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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-02-09 · Heft 6 (9.2.1906) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 6 (9.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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72 wie zu einem Fest. Freilich, manche litten bis dahin noch kein Gewehr in der Hand gehalten,-/aiwtzre mußten erst das Schießen erlernen, aber sterben konnten sie alle, sowie nur unsere /Jugend sterben kann. ^Dieses Häufchen ungeübter Jünglinge hielt eine ganze Horde auf, zwang sie, all' ihre Kräfte aNzuspannen, dieses Häufchen warf ganze reguläre Bataillone über den Haufen, nahm Schanzen ein. Der Tod des Studenten Jaroschenko oder der des Lehrers Goldstein, der mit einer Zigarrette im Mund und den Revolver in der Hand noch immer eine Schanze verteidigte, als ihre ganze Mannschaft und Bedeckung schon gefallen war, bewiesen damals deutlich, was diese Jünglinge konnten und wie fle.es. konnten. David Gurweiß war unter denen, die sich direkt von der Universität auf den Kriegsschauplatz begaben und sich dem General Tschernajew zur Verfügung stellten.^Drei Gründe bewogen ihn dazu: Seine Sympathie für das kleine Völkchen, das so tapfer den Kampf mit dem stärkeren Feinde aufnahm, sein kameradschaftliches Gefühl, unter den Freiwilligen befanden sich seine besten Freunde, und schließlich die Ueberzeugung, daß er als Arzt grade da notwendig sei, wo es am meisten Kranke und Verwundete gäbe. „Das rote Kreuz" nahm ihn in eine seiner sanitären Abteilungen auf und stattete ihn sofort mit einem chirurgischen Apparatenkasten aus, besten Anblick allein schon Gurweiß in ein unbeschreibliches Entzücken versetzte. „Nein, seht doch nur einmal her", schrie er'begeistert, und packte seine Scheren, Lanzetten, Pinzetten und alle möglichen anderen Instrumente aus, bei deren Anblick es einem gewöhnlichen Menschen schon kalt über den^Rücken laufen konnte. — „Seht Euch doch diese Ausstattung an, diese Arbeit", er schnalzte mit der Zunge vor Vergnügen. (Fortsetzung folgt.) Lrr brttrlndr jüdilchr Fremdling. " Von Max Mayer, Lechenich. oher kamst Du? Wohin gehst Du? Mir scheint: Du willst es selber gar nicht misten, Denn Tages-Rast Und Heimat-Ruh^ Die wollen doch In all' den Kümmernissen Dir nirgendwo erblühen- So schleppst Du Dich Mit Last und Mühen, Verhärmt und gramverdorrt, ZuLSchimpf und Schand Von Ort^zu Ort, Von Land zu Land-- Und doch: Dein Weh ist auch das meine! Ich trag's im tiefen Schreine Meines ^Herzens scheu verborgen — Du aber trägst es nackt Von Haus zu^Haus Und hältst es bettelnd In die Welt hinaus, Damit in anderer Glückesfreude Wehschimmernd seine ew'ge Träne falle- Fremdlinge find nur alle! ') Ans dem demnächst erscheinenden Versbuche:. „In der Stille". Litrrsrikchr Mittritungra. — August Becker: Des Rabbi Vermächtnis. Neue billige Volksausgabe. Kaiserslautern 1905. Eugen Crusius. Das war ein guter Gedanke des Verlegers, diesen ausgezeichneten Roman noch einmal herauszugeben. Wer kennt heute noch August Becker? — Und doch war er vor kaum einem Vierteljahrhundert einer der besten deutschen Dichter und 'Romanschriftsteller. vorliegende Roman hat 1867, als er zum erstenmal erschien, großes Aussehen erregt. Mit Recht! Denn noch heute kann man ihn lesen, was man nicht von vielen Romanen aus jener Zeit sagen kann. Und - noch heute hat er dieselben Vorzüge, die man ihm damals nachrühmen durftej: Das spannende Interesse, die künstlerische Durchführung, die glänzende Charakteristik. Ja, in gewissem Sinne ist der Roman heute erst recht aktuell. Als die zweite Auflage erschien, schrieb Fritz Mauthner darüber: „Es berührt mie eine Idylle, daß der Dichter ganz unbefangen einen engelgteicheu alten Handelsjuden zum idealen geheimen Agenten der unglaublich verwickelten Handlung macht." Da wir heute noch mehr als damals von solcher Idylle entfernt sind, so kann man, obwohl Becker durchaus keinen Tendenzroman schreiben wollte, doch wohl sagen, daß das Werk — unbeschadet seiner künstlerischen Bedeutung — doch eine sehr gute Tendenz verfolge. Und schon aus diesem Grunde darf man ihn: den besten Erfolg für seine Wanderung im neuen Gewände herzlich wünschen. Wir haben nicht allzuviel Romane dieses Genres, denen man einen solchen Wunsch mit ans' den Weg geben kann. 8. .»SM, Sprechsasl. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^n Ihrem geschätzten Blatte vom 26. Januar sagt Herr Hauptkantor A. Friedmann in dem Artikel zum 160. Geburtstage A. I. Lichtensteins u. a. Folgendes: „In diesem Sinne wollte auch die Berliner Gemeinde mit Hilfe von Sachs einen zeitgemäßen Gottesdienst schaffen. Allein gegen die geplante Neuerung erhoben die Rabbinatsassessoren Oettinger und Rosenstein Widerspruch." Was den Rabbinatsasseffor Rosenstein anbetrifft, so erlaube ich mir zu bemerken, daß derselbe den damals zeitgemäßen Gottesdienst regelmäßig besucht und niemals eine Predigt von Dr. Michael Sachs versäumt hak Mir gegenüber hat er wiederholt seine Freude über den schönen Chorgesang in der alten Synagoge geäußert. Berlin, 29. Januar 1906. Ergebenst E d u a r d R o s e rrst e i n. K Geehrter Herr Redakteur! Liberias treibt ein junger Mann,' namens Jakob Israel Perez, J als Fälscher schrecklichster Art sein Unwesen, indem er nicht allein Tausende von Bettelbriefen unter verschiedenen fingierten Namen in die Welt hinausfliegen läßt, sondern auch aus eigener Machtvollkommenheit bald zum Oberrabbiner von Liberias, bald zum Rektor einer dortigen Hochschule sich ernennt. In neuester Zeit hat er, wie der ehrwürdige Rabbiner zu Liberias mir mitteilt, die zahlreichen handschriftlichen und gedruckten Arbeiten des. Rabbiner Dav. Schiffmann insofern sich zu eigen gemacht, als er alle versaßt zu haben behauptet. Unter diesen Arbeiten befindet sich eine größere Abhandlung über meinen Toßefta-Kommentar 'jT'jn LU Sera'im. Der Chacham Baschi Aron Elhadef stellt nun das Ersuchen an mich, auch meinerseits den Fälscher zu brandmarken. Ich entspreche diesem Ersuchen, indem ich erkläre, die genannte Abhandlung von ihrem Autor, Herrn Rabbiner Schiffmann, im Sommer 1891 in Karlsruhe erhalten zu haben. Seitdem sind fast 15 Jahre dahingegangen; der 18 jährige Jakob Jsraeel Perez hätte sie demnach in seinem dritten Lebens-, jahre versaßt. Vor diesem Mann sei hiermit jedermann gewarnt! Wien, den 4. Februar 1906. Hochachtungsvoll Professor Dr. Schwarz. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. V erantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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