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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-01-26 · Heft 4 (26.1.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 4 (26.1.1906)
Date
1906-01-26
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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80 000 Mark, das zur Verteilung an hiesige würdige Arnie bestimmt war, bedurfte, wie der Oberpräsident dem Magistrat milgeteilt hat, der landesherrlichen Genehmigung nicht, da Schenkungen an juristische Personen davon ausgenommen sind, sofern sie zur Verteilung an einzelne physische Personen bestimmt sind. — Endlich ist auch die Dr. Felix Liebermann-Stiftung im Betrage von 100 000 Mark Dom Kaiser genehmigt worden. Aus derselben sollen hilfsbedürftigen und begabten Personen im Alter von 16 bis 30 Jahren bei der Begründung wirtschaftlicher Selbständigkeit Beihilfen schenkungsweise überwiesen werden. 8. Berlin, 16. Januar. Die erste Generalversammlung des Vereins „Jüdisches Kurhospital Salzbrunn" fand im Hotel „König von Portugal" statt. Der Vorsitzende des Vereins, Dr. med. Fritz Rothenberg, gab einen Ueberblick über die Entwicklung des Vereins im Vorjahre, die als erfreulich zu bezeichnen ist. Alsdann wurde dem Schatzmeister Decharge erteilt. (Kassenrevisoren siud die Herren Sanitätsrat Dr. Ewer und Konsul Wagner.) Leider war es nur möglich, einen kleinen Teil der einlaufenden Gesuche zu berücksichtigen, viele von angesehenen Persönlichkeiten empfohlene und durchaus bedürftige Kranke mußten Zurückgestellt werden. Aus diesem Grunde ergeht an alle Menschenfreunde die warme Bitte, einen Jahresbeitrag oder Spende gütigst zu senden an den Schatzmeister des Vereins, Herrn Paul Kosterlitz, Schönebergerstraße 25. 8. Berlin, 22. Januar. Die von der Berliner Zionistischen Vereinigung veranstaltete Makkabäer-Gedenkfeier, deren Reinertrag für unsere durch die russischen Massakers geschädigten Glaubensbrüder bestimmt ist, hatte heute abend ein sehr zahlreiches Publikum nach dem Neuen Königl. Opernhause, gelockt. Mit der von einem großen Orchester unter Leitung des Herzogl. Musikdirektors Willy Böhme ausgeführten Ouvertüre aus der Oper „Josef" von Mehul setzte die Feier ein. Nach Rezitierung des von Alfred Nossig gedichteten Prologs „Die Makkabäer" wurden alsdann von einem gemischten Chor mehrere Chöre aus dem ersten Teil des Händelffchen Oratoriums „Judas Maccabäus" gesungen. Die Gedenkrede hielt Dr. Franz Oppenheimer. Mit Worten innigster Begeisterung feierte der Redner die Heldentat der Makkabäer, die trotz Hohn und Spott am Glauben und an der Ueberlieserung festhielten, die sich treu blieben in furchtbarster Versuchung, und stellte in wirkungsvoller Weise diesen das Heldentum aus der jüngsten Zeit gegenüber, das über all dem Chaos von Blut und Mord als versöhnendes Licht leuchtet und das erste Morgenrot einer besseren Zukunft bedeutet. In den im Osten sich abspielenden Kämpfen wird zwar noch viel edles Blut fließen, aber das Ende dieses gewaltigen Kampfes wird die Befreiung Rußlands sein, die Freilegung der Bahn mit dem Aufstieg der Menschheit zu Glück und Gesittung. Nach der Gedenkrede, die begeisterten, wiederholten Beifall fand, wurden aus der Geschichte des jüdischen Volkes lebende Bilder unter Orchesterbegleitung vorgeführt, die von Hermann Struck und Regisseur Egon Brecher sehr wirkungsvoll gestellt waren. Besonders lebhaften Beifall fand darunter der nach der Skulptur von Alfred Nossig gestellte „ewige Jude", der, auf seinen Wanderstab gestützt, in Sturm und Wind die Thora durch die Jahrhunderte trägt. Sonderbarerweise war diesem Bilde als Orchesterbegleitung ein Fragment aus der Ouvertüre „Der fliegende Holländer" von Richard Wagner beigegeben. Den Höhepunkt der Feier bildete der von einigen hervorragenden Künstlern Berliner Bühnen dargestellte Schlußakt des Otto Ludwigffchen Trauerspiels: „Die Makkabäer"; besonders die Hauptrollen des Juda und der Lea fanden in Hans Marr vom Lessing- Theater und Frau Agnes Werner vom Kleinen Theater glänzende Interpreten. Nach Schluß der Feier gelangten dann noch an gemeinsamer Tafel jüdische Dichtungen zum Vortrag. A. W. Potsdam, 19. Januar. Ein schönes, in all seinen Teilen wohlgelungenes Fest durfte unsere Gemeinde in den letzten Tagen des verflossenen Jahres begehen: das 50jährige Bestehen der Odebrav kaälsebab. Ans kleinen Anfängen ist unsere Chebrah das geworden, was sie sein soll: „das Feld, auf dem alle Mitglieder der Gemeinde — ohne jede Ausnahme — brüderlich geeint für einander und mit einander wirken". Am 29. Dezember versammelte sich die Gemeinde zum Festgottesdienste in der Synagoge. Nach den einleitenden Gesängen hielt Herr Rabbiner Dr. Kälter die Festpredigt. Aufbauend auf dem Schriftverse: „Ihr sollt heiligen das fünfzigste Jahr: ein Jubeljahr sei es euch und ihr sollt zurückkehren, ein jeder zu seinem Besitze, ein jeder zu seinem Geschlechte, sollt ihr zurückkehren" (III B. M. 25, 10), wies er auf die hehre Bedeutung des Tages und auf die hoch-heiligen Aufgaben der Chebra hin und schloß mit einem innigen Gebet seine ergreifende Rede. Die deutsche Keduschah, vom Synagögen-Gesangsverein sehr gut vorgetragen, und die Sabbathgebete beschlossen die synagögale Feier. Am 31. abends rüstete man in allen Häusern der Gemeinde zum zweiten Teil der Jubiläumsfeier: Festspiel und Festmahl mit anschließendem Ball. Ein echt poetischer Prolog, verfaßt vom Dichtergreise Geheimrat Bernhard Zielenziger, leitete zum Festspiel über: „Jüdisches Leben", verfaßt von Herrn Rabbiner Dr. Kälter. Die drei Personen des Festspieles verkörperten die drei Lebemelemente des Judentums: der Rabbi den Glauben, der Genius die Pietät, der Marschallik den Humor. Zu ihnen gesellt sich ein Knabe: der Vertreter der Zukunft. Der alte Rabbi verzweifelt an seinem Volke. Aber der Genius erinnert ihn an ein Gut, das „in aller Welt so stark, so frei von Fehl nur in Judas Reihen" gefunden wird; „dies hehre Gut ist Judas Pietät." Und zum Beweise rührt er mit seinem Zauberstabe die Vergangenheit. „Ein jüdisch Leben, wie einst war, ersteht — zur Gegenwart rust's Eure Pietät." Nunmehr ziehen 6 der unvergleichlichen Oppenheimerschen Familienbilder (Freitagabend, Sabbat-Ruhe, Purimfest, Sederabend, Kolnidre, Laubhüttensest) als lebende Bilder über die Bühne, sinnig verknüpft durch die Reden der Darsteller, begleitet von sinngemäßen jüdischen Melodien. Den Schluß bildete der Reigen der Chanukahlichter, getanzt von acht jungen Damen, und ein lebendiger, von Erwachsenen und Kinder gestellter Chanukahleuchter als Apotheose. Unvergessen wird allen Anwesenden dies Festspiel bleiben, das sich, in seiner Gedankentiefe und farbenprächtigen Sprache weit über ein bloßes Gelegenheitsstück erhob und besonders die Oppeuheimerschen Bilder in ihrer schlichten, edlen Schönheit, die „die Wahrheit ersetzen mußte", mit rührender Kraft zu den Herzen sprechen ließ. Warmer Tank gebührt vor allem Herrn Rabbiner Dr. Kälter, der das Festspiel verfaßt hat und seit Wochen unermüdlich tätig war, um dem Feste ein gutes Gelingen zu sichern, dann Herrn Emil Lind vom Neuen Theater in Berlin, der als Regisseur seine hohen künstlerischen Fähigkeiten in den Dienst der Sache gestellt hat, schließlich — lest not but least — den mit edelster Begeisterung und besten Kräften ihre Rollen verkörpernden Darstellern der Festdichtung, sowie den zahlreichen Erwachsenen und Kindern der Gemeinde, tue freudig und eifrig bei der Aufführung der lebenden Bilder sich beteiligt haben. Diesem Dank und noch vielem anderen gaben, nachdem Herr Rabbiner Dr. Kälter der Jubilarin sein Glas geweiht, bei dem nun folgenden Festmahle die Tischredner (die Herren Bankier Hirschberg, Justizrat Friedländer, Fabrikbesitzer Nathan, Rechtsanwalt R. Josephson, Bankier P. Bernhard und Kaufmann H. Hirschburg) — in ernster und heiterer Weise beredten Ausdruck. Und erst in früher Morgenstunde schied die fröhlich geeinte Gemeinde. — Posen, 15. Januar. Eine Anzahl konservativer Stadtverordneter hat vor einigen Wochen den Antrag gestellt, 2000 Mark für die Opfer der russischen Judenverfolgungen aus städtischen Mitteln zu gewähren.^ Der Magistrat hat hierauf eine Vorlage eingebracht, 1000 Mark für die russischen Juden und 3000 Mark für die Deutschen in Rußland zu bewilligen. Nachdem Rechtsanwalt Placzek namens der freisinnigen Fraktion erklärt hatte, daß sie für die Anträge stimmen werde, wurde zuerst von polnischer Seite, dann von dem konservativen Stadtverordneten Rechtsanwalt Hartwig Widerspruch erhoben. Als Letzterer erklärte, daß man unter keinen Umständen für Ausländer, er meinte die Juden, wohl aber für die stammesverwandten Deutschen in Rußland Gelder geben dürfe, er daher beantrage, die gesamten 4000 Mark dem Hilsskomitee sür Ansiedlung russischer Deutschen in Posen zu überweisen, erklärte die freisinnige Fraktion, daß sie nunmehr geschlossen gegen beide Anträge stimmen werde, weil die Art und Weise der Behandlung solcher Anträge seitens des Rechtsanwalts Hartwig und des polnischen Redners eine geradezu empörende sei. Hierauf wurden beide Teile des Magistratsantrages abgelehnt. bg. Bromverg, 14. Januar. Die Handelskammer für den Kreis Bromberg wählte in der jüngst stattgehabten Plenarsitzung ihren

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