Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-02-02 · Heft 5 (2.2.1906) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228690-3228696--62369-3289504
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

3 modellierte Portratbüfte der Frau Minister Stuht zur Ausstellung. Die vorzüglich gelungene Büste fand den lebhaftesten, uneingeschränktesten Beifall des Kultusministers sowie seiner Gattin, und gibt, ebenso wie die gleichzeitig bei Schulte ausgestellte Portraitstatuette eines sitzenden Waidmannes, eine glänzende Probe von Pleßners hervorragendem Talente. Von demselben Künstler sind momentan im Künstlerhause, Bellevuestraße 3 (Salon Rabl), drei Bronzerr ausgestellt, und zwar: eine kleine Gruppe von entzückender Lebenswahrheit und herzerfreuendem Humor „Italienische Bettlerinnen", ein Relief- „Auf dem Felde", pflügende Bauern darstellend, sowie die kleine, drollige Statuette eines sich verwundert im Spiegel betrachtenden Affen, „Das zweite Gesicht" betitelt. i. Potsdam, 25. Januar. Am 23. d. ist hier der Geheime Sanitätsrat Dr. Zielenziger, eines der ältesten Mitglieder unserer Gemeinde, gestorben. 1820 in Arneburg in der Provinz Sachsen geboren, kam Bernhard Zielenziger als Kind nach Potsdam. Dort vorgebildet, bezog er 1842 als Student der Medizin die Universität Berlin. Er verblieb hier während seiner ganzen Studienzeit. Zu Lehrern hatte er Johannes Müller, Schlemm, Schönlein, Barez, Dieffenbach, Busch, Hecker, Mitscherlich. 1846 promovierte er mit einer Studie zur Frauenheilkunde in Berlin zum Doktor. Nachdem er im Jahre daraus die ärztliche Staatsprüfung abgelegt hatte, ließ er sich in Potsdam als Arzt nieder. Er gelangte hier im Laufe der Jahre zu einer ausgedehnten Praxis. Seine Berufstreue und seine Geschicklichkeit als Arzt trugen ihm vielfache Anerkennung ein, u. a. auch von Seiten des Kaisers und der Kaiserin Friedrich. Während der Feldzüge von 1864, 1866 und 1870/71 war Zielenziger in den Potsdamer Reservelazaretten als leitender Arzt tätig. Lebhaften Anteil nahm Zielenziger an allen geistigen und künstlerischen und den Wohlfahrtsbestrebungen in seiner zweiten Heimat. Viele Jahre hindurch war nur in engerem Kreise bekannt, welch großes dichterisches Talent Zielenziger in sich barg. Erst in den neunziger Jahren trat er mit seinen poetischen Hervorbringungen, Liedern, Gedichten, Parabeln, Sprüchen, Aphorismen an die Oeffentlichkeit. Er hatte die Freude, auch als Dichter viel Anerkennung zu finden. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" brachte erst vor wenigen Monaten eine ausführliche Analyse und Proben seines dichterischen Schaffens. Woldenbevg, Nur, 24. Januar. Am 9. d. Mts. sollte in unserer Gemeinde die dritte Tochter eines Mitgliedes, des Herrn Samuel Jüdel, ihr Hochzeitsfest begehen. Schon rüstete man sich im Hause, das sogenannte „Bedecken" vorzunehmen — denn alle Vorkehrungen zur Hochzeit waren bereits getroffen, und auch die standesamtliche Trauung hatte selbstverständlich stattgefunden — da wurde diese allgemeine Freude plötzlich furchtbar unterbrochen: der grausame, unerbittliche Tod raffte den Vater, an dessen Gesundheit schon lange ein Uebel (Herzfehler) nagte, vor aller Blicken hinweg. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. An die Stelle der gehofften Festesfeier trat mit einem Male. Trauer und Wehmut. Der in der Synagoge sich inzwischen angesammelten Menge konnte nur noch der Bescheid werden, daß infolge des unerwartet eingetretenen Todes des Vaters der Braut von einer Trauung daselbst Abstand genommen werden müsse und daß dieselbe unter den obwaltenden Verhältnissen bereits im Hause in verkürzter Form vollzogen worden sei. So ist denn für die Tochter und ihren ihr in banger, schwerer Stunde angetrauten Gatten der Hochzeitstag ein trauriger Gedenktag geworden fürs ganze Leben. Die Beerdigung fand am 11. d. M. unter zahlreicher Beteiligung statt. Da der im 63. Lebensjahre Verstorbene sich auch an den Feldzügen von 1866 und 1870/71 beteiligte und Inhaber der betr. Kriegsdenkmünzen war, so gab auch der Veteranenverein, dem der Heimgegangene seit dem Bestehen desselben angehörte, ihm das letzte Geleit und feuerte drei Salven über das Grab ab. Der hier bereits seit Oktober 1902 wirkende Prediger und Kantor Pionkowski gab den Gefühlen der Gemeinde beredten Ausdruck. Leider werden die Kräfte dieser nicht großen, aber sonst achtbaren Gemeinde teils durch Wegzug hochbesteuerter Mitglieder, teils durch Sterbesälle immer schwächer. Stiwgard i. P.> 22. Januar. Am 6. d. M. fand hier in der Synagoge eine sehr würdige Gedächtnisfeier für unseren früheren Rabbiner Dr. Wolfsohn statt. Rabbiner Dr. Silberstein schilderte in warmempfundener Rede das Leben und Wirken des Entschlafenen, welcher 25 Jahre lang nicht nur ein Seelsorger und Lehrer, sondern auch ein treuer Freund eines jeden Mitgliedes der Gemeinde war. Nachdem Kantor Lippmättn die üblichen Gebete und der Synagogenchor einige der Feier entsprechende Gesänge vorgetragen, fand die eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. — Gvätz, 28. Januar. Aus Anlaß der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares errichtet der Verleger des „Berliner Tageblattes", Herr Rudolf Mosse, in seiner Vaterstadt eine Stiftung im Betrage von 150000 Mark. Ein Teil dieser Stiftung soll zu Erweiterungen und Aenderungen des Dr. M. Mosse-KrankenHauses verwendet werden, damit diese Anstalt, die Herr Mosse zum Andenken an seinen Vater in Grätz gegründet hat, ihren wohltätigen Aufgaben noch besser als bisher gerecht werden kann. Der Hauptbetrag der Stiftung soll zur Errichtung eines Heims für bedürftige alte und gebrechliche Personen beiderlei Geschlechts und ohne Unterschied der Konfession dienen. Das Heim wird etwa 24 Personen Aufnahme bieten, die darin außer Wohnung, Beheizung, Beleuchtung und Pflege, je nach dem Grade ihrer Bedürftigkeit und nach Maßgabe der verfügbaren Mittel, auch volle oder teilweise Beköstigung erhalten können. n. Breslau, 28. Januar. Soeben erscheint der Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau. Das Seminar zählte im letzten Studienjahre 34 Hörer. Neu eingetreten sind sechs Hörer. Fünf ehemalige Schüler wurden in neue Stellen berufen. Dem Bericht voran geht eine gediegene wissenschaftliche Arbeit des Herrn Dozenten Dr. Horovitz: „Die Psychologie bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters, von Saadia bis Maimuni", Heft 3: „Die Psychologie der jüdischen Neuplatoniker", R. Josef Jbn Saddik. — Heute fand die Gedächtnisfeier für den verstorbenen Stifter in üblicher Weise statt. Nach einem einleitenden Psalm hielt Herr Dozent Dr. Braun, zurzeit Vorsitzender des Lehrerkollegiums, einen Vortrag über die „Geschichte der Monatsschrift", die in diesem Jahre in ihren 50. Jahrgang tritt. Der Redner entwarf ein Bild ihres Entstehens und dessen, was sie in den fünfzig Jahren ihres Bestehens für die , jüdische Wissenschaft geleistet hat. Daran schloß sich die feierliche Entlastung zweier Kandidaten, der Herren Dr. Wilde, Religionslehrerin Breslau, und Dr. Levy, Rabbiner in Brünn. Herr Semmarrabbiner Prof. Dr. Levy überreichte ihnen die Rabbinatsdiplome, worauf Herr Dr. Levy kurze, herzliche Abschiedsworte an Lehrer und Kollegen richtete. Mit dem Kaisergebet und einem Schlußpsalm war die erhebende Feier zu Ende. — Am 23. d. M. fand eine Sitzung der Repräsentanten - versammlung statt. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war die Ersatzwahl in den Vorstand der Gemeinde für den durch den Tod ausgeschiedenen Herrn Prof. Dr. Caro und den durch Krankheit ausgeschiedenen Herrn Justizrat Dr. Samuelsohn. Gewählt wurden Herr Louis Löwenthal und Herr Carl Leipziger. Zum stellvertretenden Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung wurde an Stelle des verstorbenen Bankdirektors Lyon Herr Justizrat Ollendorf gewählt. a. Essen, 23. Januar. Der Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens hat in seiner Generalversammlung hiernach einem Referate des-Herrn Lehrers Nansen berg- Neuwied folgende Resolution einstimmig angenommen: 1. Der Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens beklagt, daß der Entwurf eines Gesetzes betr. die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, entgegen den Bestimmungen der Verfassung und des Gesetzes vom 3. Juli 1869, der jüdischen Volksschule und den jüdischen Lehrern die Rechtsgrundlage versagt, die Errichtung und den Fortbestand der jüdischen Schule dem Ern,essen der Schulverbände und den Bezirksregierungen überläßt und den jüdischen Kindern diejenige Fürsorge für den Religionsunterricht nicht angedeihen läßt, die den evangelischen und katholischen Kindern gewährt wird. 2. Aus nationalen, religiösen und rechtlichen Gründen fordern wir, den § 24 des Entwurfs zu streichen und unter Aushebung der entgegenstehenden Bestimmungen des Gesetzes vom 23. Juli 1847 in allen^. bezüglichen Paragraphen die Worte „und jüdische" sinngemäß einzuschalten. W. Hechingeu, 26. Januar. Am 15. d. M. verschied nach schwerer Krankheit der erste Vorsitzende unserer Gemeinde, Herr- Fabrikant Julius Levy. Ein Trauergefolge, so imposant, wie man

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.