkel, dem es nach vielen Kämpfen gelungen, das vorpommersche Bezirksrabbinat zu gründen und es trotz vielfacher Widerwärtigkeiten aufrecht zu erhaltenhat jetzt zwei neue Erfolge zu verzeichnen. Der eine auf dem Gebiete der Militärseelsorge, der andere auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes. — Anläßlich des Geburtstages des Kaisers zeigte in einer Eingabe Dr. Finkel dem hiesigen Regimentskommando an, daß an diesem Tage ein Festgottesdienst stattfinden würde und bat, die Soldaten jüdischen Glaubens dahin zu entsenden. Bei dieser Gelegenheit brachte Dr. Finkel auch in Anregung, daß das Regimentskommando darauf halten möchte, daß Soldaten jüdischen Glaubens, soweit der Dienst es zuläßt, vierwöchentlich einmal die Synagoge besuchen sollten. Auf diese Eingabe erhielt derselbe von dem Regimentskommando die Antwort, daß von jetzt ab die jüdischen Mannschaften, soweit es der Dienst zuläßt, jeden vierten Sonnabend (beginnend am 27. d. M.) zum Gottesdienst in die Synagoge entsandt werden, und zwar am Sonnabend, den 27. d. M., um 9,30 Uhr vormittags. Der zweite Erfolg war aus dem Gebiete des Religionsunterrichtes. Die jüdischen Kinder haben bisher in den ersten Schuljahren am christlichen .Religionsunterrichte teilgenommen. Dr. Finkel bekämpste seit lattge diese Unsitte; da ihm jedoch von seiten einiger Eltern nicht das genügende Verständnis entgegengebracht wurde, trat er selbst mit dem Leiter der Schule in Verhandlung, der diese pädagogischen Bedenken teilte und sich mit dem Schulinspektor in Verbindung setzte. Bald daraus wurde den jüdischen Kindern durch die Klassenlehrer mitgeteilt, daß sie vom christlichen Religionsunterricht fortzubleiben hätten. i. Posen, 5. Februar. Am 28. v. M. ist hier der emeritierte Kantor, HerrA. W. Fink elfte in, nach langem Leiden, 76 Jahre alt, sanft ins Jenseits hinüber geschlummert. Der Verstorbene hat über 30 Jahre in der neuen und später in der alten Betschule das Amt deS Vorbeters versehen und hat mit seiner wundervollen Stimme, die er in allen Vortragsnüancen meisterlich beherrschte, und durch seine wahrhaste Frömmigkeit, die jedem der Gesänge das richtige Gepräge gab, alt und jung entzückt und erbaut. Ein Schüler von Sulzer und Weintraub, hatte er sich nicht nur die gründlichste Kenntnis der alten traditionellen Melodien, sondern auch ein allgemeines musikalisches Wissen und Können erworben, das ihn in den Stand setzte,, seinen musikalischen Darbietungen den Stempel echter Künftlevschast aufznvrücken. Besonders unterstützt wurde seine kantorale Wirksamkeit durch das reiche talmudische Wissen, das er bis an das Ende seines Lebens mit unermüdlichem Eifer zu vertiefen bestrebt war. Mit dem Dahingeschiedenen ist ein Mann voll echter, wahrer Frömmigkeit aus dem Leben gegangen, der den: Kantorenstand zur Zierde gereichte, seine Schüler werden feine Lehren weiter verpflanzen. Seine Tochter ist die rühmlichst bekannte ehemalige Hofopernsängerin Jettka Finkenstein. Der Heimgegangene erfreute sich auch als Mensch allgemeiner Sympathien durch die Güte seines Wesens und die Wahrhaftigkeit seines Charakters. Ehre seinem Andenken! llp Ans der Provinz Posen, im Januar In Obornik ist neulich der Opferkasten erbrochen und seines Inhaltes beraubt worden; die Täter sind noch nicht ermittelt. — Rabbiner Dr. Heppner in Koschmin ist in gleicher Eigenschaft nach Jarotschin berufen worden. — Der in Newyork lebende Kaufmann Hermann L ihn er hat seiner Heimatgemeinde Obersitzko 1000 Mark zur Erneuerung der dortigen israelitischen Friedhofsmauer als Spende übersandt. — Eine Wohltätigkeitsvorstellung des israelitischen Frauenvereins in Gnesen hat einen Ertrag von 1000 Mark ergeben. — Das langjährige Mitglied des Magistrats und Stadtverordnetenkollegiums in Grabow, Herr Hotelbesitzer Jakubowih, ist plötzlich am Herzschlag gestorben. — Mitte Januar sind in Lauenburg auf dem jüdischen Friedhofe von frevelhafter Seite mehrere Grabsteine zertrümmert und Denkmäler umgerissen worden. — Der Neubau der Synagoge in Posen ist auf rund eine halbe Million Mark veranschlagt. — Zum Vorsitzenden des israelitischen Krankenpflegennd Kirchenbestattungsvereins in Kempen ist Herr Saft daselbst neugewählt worden. — In Schroda fand am 18. d. M. die Wieder- resp. die Neuwahl des Vorstandskollegiums der jüdischen Gemeinde statt. Wiedergewählt ist Herr Kaufmann Barnch zum ersten Vorsteher, neugewählt sind die Herren Buchdruckereibesitzer Jacob Bernstein zum zweiten und Kaufmann Samuel Bernstein zum dritten Vorsteher. CfÖ Glogan, 1. Februar. Auf Antrag des Stadtverordneten- Vorftehers Justizrat Friedmann und Genossen hatte die hiesige Stadtverordneten-Versammlnng den Magistrat ersucht, im Verein mit ihr beim Landtag eine Petition wegen Abänderung des Gesetzentwurfs betr. die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, insoweit es sich um die Verwaltung der Schulangelegenheiten handelt, einzureichen. In der demgemäß von den hiesigen städtischen Behörden jetzt abgesandten Petition ist folgender Passus bezüglich der Rabbiner enthalten, der wert ist, in dresem Blatte wiedergegeben zu werden: ,-Nach § 28 Absatz 5 soll der nach Nr. l; in die Schuldepntation eintretende Rabbiner der Bestätigung der Schulaufsichtsbehörde bedürfen, während die nach Nr 5 in die Schuldeputation tretenden Geistlichen der evangelischen Landeskirche und der katholischen Kirche einer solchen Bestätigung nicht bedürfen. Diese verschiedene Behandlung der Geistlichen der verschiedenen Glaubensgenossenschasten können wir nicht billigen. Wir halten sie nicht für begründet; denn die Rabbiner der preußischen Synagogen- Gemeinden haben gleich den Geistlichen der anderen Konfessionen die erforderliche gymnasiale und akademische Vorbildung. Sie haben deshalb an sich dieselbe Befähigung in Schulsachen, wie die Geistlichen der anderen Konfessionen. Es kommt hinzu, daß nach 8 52 des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 13. Juli 1847 kein Rabbiner eher in sein Amt eingewiesen werden darf, als bis die Regierung sich über seine Annahme erklärt hat. Das Erfordernis der Bestätigung für den Rabbiner ist daher abzulehnen". i. Hannover, 4. Februar. Der Bericht über die Tätigkeit des Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Juden in der Provinz Hannover für die Jahre 1902 bis 1905 ist ein lehrreiches Aktenstück. In der abgelaufenen Periode ist die Zahl der Mitglieder von 317 auf 301 gesunken. Auch diesmal ist die Tätigkeit des Vereins im wesentlichen die gleiche geblieben, wie sie in den früheren Jahresberichten geschildert ist. Leider sind auch die Klagen, welche in dem letzten Bericht ausführlich geschildert wurden, im verstärkten Maße hervorgetreten. Der Vorstand hat sich bemüht, den veränderten Zeitläufen Rechnung zu tragen und dementsprechend die Bewilligungen und Zuschüsse erhöht. Während