Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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70. Jahrgang, io. ’ Mkiw. 97 pskmar ItzOS. Vellsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrespondm-m und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 4. Februar. Die heutige Sitzung der Repräsentanten-Versammlung, der eine stattliche Tagesordnung von 20 Punkten zur Beschlußfassung vorlag, wurde durch eine feierliche Ansprache des Vorsitzenden LouisSachs an Herrn Moritz Manheimer, zu dessen 25jährigem Amtsjubiläum als Repräsentant der hiesigen Gemeinde, eingeleitet. Der Vorsitzende wies daraus hin, daß ein Mann wie der Jubilar, der neben geistiger und körperlicher Rüstigkeit jugendliche Arbeitsfreudigkeit besitzt und der außerdem noch die Naturanlage hat, seinen Mitmenschen in Not und Drangsal beizustehen, zweifellos in der Lage sein wird, viel und oft Jubiläen nicht nur in seinem Kreise, sondern auch im Kreise derjenigen zu feiern, die gemeinsam mit ihm sich betätigt haben. Er erinnerte an die unter ehrender Teilnahme weitester Kreise gefeierten Familienfeste, des 70. Geburtstages des Jubilars, der goldenen Hochzeit, und machte auf den in wenigen Monaten Zu begehenden^. Geburtstag des Jubilars aufmerksam. Der heutige Tag" gelte jedoch dem Amtsjubiläum, und da gebühre dem Gefeierten der herzlichste Dank für alles das, was er im Dienste der Gemeinde geleistet habe, vor allem' für seine bisherigeelfjährigeTätigkeitals Vorsitzender des Finanzausschusses. Wenn die Verwaltung dem praktischen Sinne und dem weitreichenden Blick des Jubilars gefolgt wäre, besonders bezüglich der frühzeitigen Versorgung der Gemeinde mit Grundstücken, so wären sicher große Vorteile für die Verwaltung hierdurch erreicht worden. ^Herzlichster Dank gebühre vor allem auch denr Jubilar für die warme'Fürsorge, die er im Verein mit seiner Gattin für die Begründung und Erhaltung der Anstalten für alte, kranke und sieche Glaubens-- genossen entwickelt und wodurch er sich Denkmäler, dauernder als Erz und Stein, gesetzt habe. Der Redner dankte dem Jubilar für die Treue, die er gegen sich selbst, dem Glauben seiner Väter und der Gemeinde bewahrt, und schloß mit dem Wunsche, daß er ein Vorbild für die Heranwachsende Jugend betreffs des religiösen Sinnes und der liebenden Fürsorge für die Mitmenschen werden möge, daß die Jugend an ihm erkennen möge, was sie leisten könne, wenn sie das Bestreben habe, solchen Vorbildern nachzueifern. In herzlichen Worten dankte der Gefeierte, dessen Platz das Repräsentantenkollegium mit einer geschmackvollen Guirlande hatte bekränzen lassen, für die an ihn gerichteten ehrenden Worte. Er schilderte sich selbst als einen Mann, der, ohne nach rechts oder links zu schauen, unentwegt seine Meinung gesagt habe, dem >s speziell aus dem Gebiete der Wohltätigkeit, wie er dankbar anerkennen müsse, an Liebe und Wohlwollen und vielen heiteren Sonnenblicken niemals gefehlt habe. Unter lebhaftem Widerspruch bedauert er, daß nunmehr das Alter seine Ansprüche bei ihm geltend mache und daß er seine Tätigkeit demnächst wohl anderen überlassen müsse, jüngeren Personen.^die frische Kräfte dem Organismus der Gemeindeverwaltung zuzuführen imstande seien. — Dann trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Der Gemeindevorstand hat die Mitteilung über seine erfolgte Konstituierung zugehen lassen, und zwar ist Herr Julius Jaco bh zum ersten Vorsitzenden, Justizrat Lachmann zum ersten und Herr Carl Leopold Netter zum zweiten Stellvertreter gewählt worden. Herrn Oliven ist provisorisch die Leitung der Subventions-Kommission übertragen worden. Der Gemeindevorstand ist auch dem Beschlüsse der Repräsentanten beigetreten, der Kommission für die Friedshofsverwaltung für die Uebernahme des Gärtnereibetriebes 100 000 Mark zur Verfügung zu stellen. — Es folgen alsdann einige Rechnungsabschlüsse pro 1904/05. Der Abschluß der alten Synagoge ergibt einen Minderverbrauch von 2203,35 Mark. Die Einnahmen belaufen sich einschließlich des Gemeindezuschusses von!p 436,50 Mark aus 31 961,37 Mark, die Ausgaben auf 29 758,02 Mark. Me neue Synagoge hatte ebenfalls einen Minderverbrauch von 5355,22 Mark. Die Einnahmen betragen 54 264,10 Mark (Gemeindezuschuß 52 794 Mark), die Ausgaben 47 438,78 Mark. Ein Minderverbrauch von 2798,65 Mark ergibt sich auch für die Synagoge Lindenstraße. Hier beziffern sich die^Einnahmen auf 41 054,64 Mark (Gemeindezuschuß 39 740 Mark), die Ausgaben auf 38 255,99 Mark^ Dagegen ist für die" Synagoge Rhkestraße ein Mehrverbrauch von 8155,89 Mark entstanden. Für das erste Jahr des Bestehens dieser Synagoge konnte noch kein Spezialetat aufgestellt werden, und es ist deshalb ein Pauschalbetrag von 20 000 Mark zur Verfügung gestellt worden. Um den^bereits genannten Betrag mußte der Etat überschritten werden, da die Gesamteinnahmen sich nur ans 20 260,43Mark beliefen. Die Kommission hat beschlossen, den jährlichen Zuschuß der Gemeinde auf 41 456 Mark für die beiden nächsten Jahre der laufenden Etatsperiode festzusetzen. Die beantragte Entlastung wurde für die vorstehenden Rechnungsabschlüsse erteilt. — Die Beiträge zum Pensions- und Unterstützungsfonds der Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches wurden, wie alljährlich, erlaffen. Dr. Cohn bittet, dem unhaltbaren Zustande, daß nunmehr seit 13 Jahren diese Zahlungen erlassen werden, ein Ende zu machen und die Bestimmung, welche diese Beiträge fordert, ' fällen zu ' taffen. Gemeindesyndikus Justizrat Lilienthal sagt zu, diese Anregung bei der bereits in Angriff genommenen Revision der Statuten der Koscherfleischkommisfion in Erwägung^ zu ziehen. Prof. Blaschke macht den beachtenswerten Vorschlag, die Kosten für die Aufsicht des Rabbinats zu erlassen^ um dadurch eine Herabminderung der Preise für das Koscherfleisch herbeizuführen. Herr Weinberg unterstützt diese Anregung, um allen Koscherfleischhändlern die Möglichkeit zu geben, sich unter Aufsicht des Rabbinats zu stellen. Herr Bodenstein bittet dringend, die Beiträge zum Pensionsfonds auch fernerhin zu erlassen, da die Mehrzahl der Schlächter zur Tragung dieser Verpflichtung unmöglich imstande sei. — Dem Verein Malbuch arumim, der den Zweck verfolgt, bedürftige Personen der hiesigen jüdischen Gemeinde mit Kleidung zu versehen, wird debattelos ein einmaliger Zuschuß von 500 Mark gewährt. Vom 1. April bis Mitte Dezember sind 265 Personen unterstützt worden, doch harren noch hunderte von dringlichen Gesuchen ihrer Erledigung. — Dem Lehrer an der Knabenschule, Herrn Max Schwarz, wird die beantragte Beschäftigung an der IV. Religionsschule mit wöchentlich 4 Stunden genehmigt. Gleichzeitig wird beschlossen, die Anciennität des Herrn Schwarz als Religionslehrer vom 1. Oktober 1901 zu datieren. — In die Waisenkommission, deren Mitgliederzahl mit Rücksicht auf den Umfang ihrer Geschäfte um ein weiteres Mitglied vermehrt werden soll, wird Dr. Ä. Strelitz, der Direktor der Baruch-Auerbach'schen Erziehungsanstalten, für die Dauer von 3 Jahren gewählt. — Seitens des Gemeindevorstandes find weitere 6000 Mark als Teuerungszulage an 57 verheiratete und 6 ledige Beamte bewilligt worden. Herr Dr. Cohn, dessen nachdrücklicher Forderung diese erweiterte Vorlage zu danken ist, begrüßt die Vorlage mit großer Freude als soziale Wohltat und weist darauf hin, daß die Liste der berücksichtigten Personen' den allerweitesten Ansprüchen genüge und alle Beamtenkategorien nunmehr bedacht worden seien, wofür dem Gemeindevorstand lebhafter Dank gebühre. Geheimrat Blumenthal, der mit Rücksicht auf diese Vorlage einen diesbezüglichen eigenen Antrag zurückzieht, beklagt es als einen Mangel, daß die ledigen Beamten, denen meist die Sorge für Mitglieder ihrer Familie obliegt, nur die Hälfte der den verheirateten Beamten bewilligten Teuerungszulage gewährt worden fei und bittet um nachträgliche Bewilligung der in diesem Falle notwendigen Summe von 300 Mark. Die Versammlung genehmigt die Vorlage des Vorstandes. Professor Blaschke erinnert bei dieser Position an die baldige Einbringung einer Vorlage über die Pensions- und Reliktenversorgung der Gemeindebeamten. — Die hervorragenden Verdienste, die der verstorbene Gemeindeälteste Herr Martin Simon sich um die Gemeinde erworben, haben beim Vorstand