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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-02-02 · Heft 5 (2.2.1906) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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-- 4 w: VS?»r<<^p*-v'? hier es noch selten gesehen, gab beredtes Zeugnis von der Liebe und Verehrung,'.die ihm aus allen Teilen der Bevölkerung entgegengebracht wurde. Er hat sie aber auch durchseine vielseitige, gemeinnützige Tätigkeit als unermüdlicher ^Förderer unserer Schulen, als Mitglied der Stadtverwaltung und als Vorsitzender unserer Gemeinde, der er 40 Jahre lang seine treuen Dienste in allen Zweigen der Verwaltung widmete, in reichstem Maße verdient. Sein 70. Geburtstag, den er vor ^//Jahren beging, wurde zu einem Festtag für Stadt und Gemeinde, und von Sr. Majestät dem König von Preußen wurde ihm damals I der .Kronenorden IV. Klasse verliehen. Am meisten hat durch seinen Tod seine Familie verloren, der er seine hingebendste Liebe weihte und die mit tiefster Verehrung zu ihm emporblickte. Sein Name wird in der Geschichte unserer Gemeinde immer weiterleben; möge auch sein Geist des Friedens und der Versöhnlichkeit nimmer von ihr weichen. Gesterrelch-Angarn. A Wien, 29. Januar. Das Ergebnis der von der «Israelitischen Allianz" zu Wien zugunsten der Opfer der russischen Judenmassakers veranstalteten Sammlung beträgt bis heute zirka 820 000 Kr. Um für die fernere Unterbringung und Verpflegung der in der Nähe! der russischen Grenze angesammelten Flüchtlinge Vorkehrung zu treffen und mit den lokalen Komitees die Grundsätze der notwendigen Sichtung zu vereinbaren, haben zwei Delegierte des Vorstandes der „Israelitischen Allianz" während der verflossenen Woche Oderberg, Krakau, Lemberg und Czernowitz besucht. In Lemberg wurde zu diesem Zwecke auch eine Konferenz unter Beteiligung der Vertreter von Brody, Stanislau und Tarnopol abgehalten. Es werden derzeit für Rechnung der „Allianz" in Krakau 890, in Oderberg in einer besonders adaptierten Baracke 150, in Czernowitz über 500 Flüchtlinge erhalten, die nach Wiederkehr der Ruhe in Rußland zur Rückreise in die Heimat unterstützt werden sollen, da von den gesammelten Geldern, welche für das Hilfswerk in Rußland selbst kaum ausreichen, nach dem Beschlüsse sämtlicher großen Organisationen für Auswanderungszwecke nichts bewilligt werden kann. — Ein hübsches Witzwort mag in dieser trüben Zeit nicht unerwähnt bleiben. Es wird dem Reichsgerichtspräsidenten und früheren Minister Dr. Josef Unger anläßlich seines Jubiläums nachgesagt. Als in einer Gesellschaft ein Professor, der kurz vorher vom Judentum zum Christentum übergetreten war, judenfeindliche Bemerkungen machte, meinte Unger: „Ihr Antesemitismus war mir bekannt, Ihr Antisemitismus ist mir neu" . . — Herr Sigmund Schenk, Gerichtssekretär derzeit in Sternberg, wurde zum Landesgerichtsrate nach Neutitschein ernannt. Dr. S. Edelstein wurde zum Direktor der staatlichen Webeschule dieser Stadt gewählt. — In Budweis wurde als erster Rabbiner Dr. Thieberger-Komotau, als zweiter Rabbiner und Religionsprofessor für die Mittelschulen Dr. Krakauer gewählt. — Hier sind in dieser Woche Landgerichtsrat Dr. Markus Ts chiaßny , ein vielbeschäftigtes Mitglied des Appellsenats im Landesgerichte, im Alter von 56 Jahren, und Kommerzienrat Ludwig Zwieback, einer der angesehensten Kaufleute, im Alter von 61 Jahren, gestorben. — Die ungarische Orthodoxie hat nun ihr sehnlichst erwünschtes Ziel erreicht. Soeben wird das Organisationsstatut der Landesvertretung, des Zentralausschusses und der Zentralkanzlei der „ungarländischen autonomen orthodoxen israelitischen Konfession" publiziert. Die Landesvertretung besteht nunmehr: a) aus 100 Mitgliedern (60 weltlichen und 40 Rabbinen), zu wählen von den orthodoxen israelitischen Religionsgemeinden für die Dauer von sechs Jahren; b) aus einem 15 Mitglieder zählenden Zentralausschusse (10 weltlichen, 5 Rabbinen); c) dem Präsidenten der Zentralkanzlei, zugleich Präsident der. Laudesvertretung, und 6) dem Sekretär der Zentralkanzlei, der jedoch nicht stimmberechtigt ist. — Der auch in Deutschland bekannte Karlsbader Arzt, Sanitätsrat Dr. Emerich Hertzka, ist in Anerkennung seiner Verdienste um die medizinische Wissenschaft in den ungarischen Adelstand. erhoben worden. Hertzka hat außerdem wegen seiner Verdienste um die deutschen Beamtenvereine, deren Mitglieder er in Karlsbad seit fast einem Vierteljahrhundert unentgeltlich behandelt, den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. VM Sah und jferu. -----Professor Senator wurde zum Ehrenmitglied der Berliner Medizinischen Gesellschaft gewählt. — Der Freiwillige Erziehungsbeirat für schulentlassene Waisen hat anläßlich des zehnjährigen Stiftungsfestes Frau Geheimrat Liebermann und die Herren Amtsgerichtsrat Dr. Koehne und Privatdozent Dr. Neumann, sämtlich Begründer des Vereins, zu Ehrenmitgliedern ernannt. — Der persische Konsul Julius Wagner, Inhaber des Großhandlungshauses Wagner L Jacoby, ist zum Kommerzienrat ernannt worden. — Nach langem schweren Leiden ist der praktische Arzt Dr. Arthur Gottberg am 23. d. M. Hierim 40. Lebensjahre gestorben. Er war seit 1892 hier tätig. — Im Kyffhäuserverbänd sind jetzt 25 Vereine deutscher Studenten an den Universitäten und Hochschulen des Deutschen Reiches vereinigt. Diesen 25 antisemitischen Vereinen gehören in diesem Semester 445 Aktive nud 650 ändere studierende Angehörige an. Der stärkste Verein ist der an der Berliner Universität, der 91 Mitglieder zählt. Der nächststärkste ist der V. D. St. in Leipzig. — Ein jüdisches Blatt bringt einen langen Leitartikel über Professor Rieß er. Durch einen Blick in das Mitgliederverzeichnis der jüdischen Gemeinde Berlin hätte sich dasselbe den Artikel ersparen können. — In der öffentlichen Versammlung, welche am 21. d. M. in Stuttgart eine deutsch-englische Verständniskundgebung beschlossen, hat Kirchenrat Dr. Kroner eine zündende Rede gehalten, die allgemeinen und stürmischen Beifall fand. — Höherer Verordnung im Reichs lande zufolge ist daran festzuhalten, daß auch die jüdischen Schulen in der Gesamtheit 70 Tage Ferien erhalten. Wenn infolge der Feiertage, die verordnungsgemäß frei sein sollen, innerhalb eines Jahres weniger als 70 Ferientage sich ergeben, so soll die fehlende Zahl Tage in der Zeit um Weihnachten freigegeben werden. —■ Der bisherige Oberleutnant der Sanität Dr. Salomon Winter von Ober-Endingen ist zum Hauptmann, der bisherige Hauptmann der Feldpost, Jacob Wyler in Basel, zum Major befördert worden. — Der bisherige Vertreter der indogermanischen Sprachwissenschaft am College de France in Paris, Professor Michel Breat, tritt in den Ruhestand. Bröal, einer der wenigen lebenden Schüler Franz Bopps, des Begründers der indogermanischen Sprachwissenschaft, ist 1832 in Landau (Rheinbayern) geboren, in Frankreich aber erzogen worden. — Das Osfizierskreuz der Ehrenlegion erhielten Oberstleutnant Auscher, Oberst der Genietruppen in Brianson, und Fregattenkapitän Ter quem. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden ernannt Bataillonschef Löv y vom 140.Jnfanterieregiment,Alexandre, Kapitän im 27. Artillerieregiment, und Oberstabsarzt Keim vom 142. Infanterieregiment. Der Leutnant Samuel Meyer ist ins Kriegsministerium berufen worden. — Die Nachricht verschiedener jüdischer Blätter, daß durch Verfügung des Generalgouverneurs von Warschau das Weitererscheinen des hebräischen Tageblattes „Hazefirah" verboten worden sei, ist falsch. — Sechs anfangs Januar verhaftete Juden sind in der Zitadelle von Warschau durch Erschießen hingerichtet worden. — Während des Wasferweihfestes fanden in Kischinew uni? in ganz Bessarabien wieder antisemitische Exzesse statt. Viele jüdische Häuser wurden geplündert und uiedergebrannt. — Der Verein Kie wer Kaufleute hat für die jüdischen Kaufleute erster Gilde in Kiew die Erlaubnis erwirkt, in die zweite Gilde überzutreten. Auch dürfen die christlichen Kaufleute Juden als Gehilfen beschäftigen. Der Beschluß der Regierung ist um deswillen sehr wichtig, weil eine große Anzahl der jüdischen Kaufleute bei den Pogromen um sein Vermögen gekommen undeinen Handelsschein erster Stufe nicht mehr zu lösen imstande ist. — In Homel (Gouvernement Mohilew) hat abermals eine größere Judenhetze stattgefunden. Alle jüdischen Lüden wurden geplündert. Das Haus des Philantropen Solkind, der jährlich Tausende an Christen verteilte, wurde vollständig demoliert. — In den russischen Gouvernements, wo die Israeliten das Ansässigkeitsrecht genießen, ist die Zahl der Ortschaften auf dem flachen Lande, wo sie ungehindert Aufenthalt nehmen können um 133 vermehrt worden. — Der Stadthauptmann Neidhardt in Odessa, der Anstifter der Oktoberpogrome, soll nun doch dem Gericht übergeben werden. Der Senator Taurinski hat bereits einen diesj bezüglichen Antrag gestellt.

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